Magazinrundschau - Archiv

Atlantic

234 Presseschau-Absätze - Seite 21 von 24

Magazinrundschau vom 16.09.2008 - The Atlantic

Jed Perl verabschiedet Philippe de Montebello, der mit 72 Jahren in den Ruhestand geht und dessen Erfolgsrezept als Chef des New Yorker Metropolitan Museum darin bestand, das Publikum nicht zu unterschätzen. "Dies war ein goldenes Zeitalter, obwohl die staatlichen und privaten Zuwendungen schrumpften und die Überzeugung unter den Kulturkoryphäen wuchs, dass sich die Öffentlichkeit eher um die neueste Pop-Sensation scharen werde als um die Kunst der Vergangenheit. De Montebello gehörte aber nicht zu den Pessimisten. Er hielt nichts von der Idee, dass Leben und Sterben eines Museums von einigen massiv beworbenen Blockbuster- Veranstaltungen abhängt. Wie er mir im Mai sagte, operierte er unter der Maßgabe, dass 'das Publikum viel schlauer ist als andere ihm zubilligen. Die Öffentlichkeit ist intellektuell neugierig. Und die Leute wissen sehr wohl zwischen einer ernsthaften Ausstellung und reiner Augenwischerei zu unterscheiden.'"

Weiteres: James Fallows reist durch den Westen Chinas, zusammen mit zwei taiwanesischen Geschäftsmännern, die sich vorgenommen haben, diesen rückständigen Landstrich mit seinen 300 Millionen Einwohnern ins 21. Jahrhundert zu katapultieren. Benjamin Schwarz reibt sich vor Freude die Hände über Christian Landers Blog "Stuff White People Like", das die Trends im Lager progressiver weißer Mittelschichtsschichtsliberaler festhält. Große Momente der Menschheitsgeschichte fasst Eric Hanson zusammen, von Prousts erstem Asthma-Anfall über Hitlers ersten "Lohengrin" bis zu Ronald Reagans Eintritt bei den Republikanern.

Magazinrundschau vom 19.08.2008 - The Atlantic

Faszinierende Einblicke in die gescheiterte Präsidentschaftskandidaturbewerbung Hillary Clintons bietet ein Dossier, für das in erstaunlicher Offenheit das Kampagnen-Team interne Dokumente freigegeben hat. Joshua Green hat sie gelesen und erzählt die Geschichte einer völlig unerwarteten Niederlage chronologisch nach. Er fasst zusammen: "Zwei Gedanken drängten sich mir nach der ersten Lektüre auf. Der eine war, dass die Kampagne, dem äußeren Anschein zum Trotz, eine klare Strategie besaß und weit vorausgedacht war... Der zweite war: Wow, das war sogar schlimmer, als ich vermutet hatte! Selbst die zurückhaltendsten Weisen Washingtons hatten sich von Wut und fatalen Obsessionen überwältigen lassen."

Nicht weniger faszinierend sind die von Lisa Margonelli vermittelten Einblicke ins Innere der Termiten - genauer gesagt in deren dritten Darm. Dort finden sich nämlich sonst unbekannte Mikrobenarten, die können, was der Mensch bisher nur unter massivem Aufwand leisten kann: Sie zerlegen Holz in Wasserstoff. "Geben Sie einer Termite diese Seite und ihre mikrobischen Helfer werden daraus zwei Liter Wasserstoff erzeugen, genug, um damit zehn Kilometer in einem Brennstoffzell-Auto zu fahren. Wenn wir Holzabfälle auch nur mit einem Bruchteil der Termiten-Effizienz in Treibstoff verwandeln könnten, wären wir in der Lage, unsere Wirtschaft aus Sägemehl, gemähtem Rasen und alten Zeitschriften in Gang zu halten."

Außerdem: Robert D. Kaplan informiert mit Hilfe von vier amerikanischen Experten über die Situation in Burma und Christopher Hitchens bespricht einen Band mit Norman Mailers Politreportagen aus dem Jahr 1968.

