Der FilmhistorikerHans Helmut Prinzler ist überraschend gestorben: Lange Zeit war er Direktor des Berliner Filmmuseums und leitete als solcher auch die Retrospektive der Berlinale. Seit geraumer Zeit im Ruhestand, besprach er bis zuletzt auf seiner Website aktuelle Filmbücher und DVDs. Das Filmhaus am Potsdamer Platz war zum großen Teil Prinzlers Verdienst, schreibt Andreas Busche im Tagesspiegel. "Die deutsche Filmgeschichte, so wie sie sich das Kino selbst erzählt, ist eine Geschichte der Geschichtslosigkeit", schreibt Claudius Seidl in der FAZ. "In dieser Lage ist die Beschäftigung mit deutscher Filmgeschichte fast schon heroischerWiderstand - zumal wenn einer wie Hans Helmut Prinzler sie betrieb, der an Urteilen und Hierarchien weit weniger interessiert war als an der Frage, unter welchen materiellenBedingungen welche Filme entstehen können."
Prinzler "war das, was man einst - ein starkes, bombastisches Wort - einen Mentor nannte", seufzt Fritz Göttler in der SZ in Erinnerung an die Zusammenarbeit mit Prinzler, "ein Mentor, der das Kino liebte, auch das Spektakuläre an ihm, das deutsche natürlich, von Berufs wegen, aber auch Hollywood. ... Prinzler war ein Filmliebhaber ohne rigiden Kanon, er ging gern ins Kino, auch ins neue Actionkino, er ließ sich verführen und sah die Bilder auf der Leinwand doch immer im Kontext ihrer Gesellschaft, ihrer Geschichte."
Außerdem schreibt Marius Nobach im Filmdienst zum Tod der Schauspielerin GlendaJackson.
Die Autobiografie "Nicht jugendfrei" des Berliner Underground-Regisseurs JörgButtgereit lässt das Westberlin der frühen Achtziger vor dem geistigen Auge des Jungle-World-Kritikers Magnus Klaue wieder auferstehen: Das "Buch verleitet dazu, statt über ihn über andere, vergessene Protagonisten des Westberliner Underground-Milieus des achtziger Jahre zu sprechen. Die Digression ist ein Grundprinzip seines Erinnerungsalbums. Ob er anlässlich der Premiere seines vierzigminütigen Films 'Hot Love' 1985 im vergleichsweise repräsentativen Kino 'Sputnik' in Berlin-Wedding an die von Grenzsoldaten bewachten Geisterbahnhöfe zurückdenkt, die man bei der Benutzung der U-Bahnlinie 6 in Westberlin durchfahren musste", oder "ob er Erinnerungen an von ihm gestaltete Kinonächte im Xenon mit Filmen von Russ Meyer und John Waters zum Anlass für Rückblenden in die schwule Subkultur Berlin-Schönebergs nutzt." Stets "lässt sich Buttgereit durch das Sprechen über sich selbst zum Sprechen über andere und durch das Sprechen über andere wieder zu sich zurück führen." Und "überreich bestückt mit Notizen, Fotografien, Brief- und Zeitungsausschnitten, alten Filmplakaten, Markenlogos und Schallplatten-Cover, findet es seinen adäquaten Leser nicht im Filmgelehrten, der es vom Anfang bis zum Ende durcharbeitet, sondern im fasziniertenBlätterer." Seit einiger Zeit inszeniert Buttgereit Hörspiele für den WDR - eine kleine Auswahl davon ist in der ARD Audiothek zu finden.
Außerdem: Im Tages-Anzeigerbeklagt sich Michael Marti darüber, dass er auf Netflix zu viel Schrott schaue. Besprochen wird Stephen Williams' auf Disney+ gezeigtes Biopic "Chevalier - The Untold Story" (taz).
