9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

821 Presseschau-Absätze - Seite 27 von 83

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.04.2020 - Religion

Aktualisierung um 16 Uhr: Hier ist der Perlentaucher auf eine April-Fakenews hineingefallen! Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit fand am Montag eine Razzia in sämtlichen Diözesen Deutschlands statt, um Akten für die Klärung von Missbrauchsfällen sicherzustellen, berichtet hpd.de. Ziemlich heftig klingt ein von hpd.de zitiertes Statement des Sprechers des Generalbundesanwalts: "Nachdem aufgrund der freiwilligen Herausgabe von Akten durch die Bistümer keine einzige Anklage erhoben werden konnte, müssen wir leider davon ausgehen, dass die Bistumsverantwortlichen den Ermittlungsbehörden bewusst nur jenes Material zur Verfügung gestellt haben, das nicht genügend Hinweise für ein Strafverfahren liefert oder bei denen die Taten verjährt beziehungsweise die mutmaßlichen Täter bereits verstorben sind. Daher mussten wir nun selbst aktiv werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.03.2020 - Religion

Die Ahmadiyya-Sekte präsentiert sich in der Öffentlichkeit gern als "Reformgemeinde". Aber sie ist strikt auf sich selbst bezogen und will vor allem den Islam des Ursprungs wiederherstellen - unter einem gewählten Khalifen, dem nach dem Tod des Gründers der Sekte große Macht zufällt, erzählt Naureen Ghaury, die in dieser Gemeinde aufgewachsen ist, bei hpd.de: "Der Khalif gibt als Oberhaupt der Gemeinde Anweisungen über alle Lebensbereiche der Gemeinde-Mitglieder, die von den Mitgliedern streng befolgt werden müssen. Ansonsten können Sanktionen drohen und im schlimmsten Fall eine Exkommunikation aus der Gemeinde erfolgen. Die Einhaltung dieser Gebote wird durch die enge Gemeinschaft in den lokalen Gemeinden sozial kontrolliert, zum Beispiel wird weitererzählt, wenn ein Mädchen ohne Kopftuch gesehen wird. Dies führt zu einem starken Konformitätsdruck und lässt keinen Raum für eine freie persönliche Entwicklung ohne Schuld und Angst."
Stichwörter: Ahmadiyya-Gemeinde, Sekten

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.03.2020 - Religion

Gute Nachrichten für die Katholische Kirche! Sie hat dicke genug Geld, um eine Milliardenentschädigung an die Opfer sexuellen Missbrauchs zu zahlen, hat bei hpd.de Matthias Krause herausgefunden. "Die Auswertung der Bistumsbilanzen zeigt: Die Bistümer könnten - zumindest gemeinsam, die meisten aber auch alleine - die Milliarden-Entschädigung für die Missbrauchsopfer völlig ohne Probleme schultern. Allein in den Jahren seit Bekanntwerden des Missbrauchsskandals haben die Bistümer Milliardenüberschüsse erwirtschaftet - Geld, das eingenommen, aber nicht ausgegeben wurde, und daher sofort für die Entschädigungen verwendet werden könnte, ohne dass das Leben in den Bistümern dadurch beeinträchtigt würde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.02.2020 - Religion

A propos Religionsfreiheit. Was diese mittlerweile in den USA bedeutet, zeigt Katherine Stewart im Blog der NYRB. Dort wurde eine neue Richtlinie verabschiedet, die es selbst staatlich geförderten, gemeinnützigen NGOs erlaubt, unter Berufung auf die "religiöse Freiheit" gewisse Unterscheide zu machen: "So könnte etwa eine gemeinnützige religiöse Organisation, die staatliche Zuschüsse erhält, Schwule und Lesben von bestimmten Leistungen ausschließen. Beratungsorganisationen, die für ihre Hilfe vom Staat vergütet werden, können ihre Klienten erzählen, dass Gott ihre Probleme löse wird, wenn sie sich ihm nur unterwerfen. Suppenküchen, die Regierungsbeihilfen erhalten, könnten von ihren Kunden fordern, erst einmal in den Gottesdienst zu gehen, bevor sie was zu Essen bekommen. Allen wird es erlaubt sein, bei Einstellungen auf Grundlage des Glaubens zu diskriminieren. Niemand wird verpflichtet werden, die Menschen über säkulare Alternativen zu informieren, und auch die Regierung wird diese nicht anbieten müssen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.02.2020 - Religion

Was der Jürgen Kaube so zum Aufmacher seines FAZ-Feuilletons macht. Heute "Die Muslime und wir", einen ganzseitigen Text des ehemaligen CSU-Rechtsaußen Peter Gauweiler, der in der Rente zum Weihrauchschwenken neigt. Er plädiert "für eine versöhnte Verschiedenheit". "Die Muslime und wir. Ich frage dazu jemanden, der ganz unverstellt mit dem Evangelium lebt: 'Jesus ist gekommen, um bei denen zu sein, die ihn nicht kennen', sagte mir Schwester Veronika, die Oberin der Schwestern der heiligen Teresa von Ávila im Karmel Aufkirchen am Starnberger See. 'Die Moslems sind auch auf der Suche nach Gott, gerade auch die Frauen.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.02.2020 - Religion