Magazinrundschau vom 17.06.2008 - The Atlantic

Unaufhaltsam scheint der Niedergang der Zeitungen in den USA. Und justament in dieser finsteren Situation möchte Rupert Murdoch, von allen Seiten beargwöhnt, das von ihm aufgekaufte Wall Street Journal zur Erfolgsgeschichte machen. Mark Bowden schildert die Umstände: "Wir sind gekommen, um zu expandieren, sagte er. Er kündigt an, mit dem umgebauten Journal nicht nur die New York Times als bedeutendste überregionale Tageszeitung abzulösen, sondern daraus die erste wirklich globale Zeitung zu machen. Das wäre Musik in den Ohren eines jeden Journalisten, deshalb mischte sich auch Hoffnung unter die Befürchtungen, die den Zuhörern Murdochs bei seiner Einstandsrede anzusehen waren. Er mag furchtbar sein, aber er ist reich und furchtbar, schlau und furchtbar, mächtig und furchtbar. Und er mag wahnsinnig sein, wenn er noch an die Zukunft von Print glaubt, aber er ist entschlossen und wahnsinnig."

Unter der Überschrift "Macht Google uns dumm?" fragt Nicholas Carr sich und Experten danach, wie das Scannen und Browsen im Internet unser Textverstehen, unsere Konzentrationsfähigkeit und letztlich unser ganzes Denken verändert.

Magazinrundschau vom 25.03.2008 - The Atlantic

Ross Douthat macht in einem längeren Essay die Feststellung, dass Hollywood durch den 11. September in die siebziger Jahre zurückgeworfen wurde - keine Konvulsionen des Patriotismus, statt dessen eher Verschwörungstheorien: "In den letzten sechs Jahren hat die Filmindustrie nicht einen einzigen Majorfilm produziert, der die amerikanischen Soldaten im Irak oder in Afghanistan verherrlichte.... Konservative hatten gehofft, dass der 11. September den guten Geist der vierziger und fünfziger Jahre zurückbringen würde, in denen Pearl Harbor nachgespielt wurde, um Patriotismus und Zusammenhalt zu erzielen. Viele Linke fürchteten, dass das Schlechteste aus dieser Zeit wieder zutage treten würde, Zensur, Konformismus, McCarthyismus. Aber stattdessen machte sich ein anderes Jahrzehnt wieder breit: die paranoiden, zynischen, endzeitlichen Siebziger. Wir erwarteten John Wayne, und wir bekamen Jason Bourne... Matt Damons Bourne vereinigt die Effizienz eines James Bond mit der Politik eines Noam Chomsky."

Andere Artikel in einem überaus lesenswerten (und seit neuestem wieder online gestellten) Magazin: Da ist die Cover-Geschichte über die Britney-Spears-Jagdindustrie, auf die wir schon hingewiesen haben. Lawrence Scott Sheets porträtiert einen russischen Schmuggler, der Ihnen Stockfisch, aber auch waffenfähiges Uran besorgen kann. Und Robert D. Kaplan fragt, ob Kalkutta als Kolkata (so heißt die Stadt jetzt) eine Wiederauferstehung feiern wird.

Magazinrundschau vom 26.02.2008 - The Atlantic

Eliza Griswold erzählt die große Geschichte von Öl und Religion - und zwar aus Nigeria. Hier liegen die zehntgrößten Ölreserven der Welt und die Frontlinie zwischen Islam und evangelikalen Christen. In der Stadt Yelwa kam es bei den letzten Wahlen zu einem Massaker mit 78 Toten. "Danach gaben die Christen ein Edikt heraus, dass christlichen Mädchen verbot, sich mit einem muslimischen Jungen sehen zu lassen. 'Wir hatten ein Problem mit gemischten Ehen', sagt Pastor Sunday Wuyep, ein Kirchenführer in Yelwa. 'Weil unsere Frauen ganz einfach dumm sind und auf Geld aus sind', seufzt er. Die Ökonomie begründet im Kern die Feindschaft zwischen den beiden Gruppen: als Händler und Hirten waren die muslimischen Jarawa viel wohlhabender als die christlichen Tarok und Goemai. Aber Pastor Sunday glaubt wie viele andere auch, dass die Muslime die Christen auslöschen wollen, indem sie sie über die Heirat konvertieren lassen. 'Es ist ein biblischer Kampf', sagt Sunday. Und deshalb haben er und andere Altvorderen beschlossen, die Frauen zu bestrafen."

Weiteres: Alan Wolfe gibt einen sehr instruktiven Abriss der Religion in der Weltgeschichte: "Jeder neue Ausbruch religiöser Leidenschaft, hat, während er einige für Offenbarung und Ekstase bedeutete, etablierte Loyalitäten zerstört, Intoleranz gefördert und zu Gewalt zwischen den Auserwählten und Verdammten geführt." James Fallows berichtet, dass China während der Olympisches Spiele seine Internetzensur lockern will, so dass ausländische Besucher nicht mitbekommen, was eigentlich alles verboten oder blockiert ist. Und Christopher B. Leinberger sagt eine Rückkehr zum urbanen Leben in den USA und den Niedergang von Surburbia voraus.

