9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

1327 Presseschau-Absätze - Seite 17 von 133

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.09.2022 - Internet

Das Hauptproblem an der Künstlichen Intelligenz ist, dass nur wenige sie haben, sagt die Expertin Meredith Whittaker im Gespräch mit Svenja Bergt von der taz: "Es sind nur einige wenige Konzerne, in deren Händen sich KI-Anwendungen befinden. Nur diese wenigen Konzerne haben die finanziellen und personellen Ressourcen, um die großen Modelle zu bauen, die es für KI braucht. Wir haben also eine immense Marktkonzentration. Und das, was sie programmieren, bildet ein Machtzentrum, das sich über unsere sozialen und politischen Institutionen stellt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.08.2022 - Internet

Markus Beckedahl blickt für netzpolitik auf die neue Digitalstrategie der Bundesregierung und seufzt: Das hätte doch alles schon vor Jahren fertig sein können. "In jedem Abschnitt stehen Ziele, an denen sich die Regierung messen lassen will. Das liest man durchgängig im Text. Trotzdem erinnern mich alle Ziele immer an das Versprechen von Angela Merkel, dass alle Haushalte 2018 doch 50 Mbit/s haben sollten oder an das Versprechen des früheren Kanzleramtschef Peter Altmaier, dass die Verwaltung bis 2021 komplett digital sei. Klare Ziele, gut überprüfbar. An allen gescheitert. Das war schon früher Science Fiction und ist es leider heute noch. Die üblichen Durchhalteparolen sind natürlich auch dabei. Immerhin kennen viele Bürger:innen eGovernment, allerdings aus dem Weltspiegel im linearen Fernsehen, weil sie nicht mal Breitbandinternet zuhause auf dem Land haben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.07.2022 - Internet

Jacob Mchangama, ein dänischer Menschenrechtsanwalt und Forscher zum Thema soziale Medien und Meinungsfreiheit, warnt in der taz vor zensorischen Folgen des von der EU geplanten "Digital Services Act" (DSA): "Ein von mir mitverfasster Bericht aus dem Jahr 2021 ergab, dass nationale Gerichte in fünf europäischen Demokratien durchschnittlich 778,47 Tage brauchen, um Fälle von Hetzreden abzuurteilen. Die sehr kurzen Löschungsfristen bedeuten, dass Technologieplattformen in wenigen Stunden oder Tagen rechtliche Entscheidungen treffen müssen, für die geschulte Juristen Monate oder Jahre benötigen. Dies wird angesichts der hohen Bußgelder für die Nichteinhaltung fast zwangsläufig dazu führen, dass Plattformen aus Furcht vor hohen Bußgeldern auch rechtmäßige Inhalte löschen."

Ebenfalls in der taz spricht Tobias Schulze mit dem Politologen Tobias Fella über die Selbstdarstellung der Ukraine und Russlands in den sozialen Medien.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.07.2022 - Internet

Im Internet gibt es "Bots" und Programme, die sich gegen sie wehren. Beide arbeiten mit künstlicher Intelligenz. Es wird aber immer schwieriger, die Bots zu erkennen, schreibt Andrian Kreye in der SZ, der mit Tilman Pfeiffervon der Cybersecurity-Firma fraud0.com gesprochen hat. "'Früher haben sich Bots noch benommen wie Bots', sagt Pfeiffer. Sie haben eine Webseite zum Beispiel in einer geraden Linie von oben nach unten durchsucht. 'Inzwischen werden sie immer menschenähnlicher.' Sie bewegen sich nicht mehr in geraden Linien, klicken scheinbar wahllos, legen Waren in Warenkörbe."

