In der
Welt erklärt der Soziologe
Armin Nassehi, was das eigentlich Subversive an Weihnachten ist:
die Stille. Das wusste schon Maria, als sie auf Elisabets Gruß mit dem
"Magnificat" antwortete: "Nicht umsonst hat die Theologie diesen Text gerne feministisch gelesen oder auch
sozialrevolutionär. Jedenfalls verweist er darauf, wie voraussetzungsreich es ist, die Grundstruktur der Welt, die Routinen des Alltags, die Selbstverständlichkeiten der Ordnung, die Alternativlosigkeit des Gewohnten infrage zu stellen. Und so naiv mein Argument auch klingen mag, so sehr muss man sich doch darüber wundern, dass es Weihnachten bis heute gelingt,
alle Systeme herunterzufahren, den Hochmut der großen Sprecher wenigstens zeitweise, wenn nicht verstummen, so doch leiser werden zu lassen, und die Mächtigen wenigstens kurz auf Normalmaß zu reduzieren."
Mona Jaeger berichtet in der
FAZ (politischer Teil) über die immer noch steigende
Zahl der Kirchenaustritte in Deutschland. In Köln hat sie einen jungen Mann nach seinen Gründen gefragt. Ihn stört die
Intransparenz bei den Kirchensteuern: "Trotz sinkender Mitgliederzahlen
steigen die Einnahmen, weil der Arbeitsmarkt sich gut entwickelt und Lohn- und Einkommensteuer steigen. Die katholische Kirche nahm 2018 6,64 Milliarden Euro ein, die evangelische 5,79 Milliarden Euro. Es ist dem jungen Mann nicht gelungen, Näheres über die
Verwendung des Geldes zu erfahren. Jeder Verein müsse transparent machen, was er mit seinen Einnahmen mache, die Kirche aber nicht. Das stört ihn."
Langsam aber stetig wächst in der
arabischen Welt ein
neuer Säkularismus heran. Grund dafür ist vor allem die Unzufriedenheit mit religiösen und sektiererischen Parteien,
meint Mustafa Akyol in der
New York Times. Auch im
Iran und der
Türkei zeigt sich dieser Trend: "In der Türkei, meinem Land, sind unter Präsident Recep Tayyip Erdogan die ehemals marginalisierten Islamisten der Türkei zur neuen Führungselite geworden. Dadurch konnten sie ihren Glauben sichtbarer und durchsetzungsfähiger machen - aber es ist auch ein Feigenblatt für ihre
unersättliche Machtgier. Wie der in der Türkei geborene Soziologe Mucahit Bilici beobachtet hat, 'wird der Islamismus in der Türkei heute in der öffentlichen Meinung mit
Korruption und Ungerechtigkeit assoziiert'. Und viele Türken verabscheuen ihn mehr als je zuvor. Die Desillusionierung gilt oft nur dem Islamismus als politisches Instrument, aber er kann sich gegen den Islam, die Religion, selbst wenden."
In
Indonesien wächst dagegen der Trend zum Religiösen auf die hässlichste Weise und richtet sich immer mehr
gegen Homosexuelle,
berichten Richard C. Paddock und Muktita Suhartono in der
Times. Vor allem Bewerber um
Arbeitsplätze müssen inzwischen häufig Fragen beantworten, die über ihre sexuelle Orientierung Auskunft geben soll: "Im September stand das Parlament kurz vor der Verabschiedung einer Änderung des Strafgesetzbuches, die
schwul-
lesbische Beziehungen effektiv geächtet hätte. Ein ähnlicher Vorschlag wird für das neue Jahr erwartet. In Bekasi Regency, das an die Hauptstadt Jakarta angrenzt, erklärte die Kinderschutzbehörde diesen Monat, dass sie anhand von Polizeiakten
4.
000 Menschen identifiziert habe, die an der 'Krankheit' leideten, lesbisch, schwul, bisexuell oder transgender zu sein. Theorien fördernd, die im Westen widerlegt wurden, erklärte der Beauftragte der Agentur, Mohamad Rojak, gegenüber Reportern, dass 'die Mehrheit der sexuellen Desorientierungen' durch einen 'sorglosen Lebensstil' verursacht worden seien und forderte die Menschen auf seiner Liste auf, ihren Zustand durch
eine '
Therapie' zu überwinden.'"