Magazinrundschau vom 18.09.2007 - The Atlantic

Eigentlich ist Michael Hirschorn, wie er versichert, in Sachen "Web 2.0" ja ein Skeptiker. Den großen Erfolg des social-network-Anbieters Facebook findet er allerdings nur zu begreiflich: "Mark Zuckerberg war 23 und studierte in Harvard, als er 2004 Facebook startete. Das Konzept lief darauf hinaus, das legendäre 'Facebook' der Studienanfänger in ein digitales Format zu bringen und Studenten zu ermöglichen, nicht nur die Fotos der anderen zu sehen, sondern auch zu flirten, sich zu vernetzen und zu interagieren. Als sich die Seite auf Anhieb als populär erwies, zeigte Zuckerberg eine erstaunliche Zurückhaltung und beschloss, sie erst einmal nur für andere Colleges und nicht für jedermann zu öffnen - zuerst die Elite-Schulen, dann weitere. Diese Ausweitungsstrategie selbst war schon genial, denn sie verzichtete auf bedingungsloses Wachstum zugunsten des Aufbaus wirklicher Gemeinschaften, deren untereinander wieder vernetzte Loyalitäten sie umso fester an Facebook banden. Schließlich wurde die Community auf High-Schools ausgedehnt, dann Firmen, nun steht sie jedermann offen."

Magazinrundschau vom 24.10.2006 - The Atlantic

In einem grandiosen und sehr langen Porträt beschreibt Joshua Green die Senatorin Hillary Rodham Clinton als "gerissene Manipulatorin übergroßer Egos", die es in ihren sechs Amtsjahren und zum Schrecken der demokratischen Partei meisterhaft gelernt habe, in den Washingtoner Zirkeln der Macht zu agieren. Zum Beispiel in evangelikalen Gebetskreisen, die besonders gern von konservativen Republikanern frequentiert werden. Clinton meldete sich prompt beim exklusivsten von allen an: "Senator Sam Brownback war an der Reihe, die Gruppe zu leiten. Er erhob sich, um über den Schrecken einer Krebserkrankung zu sprechen. Doch als er vor seinen Kollegen stand, entdeckte er Clinton und es überkam ihn der Impuls, das Thema seines Zeugnisses zu wechseln. 'Ich hatte mich heute darauf vorbereitet, über eine Erfahrung in meinem Leben zu sprechen, die großes Leid verursacht hat, die aber auch meinen Glauben gestärkt hat', erklärte Brownback nach den Worten eines Beobachters dieser Szene. 'Aber jetzt habe ich nur noch einen Gedanken'. Er gestand, dass er Clinton gehasst und abfällige Bemerkungen über sie gemacht hat. Doch durch Gott habe er seine Sünden erkannt. Dann drehte er sich zu ihr um und fragte: 'Mrs. Clinton, können Sie mir verzeihen?'" Seitdem klappt's mit den Republikanern.

Magazinrundschau vom 09.08.2004 - The Atlantic

Die Titelgeschichte klingt wie ein Märchen. Reporter Alan Cullisons Laptop ging 2001 in Afghanistan zu Bruch. Als er sich einen neuen Computer kaufte, stellte sich nach kurzem Gebrauch heraus, dass er zuvor im Hauptquartier von Al-Qaida benutzt worden war. Glück muss der Mensch haben! Auch nachdem der amerikanische Geheimdienst den Laptop auseinandergenommen hatte, blieben genug Dokumente, Briefe und Fotos auf dem Rechner, um "einen faszinierenden Einblick in das tägliche Büroleben und die privaten Angelegenheiten der Männer zu gewinnen, die Al-Quaida bilden." (Etwas mehr über den Hintergrund der Geschichte erfährt man aus einem Artikel von 2002 im San Francisco Chronicle. Einen Link zum vollständigen Artikel von Cullison aus Atlantic Monthly finden Sie hier.)

