Im Zeichen der
totalen Transparenz, die vor allem von den allgegenwärten
Smartphones und den sozialen Medien getrieben wird, wird Politik immer künstlicher,
schreibt der Medienwissenschaftler
Bernhard Pörksen beim
NDR: "was ist ein Smartphone? Es ist ein im Wortsinne '
indiskretes Medium', so meine These. Es lässt die Hinterbühne zur Vorderbühne werden und einst diskrete, einst voneinander getrennte Welten verschmelzen - die Welt des Öffentlichen und die Welt des Privaten, die Sphäre des Sichtbaren und des Unsichtbaren." Politiker handelten, um nicht in schachen Momenten erwischt zu werden, nach dem Motto "bloß keinen Shitstorm riskieren und
maximal unangreifbar formulieren! Weil die beständig drohende Gefahr des Kontrollverlustes die
Hochrüstung im Inszenierungsgeschäft vorantreibt."
Nach dem Ausmaß der sexistischen Beleidigungen und Bedrohungen gegen
Renate Künast (unsere
Resümees)
fordert Tanja Tricarico in der
taz eine konsequentere Handhabung der
bestehenden Gesetze. Noch wüssten die Betroffenen gar nicht, wie sie sich an Facebook oder Twitter wenden könnten: "Die Verpflichtung, per Gesetz überhaupt
eine Beschwerdestelle einzurichten, ist aber immerhin ein Anfang. Nun muss es
empfindliche Strafen geben, wenn Bearbeitungszeiten nicht eingehalten werden, Sicherheitseinstellungen nicht nutzer*innenfreundlich sind und auch keine Kampagnen gefahren werden, um auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte im Netz aufmerksam zu machen."
In der
SZ hat Adrian Lobe eine neue Missetat gefunden, die man Google und Co anhängen kann: ihren
ökologischen Fußabdruck. Datengewinnung erzeugt jede Menge CO2-Emissionen. Gleichzeitig gilt: ohne Daten keine Klimawissenschaft. Damit Computer ökologisch funktionieren können, müsste also jemand entscheiden, wann ihr Einsatz akzeptabel wäre und wann nicht. Lobe hat da schon
einen vagen Plan: "Es bräuchte neben nachhaltigem Cloud Computing auch eine
neue Ökologie der Intelligenz, eine verbrauchsarme Kognition, die nicht bei jeder Frage die digitalen Nannys namens Siri, Alexa und Cortana konsultiert und neben den Rechenzentren auch die radikalisierenden Feedbackschleifen anheizt.
Auch Kopfrechnen kann einen Beitrag zum Klimaschutz leisten."
In der
NZZ denkt Claudia Mäder über
Öffentlichkeit und Privatsphäre nach. Der Bürger stellt sie fest, "hat mehrere Gesichter und ist beileibe nicht nur das Opfer in einem großen Schacher der Konzerne. Bei der Vorstellung, dem Auge eines grausamen Staates nur noch im Schlaf zu entkommen, dürften die meisten Menschen erschauern. Doch zugleich lassen sich heute ziemlich viele von ihnen
selbst nachts überwachen und tragen Uhren am Handgelenk, die Herzschläge, Wachphasen und was sonst noch alles aufzeichnen und auswerten. Das geschieht in der Absicht, die eigene Gesundheit zu steigern, gewiss, aber auch für weniger hehre Ziele geben etliche Menschen
Persönliches preis, wie im Stadthaus eine Filmsequenz zeigt: Ein
Gratis-
Mandelgipfel genügt als Köder, und schon reichen zahlreiche Kunden einem unbekannten Bäcker AHV-Nummern und Angaben zu Partnerschaften über die Theke."