9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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2213 Presseschau-Absätze - Seite 14 von 222

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.05.2025 - Ideen

Dan Diner erhält morgen den Ludwig-Börne-Preis. Im Gespräch mit Andreas Kilb und Paul Ingendaay von der FAZ spricht er über seine Kindheit in Deutschland, über seine heikle Liebe zu diesem Land, aber auch über die Aktualität in Israel: "Ich sehe, wie sich eine Katastrophe aufbaut, deren Eintritt ich immer befürchtet hatte. Die radikalsten Tendenzen setzen sich durch. Israel ist ein gespaltenes Land - gespalten, was die Frage seiner Legitimität und damit des politischen Handelns angeht. Für die gegenwärtigen Machthaber geht es eher um die 'Erlösung des Landes', also ein politisch-theologisches Prinzip. Deswegen spielt für sie etwa das Schicksal der Entführten keine Rolle. Die Geiseln müssen notfalls geopfert werden. Die andere Seite rückt die Menschen in den Vordergrund, sie ist bereit, auf Anteile des Landes zu verzichten."

Ohne das "fremde Eigene" ist Russland nur ein Schatten seiner selbst, erläutert Sonja Margolina für die NZZ in einem interessanten Essay über das verzwickte und von Komplexen geprägte russische Selbstbild. So betrachteten die Russen die baltischen Länder etwa als ihren eigenen "Westen". Ähnlich verhielt es sich mit anderen Gebieten im Westen Russlands: "Vor dem endgültigen Sieg über das Osmanische Reich am Ende des 18. Jahrhunderts besaß Russland nur eine bescheidene historische Tiefe. Während sich angestammte europäische Völker auf die griechische oder die römische Antike berufen konnten, fing die russische Geschichte erst mit der Eroberung Kiews durch Fürst Wladimir an, der seinen älteren Bruder 978 ermordet haben soll und sich in Chersones christlich-orthodox taufen ließ. Erst an der Schwarzmeerküste, wo griechische Kolonien bereits im 6. bis 7. Jahrhundert vor Christus gegründet worden waren, fand das Kaiserreich seine eigene Antike und durfte sich als Nachfolger antiker Reiche inszenieren."

Rein neurologisch gesehen existiert das Hufeisen doch, sagt die Neurologin Leor Zmigrod im Gespräch mit Rico Bandle von der NZZ (sie verwendet den Begriff aber nicht). Sie ist Autorin des Buchs "Das ideologische Gehirn - Wie politische Überzeugungen wirklich entstehen". Bei ihren Tests hat sie Folgendes festgetellt: "Lange Zeit ging man davon aus, dass politisch sehr rechts stehende Menschen psychologisch am unflexibelsten sind, da es ihnen oft darum geht, die Vergangenheit wiederherzustellen und Traditionen hochzuhalten. Die Linke hingegen sei flexibel, schließlich strebt sie den gesellschaftlichen Wandel an. Dem ist aber nicht so. Unsere neuropsychologischen Tests zeigen klar eine U-förmige Kurve auf: Die moderaten Teilnehmer, also jene, die keiner festgelegten Ideologie folgen, schneiden bei der kognitiven Flexibilität am besten ab, die extremen Teilnehmer beider politischen Ränder am schlechtesten. Links- und Rechtsextreme sind sich in dieser Hinsicht sehr ähnlich."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.05.2025 - Ideen

Bei Foreign Policy überlegt Kenneth Roth, ehemaliger Director von Human Rights Watch, wie man Autokraten und rechten Populisten das Wasser abgraben kann. Mit Identitätspolitik funktioniert das nicht, meint er, im Gegenteil, die Linke brauche wieder eine Vorstellung von nationaler Gemeinschaft: "Wenn fortschrittliche Politik auf die Förderung einer Reihe vernachlässigter Interessengruppen reduziert werden kann, ist es für den Autokraten einfacher, ausgewählte Gruppen zur Dämonisierung auszusondern. Autokraten stellen ihre vorrangigen Interessengruppen einfach als diejenigen dar, die von den Progressiven vernachlässigt werden - in der Regel die Mitglieder der ethnischen Mehrheit der Arbeiterklasse eines Landes - und behaupten, dass die verteufelten Gruppen die Ursache für das Unwohlsein der vorrangigen Gruppe sind. ... Ein alternativer Ansatz wäre, dass die Progressiven von einer nationalen Gemeinschaft sprechen und die Rechte aller Menschen, die in der Nation leben, betonen. Dies würde nicht bedeuten, die Rechte der Unterdrückten zu ignorieren, aber es würde eine andere Rhetorik erfordern, die ihre Rechte als Mitglieder einer nationalen Gemeinschaft und nicht als bloße Interessengruppen unter anderen fördert."

