9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturpolitik

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.03.2023 - Kulturpolitik

Im Dezember forderte Kulturstaatsministerin Claudia Roth, den Namen Preußens aus der Bezeichnung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zu streichen. Die ganze Debatte war offenbar ein "Ablenkungsmanöver", schreibt Bernd Müller in der Berliner Zeitung: "Denn nach dem Willen des Stiftungsrates, dem Roth vorsteht, soll die gesamte Struktur des Kulturkolosses umgebaut werden. Als 'dysfunktional' und 'überfordert' wurde sie in der Vergangenheit bezeichnet. Daher solle den einzelnen Einrichtungen mehr Autonomie und Eigenverantwortung gewährt werden, damit sie ihre Potenziale besser ausschöpfen können. So hat es der Stiftungsrat im Dezember beschlossen. Schon diese Entscheidung des Gremiums steht allerdings im Widerspruch zu den Strukturempfehlungen des Wissenschaftsrates aus dem Jahr 2020. Und das sorgt innerhalb der Einrichtungen der Stiftung für Unmut, wie aus internen Schreiben hervorgeht. Das betrifft etwa den Verbund der Staatlichen Museen Berlin (SMB), dessen zentrale Strukturen aufgelöst werden sollen. Die Namensdebatte, so munkelt man intern, sei eine Nebelkerze, um von nachhaltigen Strukturreformen abzulenken, die der bisherigen Führung gefährlich werden könnte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.03.2023 - Kulturpolitik

Scharouns Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße in Berlin wird in drei Jahren offenbar bis "etwa 2040" wegen Renovierung geschlossen, lesen wir so nebenbei in der FAZ. Das ist es aber gar nicht, was Gerald Wagner ärgert, sondern das Vorhaben von Generaldirektor Achim Bonte, das Haus in ein "lebendiges Kommunikationszentrum" zu verwandeln, in dem die Studenten "sitzen, stehen oder liegen" können, "absolute Ruhe oder gute Gesprächsmöglichkeiten" finden. Und die Forscher, ruft ein entgeisteter Wagner? Sind ihre Ansprüche "denn nicht durch den eigentlichen Existenzzweck dieses Hauses legitimiert? Nämlich eine 'Forschungsbibliothek der Moderne' zu sein, auch nach 2050?"

Die Neue Pinakothek ist im fünften Jahr geschlossen, das Haus der Kunst dringend sanierungsbedürftig - und die Sanierung des Gasteigs bis auf weiteres verschoben, schreibt Susanne Hermanski in der SZ: "Um die horrende Baukostensteigerung von den ursprünglich errechneten 450 Millionen Euro hochzurechnen - auf eine knappe Milliarde -, brauchten die Münchner ebenso wenig ein Orakel wie mögliche Investoren. Falls es Interessenten gab, haben sie inzwischen das Weite gesucht. Wann und wie die Generalsanierung des Gasteig nun vonstatten gehen soll, ist ungewiss. Um die Katastrophenplanung zu überschminken, wird die größte Kulturzentrumsruine Europas jetzt der Freien Szene als Spielplatz zur Zwischennutzung zur Verfügung gestellt. Die Bibliothek, die Musik- und die Volkshochschule quetschen sich in die Container neben der Isarphilharmonie."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.03.2023 - Kulturpolitik

Der Berliner Zeitung liegt ein Bericht des Bundesfinanzministeriums vor, aus dem hervorgeht, dass demgeplanten Bau des Museums der Moderne in Berlin zusätzliche Kosten von etwa 80 Millionen Euro drohen, berichtet Ulrich Paul ebenda: "Laut dem Bericht sind für das Museum der Moderne im Bundeshaushalt 2023 derzeit Gesamtausgaben in Höhe von rund 376 Millionen Euro eingestellt. Benannt wurden zudem bis zu 33,8 Millionen Euro allgemeine Risikokosten, 10,3 Millionen Euro an sogenannten projektspezifischen Risikokosten und bis zu 52,2 Millionen Euro Kosten durch künftige Baupreisindexsteigerungen. Die nun drohenden Zusatzkosten von 80 Millionen Euro würden dem Bericht zufolge noch dazukommen. Die Gesamtausgaben könnten also auf mehr als eine halbe Milliarde Euro steigen. Zur Erinnerung: Gestartet worden war das Projekt einst mit der Prognose, dass sich die Kosten auf 200 Millionen Euro belaufen."

