Die
wahre Stärke Israels ist "jene des Geistes, des Maßes, der Kultur",
sagt Bernard-Henri Lévy in einer Rede, die er in Israel gehalten hat und die auf seiner Seite
La Règle du Jeu veröffentlicht ist. Er erklärt in dem Text nochmal seine
Liebe zu Israel: "Ich halte zu Israel, weil es ein winziges Land ist, unendlich zerbrechlich und von allen Seiten bedroht." Aber er benennt auch die
fatalen Tendenzen in der israelischen Regierung und Teilen der Bevölkerung, die palästinensische Bevölkerung
aus Gaza zu vertreiben: "Auch wenn für Sie, die Israelis, die Vorstellung, dass an Ihren Grenzen Frauen und Männer leben, von denen viele das Massaker vom 7. Oktober
bejubelt haben und manchmal nur davon träumen, es in noch größerem Umfang zu wiederholen, ein Albtraum ist, darf niemals eine jüdische Armee bei einer Zwangsumsiedlung der Bevölkerung mitwirken, wie sie die US-Regierung offenbar plant - und
verrückt sind jene, die so denken, denn es wäre die gesamte jüdische Ethik, ihre ältesten und heiligsten Gebote, es wäre die Menschlichkeit des 'anderen Menschen', wie er von der jüdischen Moderne neu gedacht wurde, die dadurch zutiefst erschüttert und vielleicht auch
irreversibel zerstört würden." Lévy hat auch eine pragmatische Idee: Wie wär's, wenn man den verbliebenen Hamas-Führern, statt sie einen nach dem anderen zu erledigen, eine Zuflucht in einem arabischen Land böte, wenn sie die
Geiseln freiließen. Ruhmloses Exil wäre ihr Los. "Ist der Schlag gegen eine Organisation, die ihr armseliges Ansehen nur daraus bezieht, dass sie sich der israelischen Armee widersetzt, nicht eine Aufschiebung der Strafe wert?"
Israel will 75 Prozent des Gaza-Streifens besetzen,
berichtet Lisa Schneider in der
taz unter Bezug auf Berichte israelischer Medien. Für diese Palästinenser soll das besetzte Land "mit der israelischen Ankündigung zur
No-Go-Zone werden. Betroffen sind auch Gebiete, in die zuvor viele Binnenvertriebene flüchteten, etwa die südliche Stadt Chan Junis. Die Palästinenser sollen in
drei Zonen gebracht werden, unter anderem "nach Al-Mawasi, eine vor dem Krieg recht dünn besiedelte und viel als Farmland genutzte Gegend im Süden des Küstenstreifens. Dieses Gebiet soll, so
Times of Israel, als 'sicherere Zone' ausgewiesen werden, statt wie im vergangenen Jahr als 'humanitäre Zone'. Nach Schätzungen des israelischen Militärs sollen dort heute bereits 700.000 Menschen untergekommen sein. Viele von ihnen leben in Zelten, teils auf dem Sand des Strandes. Weil das Gebiet schon vor dem Krieg geringer besiedelt war, gibt es noch weniger Infrastruktur als in anderen Gebieten."
Donald Trump forderte nun einen
Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas,
meldet unter anderem die
Jüdische Allgemeine mit
dpa: "
Sky News Arabia und andere Nachrichtensender in der Region zitierten Quellen, wonach es immer wahrscheinlicher wird, dass Trump in den kommenden Tagen tatsächlich einen Waffenstillstand ankündigen könnte. Dieser wäre laut zitierten 'sachkundigen Quellen' Teil einer Vereinbarung, die auch die Freilassung der israelischen Geiseln vorsieht."
Die deutsche Haltung gegenüber Israels
Kriegsführung in Gaza ändert sich - auch Friedrich Merz schlägt mittlerweile kritischere Töne an. Gleichzeitig sehen sich Juden seit dem 7. Oktober massiv bedroht, Kritik an der Regierung Israels droht schnell in Verallgemeinerungen und Antisemitismus abzudriften. Bei
Zeit Online fragt Johannes Schneider, wie man in Deutschland die Waage halten kann: "Was aber wäre nun eine
programmatische Alternative zum Dualismus aus deutscher Erinnerungskultur und Postkolonialismus, die nicht zugleich das Leid in Gaza und die Angst jüdischer Menschen weltweit verneint oder gar verhöhnt? Die Antwort ist schwer bis unmöglich. Ein möglicher Teil könnte jedoch sein, dass Deutschland dezidiert keine Kolonie der Diskussionen in Großbritannien oder Frankreich sein kann. Demnach wären die deutschen Besonderheiten im Umgang mit Israel nichts, was - bei aller Reformbedürftigkeit -
schnellstmöglich eingeebnet werden müsste. Vielmehr wäre die spezifische Sensibilität für jüdisches Leben, sofern sie tatsächlich gegeben ist, ein unbedingt erhaltenswerter Regionalismus. Und der deutsche Blick auf die Stellen, an denen Palästina-Solidarität die Grenzen zum Judenhass überschreitet, darf besonders kritisch sein, alles andere wäre ahistorisch und ungenau."
Der von
FR-Redakteur Michael Hesse befragte Politikwissenschaftler
Olivier Roy ist sich hingegen
sicher: "Es geht nicht mehr um die Sicherheit Israels, sondern um einen Völkermord an den Palästinensern." Auch die
Freilassung der Geiseln durch die Hamas könne Netanjahu nicht stoppen: "Vielleicht am Anfang, aber jetzt ist es zu spät. Die Freilassung der Geiseln würde die Hamas ihres letzten Druckmittels berauben, aber dieses Druckmittel funktioniert einfach nicht mehr. Die derzeitige israelische Regierung hat kein Interesse daran, den Krieg zu beenden, und die israelische Opposition ist nicht in der Lage, der Regierung einen Waffenstillstand aufzuerlegen. Die Hamas sitzt also in der Klemme."
Gerade noch hatte Trump per Telefon zwei Stunden lang mit Putin geflirtet, nun sagt er,
Putin sei völlig verrückt geworden - und reagiert damit darauf, dass Putin sich von Trump so gar nicht hat beeindrucken lassen und immer mehr Drohnen gegen die Zivilbevölkerung der Ukraine einsetzt. "
Das Scheitern Trumps, der den Ukraine-Konflikt innerhalb von 24 Stunden lösen wollte, ist total",
schreibt Pierre Haski bei
France Inter. "Der US-Präsident wurde von Wladimir Putin
an der Nase herumgeführt und versucht nun vergeblich, sein Gesicht zu wahren. Emmanuel Macron, der sich derzeit in Vietnam aufhält, äußerte gestern den Wunsch, dass Donald Trumps 'Wut' in 'Taten' münden möge. Das heißt, dass er Russland härter sanktioniert, als er es vor zehn Tagen zu tun bereit schien, sollte Putin den Waffenstillstand und Verhandlungen ablehnen. Nun ist es soweit, und Trump steht mit dem
Rücken zur Wand."