Filme schaut EstherKinsky nur im Kino, nicht zuhause, sagt die Schriftstellerin im Filmdienst-Gespräch über ihren Romanessay "Weiter sehen. Von der unwiderstehlichen Magie des Kinos", in dem sie ihre Kinopassion umkreist und darüber nachdenkt, ein leerstehendes Kino in Ungarn wiederzubeleben. "Wir erleben aktuell einen Verlust des öffentlichen Raums und eine enorme Privatisierung des Lebens, die auch die Kinokultur betrifft", sagt sie weiter. "Man redet den Zuschauern heute ein, aus welchen Gründen auch immer, dass es ein Vorzug ist, dass man die Herrschaft hat über den Ablauf dieser visuellen Prozesse. Dabei sind Filme Kunstwerke, die man respektieren lernen sollte, weil sie einen Zusammenhang haben, der nicht unterbrochen werden sollte. Sich dem Bildprozess auszusetzen und ihn zu respektieren, ist auch ein Lernprozess. Die Idee, per Knopfdruck die Kontrolle über das Gesehene zu haben, ist mir zu sehr vom Konsumenten her gedacht, der sich das allerdings auch einreden lässt. Diese Vorstellung von Beliebigkeit wird als Freiheit verkauft und sie macht den Blick nur enger, nicht weiter."
Eine latent magische Welt: Masahiro Shinodas "Demon Pond" (Rapid Eye Movies/Shochiku) Hin und weg istFAZ-Kritiker Bert Rebhandl von MasahiroShinodas japanischem, auf einem Kabuki-Stück basierenden Geisterfilm "Demon Pond" aus dem Jahr 1979, der nun im Rahmen einer Jahresretrospektive des Kölner Verleihs Rapid Eye Movies wieder in die Kinos gebracht wird. Man "kann man dabei die vielen interessanten Implikationen eines zunehmend stärker auf Retrospektivität abhebenden Kulturbetriebs sehr schön beobachten. Es handelt sich eindeutig um ein Objekt mit Patina. Die Tricktechnik steckt noch deutlich in den Zeiten fest, in denen das japanische Kino so etwas wie Blockbuster-Kompetenz hatte (mit 'Godzilla' und anderen Monstern). Auch die Metaphysik, der Geisterglaube des Shintoismus, wirkt altmodisch, verbindet sich aber mit der gewollten Naivität von Shinodas Kinophantastik zu einem interessanten Hybriden." Zu erleben ist "die langsame Bewegung durch eine latentmagischeWelt, das vorsichtige Ertasten eines Begegnungspunkts zwischen Zauberei und Technik. Diese Szenen verdienen jede Projektion auch auf den größten Leinwänden." Im Filmdienstbespricht Lukas Foerster den Film.
Weitere Artikel: Für den Standardporträtiert Bert Rebhandl die Schauspielerin VickyKrieps, die für ihre Rolle als "Sisi" im Film "Corsage" (unsere Kritik) mit dem ÖsterreichischenFilmpreis ausgezeichnet wurde. Christoph Gurk zeigt sich in der SZ genervt von den vielen Gelbstichen im Gegenwartskino.
Besprochen werden WesAndersons "Asteroid City" (Artechock, mehr dazu bereits hier, dort und da), Malte Wirtz' "Nur eine Nacht in Tel Aviv" (Artechock), AndyMuschiettis Blockbuster "The Flash" (Filmdienst, unsere Kritik) und die auf ZDFNeo gezeigte Serie "Bonnie & Clyde" (FAZ).
Die verschwundene Kamera formt das Reale: "Coûte que coûte" von Claire Simon Das Berliner Kino Arsenal zeigt Filme der Dokumentaristin Claire Simon. Deren "großes Geheimnis besteht darin, wie sie sich und ihre Kamera zum Verschwinden bringen", schreibtPerlentaucherin Thekla Dannenberg. Den Auftakt macht heute Abend ihr Film "Notre Corps", der in einer Pariser Frauenklinik den weiblichen Körper in den Blick nimmt (unsere Berlinale-Kritik) und den Dannenberg ebenso empfiehlt wie Simons "Coûte que coûte" von 1995, der den Überlebenskampf eines kleinen Betriebs in Nizza dokumentiert, der frische Fertiggerichte für Supermärkte produziert: "Vom ersten Moment an frappiert die freundliche Sachlichkeit, mit der die Angestellten ihre Forderungen gegenüber ihrem Chef vorbringen. ... Mitunter erkennt man, dass sich hier schon Claire Simons menschenfreundlicher Geist über die Situation legt. Dass Simon die Realität formt, spürt man an dem Ton, den der Film anschlägt. Schnitt, Tempo und Musik erinnern eher an eine heitere Angestelltenkomödie als an eine Tragödie aus dem Inneren des Kapitalismus. Auch in einem Dokumentarfilm kommen die Erzählmuster aus dem Fiktionalen." Im Tagesspiegelempfiehlt Esther Buss die Reihe.