Eric Alterman liefert auf vierzehn Seiten eine detaillierte Reportage über Hollywoods Engagement für die Demokraten: "Von 1989 bis zum Start der jetzigen Wahlrunden hat Hollywood der Partei nur für überregionale Wahlen 100 Millionen Dollar gegeben - das kommt nahe ran an die 114 Millionen Dollar, die die Republikaner von ihren Freunden aus der Öl- und Stromindustrie erhalten." Und im Gegensatz zu fast allen anderen Spendern, erwarten die Leute aus Hollywood "keine so konkrete Gegenleistung wie Steuersenkungen oder eine Verwässerung von Regulierungen." Brad Whitford, Schauspieler in der Serie "The West Wing", hat sogar ein eigenes Anti-Bush-Commercial gedreht. "Hübsches Haus mit Palmen im Hintergrund, die Musik schwill an wie in Bushs post-9/11-Commercials. Whitford grüßt die Zuschauer: 'Willkommen in meinem Haus. Hi. Ich bin sehr glücklich in einer Fernsehshow arbeiten zu dürfen. In diesen Zeiten von Terror und steigenden Haushaltsdefiziten, wo unser Präsident Kürzungen in den Zuwendungen für Veteranen und Kinder angekündigt hat, habe ich eine Steuererleichterung von über hunderttausend Dollar erhalten! Unterstützten Sie die Hollywood Elite. Wählen Sie George Bush.'" 

Online lesen dürfen wir noch einen weiteren Artikel: Ryan Lizza erklärt, warum Barack Obama bei den Demokraten mehr Aufregung auflöst als John Kerry. Hier ein paar Gründe: Der 43-jährige Bürgerrechtsanwalt, der für Senatssitz von Illinois kandidiert, ist der Sohn eines Ziegenhirten aus Kenia, aufgewachsen in Hawai und Indonesien, erster schwarzer Präsident der Harvard Law Review. Erwähnten wir schon, dass er gut aussieht? Und außerdem hat er noch die Fähigkeit, "städtische Schwarze, Vorstadt-Moms und republikanische Zahnärzte gleichermaßen anzusprechen".

Nur im Print: Reuel Marc Gerecht beklagt die Arroganz, den Dogmatismus und Antiamerikanismus der irakischen Schiiten und hofft, dass sie bei den Wahlen haushoch verlieren werden. Ein Interview mit Colin Powell über den Irak, den Kalten Krieg und seinen Platz in der Regierung. Alexandra Starr stellt uns Magnolien aus Stahl vor: Die Demokratinnen Inez Tenenbaum, Blanche LincolnMary Landrieu und Kathleen Blanco punkten in den Südstaaten, wo ihre männlichen Kollegen den Kampf gegen die Republikaner schon aufgegeben haben. Und Christopher Hitchens bespricht Edwin Williamsons "erstklassige" Borges-Biografie (Viking).

Magazinrundschau vom 14.06.2004 - The Atlantic

Warum sind Wahlwerbespots immer so schlecht? Joshua Green wundert sich, warum sich seit den fünfziger Jahren weder die Texte noch der Ton verändert haben. Dabei gebe es durchaus Werbeleute, die neue Formate geschaffen hätten. Zum Beispiel John Brabender, dessen Spot "Ski Patrol" für eine Bush-Kampagne angedacht war, aber nie ausgestrahlt wurde. "Es beginnt mit einer Kameraeinstellung auf blauen Himmel und unverfälschte Alpenlandschaft. 'Howard Dean wurde ein Aufschub des Wehrdienstes gewährt, nachdem er in einem Musterungsbüro mit einer Röntgenaufnahme aufgetaucht war, die belegte, dass er einen schlimmen Rücken hatte', sagt der Erzähler mit der Gott-Stimme. Plötzlich schießt ein Skifahrer einen schneeigen Abhang hinunter und fährt meisterhaft im Slalom den Berg hinunter. 'Im selben Jahr fuhr Dean achtzigmal Ski - achtzigmal -, so dass er ein fabelhafter Skifahrer wurde und der perfekte Oberbefehlshaber ... für den Fall, dass wir gegen die Schweiz in den Krieg ziehen würden.'"

