Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
26.02.2007. Warum Literaturkritiker immer mehr zu Schaustellern werden. Wer Job-Rotation und Erfolgsbeteiligungen im Buchhandel einführen will. Wieviel Prozent des gesamten Sortimentsumsatzes die beiden größten Buchhändler DBH und Thalia schon heute vereinen. Und welche Konsequenzen der Börsenverein aus dem Sicherheitsleck bei Volltextsuche Online gezogen hat.

buchreport.express

Zu den buchreport-Standards gehört das Ranking der größten Buchhandlungen im deutschsprachigen Raum - bislang der größten 100 Sortimenter, ab sofort der Top-50. Demnach haben die beiden größten Buchhändler Thalia (640 Mio Euro) und DBH (674 Mio Euro) zusammen im vergangenen Jahr rund 1,3 Mrd Euro umgesetzt, das sind mehr als 20 Prozent des deutschsprachigen Sortimentsumsatzes. In Zukunft, so buchreport, gebe es nicht mehr viele Gelegenheiten zu "spektakulären Übernahmen". Gleichwohl würden die Branchengrößten den Filialbuchhandel bis 2008 um 45000 qm erweitern - allein für 2007 seien 26 Neueröffnungen geplant (hier der Einführungsartikel).

Eine Woche, nachdem buchreport die Sicherheitslücken beim Börsenvereins-Portal Volltextsuche Online aufgedeckt hat (hier die Zusammenfassung), betonen die Verbands-Volltextsucher zwar, dass derzeit lediglich eine Testversion online sei, die noch keine Schutzmechanismen beinhalte. Gleichwohl hat die Verbandstochter MVB aufgrund des Berichts laut buchreport inzwischen Konsequenzen gezogen: "Weil durch einen ,bedauerlichen Fehler' die interne Nutzerkennung und das Passwort für VTO vorzeitig öffentlich geworden seien, wurde Projektleiter Theodor Brüggemann freigestellt." Aus Verbandskreisen will buchreport jedoch erfahren haben, dass der erst zum 1. August 2007 als Projektleiter eingestiegene Brüggemann schon vorher "zur Disposition" stand. Außerdem hat buchreport recherchiert, dass ähnliche Sicherheitslecks auch bei Amazon ("Search Inside") und Google "Book Search") zu erkennen seien.

Im Interview erklärt die Hugendubel-Online-Fachfrau Petra Cerovac, warum die Münchner kürzlich einen "BuchBlog" eingerichtet haben. Die Kunden sollen animiert werden, mit den Buchhändlern ins Gespräch zu kommen. Derzeit läsen viele Kunden den Blog, kommentier werde weniger.


Mit einem Franchise-Einzelhandelssystem baut der Neustädter Buchgroßhändler Cobu seine Aktivitäten im Modernen Antiquariat (MA) aus. Cobu sorgt dabei für einen Sortimentsmix aus MA und sonstigen preisgebundenen Büchern. Mit einem Eigenkapital von 25000 bis 30000 Euro könnten expansionswillige Buchhändler eine Cobu-Filiale aus der Taufe heben (hier der Artikel).

Weitere Themen: Edel Music hat die Buchsparte von Pabel-Moewig gekauft. Der US-Buchhandel hat 2006 ein Umsatzminus von 2,9 Prozent eingefahren. Die Eulenspiegel-Verlagsgruppe hat den Rotbuch Verlag gekauft (hier der Artikel).
Stichwörter: Google Books, Antiquariate

Börsenblatt

Im Interview mit Holger Heimann wirft Hubert Winkels dem Kritiker-Gewerbe vor, "etwas vom Schaustellertum" zu haben. "Zu vornehm, zurückhaltend zu sein, heißt dann im Zweifel, gar nicht mehr bemerkt zu werden." Man müsse in der Zeit oder in der FAZ "nicht so auftrumpfen wie im Fernsehen oder in einem farbigen Magazin in Konkurrenz zur Idolatrie von Popstars. Es gibt noch einen Raum, in dem Literatur verhandelt wird, in dem das Schrille nicht zwingend ist. Ich unterstelle einfach, dass es ein Publikum gibt, das für die anderen Töne ein Gehör hat."

Christina Schulte stellt das flexible Vergütungsmodell der Erfurter Buchhandlung Peterknecht vor: Gehaltszulagen, flexible Arbeitszeitregelungen, Job-Rotation und Erfolgsbeteiligungen seien bereits eingeführt oder eingeplant.

Rainer Moritz schreibt in dieser Woche über das Problem ständig wachsender Hausbibliotheken. Ohne zu einer Lösung zu kommen: "Keine Sorge, liebe Buchhändlerin, natürlich darf ,Kassandra' bleiben, allein aus historischen Gründen. Wegwerfen, zerreißen, schreddern, verbrennen, zerschneiden ... keiner dieser Vorgänge erscheint akzeptabel. Ja, selbst zu guten Taten - meine überzähligen Werke bei der Diakonie oder der Seniorenresidenz Ewiger Frühling abzugeben - lasse ich mich nicht bewegen. Alle dürfen sie bei mir bleiben, alle."

Im Interview mit Michael Roesler-Graichen bezieht der US-Rechtswissenschaftler Lawrence Lessig beim Thema Copyright eine Gegenposition zu den Verlagen: Starre Regeln engten die innovative Netzkultur ein. Das Urheberrecht sollte sich laut Lessig nicht nur auf das Anfertigen von Kopien beschränken.

Weitere Themen: Die Leipziger Buchmesse eröffnet in diesem Jahr (22. bis 25. März) mit einem Aussteller- und Flächenplus von 5 Prozent. Im Kölner Stadtteil Sülz machen die Bürger mobil gegen den für den Herbst geplanten Zuzug des Filialisten Mayersche - hinter der Aktion stecken fünf kleinere Sortimenter. Der Frankfurter Versandhändler Zweitausendeins will mit Shop-in-Shop-Lösungen die Kooperation mit Buchhändlern einfädeln; auf 40 bis 50 qm sollen rund 1000 Artikel aus dem hauseigenen Angebot präsentiert werden.
Archiv: Börsenblatt