9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.02.2022 - Internet

Dana Hajek hat für die FAZ unter dem Hashtag #Impfung Twitterdaten untersucht - die Recherche auf der Medienseite der FAZ bezieht sich auf den letzten Dezember und soll die Polarisierung bei dem Thema zeigen: "Unter den fünfzig größten Hubs, also den Accounts, die die meisten Reaktionen von anderen Nutzern erhalten haben, befinden sich etwa 67 Prozent aufseiten der Impfkritiker, lediglich 33 Prozent aufseiten der Befürworter."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.02.2022 - Internet

Der Pädagoge Michael Geiss warnt bei geschichtedergegenwart.ch davor, das Digitalkonzerne Schulen und andere Bildungsinstitutionen nutzen, um das Publikum sozusagen anzufixen: "Die Technologiekonzerne sehen im Bildungswesen eine attraktive Möglichkeit, ihre Kundschaft früh an die eigenen Produkte zu gewöhnen: Wer einmal gelernt hat, mit einer Software oder einem bestimmten System zu arbeiten, wird auch später eher zu diesem Angebot greifen. Lehrpersonen und Schulleitungen sind ebenfalls froh, wenn sie nicht ständig neue digitale Dienste kennenlernen müssen. Dasselbe gilt wohl auch für die Rechtsdienste in den Behörden und den technischen Support für die Schulhäuser. "
Stichwörter: Digitalisierung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.02.2022 - Internet

Mark Zuckerbergs Unternehmen Meta droht, seine Dienste Facebook und Instagram wegen neuer datenschutzrechtlicher Bestimmungen in Europa, die den Transfer von Nutzerdaten nach Amerika nicht mehr so ohne weiteres erlauben, in Europa einzustellen, berichtet Friedhelm Greis bei golem.de: "Sollte Meta seine Dienste Facebook und Instagram in Europa einstellen, wäre das ein schwerer Schlag für das Unternehmen. Erst in der vergangenen Woche war der Börsenkurs um mehr als ein Viertel eingebrochen, nachdem das Unternehmen einen leichten Rückgang bei den Nutzerzahlen vermeldet hatte. Es ist daher eher unwahrscheinlich, dass Meta tatsächlich diesen Weg gehen wird." Auf Zeit online ruft Eike Kühl zum Abschied: "Dann geh doch!"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.02.2022 - Internet

In der SZ aalt sich Andrian Kreye in der Vorstellung, mit den großen Tech-Konzernen, für deren die Welt ins Unglück stürzenden Erfolg der 1962 geborene Journalist die Boomer verantwortlich macht, könnte es bergab gehen. Grund: Facebook hat laut Handelsblatt erstmals Nutzer und rund 200 Milliarden Dollar (das sind 20 Prozent seines Werts) an der Börse verloren. Für Kreye wäre es das "ein guter Zeitpunkt, sich vom Web 2.0 zu verabschieden. Die Avantgarde der Jugend ist schon vorausgegangen", nämlich zu Minecraft, Fortnite und Tiktok, die er irgendwie weniger "seelenlos" findet.
Stichwörter: Facebook, Tiktok

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.02.2022 - Internet

Mit dem Check-in per Luca-App ist es zwar bald in Bayern, Berlin und Baden-Württemberg vorbei, aber die App wird deshalb nicht verschwinden, berichten auf Zeit online  Meike Laaff und Jakob von Lindern, die sich fragen, was bleiben wird von in der Pandemie eingerichteten Kontroll- und Überwachungssystemen. Denn Luca hat, wie die Corona-Warn-App, jetzt "etwas, das für App-Entwickler genauso viel wert ist wie Geld: Nutzerinnen und Nutzer. Zu den Millionen Smartphones, auf denen die App installiert ist, kommen auch noch die Gastronomen, Hoteliers und Veranstalter im ganzen Land, die das System nun kennen und in ihren Arbeitsalltag integriert haben. Wer morgen eine Gastro-App starten würde, dürfte es kaum schaffen, innerhalb eines Jahres eine solche Nutzerbasis aufzubauen - oder müsste dafür wohl Zigmillionen Euro ausgeben." In der taz zieht Svenja Bergt eine kritische Bilanz der Luca-App.

In der SZ warnt Andrian Kreye vor den manipulierenden, suchterzeugenden und ausbeuterischen Finessen des kapitalimusgetriebenen Web 3.0, das nur wenigen Profite bringe: "Auch im Web 3.0 wird das Nutzervolk keineswegs die Macht in einem digitalen Raum übernehmen, in dem die Blockchains wie digitale Partisanen den Monopolkonzernen den Garaus gemacht haben. Wie die Firma Chainalysis herausfand, eine Art Ratingfirma für die Blockchain-Wirtschaft, verteilen sich die Reichtümer in dieser Welt jetzt schon eindeutig. So hat der NYU-Professor Scott Galloway auf deren Daten berechnet, dass 95 Prozent der 800 Milliarden Dollar, die die Kryptowährung Bitcoin wert sein soll, von lediglich zwei Prozent der Konten gehalten werden. Im NFT-Markt sieht es nicht besser aus. 80 Prozent der 41 Milliarden Dollar, die auf der Basis von Ethereum generiert wurden, liegen in neun Prozent der Konten."
Stichwörter: Luca-App, Corona, Nft, Kryptowährung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.01.2022 - Internet

