Magazinrundschau - Archiv

New York Magazine

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Magazinrundschau vom 26.04.2016 - New York Magazine

"Identitätspolitik" wird, je nachdem, positiv oder negativ gesehen. Negativ, wenn hässliche weiße Menschen nationale Grenzen gegen Migranten schließen wollen, positiv, wenn alle, die nicht hässliche weiße Menschen sind, ihre Differenz (oder eben Identität) markieren. In der Kunst ist das seit der Whitney-Biennale 1993 Thema Nummer 1, meint Kunstkritiker Jerry Saltz. Sie habe das Ruder herumgerissen, und die etablierte weiße Kunstkritikerschaft lauthals protestiert. Doch die von Elisabeth Sussman kuratierte Schau, so Saltz, "hatte eine einzigartige Vision. 'Künstler beharren, erkenne dich selbst', schrieb der damalige Direktor David A. Ross im Katalog, 'mit allen denkbaren Mitteln'. Und das taten sie. Robert Gobers handgemachte Zeitungen mit Überschriften über die Gefahr, die Schwule für die Ehe sind, Pat Ward Williams' graffitiähnliches Mural mit fünf schwarzen Männern, die fragen 'What You Lookn At', Pepón Osorios Installation eines ärmlichen Latinoheims mit einer Leiche unter blutigem Laken - 'Szene eines Verbrechens'. Und woanders spielte das Video der Polizei von Los Angeles, die Rodney King schlug, ohne Kommentar." Ob man mit Saltz einverstanden ist oder nicht - er liefert in seinem Artikel eine nützliche Übersicht über diese Strömung in der Kunst.

Magazinrundschau vom 01.03.2016 - New York Magazine

2009 gab es zum ersten Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten mehr alleinstehende Frauen als verheiratete. Die Entwicklung dieser neuen Population - erwachsene Frauen, die weder ökonomisch noch sozial, sexuell oder bei der Fortpflanzung definiert sind durch einen Ehemann - hat enorme soziale und politische Folgen, erklärt Rebecca Traister. Denn diese Frauen wählen pragmatisch und sie wählen links. "Es ist nicht das erste Mal, dass alleinstehende Frauen einen solch dramatischen Einfluss auf das Land haben. Wenn ihre Zahl wuchs, gab es in der Geschichte immer Veränderungen. Im 19. Jahrhundert, als der Bürgerkrieg und der Zug nach Westen das Zahlenverhältnis der Geschlechter durcheinanderbrachte, sanken die Heiratszahlen weißer Mittelklassefrauen und das Heiratsalter erhöhte sich. Unbeschwert von der Verantwortung für Ehemann und Kinder taten diese Frauen, was sie gelernt hatten: sie widmeten sich öffentlichen Angelegenheiten, in diesem Fall den Reformbewegungen. Viele, wenn auch längst nicht alle, die den Kampf für die Abschaffung der Sklaverei, für Emanzipation und gegen das Lynchen führten, die neue Colleges für Frauen gründeten und leiteten (Mount Holyoke, Smith, Spelman), die als Pioniere in neuen wissenschaftlichen Feldern arbeiteten, waren unverheiratet. Susan B. Anthony; Sarah Grimké; Jane Addams; Alice Paul; Catharine Beecher; Elizabeth Blackwell: Keine dieser Frauen hatte einen Ehemann. Viele andere Aktivistinnen führten Ehen, die zu jener Zeit als sehr unkonventionell galten - kurz, offen oder erst geschlossen, nachdem sich diese Frauen ökonomisch und professionell bereits etabliert hatten."