Weitere Artikel: "Wir wissen, dass wir viel töten, viel gefangennehmen und viele Waffen beschlagnahmen. Das Einzige, was wir nicht wissen, ist, ob das das Gleiche wie Gewinnen ist." Angesichts dieser (natürlich inoffiziellen) Aussage von US-Verteidigungssekretär Donald Rumsfeld macht Bruce Hoffmann klar, vor welchem Problem die US-Streitkräfte im Irak stehen. Was Marc Bowden an den Bildern von Abu Ghraib mehr als alles andere schockiert, ist die Vorstellung, Donald Rumsfeld habe George Bush nicht von der Existenz der Bilder informiert - obwohl er wusste, dass sie publik werden würden -, weil sie ihn nicht schockierten. Laura Secor empfiehlt den UN-Pragmatiker Lakhdar Brahimi als den Mann, der im Irak gebraucht wird. Joshua Micah Marshall mutmaßt, dass John Kerrys Außenpolitik der von George Bush Senior sehr ähneln würde.

Buchbesprechungen: Tom Carson stöhnt über Teenager-Studien, die weitaus dümmer (und propagandistischer) sind als die Teenager selbst. P. J. O'Rourke kann keine lärmenden konservative Talkshows mehr sehen und bemerkt dabei, dass es Mode geworden ist, zu schreien. In beste idealistische Laune fühlt sich Christopher Hitchens von Isaac Deutschers inspirierter - und dreibändiger - Trotzki-Biografie ("The Prophet Armed: Trotsky 1879-1921/ The Prophet Unarmed: Trotsky 1921-1929/ The Prophet Outcast: Trotsky 1929-1940) versetzt, und das nicht zuletzt, weil Trotzki hier als das erscheint, was er war: ein "prophetischer Moralist". Ebenfalls mit großem Interesse hat Robert Conquest Simon Sebag Montefiores Stalin-Biografie ("Stalin: The Court of the Red Tsar") gelesen, in der deutlich wird, welche "geistige Schwächung" mit dem Stalinismus einherging.

Nur im Print: Robert D. Kaplan hat die ersten Einheiten der Marines begleitet, die nach der Ermordung von vier Amerikanern Falludja stürmten.

Magazinrundschau vom 17.05.2004 - The Atlantic

Selten hat Tony Blair so alt ausgesehen wie in dieser Ausgabe des Atlantic Monthly. Geoffrey Wheatcroft zeichnet in einem ausgedehnten Porträt nach, was aus dem Mann geworden ist, der einst neues Vertrauen in die Politik begründen und die Fahne des liberalen Interventionismus hissen wollte. "Tony Blair war der einzige Mensch auf der Welt, der den Krieg im Irak hätte stoppen können. Aber er hat sein Volk in einen Krieg geführt, den es nicht wollte, aus Gründen, die nicht stimmten - nun ist sein verheißungsvoller, nahezu JFK-artiger Nimbus zerschmettert. Der Mann, der vor gar nicht allzu langer Zeit ein neues Ideal darstellte, steht nun allein da, wahrlich eine große tragische Figur". Leider ist online nur ein Gespräch mit Wheatcroft über seinen Text zu lesen.

Etwas erinnerungsselig hält Christopher Hitchens den Klassiker aus seiner Pfandfinderzeit in den Händen: Robert Baden-Powells "Scouting for Boys", das jetzt wieder in der Originalausgabe von 1908 zu haben ist. Dazu hält er fest: "Baden-Powell war weder Megalomane (auch wenn er selbst zugab, dass das Motto 'Be Prepared' von seinen Initialen inspiriert war) noch war er ein sadistischer, unterdrückter Päderast. Er war ein Rassist und ein Imperialist und ein Monarchist, das schon, aber meist in moderatem Maße."

Weiteres: Joshua Green untersucht die "schmutzigen Tricks" im amerikanischen Wahlkampf, die seiner Darstellung nach das Bush-Team besonders gern anwendet (und auch schon gegen Al Gore angewendet hat). Pauls Starobin malt sich aus, wie ein seiner Meinung nach notwendiger autoritärer Staat heute aussehen muss - nämlich ganz anders als ihn sich die Massen vorstellen.

David Kipen beklagt, dass Hollywood nur noch Filme dreht, die international verwertbar sind, und wirft die interessante Frage auf: "Wenn Frankreich Filme für Franzosen produziert, und Amerika Filme für die Welt, wer macht dann Filme für Amerika?" Zum Beispiel einen Film wie "Mr. Smith goes to Washington" voller innenpolitischer Anspielungen oder eine Screwball-Komödie wie "His Girl Friday" mit ihren "viel-zu-schnell-zum-Übersetzen-Dialogen"? Und Francis Davis schließlich entdeckt in den neuen Alben des Jazz-Saxophonisten Wayne Shorter, "Footprints Live!" und "Alegria", das Zeug für ein großartiges Comeback.