Die Buchmacher

Das unheimliche Plus des Buchhandels

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
13.08.2007. Warum der Buchhandel im Moment zweistellig zulegt. Was die Verlage zur Zwangs-Fusion von VlB und VTO sagen. Wie Buchhändler auf die höheren Gebühren von Barsortimenten reagieren. Und wer gerne wie ein Trüffelschwein durch die Buchhandlung zieht.

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Im Aufmacherartikel (hier die Fortsetzung) untersucht buchreport das "unheimliche Plus" des Buchhandels, der nach seinem Juni-Plus (19,5 Prozent über dem Vorjahresmonat) auch im Juli einen satten Zuwachs gegenüber 2006 ausgewiesen habe: 13,5 Prozent. In beiden Monaten habe zwar die Schwäche des Vorjahres (Sommerloch durch Fußball-WM und Hitzewelle) die "gute Performance" erleichtert, der Rückstand sei aber weit mehr als ausgeglichen worden. Auch die Sonderkonjunktur durch den Abschlussband der Harry Potter-Reihe sei nur ein Sahnehäubchen gewesen - ohne den Bestseller hätte der deutsche Sortimentsbuchhandel laut buchreport immer noch um 10 Prozent zugelegt. Das schlechte Wetter und die "schwache Sportablenkung" durch die Doping-Tour habe die Kunden in die Buchhandlungen getrieben, vermuten die Dortmunder.

Weil der Börsenverein (nach dem so genannten "Kölner Modell") dem BAG-Verein maximal 25 Prozent der Anteile an der Buchhändler-Abrechnungs-Gesellschaft (BAG, macht für die Branche das Clearing-Geschäft) zugestanden hat, verweigerte der BAG-Vereinsvorstand die Unterschrift, meldet buchreport. Weil auch das Darlehen der Börsenvereinstochter MVB nicht zum Stichtag 8. August zurückgezahlt worden sei, halte der Börsenverein jetzt alle Anteile. "Da der Zweck des BAG-Vereins aus Sicht des Vorstands entfallen ist, soll nun eine außerordentliche Mitgliederversammlung über das weitere Schicksal der Organisation befinden", schreibt buchreport. Die Weichen würden während der Frankfurter Buchmesse gestellt.

Nachdem die Börsenvereins-Tochter MVB vor zwei Wochen die Fusion von "Verzeichnis lieferbarer Bücher" (VlB) und "Volltextsuche Online" (VTO) annonciert hatte, habe es vorwiegend positive Rückmeldung gegeben, zitiert buchreport MVB-Chef Ronald Schild (hier sein Blog zu VTO). Nach buchreport hat es jedoch auch kritische Stimmen gegeben. So habe der Verleger Rudolf Wolff erklärt, dass der neue Kombipreis (drei Euro pro Titel und Jahr) "wieder nur den großen Verlagen, uns Kleinverlegern mit nicht einmal 50000 Euro Umsatz aber nicht" nutze. "Wenn dann noch Konvertierungskosten hinzukommen, dann ist die Existenz gefährdet." Ein anderer Verleger habe erklärt: "Wenn sich alle vier Wochen die Geschäftsgrundlage ändert, ist Vorsicht geboten. Andererseits lohnt sich das Abwarten offenbar. Vielleicht liegt der Kombipreis demnächst bei 2,50 Euro pro Titel?"

Weitere Themen: Der Schweizer Marktführer Orell Füssli krempelt nach dem Ende der Preisbindung das komplette Sortiment um - mit einer neuen Warenwirtschaft generiert das Unternehmen "Orell-Füssli-Preise", die laut buchreport mal über, mal unter dem empfohlenen Verkaufspreis lägen. Großfilialist DBH investiert in Wiesbaden in den Umbau und die Renovierung der konzerneigenen Habel-Filiale. Nach der Übernahme der Time Warner Book Group benennt Hachette den Filialisten um: Grand Central Publishing sei der neue Name. Und hier die Bestsellerliste.
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Sommerloch in Frankfurt, von wo aus das Börsenblatt eine dünne Ausgabe verschickt hat. Das "Thema der Woche" widmet sich der Frage, ob Hintergrundmusik im Einzelhandel nervtötend oder absatzfördernd ist. Ansonsten beschreibt Christina Schulte das Erfolgsrezept des bayerischen Minifilialisten Tintenfässchen, der seinen Kunden in jedem der Städtchen mit einem "zielgruppengenauen Konzept" bediene - mal mit, mal ohne Schreibwaren, Post- oder Reinigungsannahmestelle (öhm?).

Nachdem wieder pfundweise Vorschauen in die Buchhandlungen verschickt wurden, diskutieren die Buchhändler Sara Willwerth (Pro) und Klaus-Dieter Zobel über die Frage, ob "digitale Leichtgewichte" besser wären. Willwerth findet einen Service, der alle Novitäten verlagsübergreifend zusammenfasst ideal, Zobel mag beim besten Willen nicht am Bildschirm lesen.

Olala, nachdem die Barsortimente Libri, Umbreit und KNV angekündigt haben, die Gebühren um vier bis fünf Prozent zu erhöhen, sind die Buchhändler stinkig. "Ich bemühe mich verstärkt um Verlagsbestellungen und Bünderlungen. Bei Großhändlern werde ich weniger bestellen", kündigt beispielsweise die Tübinger Sortimenterin Ulrike Dahmen im Börsenblatt-Rundruf an.

Im "Menschen"-Ressort porträtiert Michael Roesler-Graichen den Chef des Bamberger Verlags C.C. Buchner, Gunnar Grünke - in dessen Brust ein preußisches Herz schlägt. Die Autorin Franziska von Gerstenberg beschreibt ihr Lieblingsbuchhandlung, das Antiquariat von Joachim Wilder in Hannover ("Man muss die Bücher schnuppern. Passend dazu gehe ich wie ein Trüffelschwein die Regale ab". Noch Fragen?). Den Fragebogen hat die wieder einmal herrlich unkompliziert wirkende Autorin Alexa Hennig von Lange ausgefüllt (Lebensmotto? "Mutig sein").

Weitere Themen: Thalia hat den Umsatz in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres um 25,9 Prozent gesteigert - das Plus ist allerdings vorwiegend durch die Übernahmen von Gondrom, Grüttefien und Buch & Kunst bedingt. buch.de hat seit Januar den Umsatz um 6,2 Prozent auf 25,8 Millionen Euro gesteigert - das vergleichsweise geringe Ergebnis-Plus (April bis Juni: 124.000 Euro) erklären die Münsteraner durch Investitionen ins Marketing. Vom 23. bis 27. April 2008 findet erstmals eine Buchmesse in Österreich statt (10.000 Quadratmeter im Designcenter in Linz).
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