Magazinrundschau vom 11.08.2015 - New York Magazine

Im neuen Heft des New York Magazine stellt uns David Marchese den griechischen Geschäftsmann Alki David vor, der komplette Bühnenshows mit Legenden wie Ray Charles, Elvis oder Jim Morrison plant - als Hologramme, versteht sich. Eine ganz neue, durchaus praktische Art der Celebrity-Vermarktung oder bloß seelenloser Zirkus? "Was vermag ein Hologramm und wo sind die Grenzen? Gut möglich, dass Davids Technologie dereinst ein Abbild des Stars erschaffen kann, das vom Original nicht mehr zu unterscheiden ist, eins, das sich fließend bewegt und die perfekte Performance abliefert. Aber wie lebensähnlich auch immer, ein Hologramm wäre doch immer nur "ähnlich", nicht echt. Auch wenn das Hologramm einer Amy Winehouse noch so pünktlich und immer nüchtern wäre, der charismatische Funke fehlte doch wohl, oder nicht? Mitnichten, meint David, es kommt auf die Qualität des 3D-Modells an, genau wie bei den Wachsfiguren von Madame Tussaud"s. Und die sind immerhin schon seit über 200 Jahren erfolgreich."

Außerdem: Kerry Howley verrät die Zukunftspläne einer rastlosen Serena Williams. Und Rebecca Traister beschreibt die Schwierigkeiten kontrollierter Elternschaft in den USA.
Stichwörter: Hologramm, Zirkus

Magazinrundschau vom 30.06.2015 - New York Magazine

Im aktuellen Heft des New York Magazines vergleicht Jonathan Chait die gegenwärtigen kulturellen und politischen Veränderungen in den USA mit der Hippie-Ära und sieht eine rundherum positive Entwicklung: "Die 1960er bieten eine gute Parallele zu den heutigen Entwicklungen. Damals gab es wie heute eine verstärkte aktivistische Partizipation in der Wirtschaft (Obamacare, stärkere Regulation der Wallstreet und der Treibhausgase) sowie neue Gesetze, Rechte und Haltungen, die sich organisch in der Gesellschaft verbreiten. In kurzer Zeit ist relativ viel passiert." Und trotz der vielen Beispiele für unverhältnismäßigen Waffengebrauch in jüngster Zeit sei selbst die Polizei heute stärkeren Kontrollen unterworfen: "Smartphones und soziale Medien haben diese Veränderungen mit in Gang gebracht. Youtube und Handykameras haben zu Reformen der Ordnungskräfte geführt, Polizisten können für ihr Tun haftbar gemacht werden wie nie zuvor. Alle diese Entwicklungen haben auch einen illiberalen, autoritären Geschmack; political correctness ist die Folge, wenn die Linke die Subkultur bis zu einem Punkt dominiert, wo jeder Widerspruch unmöglich wird. Doch die wesentliche Stoßrichtung der Entwicklung geht dahin, individuelle Freiheit zu erweitern, nicht einzuschränken."

Magazinrundschau vom 16.06.2015 - New York Magazine

Lisa Miller fragt sich im aktuellen Heft, ob und wie Papst Franziskus sein Einstehen gegen Ungleichheit und Unrecht mit den rigiden Machtstrukturen des Vatikans vereinbaren kann. Allein das Ritual einer Messe auf dem Petersplatz in Rom lässt sie zweifeln, auch wenn via App jeder die Liturgie verstehen kann: "Die Modernität und Globalität des Ganzen kollidierte sichtbar mit dem antiken Ritual vor meinen Augen. Franziskus mag Bescheidenheit und Liebe predigen, aber das hier sprach eine andere Sprache, die einer uralten hierarchisch organisierten Institution, die sich ganz unironisch als patriarchisch versteht, Macht ansammelt und Begünstigungen, die Sakramente zum Beispiel, an ihre Anhänger verteilt. Während die Menge gegen die Absprerrung drängte, wurde VIPs der Zugang in die Nähe des Altars gewährt, andere wurden von der Security auf Abstand gehalten. Innerhalb der Absperrung promenierten diejenigen, die ihr Leben Gott geweiht hatten, wie seltene Vögel, Hunderte von ihnen, gewandet in Kostüme aus fernen Zeiten, die ihren Rang symbolisierten, für den Laien rätselhaft … All diese Leute hatten ihren Platz unweit des Altars, in Sichtweite zum Pontifex, der schließlich, gekleidet in Weiß und Gold, auf einem weißen Sessel Platz nahm - einem Thron."

