Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

966 Presseschau-Absätze - Seite 26 von 97

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.02.2022 - Design

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Paris feiert Yves Saint Laurent - gleich fünf Museen widmen sich an sechs Standorten dem 2008 verstorbenen Modedesigner. Eine "postmodern eklektische Suite" in sechs Sätzen, deren Stationen FAZ-Kritiker Marc Zitzmann im einzelnen zwar gern abgeschritten hat, wenngleich er das über die Stadt verstreute Konzept - zehn Kilometer Fußmarsch, über 70 Euro an Eintrittspreisen - für verfehlt hält. Visuelle Eindrücke liefert der zur Ausstellung passende Instagram-Hashtag.

Weiteres: Sabine von Fischer hat den Schweizer Designer Alfredo Häberli für die NZZ in dessen Atelier besucht. Die Mode wird wieder flauschig, stellt Tillmann Prüfer in seiner Kolumne im ZeitMagazin fest. Besprochen wird eine Ausstellung über den Bauhäusler Erich Dieckmann in der Kunststiftung Sachsen-Anhalt in Halle (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.02.2022 - Design

"Die Schleppe wird offenbar erneut attraktiv", beobachtet Tillmann Prüfer in seiner Kolumne fürs ZeitMagazin mit Blick auf aktuelle Kollektionen von Fendi, Gucci und Missoni. "Auch Miuccia Prada kleidet die Frau ganz ähnlich ein - in knappe pinkfarbene Miniröcke, die gleichsam ein Schwänzchen aus Chiffon hinter sich herführen. Bei dieser sehr dezenten Schleppe ist die Gefahr freilich groß, dass jemand versehentlich drauftritt. Dafür schwebt sie in der Luft, wenn ihre Trägerin nur schnell genug schreitet. Was wiederum sehr für die mobile Frau spricht."
Stichwörter: Mode, Prada, Gucci, Prada, Miuccia

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.01.2022 - Design

Ja sind wir denn hier in Brandenburg? Stuhl von Konstantin Grcic (Foto: Florian Böhm)

Eher verschnupft kommt SZ-Kritiker Peter Richter von der Konstantin Grcic gewidmeten Ausstellung im Berliner Haus am Waldsee nach Hause. Zwar ist Grcic "recht sicher der bekannteste lebende Industriedesigner in diesem Land", aber seinen ikonischen Arbeiten wie dem Chair_One oder der Mayday-Lampe werden in der Ausstellung mit einer etwas überhand genommenen Fantasie beim Re-Kombinieren der Zauber genommen: So begegne "einem dieser eigentlich so dynamische Sitz im Haus am Waldsee praktisch als sein Gegenteil: nebeneinander aufgeschraubt auf eine Bank, die an einer selten bedienten Bushaltestelle irgendwo in Brandenburg zu stehen scheint. Jemand hat Kabelbinder um jede einzelne Strebe gezogen - als klares Werk der Langeweile." Was "auf den ersten Blick zwar mild erheiternd, auf den zweiten und alle weiteren dann aber eher deprimierend" wirkt. "Den Designer, der sich seine Berliner Willkommensausstellung selber einrichten durfte, trieb dabei sichtlich die Angst, dass seine Arbeiten in der Zehlendorfer Fabrikantenvilla als das zu stehen kommen, was sie nun einmal im Alltag meistens sind: zeitgenössische Möblierungen von Altbauwohnungen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.01.2022 - Design

In Deutschland gehasst, in der Dritten Welt geschätzt: der Monobloc (Pier 53)