Außerdem: Maria Wiesner schreibt in der FAZ einen Nachruf auf die Schauspielerin GlendaJackson. Besprochen werden WesAndersons "Asteroid City" (NZZ, mehr dazu bereits hier, dort und da), AndyMuschiettis "The Flash" (Standard, unsere Kritik), StephenWilliams' auf Disney+ gezeigtes Biopic "Chevalier" über den schwarzen Geiger und Komponisten ChevalierdeSaint-Georges (Tsp) und SamLevinsons neue Serie "The Idol" (Freitag).
Ein Batman aus früheren Zeiten, zurück dank Multiversum. "The Flash" Das "Multiversum" ist der letzte Schrei im auch schon in die Jahre gekommen Superheldenkino, schreibt Lukas Foerster im Perlentaucher zum Kinostart von Andy Muschiettis "The Flash": Das Blockbusterkino greift (in Anlehnung auf eine in den Comics bereits in den Achtzigern erprobte Erzählstrategie) auf aufgesprengte, sich überlappende Dimensionen zurück und inkorporiert dabei seine losen Erzählfäden und früheren Franchises. So tauchen mitunter drei Batmänner aus unterschiedlichen Franchise-Generationen wieder auf. "Bislang ist nicht abzusehen, ob es sich bei der aktuell tatsächlich ... grassierenden Multiversumswelle um eine neue Eskalationsstufe der nach wie vor kaum zu stoppenden Superheldisierung des Gegenwartskinos handelt, oder womöglich doch um den von nicht wenigen herbeigesehnten Anfang seines Endes. Es hat sich in den letzten Jahren jedenfalls selten gelohnt, gegen das Superheldenkino zu wetten. In Bezug auf 'The Flash' lässt sich dennoch feststellen: Je tiefer der Film in das Multiversum vordringt, desto öder wird es." Ähnlich sieht es Andreas Busche im Tagesspiegel: Anders als im aktuellen, sehr beeindruckenden "Spider-Man"-Animationsfilm schlägt dieser Film keine Funken aus der Multiverse-Idee, "diese 144 Minuten fühlen sich quälendlang an".
Außerdem: Chris Schinke spricht für die taz mit dem Filmemacher MarcelMettelsiefen über dessen (in der FRbesprochenen) Dokumentarfilm "Tanja - Tagebuch einer Guerillera" über die Holländerin TanjaNijmeijer, die sich als junge Frau der kolumbianischenGuerillaFarc angeschlossen hatte. Für die Zeit wirft Christina Pausackl einen Blick darauf, wie die österreichischeFilmbranche ihr Missbrauchs- und Übergriffsproblem in den Griff zu kriegen versucht. Im ZeitMagazin berichtet Khuê Phạm von ihren Begegnungen und Gesprächen mit KevinSpacey.
Besprochen werden WesAndersons "Asteroid City" (FR, taz, mehr dazu bereits hier, dort und da), die neue Netflix-Animationsserie des linken italienischen Zeichners Zerocalcare (tazler Ambros Waibel beobachtet "altlinke Romantik" und "wunderschöne Abschweifungen"), Masahiro Shinodas japanischer Fantasyfilm "Demon Pond" aus dem Jahr 1979 (SZ), Lori Evans Taylors Schwangeren-Horrorfilm "Bed Rest" (SZ), die DVD-Ausgabe von Tereza Nvotovás Horrorfilm "Nightsiren" (tazler Ekkehard Knörer bezeugt einen "nur zu wirklichen inneren und äußeren Schrecken") und die Westernserie "1923" mit HelenMirren und HarrisonFord (TA). Außerdem verrät uns die SZ, welche Filme sich in dieser Woche wirklich lohnen und welche nicht.
