Miklos Radvanyi, Vizepräsident des amerikanischen
Frontiers of Freedom Institute,
diagnostiziert eine grundlegende
Krise der Demokratien in Mittel- und Osteuropa: "Das 'Neue Europa' stellte sich als Wunschtraum einiger wohlmeinender Politiker heraus. Die Unruhen in der
Budapester Innenstadt demonstrierten, wie gefährlich unstabil die ungarische Demokratie ist. Die schwere politische Krise in
Polen, die Gelähmtheit der tschechischen, der extreme Nationalismus der
slowakischen Regierung, die beinahe lächerlichen Zustände in
Bulgarien und
Rumänien, das Scheitern der Orangen Revolutionen in
Kiew und
Tblissi zeigen, dass die institutionellen und wirtschaftlichen
Grundlagen der
Demokratie angelsächsischen Typs in diesen Ländern fehlen."
ES-Chefredakteur
Zoltan Kovacs kritisiert den Unternehmer
Gabor Szeles, Mehrheitseigentümer von
Magyar Hirlap, einer der wichtigsten Tageszeitungen Ungarns, weil er Chefredakteuren und führenden Publizisten gekündigt hat, um die politische Linie der Zeitung seinem Geschmack anzupassen. "Die
New York Times ist eine der Zeitungen mit dem größten Ansehen weltweit, aber das ist auch das Verdienst der Eigentümer. Für sie ist die Presse mehr als nur ein Geschäftsunternehmen, mehr als nur ein Instrument politischer Einflussnahme... Macht ist für sie nicht das Ziel, sondern ein Mittel, um dem Gemeinwohl zu dienen. Die
New York Times fördert Aufdeckung statt Verschweigen, Solidarität statt Komplizenschaft. Die Interessen der Familie Sulzberger und der Gesellschaft widersprechen sich nicht - auch wenn in Streitfällen Arthur Sulzberger immer das letzte Wort hat."
Weiteres: Der Verfassungsjurist
Istvan Lövetei plädiert im Interview dafür, das Versammlungsrecht in der ungarischen Verfassung zu reformieren und
bezahlte Demonstrationen zu verbieten. Andras B. Vagvölgyi
findet es richtig, dass die Aufsichtsbehörde ORTT den privaten Fernsehsender
Hir TV zu einer Geldstrafe verurteilt hat, weil er die Unruhen in Budapest mehrmals als "
Revolution" bezeichnete. Der Novellenband "Transit" der jungen Autorin
Noemi Kiss wird als Revolution des weiblichen Schreibens
gepriesen (hier ein Text von Kiss über eine
Reise in die
Bukowina) und "Endlich eine gute Ehe", der 1929 entstandene Roman des völlig vergessenen Schriftstellers
Akos Molnar, als Wiederentdeckung der Saison
gefeiert.