Buch, Film und Podcast: Gerhard Matzig staunt in der SZ darüber, wie "besessen" der Dokumentarfilmer Hauke Wendler vom Billig-Plastikstuhl-Design Monobloc ist, obwohl er ihn im Podcast mit "Stuhl. Weiß. Plastik. Scheiße" sehr eindeutig anmoderiert. Aber faszinierend ist das ikonische Ungetüm, dieser "im Schattenreich darbende Quasimodo unter den Möbeln" allemal: "Vielleicht muss man diesen Stuhl als späte Rache am Minimalismus deuten. Als Vergeltung für die Ornamentlosigkeit der Moderne. Der Monobloc sieht aus wie ein verkitschter Sonnenuntergang am Meer. Aus Plastik. ... So billig und daher auch so ubiquitär wurde aus dem Stuhl eine Ausgeburt des Schäbigen. Ramschware. Plunder. Tinnef. Der, das gehört zu den Pointen der Stilgeschichte, ursprünglich mondän sein sollte und daher als Pool-Zubehör mit schönen Menschen im kleinen Schwarzen oder im Smoking inszeniert wurde."

SZ-Kritiker Philipp Stadelmaier hat sich derweil Wendlers Film angesehen, der auch seine eigene Entstehung dokumentiert - denn auf sehr viel mehr als auf den schlechten Ruf des Stuhls stößt Wendler in Deutschland nicht. So bleibt ihm nur "zu beweisen, dass Menschen in anderen Teilen der Welt mehr Interesse an dem Monobloc haben als die Deutschen. Weil er für sie einen anderen Wert hat. Im Internet stößt Wendler auf Bilder aus Afrika, auf denen sich der Monobloc in ein fahrbares Gefährt verwandelt hat. ... Nehmt das, ihr deutschen Billigstuhl-Hasser. Hierzulande mag man außerhalb von Designmuseen voller Verachtung auf den Monobloc herabblicken, während die Leute im globalen Süden kreativ mit ihm umgehen und sogar Rollstühle mit ihm bauen."

Ziemlich begeistert kommt SZ-Kritikerin Isabel Pfaff von der Ausstellung "Cambio. Baum, Holz, Mensch" im Museum für Gestaltung Zürich nach Hause. Zusammengestellt hat die Ausstellung das italienische Duo Studio Formafantasma in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Experten. Nicht so sehr Design aus Holz steht im Mittelpunkt der Schau, vielmehr "dominiert der Rohstoff Holz in all den verschiedenen Stadien und Formen, die der Stoff vom Baum bis zum fertigen Produkt durchläuft. ... Die Installation namens '51 Jahre' versammelt Einweg-Holzprodukte - Paletten, Papier, Umzugskartons - , deren CO₂-Ausstoß im Wegwerffall so hoch ist, dass eine mitteleuropäische Kiefer 51 Jahre braucht, um die Emissionen wieder aufzunehmen." Doch "bei aller Informationsdichte, politischer Aufladung und fast pädagogischem Impetus verlieren Farresin und Trimarchi nie die Schönheit und Leichtigkeit aus den Augen. Die wenigen Objekte, die sie für 'Cambio' entworfen haben, sind schlanke, puristische Regale und Tische aus Fichte."

Besprochen wird die wiedereröffnete Ausstellung "Deutsches Design 1949 - 1989" im Lipsiusbau in Dresden (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.01.2022 - Design

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Die Feuilletons trauern um Thierry Mugler. Er war "einer der größten Modedesigner unserer Zeit", schreibt Tania Martini in der taz. Seine "Entwürfe und Fetischfantasien erzählen von Selbstermächtigung. Ähnlich wie bei Helmut Newton oder Jean Paul Gaultier sollten die Frauen nicht Objekt und Opfer der Blicke, sondern kraftvolle und machtbewusste Subjekte sein. Das brachte Mugler am deutlichsten mit Hartschalencorsagen zum Ausdruck, wie sie dann Grace Jones trug. Überhaupt war Mugler dem Pop näher als dem Modealltag - David Bowie, Diana Ross und auch Lady Gaga griffen für ihre Fashion-Statements zu Muglers Entwürfen." Mugler war wie die Achtziger, in denen er seinen Durchbruch feierte, schreibt Jürg Zbinden in der NZZ: Überlebensgroß, wuchtig, exzessiv. Er war "Tänzer, Märchenprinz, Akrobat, Provokateur, Scherzbold, Impresario, Direktor. Ein Designer, der die Zukunft erdachte, ein Astronaut und Visionär der Mode, Bodybuilder und vagabundierender Planet: Thierry Mugler war unermesslich und unergründlich wie das Universum."