Wie Bots von Ländern wie China eingesetzt werden, zeigt beispielhaft ein Artikel Patrick Howell O'Neills aus der MIT Technology Review, den heise.de auf deutsch publiziert. Eine  chinesische Online-Gruppe mit dem Codenamen "Dragonbridge" versuchte, mit "micro-targeted Tweets" amerikanische Umweltgruppen zu beeinflussen, gegen das Bergbauunternehmen Lynas vorzugehen, das in Texas seltene Erden abbauen will. China hat sich in den letzten Jahren mit teilweise sehr dubiosen Methoden fast ein Monopol auf diese Rohstoffe gesichert. "Die Dragonbridge-Akteure gaben vor, aus Texas zu stammen, und posteten in einer bereits bestehenden Anti-Lynas-Facebook-Gruppe Besorgnis über die Umweltauswirkungen des Abbaus und der Verarbeitung. Die Gruppe versuchte, Proteste zu schüren, eine Taktik, die sie auch in den ersten Tagen der Coronavirus-Pandemie angewandt hatte." Schon in der Coronakrise hatte die Gruppe die Verschwörungstheorie verbreitet, das Coronavirus stamme aus den USA. Allerdings scheinen beide Kampagnen recht grobschlächtig fabriziert gewesen sein - Google konnte sie schnell aus dem Verkehr nehmen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.07.2022 - Internet

Es gibt wieder etwas zu regulieren. Das neue Digitalgesetz der EU fordert, dass jedes Land einen Digitalkoordinator zur Kontrolle der Plattformen benennt. Eine Bundesbehörde, die allzu schnell als Zensurinstanz verdächtigt würde, geht schon vom Grundgesetz her nicht. Die Grünen-Politikerin Tabea Rößner und Karl-E. Hain, Direktor des Instituts für Medienrecht und Kommunikationsrecht der Universität zu Köln, plädieren darum, in der FAZ dafür die Verantwortung bei den Landesmedienanstalten zu belassen. "Sollte die Wahl auf die Landesmedienanstalten fallen, müsste auf interföderaler Ebene entweder eine Dachstruktur für die Übernahme der Koordinatorenrolle geschaffen werden, oder die Länder sollten sich darauf einigen, einer der großen Landesmedienanstalten diese Rolle zuzuweisen." Klingt nach vielen aufregenden Sitzungen.
Stichwörter: Grundgesetz, Medienrecht

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.06.2022 - Internet

Daten amerikanischer Nutzer von Tiktok werden sehr wohl in China gelagert und möglicherweise auch gesichtet, trotz gegenteiliger Behauptungen des ByteDance-Konzerns, dem Tiktok gehört, berichtet Emily Baker-White bei Buzzfeed: "Trotz der eidesstattlichen Aussage eines TikTok-Managers in einer Senatsanhörung im Oktober 2021, dass ein 'weltbekanntes, in den USA ansässiges Sicherheitsteam' entscheidet, wer Zugang zu diesen Daten erhält, beschreiben neun Aussagen von acht verschiedenen Mitarbeitern Situationen, in denen sich US-Mitarbeiter an ihre Kollegen in China wenden mussten, um herauszufinden, wie die Daten der US-Nutzer fließen. Laut den Tonbändern hatten die US-Mitarbeiter weder die Erlaubnis noch das Wissen, wie sie selbst auf die Daten zugreifen konnten."
Stichwörter: Tiktok, Buzzfeed

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.06.2022 - Internet

Seit dem Arabischen Frühling plant Russland, sich vom globalen Internet abzukoppeln, sagt Alexey Yusupov, Osteuropareferent der Friedrich-Ebert-Stiftung im Gespräch mit Friedrich Conradi (Berliner Zeitung). Der Arabische Frühling habe gezeigt, mit welcher Wucht sich eine Protestbewegung im Inneren organisieren könne. Aber: "Noch traut man sich … nicht, eine Abkopplung zu vollziehen. Aber man sieht, dass immer mehr Vorbereitungen dafür getroffen werden. So werden russische Internetprovider gezwungen, auszuweisen, wo die Kabel nach Russland hinein- und wo sie hinauslaufen. Die physische Struktur des Internets wurde ganz in russischen Besitz gebracht. Der Krieg war eine Art Trigger, die Voraussetzungen für die Abkopplung schneller zu schaffen." Und bereits jetzt "wurden sogenannte Gummiparagrafen etabliert, mithilfe derer man Dissidenten leicht zum Schweigen bringen kann. Es ist zum Beispiel verboten, 'Unwahrheiten' über das russische Militär zu verbreiten. Diesen Begriff dehnt die Rechtsprechung nach Belieben, und jeglicher Verweis auf einen New-York-Times-Artikel, einen des Spiegels oder auf Inhalte von Exiljournalisten ist schon die Unwahrheit, und man macht sich strafbar."