Christian Humborg von Wikimedia Deutschland erklärt in der FAZ, warum es richtig ist, dass die Wikipedia, wenn möglich, Inhalte öffentlich-rechtlicher Sender präsentiert, auch wenn Lobbyisten dagegen protestierten: "Mit freien Lizenzen gehen für Sender und Gesellschaft große Vorteile einher wie einfachere und dauerhafte Nutzbarkeit, simplere Rechteklärung und potenziell größere Sichtbarkeit. Diese Vorzüge sollten auch entsprechend vergütet werden. Jedenfalls aber müssen Kreative und Redaktionen in die Lage versetzt werden, ohne Furcht vor Einkommenseinbußen freie Lizenzen zu verwenden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.01.2022 - Internet

In der taz wettert der Buchautor Matthias Eckoldt gegen die Sozialen Netzwerke, für die die Überwachung von NutzerInnen nur die Pflicht sei, ihre Manipulation aber die Kür: "Die Fixierung auf den verheißungsvollen Dopaminkick führt zum Realitätsverlust, der in einem Rattenexperiment von James Olds und Peter Milner plastisch wurde. Die beiden Forscher hatten ihren Versuchstieren Elektroden in verschiedene Regionen des Belohnungssystems implantiert. Über einen Hebel konnten die Ratten den Stromkreis schließen und so eine Belohnung in ihrem Hirn auslösen. Stundenlang drückten sie im Dauerfeuer die Taste, bis zur absoluten Erschöpfung, schließlich sogar bis zum Tod. Die im Gehirn angelegte Impulskontrolle war machtlos gegen die direkte Stimulation der Belohnungsnetzwerke."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.01.2022 - Internet

Blockchain und Kryptowährungen gehören zu den größten Klimakillern, übrigens spielen sie im Hintergrund auch in Kasachstan eine Rolle, wo mit billigem Strom Kryptowährungen geschürft werden, während die Bevölkerung gegen steigende Energiepreise protestiert, schreibt Alexander Fanta bei Netzpolitik: "Die Gretchenfrage an Kryptowährungen ist der Energieverbrauch. 'Wenn der Strom nur grün wäre...' werden diejenigen einwenden, die an die leuchtende Zukunft dezentralen Geldes glauben. Doch genau da liegt das klaffende, gähnende, solarsystemgroße Problem: Der Menschheit fehlt bislang eine saubere und unendlich skalierbare Art, Energie zu erzeugen. Wenn wir die hätten, bräuchten wir keine doofen Klimakonferenzen, keine Milliardenfonds, keine Dokus von Al Gore."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.01.2022 - Internet

Das Bundeskartellamt darf Googles "überragende" Marktmacht künftig kontrollieren. In der Welt begrüßt Thomas Heuzeroth das: "Jetzt gibt es endlich das Instrument gegen solches Geschäftsgebaren. Schwer denkbar, dass eine Übernahme wie die von WhatsApp durch Facebook an den Wettbewerbshütern vorbeigehen würde. Jetzt gilt es aber, genau hinzuschauen. Das wird nicht immer einfach sein. Niemand kann den Tech-Konzernen die Möglichkeit absprechen, sich selbst zu entwickeln. Das müssen sie sogar, denn sonst wären sie zum Sterben verurteilt. Einen solchen existenzbedrohenden Eingriff wird niemand wollen. Nur sollten die Unternehmen das nicht auf Kosten des Wettbewerbs tun."
Stichwörter: Google, Bundeskartellamt

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.01.2022 - Internet

Es braucht dringend internationale Vereinbarungen für ein sicheres Internet, schreibt Wolfgang Kleinwächter, emeritierter Professor für Internetpolitik und Regulierung an der Universität Aarhus, in der FAZ. Als Vorsitzende der G7-Konferenz habe die  Ampel hier große Verantwortung. Vier Baustellen benennt Kleinwächter, eine Art Kriegsrecht im Cyberspace,  Kriminalität im Cyberspace, autonome Waffensysteme und Schutz des öffentlichen Kerns des Internets. Es sei allein schon sehr schwierig, wie bei digitaler Kriegsführung ein Cyberangriff zu definieren ist: "Das Problem ist, dass nicht nur umstritten ist, was genau ein Cyberangriff ist, in vielen Fällen lässt sich auch der Angreifer schwer ermitteln. Wenn eine Schadsoftware in einem Kraftwerk installiert ist und erst nach einem halben Jahr aktiviert wird, ist es für den angegriffenen Staat nicht einfach, hundertprozentig zu belegen, woher der Angriff kam."