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In seinem Buch "We have never been woke" widmet sich der amerikanische Soziologe Musa al-Gharbi den blinden Flecken der woken Bewegung, vor allem an amerikanischen Eliteuniversitäten: Im NZZ-Interview erklärt er, wie trotz großen sozialen Bewusstseins Doppelmoral entsteht: "Unsere Bekenntnisse zu sozialer Gerechtigkeit mögen ehrlich sein, aber wir sind ebenso ernsthaft unserem Dasein als Vertreter der Elite verpflichtet. Wir geben unseren Sichtweisen und Bedürfnissen mehr Gewicht als denen des Kassierers im Supermarkt. Wir erwarten einen höheren Lebensstandard als der Pizzakurier, und wir wollen, dass unsere Kinder denselben oder einen höheren gesellschaftlichen Status haben als wir. Aber Egalitäre können nicht gleichzeitig soziale und berufliche Karrieristen sein. Stehen diese beiden Triebe in Konkurrenz zueinander, bestimmt der Elitetrieb die Sicht auf soziale Gerechtigkeit. Deshalb streben wir Gerechtigkeit nur mit minimalen Kosten, Risiken oder Opfern an, ohne Abstriche an unseren Ansprüchen oder unserem Lifestyle. So werden wir die Verteilung von Wohlstand und Macht kaum ändern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.05.2025 - Ideen

Donald Trump hat es auf die Rechtsstaatlichkeit in Amerika abgesehen und diese mit vielen "executive orders" angegriffen. Statt sich zu wehren, macht ein Großteil der Anwälte, Kanzleien und Richter mit, weil sie über die Jahre von einer neutralen Rechtsausübung abgekommen sind und sich stattdessen als politischer Akteur verstanden haben, schreibt die Historikerin und Juristin Rebecca Roiphe in Yascha Mounks Blog Persuasion. Dieser Vorwurf trifft auch die liberalen Kräfte. "Während der gesamten ersten Amtszeit von Trump und in der Zeit danach haben Teile der Anwaltschaft denjenigen in die Hände gespielt, die eine liberale Voreingenommenheit behaupten. Viele mächtige und prominente Mitglieder des Berufsstandes stellten sich gegen Trump auf. Meinungsmacher gingen mit neuartigen und manchmal unvernünftigen Auslegungen des Rechts und der Rechtsethik hausieren, um den Präsidenten und seine Verbündeten zu kritisieren. Es entstanden Organisationen, deren einziges Ziel es war, Disziplinarmaßnahmen gegen Trumps Anwälte zu ergreifen, und die häufig die Bestrafung geschützter Äußerungen forderten. Fairerweise muss man sagen, dass diese Kritiker Trump vielleicht zu Recht als eine Bedrohung für die Rechtsstaatlichkeit gesehen haben, aber anstatt darauf hinzuweisen, neigten sie dazu, das Gesetz als Waffe gegen ihn einzusetzen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.05.2025 - Ideen

Thomas Thiel hat sich für die FAZ in Köln einen Vortrag von Katherine Hayles (ihr Buch "How We Became Posthuman" ist von 2008) angehört, die nach seiner Auskunft "zur ersten Reihe der informationstechnisch versierten Literaturtheoretiker" gehört. Sie stellte eine interessante Frage: "Was bedeutet es nun, wenn immer mehr Texte von Maschinen produziert werden? Hayles prognostiziert eine Glättung des Sinns, die Texte werden langweiliger, schablonenhafter mit unberechenbaren Ausschlägen. Durch Musterbildung entstehe ein implizites Wissen, das sich menschlicher Nachvollziehbarkeit entziehe. Vielleicht, meinte Hayles, werde die Maschine wie in Henry James' Erzählung einmal die Figur im Teppich erkennen, den verborgenen Sinn. Noch gelänge ihr das nicht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.05.2025 - Ideen

Buch in der Debatte

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Im Zeit-Online-Interview mit Tobi Müller spricht der deutsch-amerikanische Literaturwissenschaftler Martin Puchner , Autor des viel besprochen Buchs "Kultur - Eine neue Geschichte der Welt" über Kultur in einer globalisierten Welt und warnt vor einer "extremen Moralisierung" der Wissenschaften, wenn es um sogenannte "kulturelle Aneignung" geht. "Der Motor von Kultur ist Austausch, den dürfen wir nicht stoppen. Jede Kultur, die sich nach innen richtet, verarmt. Ohne Ethik geht es aber nicht. Ich beschreibe im Buch deshalb immer wieder, wie viel Zerstörung viele dieser Prozesse zur Folge hatten. Und es gibt Negativszenarien der Aneignung, die müssen zur Sprache kommen." Zum Beispiel "die Benin-Bronzen, die nun alle zurückgehen sollen: Dafür habe ich größtenteils Verständnis, aber eine Art von Austausch fände ich noch besser. Also zum Beispiel: Wir behalten einige Benin-Bronzen, schicken aber dafür ein paar Bilder von Albrecht Dürer nach Benin." Im Interview geht Puchner auch auf den Konflikt der Harvard Universität, an der Puchner lehrt, mit der Trump Administration ein.