In der SZ erinnern sich Anne Goebel und Tanja Rest an eine Mugler-Schau, die 2020 in München Halt gemacht hatte. Dort bot sich ihnen ein "Pandämonium der Schönheit und des Wahnsinns: bevölkert von Tierwesen und Latex-Dominas, von Dragqueens, Eisköniginnen, Motorrad-Pin-ups und Superheldinnen mit Riesenschultern, Riesenbrüsten und Wespentaille. Da war die Harley-Corsage von 1992, aus Metall über den Torso gegossen, verchromt, mit Blinklichtern und Rückspiegeln verlötet. Da war das Abendkleid von 1995 mit herzförmigem Guckloch, durch das man auf einen blanken Hintern starrte. Da war der Bodysuit aus transparenter Gaze von 1998, auf dem gerade so viele Eiskristalle prangten, dass man nichts sah und alles ahnte." ZeitOnline erinnert mit einer Strecke an Mugler. Zahlreiche weitere Eindrücke liefert der offizielle Instagram-Account.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.01.2022 - Design

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Alfons Kaiser schreibt in der FAZ einen Nachruf auf André Leon Talley, der in den späten Achtzigern Naomi Campbell als erstes schwarzes Modell aufs Cover der Vogue hob und später die Obamas in Modefragen beriet. Er "hatte immer gegen Verachtung zu kämpfen. Dass er zu einer der wichtigsten Figuren in der Modeszene wurde, hatte damit zu tun: Er musste sich eine Autorität erarbeiten, die er mit donnernden Worten auch ausübte, um über den Hass gegen einen schwulen Schwarzen hinauszuwachsen. Und weil der Zwei-Meter-und-drei-Zentner-Mann so gar nicht dem Einheitsbild entsprach, das in der ersten Reihe der Modenschauen und in der Vogue-Redaktion an der 42. Straße allzu lange gepflegt wurde." Im Dlf Kultur unterstreicht Jan Kedves Talleys Bedeutung als Impresario.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.01.2022 - Design

Hauspflanzen sind unsere Freunde und Verbündete, nimmt NZZ-Kritikerin Sabine von Fischer aus der Ausstellung "Plant Fever. Design aus der Pflanzenperspektive" im Zürcher Museum für Gestaltung als Erkenntnis mit. Wie sich dieses Verhältnis gestalten lässt, dazu zeigen die ausgestellten "Industrieobjekte und Prototypen aus Produktdesign, Textil, Mode und digitaler Kommunikation die Vielfalt" möglicher Strategien. "Manche der gezeigten Projekte sind spekulativ und untersuchen beispielsweise, wie Pflanzen- und Computersprache verknüpft werden können." Es "reihen sich Töpfe mit schwenkbaren Armen, Kübel mit Spinnenbeinen und gestapelte Tongefässe. Sie imitieren die Pflanzenformen und steuern auch, wie die Pflanze wächst. Aus dem Material wachsen auch alle möglichen Alltagsgegenstände, so ein Wurzelkleid und ein ganzer Stuhl, der auf einem Hof im englischen Chesterfield aus einem Holzspalier in seine Form gezüchtet wurde."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.01.2022 - Design