Rund vierzig Wissenschaftler haben in einem offenen Brief gegen die Zustände an der Münchner Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung protestiert (Unsere Resümees), darunter Ulrike Draesner, Valentin Groebner, Monika Rinck und Joseph Vogl, schreibt Jörg Häntzschel in der SZ. "Unterdessen gibt es weitere Hinweise darauf, dass Geschäftsführer und Gremienmitglieder die Stiftungsgelder gerne untereinander, an sich selbst oder an die eigenen Schüler verteilten. So wurde die vom früheren Geschäftsführer Heinrich Meier herausgegebene Ausgabe der Schriften von Leo Strauss mit Stiftungsmitteln bezuschusst. Fellows der Stiftung halfen bei der Arbeit. Dies geht aus den Angaben in den Werken hervor."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.03.2023 - Kulturpolitik

"Im Haus der Kulturen der Welt gibt es keinen Raum für Hassreden oder Gewalt jeglicher Art. Es gibt keinen Raum für Altersdiskriminierung, Antisemitismus, Geschlechterdiskriminierung, Homophobie, Islamophobie, Rassismus, Sexismus, Transphobie, Xenophobie und dergleichen" - ganz im "Stil eines zornigen Predigers" verkündete Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, neuer Leiter des Hauses der Kulturen der Welt, das neue Programm im vollbesetzten Auditorium, berichtet Rüdiger Schaper im Tagesspiegel. Er ist wenig beeindruckt, denn: "All das galt hier schon immer. Bonaventures Vorgänger Bernd Scherer hat das Haus untadelig geführt. Geht es internationaler als international, vernetzter als vernetzt, offener als offen? (…) Bonaventure kann das HKW nicht vollständig neu erfinden. Die großen Themen sind angelegt. Was sich ändert, ist der Stil: lauter, bunter, missionarischer. Und immer auf der richtigen Seite." Ebenfalls im Tagesspiegel fehlt Katrin Sohns ein "Funken Bescheidenheit, eine selbstkritische Reflexion darüber, wann kulturelle Praktiken wichtige Impulse zu den Themen unserer Zeit setzen können, wo sie aber auch an ihre Grenzen stoßen. Was vielleicht auch fehlt, ist ein Schuss Selbstironie: Werden Fungi, Brot-Brechen oder Live Drumming wirklich die Probleme unserer Welt lösen?"

Hanno Hauenstein ist in der Berliner Zeitung zwar voller Vorfreude, aber auch tief betroffen, dass sich Ndikung schon vor seinem Amtsantritt kritischen Fragen zu seiner BDS-Nähe stellen musste: "Ob die Unfähigkeit, den ursprünglich aus Kamerun stammenden Kurator in einer öffentlichen Leitungsfunktion in Deutschland zu akzeptieren, mit unterschwelligem Rassismus zusammenhängt?"

"Das Existenzrecht Israels ist unverhandelbar. Gleichzeitig erkenne ich das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser und ihr Streben nach einem eigenen Staat an", sagt Ndikung im SZ-Gespräch mit Jörg Häntzschel, beteuernd, er würde heute Israel nicht mehr als "Apartheidsregime" bezeichnen. Im Gespräch erklärt er auch, wie er sich die Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus vorstellt: "Für eine Kolonie braucht es nicht nur Kolonisierte, sondern auch Kolonisatoren. Die Kolonialgeschichte betrifft also nicht nur mich, sondern auch Sie und uns alle. 'Postkolonial' bedeutet auch nicht 'nach dem Kolonialismus', es beschreibt eine Kontinuität. Die koloniale Macht wirkt in unseren Gesellschaften weiter. Wir wollen uns das an vielen Beispielen ansehen, vom russischen und amerikanischen Imperialismus bis hin zu der Frage, warum die Währung einiger frankophoner Länder Afrikas, der CFA, noch immer an den französischen Franc gekoppelt ist, obwohl der Franc nicht mehr existiert."