Magazinrundschau vom 02.06.2015 - New York Magazine

Während McDonald"s vielerorts rote Zahlen schreibt und Burger King Filialen schließt, schießen kleine Burger-Läden wie Pilze aus dem Boden. Benjamin Wallace erzählt, wie sich der Hamburger vom Fast Food zum Gericht des 21. Jahrhunderts mauserte. Schuld daran ist - wer hätte es gedacht - ein Franzose: "Über den Ursprung des Burgers hat es endlose gelehrte Debatten gegeben, aber der erste telegene Burger eines berühmten Kochs ist unstrittig der DB Burger von Daniel Boulud. Im Jahr 2000, als sein DB Bistro Moderne in New York kurz vor der Eröffnung stand und Globalisierungsgegner in seinem Heimatland Frankreich eine McDonald"s-Filiale verwüsteten, nahm Boulud sein Gastland in Schutz: "Die Franzosen wünschten, sie hätten McDonald"s erfunden", sagte er der Times. Er beschloss, einen Burger zu kreieren, als interkulturelle Verständigung auf einem Brötchen, der die anspruchsvollen Techniken und Zutaten aus Frankreich mit amerikanischer Schlichtheit verbinden sollte: "Ich wollte einen Burger erschaffen, zu dem man Rotwein trinken konnte", erzählte er mir. "Das war meine Obsession. Ein Hamburger für Erwachsene.""

Magazinrundschau vom 07.04.2015 - New York Magazine

Jason Zengerle hat zwar durchaus seine Zweifel, ob Hillary Clinton wirklich so gute Kandidateneigenschaften für das Amt des amerikanischen Präsidenten hat, aber letztlich mag das gar nicht der entscheidende Faktor sein - zumindest nicht, wenn man Alan Abramowitz" Voraussagemodell kennt. Danach kommt es nur auf ein paar Faktoren an: die Zustimmungsrate für den vorhergehenden Präsidenten, wenn er aus der selben Partei kommt, das Wachstum des Bruttosozialprodukts in Quartal vor der Wahl und die Anzahl der Präsidentschaftmandate der gleichen Partei, und er zitiert Abramowitz: ""Wenn Obamas Zustimmungsrate bei 50 Prozent bleibt und die Wirtschaft im Herbst 2016 einigermaßen wächst - was beides möglich, wenn nicht wahrscheinlich ist - dann glaube ich an eine gute Chance für Hillary Clinton."" Aber dann gibt es noch einen weiteren Faktor, nämlich vier Prozent Amtsbonus für seine zweite Amtszeit, "den Obama 2012 verbuchen konnte und der für Clinton ausfällt. Mit anderen Worten: Es wird extrem knapp." Und dann kommt es eben doch auf die Eigenschaften des Kandidaten an.

Magazinrundschau vom 10.02.2015 - New York Magazine

Carl Swanson porträtiert Joni Mitchell, die sich Sorgen um ihr künstlerisches Erbe macht, eine CD-Kassette mit dem Besten aus ihrem Lebenswerk vorlegt und erzählt, wie sie sich Anfang der Siebziger modisch neu orientierte: "Als ich dieses Hippie-Ding aufgab, fing ich an Yves Saint Laurent zu tragen, die Sachen waren ein bisschen teuerer, muss man wohl sagen. Aber immer noch sehr lässig, so wie ich sie trug, denn ich trug sie in meiner ganz eigenen Weise. Und Warren, der damals mit Julie Christie ging, sagte, dass meine Handtasche, die von Chanel war, so eine Chanel-Clutch mit Kreuznähten, ein hübsches Design. Julie trug eine Military-Tasche aus Khaki. Warren sagte, meine Tasche passe nicht zu einer Künstlerin. Ja, soll ich meine Individualität aufgeben, um zum Club zu gehören?"