Erkennt man auf den ersten Blick: Ein Stil aus einem Wes-Anderson-Film Die Feuilletons diskutieren weiter über WesAnderson, dessen neuer Film "Asteroid City" morgen startet - kein Wunder, schließlich ist der amerikanische Autorenfilmer mit seiner sehr spezifischen Ästhetik "der Filmemacher der frühen Millennials", schreibt in der SZ Max Scharnigg, der (wie zuvor Non-Millennial Hanns-Georg Rodek in der Welt) sich sorgt, dass Andersons Stil dank KI-Inflation zum Klischee gerinnt: "Für diese Proliferation kann Anderson nichts, aber irgendwie wirkt seine liebenswerte Retro-Psychose im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit doch ein bisschen gewöhnlich und plötzlich auch: gähn, immergleich. Andere große Ausstatter-Regisseure - Visconti, Altman, Ozon, Sorrentino - haben ja trotz aller Lust am Einrichten schon auch glaubhaft eine gute Story als Vorwand." Solche Sorgen macht sich Bert Rebhandl im Standard trotz KI-Schwemme nicht: Für ihn ist der Regisseur vielmehr ein gutes Beispiel dafür, wie man mit "ausgeprägter Individualität sehr populär werden kann, ohne deswegen Kompromisse eingehen zu müssen. Im Gegenteil nützt Anderson die Freiräume, die er sich erarbeitet hat, für durchaus radikale Experimente. In 'Asteroid City' geht es nicht nur darum, dass ein Witwer (Schwartzman) und eine Witwe (Johansson) vielversprechende, dabei aber immer skeptische Blicke austauschen. Anderson bettet das in eine Art Medienarchäologie des mittleren 20. Jahrhunderts ein. ... Anderson macht aus diesem Spiel der Ebenen seine eigene Relativitätstheorie, findet aber innerhalb dieses Settings so viele Momente wahrer Empfindung, dass man von einem Meisterwerk sprechen muss." Weitere Besprechungen im Tagesspiegel und in der FAZ.
Weitere Artikel: Jacqueline Krause-Blouin wirft für ZeitOnline einen Blick auf die Forderungen der diversen Gewerke-Gilden, die in Hollywood gerade mit den Studios verhandeln. Morticia Zschiesche befasst sich für den Filmdienst mit dem Genre des Wanderbühnenfilms. Franka Klaproth spricht in der Berliner Zeitung mit KarolineHerfurth über Geschlechterrollen und männliche Perspektiven. Andreas Scheiner notiert in der NZZ die Skandale und Skandälchen um EzraMiller, der im aktuellen Superhelden-Blockbuster "The Flash" die Titelfigur spielt. In der FAZgratuliert Andreas Kilb der Filmemacherin JeanineMeerapfel zum 80. Geburtstag.
Besprochen werden LoriEvansTaylors Schwangeren-Horrorfilm "Bed Rest" (Filmdienst) und AndreasMalms "How to Blow Up a Pipeline" (Jungle World, unsere Kritik hier),
Verloren und gerettet im Klischee: Körperliche Abziehbilder in Wes Andersons "Asteroid City" Zum Kinostart von WesAndersons "Asteroid City" geht Georg Diez auf ZeitOnline der Ästhetik von Andersons Kino nach. Es sind die ganz großen Begriffe, die er wählt: Der Ironiebegriff der Neunziger, ohne den Andersons Kino nicht zu haben ist ("Ironie als Lebenspraxis" auf dem "Gebiet des Politischen"), Zusammenbruch des Sowjet-Kommunismus, Ideologiekritik, die große Frage "Was war der Westen?". Was angesichts der Puppenhaus-Filme, die Anderson dreht, fast eine Nummer zu groß wirkt. "In vielem ist Anderson eine Art Anti-David-Lynch, der ähnlich geschlossene und anders obsessive Kosmen oder Kosmologien wie Anderson erschaffen hat, die jedoch von den Achtzigerjahren geprägt wurden - in den Jahren des späten Kalten Krieges, als nicht die Ironie, sondern die Paranoia der passende Weltzugang war. ... Andersons Filme zeichnen sich demgegenüber aus durch die radikale Abwesenheit jeder Form von Körperlichkeit, was seinen Figuren immer etwas sehr Zweidimensionales gibt, sie wirken wie Abziehbilder ihrer selbst, verloren, gefunden und gerettet im Klischee, Heidegger für das Popzeitalter, Sein und Zitat. Wes Andersons Filme sind damit zugleich Nachrufe auf die Moderne wie die Postmoderne, aus deren Geist sie geboren sind, entropische Endspiele im Sinn von Samuel Beckett."
Besprochen werden die Wiederaufführung von MasahiroShinodas japanischem Fantasyfilm "Demon Pond" aus dem Jahr 1979 (Lukas Foerster beobachtet im Filmdienst den "Weltuntergang als filmtechnisch brillanten Sturm im Wasserglas") und die ZDF-Thriller-Serie "Der Schatten" (FAZ).
