
Die iranische Friedensnobelpreisträgerin und Rechtsanwältin
Shirin Ebadi ermuntert im
Interview die Frauen in Tunesien und noch mehr in Ägypten - wo sie stärker unterdrückt werden - sich für ihre Rechte einzusetzen. Sie dürften es nicht zulassen, dass man sie zwingt, zwischen
ihren Rechten und
dem Islam zu wählen. Der Iran habe gezeigt, wo das hinführt. Und eines Tages würden auch Männer mit ihnen demonstrieren, wie im Iran. "Ich hatte einige männliche Mandanten, die zu Frauendemonstrationen gingen und deshalb verhaftet und ins Gefängnis gesperrt wurden. Der
Kampf für Frauenrechte und für Demokratie verläuft parallel. Es sind zwei Seiten einer Medaille. Und Frauen, die für Gleichheit kämpfen, sind Teil des Gewebes der Demokratie. Iranische Männer haben das verstanden. Sie wissen, dass der Sieg der Frauenrechte der
Beginn der Demokratie ist."
Der Fernsehjournalist Andrei Loshak
beschreibt an einem ganz banalen Fall das
russische Justizsystem - in diesem Fall das Moskauer unter dem Vorsitz von
Olga Yegorova - als Alptraum. Es geht um einen Streit in einem Taxi, der mit eingeschlagenen Scheiben und einer
blutigen Nase endete. Die Kontrahenten hatten sich nach einer Nacht im Gefängnis beruhigt und nicht viel vorzuwerfen. Die Justiz sah das anders. "Anwälte sagen, in Russland
verhaftet zu werden, sei mehr oder weniger dasselbe wie
verurteilt zu werden. Das läuft so: Das Gericht akzeptiert
90 Prozent der Anträge auf Haftstrafen. Das heißt, eine Ablehnung gilt als ernsthafter Vorfall, der zu professionellen Kompetenz-Untersuchungen und Ermahnungen führt. Ein Urteil, das
nach einer Verhaftung "Nicht schuldig" lautet, ist ein noch ernsterer Vorfall, denn es legt nahe, dass das Gericht einen Fehler gemacht und einen Unschuldigen ungerechterweise der Freiheit beraubt hat. Das ist ein Skandal. Der Unschuldige wird Entschädigung fordern. Wer braucht das? Darum ist das russische Rechtssystem
Dantes Inferno."
Außerdem: In der
Türkei ist die Zahl der Anschläge auf Frauen in den letzten sieben Jahren um
1400 Prozent gestiegen,
berichtet Sertac Sehlikoglu. Der brutale Krieg in
Tschetschenien hat dazu geführt, dass im Kaukasus
islamische Fundamentalisten erst so richtig Oberwasser bekommen,
schreibt Andrei Piontkovsky. Elena Strelnikova
beschreibt die Geschichtsvergessenheit der Russen (ihr Artikel ist mit einem erstaunlichen Bild von
Lenin im blaukarierten Schlafanzug mit Puschen bebildert!)