Paul Jandl greift in der NZZ die Geschehnisse um die Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung (unser Resümee) auf, deren Chefs Armin Mohler und der bis in letzte Jahr regierende Heinrich Meier dem Rechtsextremismus nahestanden. Das störte die feine Münchner Gesellschaft und all die von der Stiftung Alimentierten aber offenbar nicht. Die Stiftung hat deren Nachfolger Marcel Lepper, der die Geschichte aufarbeiten wollte, bekanntlich fristlos entlassen. Lepper darf sich dazu nicht äußern, weil er mit der 600 Millionen Euro schweren Stiftung eine gütliche Einigung getroffen haben soll. Ein Interessantes Detail liefert Jandl über die Geschichte der Stiftung nach: "Die Biografie von Ernst von Siemens, der alleinstehend und kinderlos starb, ist im Grunde unerforscht. Nachlässe stehen nicht zur Verfügung, aber aus den Lebensdaten ließe sich auf ideologische Kontinuitäten in der Stiftung schließen. Ernst von Siemens selbst hat Armin Mohler über Vermittlung des ehemaligen SS-Obersturmbannführers Franz Riedweg nach München geholt. Hinter den schöngeistigen Zwecken des Instituts gedieh ein politisches-publizistisches Œuvre, das zu diesen im krassen Gegensatz stand."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.03.2023 - Kulturpolitik

Für die Welt resümiert Matthias Busse eine Tagung im Museum am Rothenbaum zum Thema "Benin: Welche Zukunft nach den Rückgaben?". Knapp drei Monate, nachdem Deutschland 22 Benin-Bronzen an Nigeria restituierte, sollte geklärt werden, wann und wo die Bronzen ausgestellt werden, Phillip Ihenacho, der Vorsitzende der Stiftung für das geplante Edo Museum of West African Art (Emowaa) in Benin City, der auch Mitglied der international besetzten Benin Dialogue Group (BDG) ist, fehlte allerdings - vermutlich weil innerhalb der BDG gerade darüber gestritten wird, wer ein neues Museum erhält, so Busse: die Herrscherfamilie von Benin oder die halbstaatliche Emowaa-Museumsstiftung. Als Gegenspieler von Ihenacho tritt der Bruder des Benin-Königs, Prinz Aghatise Erediauwa, auf, der den Familienbesitz zurückverlangt: "Er bestreitet eine Miteigentümerschaft der Bevölkerung des nigerianischen Bundesstaates Edo, dessen Territorium etwa das Kernland des historischen Königreichs Benin umfasst." Er erklärte: "'Es sind keine Kunstwerke, sondern sie sind spirituell. Wir erhalten mit ihnen unsere Seele, einen Teil unseres Lebens zurück.' Dass im Königreich Benin Menschen geopfert wurden, bis die Briten diese grausamen Rituale beendeten, sprach er so wenig an wie die Verstrickung seiner Vorfahren in den Sklavenhandel. Damit wird klar, dass unter königlicher Ägide den Museumsbesuchern nur eine einseitige, den Oba verherrlichende Deutung der Geschichte gezeigt werden würde. Eine unabhängige wissenschaftliche Arbeit bliebe so zumindest stark erschwert. Dass das Emowaa bereits entsteht, fand während des Abends keine Erwähnung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.03.2023 - Kulturpolitik