Auf Distanz zu all dem Trubel in der Welt: Verena Altenberger im "Polizeiruf 110" (ARD) Die österreichische Schauspielerin VerenaAltenberger (35) gibt ihre Rolle als Ermittlerin Eyckhoff im bayerischen "Polizeiruf 110" auf: Nach ihrem sechsten Fall ("Paranoia", hier in der Mediathek - erneut "herrlich sonderbar", findet Sylvia Staude in der FR) tritt sie ab. Es waren "sechs Filme, die einzigartig sind: eigenwillig, mäandernd, mitassoziativerLogik erzählt", schreibt Heike Hupertz in der FAZ. Ihre Ermittlerinnenfigur "bleibt ungelöst, unvollendet", seufzt Elmar Krekeler in der Welt. Dieser Krimi-Zyklus" war geprägt durch eine verführerische Distanz zur Welt", schreibt Matthias Dell auf ZeitOnline: "Dass da inmitten des Trubels um die Figur herum auf deren Gesicht immer das Warten, Beobachten, Abwägen ablesbar war, wie sich zum Trubel verhalten werden soll. ... 'Ära' ist für sechs Filme in vier Jahren vielleicht ein großes Wort, aber bei allen Eckigkeiten und Unvollkommenheiten dieses Polizeiruf-Kapitels genau das richtige."
Weitere Artikel: Im Filmdienstverneigt sich Patrick Holzapfel vor dem Schauspieler MichaelCera, der in den Nuller- und Zehnerjahren eine "Ikone der Jugendlichkeit" war und aktuell in Dustin Guy Defas "The Adults" (besprochen in der Jungle World) zu sehen ist. Pascal Blum ist im Tages-Anzeiger skeptisch, was die HiTech-Brille VisionPro betrifft, mit der Apple den stagnierenden Virtual-Reality-Markt aufmischen will. In der Welt deutet Slavoj Zizek das Ende der HBO-Serie "Succession".
Besprochen werden MarioMartones "Nostalgia" (Tsp, Standard), SteveMcQueens essayistischer Dokumentarfilm "Grenfell Tower" (Standard) und die Serie "The Crowded Room" (Zeit).
Hanns-Georg Rodek sorgt sich in der WamS um das Kino von WesAnderson: Die auf strenge Symmetrie setzende, pastellfarbene Retro-Puppenstubenhaftigkeit seiner Ästhetik drohe, seine allzu oft auf diesen Aspekt reduzierte Filme allmählich zu ersticken. Zumal die leichte Wiedererkennbarkeit dieses Stils im Netz schon seit langem zu nicht mehr überschaubaren Wucherungen führt: Auf Websites wie Accidentally Wes Anderson einerseits, aber auch in den Myriaden von KI-Bildergalerienund -Videos, die sich Blockbuster und Filmklassiker im Anderson-Stil imaginieren. "Der Parodien ist kein Ende", seufzt Rodek. "Der Stil eines Künstlers wird auf den kleinsten gemeinsamen Nenner banalisiert." Und "vielleicht wird man es in Zukunft das 'Wes-Anderson-Syndrom' nennen, sollte er der erste prominente Künstler werden, der von KI-Klonen zu Tode umarmt wird. ... Welch Perverversität, den möglicherweise individuellsten aller Filmemacher in ein paar von einem Algorithmus gezimmerte Schubladen zu sperren." Bis dahin läuft jetzt aber erstmal Andersons neuer Film "Asteroid City", der kommenden Donnerstag startet und von Karsten Munt im Filmdienstbesprochen wird, der viel Freude hat an "Szenen, die prall gefüllt sind mit Ideen, PointenundNebenhandlungen". Und wir haben viel Freude mit einem Fake-Trailer zu Wes Andersons "Star Wars":
Weitere Artikel: "Die Kinos werden nicht sterben", ruftDianeIljine, die ihren letzten Jahrgang als Leiterin des FilmfestsMünchen bestreitet, im FAZ-Gespräch mit Jörg Seewald. Dunja Bialas gibt auf Artechock eine Wasserstandsmeldung vom Münchner Underdox-Festival, das sich diesmal besonders den Filmen von MichaelSnow widmet. Im Filmdienstfragt sich Dietrich Leder, was die Allgegenwart von Mobiltelefonen in aktuellen Fernsehfilmen bedeutet. Anlässlich der Fernseh-Debüts von SylvesterStallone (in der Mafia-Serie "Tulsa Kings") und ArnoldSchwarzenegger (in der Serie "Fubar") erinnert Andreas Scheiner in der NZZ an die legendäre Fehde, die zwischen den beiden (längst befreundeten) Actionstars in den Achtzigern herrschte. Die Welt-Filmredaktion empfiehlt uns Serien fürs Wochenende, die Filmkritiker des Standardsgeben Notizen zu den aktuellen Kinostarts.