Die Idee der Gleichstellung führt zu einer immer stärkeren Fragmentierung von Repräsentation, warnt Susanne Kusicke im Leitartikel der FAZ. Es geht nicht mehr nur um Frauen, sondern auch um "Menschen mit Migrationshintergrund, mit Behinderungen, Arbeiter oder einfach nur junge Menschen". "Hinter alldem steht der Gedanke, dass Arbeiter die Interessen von Arbeitern besser vertreten könnten als Anzugträger, schwarze Menschen die Interessen von Schwarzen besser als Weiße, Menschen mit Behinderungen besser als Menschen ohne. Und der Gedanke hat noch einen zweiten, meist unausgesprochenen Teil: Dass all diesen Interessen auch entsprochen werden müsse. Die bisher gültige Konzeption, Grundlage der repräsentativen Demokratie, tritt dabei immer mehr in den Hintergrund, mehr noch, sie wird geradezu bestritten: Dass jeder einzelne Abgeordnete das ganze Volk vertritt und dabei nur seinem Gewissen verpflichtet ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.05.2025 - Ideen

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Immer mal wieder wartet linke Theorie, besonders amerikanischer Prägung, mit neuen Schlagwörtern auf, die dann für einige Jahre die radikaleren Geisteswissenschaftsstudenten elektrisieren. Wer erinnert sich noch an die Bücher "Empire" oder "Multitude" der Autoren Michael Hardt und Antonio Negri? Nun gibt es also eine neue Botschaft: "Abundance" der beiden Autoren Ezra Klein von der New York Times und Derek Thompson von Atlantic, das Harald Staun in der FAS vorstellt. Linken Knappheitsideologien wird hier ein neuer Optimismus entgegengesetzt, so Staun: "Build, baby, build", Mehrfamilienhäuser etwa oder Solarkraftwerke. Das Buch ist ein Riesenerfolg: "Viele Demokraten reißen den beiden Journalisten ihr Manifest aus den Händen wie Viagra für die nächsten Wahlen." Staun findet es verständlich: "Immer wieder reibt man sich bei der Lektüre des Buches verwundert die Augen, wenn Klein und Thompson schildern, welche Lösungen für alle möglichen gegenwärtigen Probleme bereits zur Verfügung stünden: wie man, statt auf 'Degrowth' zu setzen, günstiger, schneller und umweltschonender bauen, die Gesundheitsversorgung effektiver gestalten oder Innovationen vorantreiben könnte. Und man fragt sich, warum es so schwer ist, Mehrheiten für eine Politik des Green New Deal zu finden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.05.2025 - Ideen

In der Zeit antworten Carlo Masala und Armin Nassehi auf die sechs Autoren, die kürzlich in der Zeit behauptet hatten, eine Wiederaufrüstung werde zu wenig diskutiert und mit dem Schüren von Angst vorangetrieben (unser Resümee), man solle lieber noch einige Jahre lang darüber diskutieren. Reden gern, aber nicht so, rufen Masala und Nassehi ihnen jetzt zu. Die sechs sähen "in Strategien zur Aus- und Aufrüstung der Bundeswehr so etwas wie das Motiv, für die kriegerische Lösung von Konflikten zu optieren. Diese Unterstellung beinhaltet genau genommen das Ende allen Redens. Es ist nicht nur die allzu simplifizierende Problembeschreibung, die eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe erschwert, sondern diese letztlich den Diskurs geradezu korrumpierende Unterstellung, dem Gegenüber ein Optieren fürs Kriegerische zu unterstellen."

