Die Buchmacher

Keine Angst vor Amazon

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
27.08.2007. Warum Buchhändler keine Angst vor Amazon haben müssen. Wie Autoren am besten auf die Frage nach dem Autobiografischen reagieren. Was sich nach dem Joint Venture von Weltbild und Hugendubel vor einem Jahr getan hat. Und mit welchen Mitteln die französische Kulturministerin unabhängige Buchhandlungen retten will.

Börsenblatt

Top-Thema im Börsenblatt ist eine Analyse des Online-Buchhandels, dessen Wachstum "steil nach oben" zeige: Amazon habe das letzte Quartal umsatzmäßig mit plus 35 Prozent abgeschlossen (und dabei 71 Prozent des Umsatzes durch Medien erwirtschaftet), Weltbild habe mit seinen Shops im abgelaufenen Geschäftsjahr (Ende Juni) den Umsatz um 32 Prozent auf 333 Millionen Euro erhöht. Zwar sähen sich immer mehr stationäre Buchhändler durch die Online-Shops bedroht. Grund für Panik gebe es jedoch nicht, immerhin seien im Netz 2006 laut "Buch und Buchhandel in Zahlen" lediglich 700 Millionen Euro umgesetzt worden (dass es für die Zahlen offenbar keine verlässliche statistische Grundlage gibt, verschweigt der Autor - wie passten sonst die 333 Millionen Weltbild-Online-Umsatz ins Bild, wenn amazon.de klarer Marktführer in Deutschland ist?). Zum Thema interviewt Eckart Baier amazon.de-Chef Ralf Kleber (vorbildlich: Auszug im Heft, komplett im Netz: hier). "Ich halte die ganze Online-Offline-Diskussion für völlig überflüssig", erklärt Kleber auf die Frage nach der Angst der Buchhändler vor Amazon. "Als Händler sollte man immer wissen: Was will der Kunde von mir? In unserem Fall heißt die Frage: Warum gibt es 69 Millionen aktive Amazon-Kunden, die an unserem Angebot Gefallen finden? Das Bemühen um den Kunden ist das einzige, was zählt."

Rainer Moritz sinniert anlässlich der Lektüre von Hanns-Josef Ortheils neuem Roman "Das Verlangen nach Liebe" über unbequeme Fragestunden im Anschluss an Autorenlesungen. Ängstlich verenge sich der Blick des Veranstalters, wenn die Frage aller Fragen komme, "wenn endlich Klartext geredet und die Grenze des Fiktionalen überwunden werden soll" - ob das Buch autobiografisch sei. Strategien des Reagierens gebe es viele. "Ich rate Schriftstellern ein trockenes 'Ja, selbstverständlich' zu erwidern, was ihren Glamourfaktor schlagartig erhöht und solchen Veranstaltungen, mit Hanns-Josef Ortheil zu sprechen, 'alle Leidenschaft und alles Leuchten' zurückgibt."

Rote Zahlen, aber nicht mehr dunkelrote: Der DuMont Literatur und Kunst Verlag hat im ersten Halbjahr 2007 bei Literatur und Sachbüchern ein Umsatzplus von 67 Prozent und eine Verdreifachung der durchschnittlichen Auflage erzielt. Wie Börsenblatt-Autor bai meldet, will Verlagsleiter Marcel Hartges das Kölner Haus durch eine intensivere Betreuung der einzelnen Titel, 15 statt 30 Frühjahrs-Novitäten und die Einstellung der Programmlinie Kunstmarkt wieder auf Kurs bringen. By the way erwähnt der Autor, dass Hartges den kriselnden Verlag vom heutigen Vorsteher des Börsenvereins, Gottfried Honnefelder, übernommen hat.

