"Im Haus der Kulturen der Welt gibt es keinen Raum für Hassreden oder Gewalt jeglicher Art. Es gibt keinen Raum für Altersdiskriminierung, Antisemitismus, Geschlechterdiskriminierung, Homophobie, Islamophobie, Rassismus, Sexismus, Transphobie, Xenophobie und dergleichen" - ganz im "Stil eines
zornigen Predigers" verkündete
Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, neuer Leiter des Hauses der Kulturen der Welt, das neue
Programm im vollbesetzten Auditorium,
berichtet Rüdiger Schaper im
Tagesspiegel. Er ist wenig beeindruckt, denn: "All das galt hier schon immer. Bonaventures Vorgänger
Bernd Scherer hat das Haus untadelig geführt. Geht es internationaler als international, vernetzter als vernetzt,
offener als offen? (…) Bonaventure kann das HKW nicht vollständig neu erfinden. Die großen Themen sind angelegt. Was sich ändert, ist der Stil: lauter, bunter,
missionarischer. Und immer auf der richtigen Seite." Ebenfalls im
Tagesspiegel fehlt Katrin Sohns ein "
Funken Bescheidenheit, eine selbstkritische Reflexion darüber, wann kulturelle Praktiken wichtige Impulse zu den Themen unserer Zeit setzen können, wo sie aber auch an ihre Grenzen stoßen. Was vielleicht auch fehlt, ist ein Schuss Selbstironie: Werden
Fungi,
Brot-
Brechen oder Live Drumming wirklich die Probleme unserer Welt lösen?"
Hanno Hauenstein ist in der
Berliner Zeitung zwar
voller Vorfreude, aber auch tief betroffen, dass sich Ndikung schon vor seinem Amtsantritt kritischen Fragen zu seiner
BDS-
Nähe stellen musste: "Ob die Unfähigkeit, den ursprünglich aus Kamerun stammenden Kurator in einer öffentlichen Leitungsfunktion in Deutschland zu akzeptieren, mit
unterschwelligem Rassismus zusammenhängt?"
"Das
Existenzrecht Israels ist unverhandelbar. Gleichzeitig erkenne ich das
Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser und ihr Streben nach einem eigenen Staat an", sagt Ndikung im
SZ-Gespräch mit Jörg Häntzschel, beteuernd, er würde heute Israel nicht mehr als "Apartheidsregime" bezeichnen. Im Gespräch erklärt er auch, wie er sich die Auseinandersetzung mit dem
Kolonialismus vorstellt: "Für eine Kolonie braucht es nicht nur Kolonisierte, sondern auch Kolonisatoren. Die Kolonialgeschichte betrifft also nicht nur mich, sondern auch Sie und uns alle. 'Postkolonial' bedeutet auch nicht 'nach dem Kolonialismus', es beschreibt eine Kontinuität. Die
koloniale Macht wirkt in unseren Gesellschaften weiter. Wir wollen uns das an vielen Beispielen ansehen, vom russischen und amerikanischen Imperialismus bis hin zu der Frage, warum die Währung einiger frankophoner Länder Afrikas, der CFA, noch immer an den französischen Franc gekoppelt ist, obwohl der Franc nicht mehr existiert."
Paul Jandl
greift in der
NZZ die Geschehnisse um die
Carl-Friedrich-von-Siemens-Stiftung (unser
Resümee) auf, deren Chefs
Armin Mohler und der bis in letzte Jahr regierende
Heinrich Meier dem Rechtsextremismus nahestanden. Das störte die feine Münchner Gesellschaft und all die von der Stiftung Alimentierten aber offenbar nicht. Die Stiftung hat deren Nachfolger
Marcel Lepper, der die Geschichte aufarbeiten wollte, bekanntlich fristlos entlassen. Lepper darf sich dazu nicht äußern, weil er mit der 600 Millionen Euro schweren Stiftung eine gütliche Einigung getroffen haben soll. Ein Interessantes Detail liefert Jandl über die Geschichte der Stiftung nach: "Die Biografie von
Ernst von Siemens, der alleinstehend und kinderlos starb, ist im Grunde unerforscht. Nachlässe stehen nicht zur Verfügung, aber aus den Lebensdaten ließe sich auf ideologische Kontinuitäten in der Stiftung schließen. Ernst von Siemens selbst hat Armin Mohler über Vermittlung des ehemaligen
SS-Obersturmbannführers Franz Riedweg nach München geholt. Hinter den schöngeistigen Zwecken des Instituts gedieh ein politisches-publizistisches Œuvre, das zu diesen im krassen Gegensatz stand."