
Der
Serienboom der letzten Jahre wirkt sich maßgeblich auf die Strukturen des Medienbetriebs aus, erfahren wir in einer epischen, aber in jedem Absatz lesenswerten und informativen
Reportage von Josef Adalian und Maria Elena Fernandez. Binnen weniger Jahre hat sich die Zahl der produzierten Serien von etwa 200
auf über 400 verdoppelt, was einerseits mehr Arbeit für mehr Leute bedeutet sowie für einige Kinostars neue Arbeit für grandiose Honorare. Das Nachsehen haben die alten Fernsehschauspieler und viele Drehbuchautoren, da die Sender und Studios die gestiegenen Kosten durch kürzere Staffeln ausgleichen. Vor allem aber steht das Konzept der
Syndizierung, das es den Showrunnern auch mittelmäßiger Serien im Falle einer Wiederholung in den Kabel- und Lokalsendern gestattete, fürstliche Tantiemen einzustreichen, mit der gewachsenen Marktkraft von
Netflix und Co zur Disposition: Denn "Netflix, wo man sehr betont, dass es ihnen gleich ist, ob die Nutzer sich eine neue Serie am Erscheinungstag
oder erst ein Jahr später ansehen, hat kein Interesse daran, die eigenen Serien zu syndizieren. Serien wie 'House of Cards' oder 'Orange is the New Black' sollen auf Jahre hinweg auf
Netflix stattfinden und zwar ausschließlich auf
Netflix. 'Es geht ihnen nicht darum, ein Geschäft auf der Grundlage einer Anlage aufzubauen', erklärt ein Mitarbeiter einer Agentur über den Streaming-Riesen. 'Es geht ihnen darum, ein
Geschäft mit monatlichen Mitgliedsbeiträgen aufzubauen, also Netflix selbst zu dieser Anlage zu machen. Der ganze, langfristig abschöpfbare Wert, der aus den Serien entsteht, geht ein in den Gesamtwert des Programmanbieters. Das ist ein enormer Unterschied zu dem, wie der Rest der Branche funktioniert.'"