In der FR erzählt Lisa Berins, wie Recherchekollektive Hinweise auf Kriegsverbrechen in der Ukraine sammeln und auf Echtheit überprüfen. Von Mitarbeitern des Londoner Centre for Information Resilience (CIR), das als unabhängiges Nonprofitunternehmen arbeitet, erfährt sie: "Nachdem sie den Ort eines Geschehens gefunden haben, versuchen sie, den genauen Zeitpunkt herauszubekommen - und anhand des Schattenwurfs sogar die Uhrzeit. Sie analysieren Waffen und Einschusslöcher, rekonstruieren Flugbahnen von Geschossen, gleichen mögliche Abschussorte mit der Stationierung von Brigaden ab. Sie wollen nicht nur herausbekommen, was wo und wann passiert ist. Sie wollen auch Namen nennen können: wer die Toten sind. Und wer die Mörder."
Stichwörter: Russland, Zensur, Kriegsverbrechen

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.06.2022 - Internet

Künstliche Intelligenz ist "fürs Diskriminieren designt" worden, sagt die Wissenschaftlerin Kate Crawford im Zeit-Online-Gespräch mit Meike Laaff. Sie fordert stärkere Regulierung und die Begrenzung auf ausgewählte Anwendungsgebiete: "Es gibt soziale Institutionen, in denen die Anwendung von Machine-Learning-Systemen eine hochriskante Praxis ist - in der Strafjustiz etwa, in der Bildung, in sozialen Systemen, die sehr komplex sind. Wir müssen diesen sehr schwachen Muskel trainieren, den wir in den vergangenen 20 Jahren nicht wirklich genutzt haben - und das ist die Politik der Ablehnung. Die Fähigkeit, Nein zu sagen: Nur weil dieses System im Klassenzimmer meines Kindes Emotionen erkennen und seine Noten vorhersagen könnte, heißt das nicht, dass das auch gemacht werden sollte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.06.2022 - Internet

Mary Beard, die große Historikerin der Alten Welt, erzählt Gina Thomas in der FAZ, warum sie Twitter so gern hat: "Es ist eine großartige Informationsquelle. Auf Twitter erfahre ich, welche Entdeckungen bei römischen Ausgrabungen in Italien gemacht worden sind. Außerdem kommt man mit Menschen ins Gespräch, denen man sonst nicht begegnen würde. Zu den schönsten Dingen gehört es, wenn Menschen tweeten, sie seien noch drei Stunden in Pompeji und fragten sich, was man unternehmen sollte. Dann tweetet man ihnen einen Vorschlag und erhält im Gegenzug ein Foto."
Stichwörter: Beard, Mary, Twitter, Pompeji

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.05.2022 - Internet

Russland setzt im Cyberkrieg gegen die Ukraine auf eine "Taktik der 1000 Nadelstiche", sagt der Cyberexperte Matthias Schulze im Interview mit ZeitOnline und erklärt, weshalb es bisher keine größeren Aktionen gab: "Erstens ist das russische Militär selbst auf die Infrastruktur angewiesen. Russische Soldaten kommunizieren zum Teil über den Mobilfunk in der Ukraine, sie brauchen auch Strom. Zweitens kann das wie ein Bumerang sein, da man schlecht antizipieren kann, welche unerwarteten Effekte so etwas eventuell auch für Russland hat. Drittens sind solche Angriffe sehr aufwendig. Man braucht Personal, Zeit und sehr, sehr viele sensible Informationen über die Konfiguration der Netze sowie Baupläne des elektrischen Equipments in Transformatorstationen und Umspannwerken."
Stichwörter: Schulz, Matthias, Cyberkrieg