Dazu passt Sally Feldmans schon etwas ältere Geschichte aus dem New Humanist: die Handtasche als Vehikel der Frauenbefreiung.

Magazinrundschau vom 03.02.2015 - New York Magazine

Political Correctness und des Identitätsdiskurse machen zunehmend auch Liberale und moderate Linke mundtot, schreibt Jonathan Chait in einem Essay für das New York Magazine. Wenn die Vagina-Monologe nicht mehr aufgeführt werden, weil sie Frauen ohne Vagina diskriminieren, ist langsam das Ende der Fahnenstange errreicht, meint er und beschreibt weitere Beispiele, die bis hin zu einer generellen Infragestellung der Meinungsfreiheit führen. "Das sind extreme Vorstellungen, aber sie sind weder isoliert noch marginal. Ein häufig zitiertes Editorial aus dem Harvard Crimson forderte im letzten Jahr das Ende der akademischen Freiheit, wenn diese Freiheit verwerfliche Ideen zulässt. "Wenn unsere universitäre Gemeinschaft gegen Rassismus, Sexismus und Heterosexismus ist, warum", fragt der Autor, "sollen wir dann Forschung zulassen, die unseren Vorstellungen im Namen irgendeiner "akademischen Freiheit" widerspricht?" Nachdem Michelle Goldberg in The Nation eine "wachsende linke Tendenz zur Zensur und haarspalterischem Beleidigtsein" diagnostizierte, antwortete ihr die Rutgers Professorin Brittney Cooper in Salon: "Die Forderung, vernünftig zu sein, ist eine unehrliche Forderung. Schwarze haben mit Weißen seit ewig vernünftig diskutiert. Rassismus ist unvernünftig und das bedeutet, Vernunft ist eine beschränkte Waffe im Kampf dagegen.""

Magazinrundschau vom 16.12.2014 - New York Magazine

Dick Cheney zeigt sich uneinsichtig, was die erweiteren Verhörmethoden der CIA im Irak, vulgo: Folter, während seiner Zeit als Bush-Vize anbetrifft. Den soeben veröffentlichten Senatsbericht nennt er "Müll". Jonathan Chait entdeckt den besten Beweis für die Folterbereitschaft der Bush-Administration in Cheneys Reaktion: "Auf Fox News wies Cheney die Vorwürfe nicht mehr nur einfach zurück, noch schob er, wie so viele andere Republikaner, George W. Bush vor. Der Interviewer Bret Baier konfrontierte Cheney mit Bushs Unbehagen, das dieser beim Anblick eines an die Kerkerdecke gefesselten Häftlings verspürt haben soll, den man zwang, sich selbst zu besudeln. "Was hätten wir tun sollen? Ihn auf die Wangen küssen und ihn bitten, uns zu sagen, was er weiß? Natürlich nicht. Wir haben genau das getan, was getan werden musste, um die Verantwortlichen für 9/11 zu schnappen und weitere Angriffe zu verhindern und beides ist uns gelungen", so Cheneys Antwort. Das ist Cheneys brutale moralische Logik grell ausgeleuchtet. Wenn seine Gefolgsleute die Augen verschließen gegenüber der schrecklichen Wahrheit, deutet das immerhin auf eine menschliche Reaktion hin. Cheney versteht nicht einmal, wieso jemand wegschauen sollte. Seine Seele ist ein kaltes, schwarzes Nichts."

Weitere Artikel: Adrian Chen überlegt am Beispiel von Ferguson, ob Livestreaming die Zukunft der Medien oder die Zukunft des Aktivismus ist. Außerdem nennt das Magazin gute Gründe, New York zu lieben: Hier können Teenager Millionäre werden und Vorschulkinder Clubben gehen. Na bitte. Weitere Gründe hier.