
Der überwältigende Enthusiasmus von Peter Esterhazy als Fußballfan trug sicherlich dazu bei, dass die
ungarische literarische Nationalelf im Berlin beim Spiel gegen Deutschland am 20. Mai ein zweites
Wunder von Bern verhindern konnte. Das Ergebnis endete 0:0, aber die Ungarn waren viel besser als die Deutschen,
findet der
Schriftsteller Laszlo Darvasi, der selbst mitgespielt hatte: "Die Deutschen spielten in der zweiten Hälfte gar nicht mehr aufs Tor, während unsere Mannschaft mehrere herzzerreißende Torchancen an den Himmel verschenkte. Wir können mehrere Zeugen benennen, die aussagen, dass unsere Mannschaft
wirklich besser spielte, als die im Durchschnitt zehn Jahre jüngeren deutschen Schriftsteller." Denn die literarische Nationalelf Ungarns bestand aus Männern "mit gemeinen, immer hartnäckigeren Polstern um die Hüften, traurigen Füllungen in den Zähnen, immer tieferen Falten,
Jammerromane, Schnupfenfeuilletons und Trauerspiele schreibend."
Imre Kertesz feiert eine große Budapester Konzertreihe für zeitgenössische Musik, die mit Werken des ungarischen
Komponisten György Ligeti eröffnet wurde: "Dieser Name war für mich lange nur ein Wort, das durch die
Dunkelheit von Verboten schimmerte. György Ligeti: die unerreichbare Quelle wunderschöner, geheimer Töne. Seine Musik war Jahrzehnte lang aus allen Konzertsälen, Musikhochschulen, Radiosendungen Ungarns
verbannt. Die Nachwelt wird bestimmt die Frage stellen: Wie ist es denn nur möglich, dass dieses Land so verschwenderisch mit seinen Talenten umging?" Die Konzertreihe ist das erste große Projekt des Vereins Neue Ungarische Musik (UMZE), der 2005 unter anderem von György Kurtag, Peter Eötvös und Andras Szöllösy mit dem Ziel begründet wurde, die zeitgenössische ungarische Musik
in Ungarn bekannt zu machen.
Die
Stasi-Unterlagen sollten in Ungarn endlich frei zugänglich werden, wie in der ehemaligen DDR,
fordert der Historiker Laszlo Varga:
Der erste Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen der DDR, "
Joachim Gauck und seine Mitstreiter haben der Staatsmacht ihr Informationsmonopol entzogen. Dies war in Ungarn nicht möglich, weil sich die Stasi hierzulande hinter der 'Polizei' versteckte, mit der sich eng verflochten war. In Deutschland wusste jeder, wo die Stasi 'wohnt', aber wir hatten keine Ahnung. ... In den letzten zehn Jahren bekamen die Bespitzelten in Ungarn immer mehr Rechte, die Historiker dürfen immer freier recherchieren. Aber das Wichtigste, der Zugang zu den Stasi-Unterlagen und die oft beschworene Bewältigung der Vergangenheit bleibt weiterhin aus."