Besprochen werden Jean-LucGodards wiederaufgeführter Klassiker "Die Verachtung" von 1963 (Artechock), AndreasMalms "How to Blow Up a Pipeline" (critic.de, unsere Kritik hier), der ukrainische Animationsfilm "Mavka - Hüterin des Waldes" (taz), MarioMartones "Nostalgia" (Artechock, critic.de), ThomasHardimans "Medusa Deluxe" (critic.de), Dustin Guy Defas "The Adults" (Artechock), die BluRay-Ausgabe von YûichirôHirawakas "Stimme des Herzens" (Filmdienst), MarkMylods Serie "Succession" (Filmdienst) und die Autobiografie "Pageboy" des Schauspielers Ellen Page (WamS).
Filmemachen als therapeutischer Akt: Lina Lužytės "Picknick in Moria" LinaLužytės Dokumentarfilm "Picknick in Moria" zeige "einmal mehr die widerwärtige, entmenschlichende Art, auf die mit Geflüchteten und Migranten auf diesem Kontinent umgegangen wird", schreibt Philipp Stadelmaier in der SZ. Der Film begleitet den afghanischen Filmemacher Talibshah Hosini und dessen Familie, die im Lager Moria unter widrigen Bedingungen ein Asylgesuch zu stellen versuchen. Doch "erschöpft sich der Film nicht im mitleidigen Blick der europäischen Filmemacherin auf die Geflüchteten, sondern diese erzählen von sich aus ihr Leben, machen ihre eigenenBilder. Lužytė filmt Hosini, wie dieser versucht, einen Film zu machen, mit Hilfe seines Kameramannes, eines iranischen Kurden. ... Die Zufälle des Wirklichen, die den Zauber des Kinos ausmachen, haben keinen Platz bei ihm. Aber wie könnten sie auch. Für Hosini geht es darum, Kontrolle zurückzugewinnen. Das Filmemachen wird zum therapeutischen Akt inmitten totalerMachtlosigkeit."
Weitere Artikel: In der Weltporträtiert Elmar Krekeler die aus der Ukraine stammende Schauspielerin JaninaElkin, die in der ARD-Komödie "Sayonara Loreley" eine Frau aus dem Donbass spielt. Besprochen werden MarioMartones "Nostalgia" (FAZ), eine DVD-Ausgabe von IngemoEngströms "Fluchtweg nach Marseille" aus dem Jahr 1977 mit KatharinaThalbach (Filmdienst), der neue "Transformers"-Blockbuster (Filmdienst, unsere Kritik hier), die Netflix-Dokuserie "Tour de France" (Tsp) und die bei Paramount+ laufende Serie "Kohlrabenschwarz" (FAZ).
BuchLink: Aktuelle Leseproben.
In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Corine Pelluchon: Die Macht des Weiblichen Aus dem Französischen von Grit Fröhich. Ein feministisches Verständnis von politischer Macht. Wie kann man sich gegen die neuen Herrschaftslogiken wehren, die gegenwärtig…
Jörg Ernesti: Die Päpste Vom Bischof von Rom zur moralischen Weltmacht Eine Institution im Wandel: Wie das Papsttum über Jahrhunderte Macht, Kultur und Einfluss neu definierte Das Papsttum fasziniert…
Philipp Gassert: Die bipolare Nation Von der Gründung zu Trump, vom Imperialismus zum Isolationismus, vom Glücksversprechen des Massenkonsums zum Klimawandel, von der Vormacht zum chaotischen Faktor, von der…
Yevgenia Belorusets: Zündhölzer Mit einem Nachwort von Katja Petrowskaja. Aus dem Russischen von Claudia Dathe. Ein Keller in den von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine. Von irgendwoher tönen Stimmen…
Alle aktuellen BuchLink-Leseproben finden Sie
hier