In der NZZ berichtet Judith Leister von einem Streit, der die orthodoxe Kirche zu zerreißen droht: Seit der Patriarch von Konstantinopel der Gründung einer orthodoxen ukrainischen Kirche (die bisher dem Moskauer Patriarchat unterstand) zustimmte, "befürchtet man ein Auseinanderfallen der Kirche in zwei Lager - pro Konstantinopel und pro Moskau. ... Die innerorthodoxen Gräben in der Ukraine verlaufen entlang der alten territorialen Bruchlinien des Landes. Am stärksten ist die neue Kirche (OKU) in der Westukraine, dem ursprünglich polnischen und später österreichisch-ungarischen Galizien. In der Zentral- und Ostukraine, dem urorthodoxen Gebiet der Kiewer Rus, dominiert hingegen die Kirche des Moskauer Patriarchats (UOK). Die Ost-West-Spaltung spiegelt sich auch auf geopolitischer Ebene wider: Während der Kreml essenzielles Interesse am Machterhalt des Moskauer Patriarchats in der Ukraine hat, haben die USA sich für die Verleihung der Eigenständigkeit an die Orthodoxe Kirche der Ukraine eingesetzt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.02.2020 - Religion

Franziskus hat die Vorschläge der Amazonas-Synode, verheiratete Männer zur Weihe und Frauen zur Weihe zu Diakoninnen in der Amazonas-Region zuzulassen (Unser Resümee), vom Tisch gefegt, meldet der Tagesspiegel mit dpa: Stattdessen sollten "lateinamerikanische Bischöfe (…) mehr Menschen ermutigen, Priester zu werden, und sie dazu bewegen, ins Amazonasgebiet zu gehen - statt in Länder wie die USA abzuwandern." Frauen sollten "'eine zentrale Rolle in den Amazonasgemeinden spielen, Zugang zu Aufgaben und auch kirchlichen Diensten haben, die nicht die heiligen Weihen erfordern, und es ihnen ermöglichen, ihren eigenen Platz besser zum Ausdruck zu bringen'. Ein Bischof müsse sie zu solch einem Dienst beauftragen. 'Das bedeutet auch, dass Frauen einen echten und effektiven Einfluss in der Organisation, bei den wichtigsten Entscheidungen und bei der Leitung von Gemeinschaften haben, ohne dabei jedoch ihren eigenen weiblichen Stil aufzugeben.'"
 
Die Exhortatio des Papstes ist ein "Dokument der Angst", kommentiert Matthias Dobrinski in der SZ: "Der Angst vor dem Dominoeffekt, vor dem Kontrollverlust, vor allem aber vor dem Argument, das die alten Festlegungen infrage stellen könnte. Für den Synodalen Weg, die Reformdebatte der deutschen Katholiken, ist das ein schlechtes Zeichen. Die Mehrheit dort wünscht genau diese Öffnungen, die konservative Minderheit aber wird nun den Papst auf ihrer Seite sehen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.01.2020 - Religion

Der Druck auf muslimische Mädchen, Kopftuch zu tragen, geht stark von Islamverbänden und Funktionären aus, vermutet Ronald Bilik bei hpd.de, der darum dem österreichischen Kopftuchverbot an Schulen bis 14 Jahren zustimmt: "Das Ziel dieser Verbände liegt in der Konservierung der gegenwärtigen Verhältnisse der islamischen Parallelgesellschaft. Das Kopftuch wird mit dieser pädagogischen Praxis zur zweiten Haut, die Mädchen werden dieses daher auch großteils im Erwachsenenalter nicht mehr ablegen und massive Probleme haben, wenn sie auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen möchten. Die meisten dieser Frauen werden damit verurteilt sein - ganz dem traditionell islamischen Frauenbild entsprechend - zu Hause bei den Kindern bleiben und ihrem Mann zu dienen, von dem sie zeitlebens finanziell abhängig bleiben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.01.2020 - Religion

Der Katholikentag in Stuttgart 2022 bekommt 1,5 Millionen Euro in bar und Sachleistungen sowie Gebührenbefreiungen in Höhe von maximal 350.000 Euro von der Stadt, berichtet Gisa Bodenstein bei hpd.de: "Wie aus dem öffentlich einsehbaren Protokoll der Sitzung hervorgeht, hat dies der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats der Stadt bereits am 6. November bei drei Gegenstimmen und ohne weitere Diskussion beschlossen. Die Gegenstimmen kamen von der 'FrAKTION', bestehend aus Linken, SÖS (Stuttgart Ökologisch Sozial), Piraten und Tierschutzpartei." Die Katholische Kirche hofft aber auch anderweitig auf die unmittelbare Zukunft: "Vom Bundesland Baden-Württemberg erhofft man sich einen Zuschuss in Höhe von zwei Millionen Euro, der Bund soll über das Innenministerium weitere 600.000 Euro beisteuern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.01.2020 - Religion

Der Autor Bernhard Schlink setzt in der FAZ (politischer Teil) auf einen Psychotrick, um immer mehr Deutsche vom Austritt aus den Kirchen abzuhalten. Statt diesen Austritt in einem Amtsakt bei den Behörden zu deklarieren, solle man ihn doch bitte in den Kirchen erklären, wo noch ein Gespräch möglich sei: "Womit immer die Kirchen die Beendigung des Verhältnisses zwischen sich und ihren Mitgliedern vergleichen wollen, dem Verlassen eines Vereins, eines Teams, einer gemeinsam betriebenen Praxis oder Kanzlei, einer Beziehung, einer Freundschaft - wenn der Verlassende nicht das Gespräch sucht, wird es von den Verlassenen gesucht. Was hat an dem Verhältnis nicht gestimmt? Warum ist es gescheitert? (...) Die Umstellung der Erklärung des Kirchenausstritts vom Standesamt oder Amtsgericht aufs Pfarramt wird die Zahl der Kirchenaustritte nicht wesentlich verringern. Aber sie macht aus dem Pfarrer als hilflosem Beobachter von Austritt um Austritt einen Handelnden, einen Beteiligten."