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"Wahre Eleganz ist nun mal leise", schreibt Julia Werner in der SZ zum Tod des Modedesigners Nino Cerruti, der einst (und insbesondere in Hollywood) der letzte Schrei war, sich in den letzten Jahren aber spürbar zurückzog. "Armani, der bis heute als Erfinder des dekonstruierten Herrenanzugs gilt, sagt, er habe in Sachen Softness alles von Nino Cerruti gelernt. Und in der Tat, alles, was die Bewegung einschränkte, physisch und gedanklich, war diesem Stofffabrikanten aus Biella ein Graus." Fotos zeigen Cerruti häufig in seiner Fabrik, erinnert Grit Thönissen im Tagesspiegel, "seine exklusiven Stoffe um sich herum zu schweren Rollen übereinandergestapelt. Mit einem meist nur angedeuteten Lächeln, das früh ergraute, volle Haar zu einem Seitenscheitel frisiert, war er sich seiner Rolle als Industrieller, der die italienische Mode in die ganze Welt gebracht hatte, sehr bewusst. Fast immer trug er Anzug und Krawatte. ... Cerruti strahlte diese italienische Grandezza aus - immer gepaart mit genug Pragmatismus, dass nie der Verdacht aufkam, man habe es hier mit etwas anderem als einem geschmackssicheren Geschäftsmann zu tun."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.01.2022 - Design

Mali lebt in Armut. Dennoch ist in dem Land edler Damast so beliebt wie kaum ein zweiter Stoff, stellt Jonathan Fischer von der SZ zu seinem Erstaunen vor Ort fest. Kurios wird es aber, als er dem Geld folgt: ein Großteil der in Mali nicht nur an Feiertagen getragenen, bunten Stoffe stammt aus Deutschland und Österreich. Die Firma Getzner aus Vorarlberg erschloss den Markt als Reaktionen auf einen wirtschaftlichen Engpass in den 70ern: "Nigerianische Kaufleute hatten als erste Kontakte in die ehemalige DDR zu Damastwebereien in Sachsen und Thüringen geknüpft. Andere Hersteller bekamen Wind von der Afrika-Connection. Besonders für Getzner erwies sie sich als Glücksgriff. Heute gehen 98 Prozent der Damast-Produktion in den Export." Doch stellen sich Fischer damit auch Fragen: "Bereichert sich der Westen womöglich ein weiteres mal am wirtschaftlichen Gefälle zu Afrika? Schaden europäische Stoffe - analog zu den aus der EU exportierten überschüssigen Tomaten oder Gefrier-Hähnchen - dem heimischen Markt? Steckt dahinter gar so etwas wie Kulturimperialismus?"

Klar wird Stricken lächerlich gefunden, denkt sich Waltraud Schwab in der taz, ist ja auch eine Kulturtechnik, die seit Jahrhunderten von Frauen ausgeübt wird. Aber, meint sie, auch das Stricken hat seine Geschichte: "In der Geschichtsschreibung der Neuzeit betreten Strickerinnen - nach den Madonnen - wieder öffentlich die Bühne in der Französischen Revolution als sogenannte Tricoteusen. Es waren Jakobinerinnen, die strickend auf der Tribüne im Nationalkonvent saßen oder strickend den Hinrichtungen folgten. Bis heute gilt das Wort 'tricoteuse' im Französischen als Synonym für eine politische Radikale."

In seine Stilkolumne fürs ZeitMagazin wirft Tillmann Prüfer einen Blick auf den Kragen in der Damenmode.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.01.2022 - Design

Eine S 51 B2-4 von 1980. Foto unter cc-Lizenz: Max Schwalbe / Wikipedia

Peter Richter schreibt in der SZ zum Tod des DDR-Designers Karl Clauss Dietel, der so gut wie alles gestaltet hat, darunter auch die Mokick-Legende Simson S 51, an die sich Richter, den wir uns als jungen Mann wohl als Rebell der Liebe auf den Landstraßen vorstellen müssen, mit Tränen in den Augen erinnert. Ein Klassiker wurde das Gefährt auch, weil sie das Basteln ermöglichte: "Die gestalterische Trennung der einzelnen Baugruppen dient nicht nur ästhetischen Zwecken, sondern viel wesentlicher: praktischen und nicht zuletzt ökologischen. Man soll reparieren, anbauen, umbauen können, weitermachen - nicht wegschmeißen müssen. Das war unter den Bedingungen einer Mangelwirtschaft damals ganz einfach das Vernünftigste."