Weitere Themen: Der Rostocker Buchhändler Manfred Keiper will mit einer zu gründenden Interessengemeinschaft literarischer Buchhandlungen ein Informationsnetzwerk schaffen und Synergieeffekte in Werbung und Öffentlichkeitsarbeit erzielen (hier die Meldung). Der Bertelsmann Buchclub schließt fünf Läden in Viersen, Oberhausen, Rheine, Bautzen und Görlitz; nach Bertelsmann-Angaben sei dies nicht der Auftakt zu einer "Schließungswelle" (hier die Meldung). Der Detmolder Buchhändler Stephan Jaenicke ist als Vorstand der Arbeitgemeinschaft Unabhängiger Buchhandlungen zurückgetreten. "Gründe hierfür waren inhaltliche Differenzen in Bezug auf einige Zielsetzungen der AUB (...) und ein deswegen zunehmend eskalierender Konflikt zwischen dem AUB-Vorstandsmitglied und -Initiator Hartwig Bögeholz und mir", zitiert das Börsenblatt aus der öffentlichen Erklärung. Im "Menschen"-Ressort interviewt Holger Heimann den "Odyssee"-Übersetzer Kurt Steinmann. Den "Fragebogen" hat die Kinderbuchautorin Kirsten Boie ausgefüllt (Lieblingsbeschäftigung? "Bara vara - Schwedisch für: Einfachnur sein").
Archiv: Börsenblatt
Stichwörter: Bautzen, Oberhausen

buchreport.express

buchreport macht sich in der aktuellen Ausgabe besonders Gedanken über den unabhängigen Sortimensbuchhandel. Anlässlich des einjährigen Bestehens des von Weltbild und Hugendubel begründeten DBH-Verbunds analysieren die Dortmunder, dass die Branchenlandschaft auf drei Klassen geschrumpft sei: XXXL-Ketten wie DBH und Thalia, die wenigen verbliebenen Regionalisten und die große Zahl an Independents. "Auch wenn die Großen aktuell mit der Herausforderung kämpfen, das Wachstum zu verdauen, und obwohl die guten Buchumsätze dieses Sommers zusätzlich Entspannung bringen, wächst der Druck auf den unabhängigen Buchhandel, zukunftsfähige Modelle fürs Weiterbestehen zu entwickeln", so buchreport. Die Ausgangslage für Kooperationen sei allerdings nicht gut, weil die Verbünde der Unabhängigen sich als uneinig und wenig durchsetzungsstark erwiesen. Der große, mehrspartige Börsenverein sei für eine zugespitzte Klientelpolitik nicht angelegt.

Independents, Teil zwei, diesmal Frankreich: Wie buchreport berichtet, hat die Schriftstellerin Christine Albanel (seit Mai 2007 Frankreichs Ministerin für Kultur und Kommunikation) in einem 148 Seiten umfassenden Papier einen Situationsbericht des französischen Buchmarkts vorgelegt und staatliche Fördermaßnahmen in Aussicht gestellt, um eine flächendeckende Versorgung mit qualitativ hochwertigen Büchern zu sichern. "Qualitätsbuchhandlungen" sollen nach den Vorstellungen der Ministerin demnächst ein Gütesiegel erhalten und durch Steuererleichterungen gefördert werden. Auswahlkriterien für entsprechende Sortimente seien Beratungs- und Angebotsqualität, die beispielsweise durch die angebotene Titelvielfalt und die Backlistpflege ermittelt werde.

In der letzten Ausgabe hatte buchreport gemeldet, dass der Weltmarktführer unter den Print-in-Demand-Anbietern, Lulu, in Deutschland Marktführer werden will und dass Amazon seinen On-Demand-Dienstleister CreateSpace für die Bücherbranche fit macht. Jetzt habe Books on Demand (BoD) nachgezogen und für das Programm "BoD Classic" (eigene ISBN und Buchhandelsanschluss) die Preise radikal gesenkt: 39 statt 149 Euro.

Weitere Themen: Thalia hat den Test bei den im Mai übernommenen Karstadt-Buchshops (insgesamt 89 Flächen) verschoben - laut buchreport könnten die Hagener unter dem Karstadt-Dach weitere 70 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. Beim Gerstenberg Verlag haben Verlagsleiter Edmund Jacoby und Ehefrau Nicola Stuart (bislang Cheflektorin) gekündigt; Gerüchte, dass Jacoby und Stuart im Clinch mit der Geschäftsführerin Amelie Gerstenberg lagen, hat Gerstenberg gegenüber buchreport "nicht bestätigt". Die britische Supermarktkette Sainsbury's will das Büchergeschäft ausbauen: mit mehr Regalmetern (bis 27), viel Werbung am Point of Sale und attraktiveren Flächen innerhalb der Filialen. Und hier die Bestsellerlisten.
Stichwörter: Buchmarkt, Lulu