Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Jean-Paul Audouy (@roodoodoo974)
Wenn das Modedesign in die heiligen Hallen der Kunstmuseen abwandert - wie jetzt
in Paris zu sehen, wo sich eine Yves-Saint-Laurent-Schau über gleich sechs Häuser verteilt (unser
Resümee) -, dann vollzieht das Modedesign nach, was der Kunst seit der Renaissance gelang: sich
vom schnöden Handwerk abnabeln,
kommentiert Catrin Lorch in der
SZ. "Es ist
die Aura des Genies, des einsamen Künstlers, die auf das Label abstrahlen soll. Und die gibt es nur im Kunstmuseum. Ein so außergewöhnlicher, hochbegabter Designer wie Yves Saint Laurent hat zu Lebzeiten bei aller Arroganz nie beansprucht, Künstler zu sein." So bleibe in Paris "bei aller Euphorie eben auch unübersehbar: Piet Mondrians so reduzierte, blaupausenflache Gemälde stellen sich nach einem knappen Jahrhundert im Museum ihren Nachbarn aus Impressionismus, Fauvismus, Expressionismus immer noch
mit schlichter Kühle in den Weg. Sie sind ein neuer Entwurf des Sehens und Fühlens. Mondrian wusste, dass wenn diese Reduktion gelingt, die Verhältnisse neu gemischt werden. Und die so ähnlichen Linien und Farbflächen auf dem Kleid sind eben doch
nur ein Muster. Gemacht für Schaufenster, Boulevards oder Restaurants."
"Ein fantastisches Vergnügen" ist diese Ausstellung aber eben doch, schreibt Tanja Rest ebenfalls in der
SZ und unterstreicht: "Es schadet einem Picasso-Cape des Göttlichen nicht, wenn es neben einem echten Picasso hängt und von ihm ein klein wenig zurechtgestutzt wird. Sie sind ja auch keine Zwillinge, sondern
entfernte Verwandte." Eindrücke der Ausstellung finden sich unter
diesem Instagram-Hashtag.
Besprochen wird außerdem
Konstantin Grcics Ausstellung "New Normals" im Berliner
Haus am Waldsee (
FAZ, mehr dazu bereits
hier).