Im Gespräch mit Jakob von Lindern und Ann-Kathrin Nezik von der
Zeit verteidigt EU-Kommissarin
Margrethe Vestager ihren "Digital Services Act" und ihren "Digital Markets Act". Auf die Frage, ob sie glaubt, dass soziale Netze designt sind, um
qua Algorithmus das Böse im Menschen hervorbringen, antwortet sie: "Ich glaube schon, dass die sozialen Medien mit ihren Like- und Share-Buttons unser
inneres Belohnungssystem triggern. Vielleicht werden wir uns in einigen Jahren, wenn die Hirnforschung mehr weiß, fragen: Was haben wir uns mit diesen Technologien bloß angetan? So ähnlich
wie bei Asbest. Da haben wir ja auch erst viel später begriffen, wie schädlich es ist."
Nach
Elon Musks Twitter-Übernahme setzt der Wirtschaftswissenschaftler Leonhard Dobusch, der auch im Verwaltungsrat des
ZDF sitzt, seine Hoffnung in der
SZ ausgerechnet auf die
Öffentlich-
Rechtlichen: "Eine gemeinnützige, auf Basis offener Standards und offener Software entwickelte Alternative zu den dominanten, kommerziellen Plattformen im Netz ist überfällig. Jedenfalls aber führt auf Perspektive ohnehin kein Weg daran vorbei,
öffentlich-
rechtliche Mediatheken endlich 'social' zu machen. Erste technische Voraussetzungen dafür existieren bereits. So verfügen die Mediatheken von ARD und ZDF schon seit 2020 über einen gemeinsamen Login, der personalisierte Empfehlungen, Wechsel von Geräten und Altersverifikation erlaubt und von Millionen Menschen regelmäßig genutzt wird."
Auf
ZeitOnline wundert sich Nils Markwardt indes nicht über Musks neuste Errungenschaft: Die
Verschaltung von Finanz- und
Meinungsmarkt sei Kern seines Geschäftsmodells, schreibt er: "Die Verbindung von Börsen- und Nachrichtenwesen ergibt sich aus einer funktionalen Verwandtschaft: Nicht nur sind Kurse und Preise letztlich ja auch schlicht Information (etwa über die Verfügbarkeit eines bestimmten Guts), sondern Finanz- und Informationswesen funktionieren gleichermaßen über Rückkopplungseffekte und Feedbackschleifen. Gelesen und geteilt wird das, was gelesen und geteilt wird. Nachgefragt und gekauft wird das, was nachgefragt und gekauft wird (Stichwort Klopapier und Sonnenblumenöl). Unter den Bedingungen des gegenwärtigen Finanzmarktkapitalismus, in dem die sogenannte Realwirtschaft in hohem Maße von Investitionen des Finanzmarkts abhängig ist, hat die
Bedeutung von Informationen noch weiter zugenommen. Das heißt: Nicht nur klassische Finanzmarktakteure wie Banken oder Derivatehändler vermögen durch
Trends,
Hypes und
Informationsvorsprünge zu profitieren, sondern auch 'klassische' Unternehmen."