In Berlin erarbeiten einige Gruppen von Experten ein "dekoloniales Erinnerungskonzept" für die Stadt. Aber außer dass sie zuständig sind, klingen ihre Konzepte laut Susanne Mermania in der taz überraschend vage: "Was ist ein Erinnerungskonzept zum Thema Kolonialismus? 'Es gibt keine Formel, die man fertig entwickelt. Aber wir können festlegen, was uns wichtig ist', sagte sie. Später ergänzte Fogha Mc Refem, der in der Arbeitsgruppe 4 zur Frage arbeitete, welche Erwartungen an das Berliner Erinnerungskonzept es in den ehemals deutschen Kolonien gibt: Vielleicht müssten wir versuchen, Erinnerung als eine 'Praxis wie einen Tanz' zu entwickeln. 'Erinnerung ist offen. Vielleicht brauchen wir keine Antwort, sondern Offenheit.'" Eines ist aber jetzt schon klar: "Wir kommen nicht umhin, jemanden auszuschließen, wir müssen selektiv sein, aber wie? Das wird eine heiße Diskussion werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.03.2023 - Kulturpolitik

Die Hohenzollern haben klein beigegeben, sie ziehen ihre Klage gegen das Land Brandenburg auf die Rückgabe von Immobilien wie Schloss Rheinsberg und Cäcilienhof zurück, weil sie vielleicht doch zu Recht enteignet wurden angesichts der Nazinähe von Kronprinz Wilhelm. Die Historikerdiskussion, zu der sie in Berlin geladen hatte, taugt nur noch für Glossen: "Preußen forscht", frotzelt Andreas Kilb in der FAZ. In der SZ bemerkt Lothar Müller allerdings: "Irgendein Wort zu den Klagen, mit denen das Haus in der Vergangenheit Historiker und Journalisten überzogen hat und die es nun bedauert, hätte der Mini-Tagung gut angestanden."

Im Tagesspiegel möchte Nikolaus Bernau keine Entwarnung geben: Die Hohenzollern erheben noch immer Anspruch auf mehrere tausend Kunstwerke. Wie steht es "um jene Kunstwerke, die diese Familie mit großer Sicherheit zwei Mal an den republikanischen Staat verkauft hat, etwa Watteaus grandioses Gemälde Ausschiffung nach Kythera? Wie um die Objekte, die als Hohenzollern-Besitz anerkannt sind, also jederzeit aus den Schlössern und Museen abgezogen werden können? Wie um die Verfügungshoheit über Tausende von Objekten, die in die Kulturgutschutzliste eingetragen wurden und damit faktisch nicht mehr verkauft werden können? Darum nämlich dreht es sich eigentlich in der Debatte: Um die Möglichkeiten für die Familie Hohenzollern, weiter Objekte und ganze Sammlungen frei verkaufen zu können. Zu all diesem sagte Herr Prinz von Preußen - nichts. Es sollte ja nur ein Buch vorgestellt werden. Wir können also sicher sein: Der Streit ist nicht vorbei, sondern vertragt." In der FR rollt Michael Hesse die Causa noch einmal auf.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.03.2023 - Kulturpolitik

Wer einen Vortrag in der stinkreichen Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung hielt, musste sich danach an folgendes Zeremoniell halten: Er musste an mehreren Gemälden vorbei im vornehmen Kavaliershaus gegenüber dem Nymphenburger Schloss ins Büro des einstigen Vorsitzenden Heinrich Meier schreiten, der ihm 5.000 Euro in kleinen Scheinen überreichte, "während er dem Referenten die Schwächen seines Vortrags darlegte", erzählen Jörg Häntzschel und Felix Stephan in der SZ. Die mit 642 Millionen Euro ausgestattete Stiftung, vor der alle in Ehrfurcht erschauern, kommt nun ins Gespräch nachdem ihr neuester Vorsitzender Marcel Lepper fristlos entlassen wurde, der die unschön ins Rechtsextreme lappende Vergangenheit seiner Vorgänger Armin Mohler und Meier hatte aufarbeiten wollen. Lepper will zwar nicht reden, "er verweist auf eine gütliche Einigung, die er mit der Stiftung erzielt hat". Aber die Artikelautoren haben einige interne Dokumente der Stiftung bekommen. Für die läuft es nicht mehr so gut: "Erste Konsequenzen seiner Demission zeichnen sich bereits ab: In einer ersten Reaktion haben mehrere Institute der Ludwig-Maximilians-Universität ihre Kooperationen mit der Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung eingestellt."

Heute hat Georg Friedrich von Preußen zu einer Pressekonferenz in Berlin eingeladen, um "neueste Forschungen zur Geschichte des Hauses Preußen im 20. Jahrhundert" vorzustellen, berichtet Andreas Kilb in der FAZ. "Schon gestern hat Georg Friedrich allerdings die seit Langem spannendste Neuigkeit in der Hohenzollerndebatte verkündet. 'Als Chef des Hauses Hohenzollern', erklärte er in einem sehr untertänig geführten Interview der Welt, verzichte er auf Kunstwerke und Ausgleichszahlungen für Immobilien, die nach 1945 in der sowjetischen Besatzungszone aus dem Besitz seiner Familie enteignet wurden." Bleiben noch ein paar tausend andere Objekte, über die er gern noch mit der Politik diskutieren würde.

Außerdem: Im Tagesspiegel berichtet Nicola Kuhn über eine Tagung in Berlin, die sich mit dem Raubzug deutscher Truppen in China 1900 und der dabei erbeuteten Kunstobjekte beschäftigte.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.03.2023 - Kulturpolitik

Der scheidende Berliner Kultursenator und Linken-Politiker Klaus Lederer ist in den Feuilletons sehr beliebt. Angesichts des maroden Personals in der SPD wird man ihn noch vermissen, schreibt Peter Richter in der SZ. Über den eigentlich als Nachfolger gehandelten CDU-Politiker Joe Chialo weiß Richter nicht viel zu sagen.
Stichwörter: Chialo, Joe, Lederer, Klaus

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.03.2023 - Kulturpolitik

Ein wenig wehmütig verabschieden Susanne Lenz und Harry Nutt in der Berliner Zeitung Klaus Lederer, der als Kultursenator von CDU-Mann Joe Chialo abgelöst werden könnte. Chialo, geboren in Bonn als Sohn einer Diplomatenfamilie aus Tansania, blickt aus "postkolonialer Perspektive" auf die deutsche Politik, fördert gemeinsam mit Universal Music deutschen Schlager ebenso wie Musik aus dem afrikanischen Raum und wechselte 2016 von den Grünen in die CDU: "Dort plädiert er für einen Perspektivwechsel, der Schluss macht mit dem Paternalismus bisheriger Entwicklungspolitik. 'Afrika braucht uns nicht, wir brauchen Afrika', lautet seine Devise. Ob er diesbezüglich die gleiche Sprache spricht wie etwa der Verein Decolonize Berlin oder Bonaventure Ndikung, der Chef des Hauses der Kulturen der Welt, wird sich zeigen."

Schön für Halle, dass die Stadt an der Saale vom Bund den Zuschlag für das "Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation" bekommen hat, meint der Historiker Norbert Frei in der SZ - nur wie sinnvoll ist so ein Projekt, das laut Bundesregierung "kluge Strategien für die Transformationsprozesse der kommenden Jahrzehnte" entwickeln soll, fragt er: "Es handelt sich um die Rhetorik eines politischen und finanziellen Zuwendungsdenkens, das trotz vieler gegenteiliger Erfahrungen darauf setzt, dass 'unten' Ruhe einkehrt, wenn von 'oben' nur genügend Geld fließt. Und es steckt darin die unausgesprochene Unterstellung, die Menschen im Osten dieses Landes bedürften auf alle Zeiten einer Therapie."