Der Politologe und Politikberater Joseph Nye ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Myles McCormick würdigt ihn in der Financial Times: "Er war es, der den Begriff 'Soft Power' prägte, um die Fähigkeit einer Nation zu beschreiben, ihre Ziele 'durch Anziehungskraft statt durch Zwang oder Geld' zu erreichen - eine Idee, die US-Präsident Donald Trump seiner Meinung nach nicht verstanden hat. ... Nyes Karriere schwankte zwischen theoretischen und politischen Funktionen, was ihm laut Kollegen einen einzigartigen Einblick in die Mechanismen der US-Außenpolitik verschaffte." Der Titel eines seiner älteren Bücher klingt so, als sollte man es mal wieder lesen: "Das Paradox der amerikanischen Macht - Warum die einzige Supermacht der Welt Verbündete braucht".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.05.2025 - Ideen

In der FAZ denkt Simon Strauß in einem lesenswerten Essay darüber nach, wie sich achtzig Jahre nach Kriegsende die Erinnerung in Deutschland verändert: Die Lehren aus "Nie wieder Krieg" und "Nie wieder Auschwitz" werden jetzt von vier Seiten angegriffen, schreibt er. Von einer stalinistischen Linken, die "Nie wieder Auschwitz" ad acta gelegt hat und aus der Forderung "Nie wieder Krieg" ein Verbot der Unterstützung der Ukraine ableitet. Von einer Rechten, die an die deutschen Opfer des Krieges erinnern will, ohne die Opfer durch Deutsche zu erwähnen. Von einer antikolonialen Linken, die sich im Streit um Israel positioniert und "Nie wieder" zum Protest gegen Israels Vorgehen in Gaza umdeuten will. Und durch eine Kulturpolitik, die "in der Logik einer memorialmoralischen Marktwirtschaft" die Erinnerungskultur immer wieder neu aufpeppen will: mal unter dem Stichwort Kolonialismus oder auch zuletzt unter dem Stichwort SED-Diktatur. Aber "Erinnerung darf keinem selektiven Aktivismus dienen", meint Strauß. "Wer Israels Regierung kritisieren will, kann das tun, ohne Israels Existenzrecht in Zweifel zu ziehen. Wer an deutsche Opfer erinnern will, kann das tun, ohne Hitlers Verbrechen unerwähnt zu lassen. Wer eine Aufarbeitung der SED-Diktatur fordert, muss das nicht im selben Atemzug mit dem Nationalsozialismus tun. Es gibt in Deutschland im Mai 2025 so vieles über die Vergangenheit zu sagen. So vieles neu und anders zu erinnern. Aber der Vorrang des Holocausts in unserem Gedächtnis ist keine Frage der individuellen Entscheidung, er ist eine Konsequenz der nationalen Geschichte. Man darf sogar sagen: eine Frage der deutschen Ehre."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.04.2025 - Ideen

Die Demokratie muss global auf den Prüfstand gestellt werden, wenn man sie verteidigen will, meint Welt-Autor Thomas Schmid, besonders an die Adresse der Europäer, die unter anderem Amerika zu lange idealisiert hätten. So "war es ein typisch liberaler Fehler zu glauben, die US-Institutionen hätten in mehr als zwei Jahrhunderten eine unangreifbare Stabilität errungen. Dabei wurde die einfache Wahrheit übersehen, dass Regeln nur so lange funktionieren, bis jemand die Entschlossenheit hat, sich einfach über sie hinwegzusetzen - so wie einst Hitler. Nun ist Europa erschüttert, dass ihm der transatlantische Hirtenstab abhanden zu kommen droht, an dem es sich fast acht Jahrzehnte lang aufrichten und festhalten konnte. Statt darüber zu klagen wäre es besser, sich darauf einzurichten."

In der SZ verteidigt die Juristin Samira Akbarian zivilen Ungehorsam wie Straßenblockaden als gewissermaßen verfassungspatriotisch, weil sie im legitimen Streit um Klimagerechtigkeit einen Machtausgleich darstellten: "Bei der Klimagerechtigkeit können sich Machtungleichgewichte daraus ergeben, dass die Menschen, die jetzt in Deutschland leben, nicht diejenigen sind, die am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Betroffen sind vielmehr Menschen im globalen Süden und kommende Generationen. Sie haben keine Möglichkeit, im Rahmen der repräsentativen Demokratie ihre Interessen zu vertreten und Einfluss auf die Klimapolitik der Bundesregierung zu nehmen." Die Klimaaktivisten handelten somit stellvertretend für die Betroffenen der Zukunft und des Südens. Ob die damit einverstanden sind, sagt sie nicht.

Außerdem: Jan Feddersen unterhält sich in der taz ausführlich mit der Mittelalterforscherin Racha Kirakosian, die ein Buch über die Geschichte der Ekstase geschrieben hat.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.04.2025 - Ideen

In der SZ plädiert Heribert Prantl dafür, die Rechte von Richtern wieder herzustellen, die derzeit einem zu großen Einfluss aus der Exekutive unterliegen. Das ist generell unschön, besonders aber, wenn die AfD plötzlich das Sagen hat: "Steht nicht im Grundgesetz der eherne Satz: 'Die Richter sind unabhängig und nur dem Gesetz unterworfen'?" Doch der zweite Teil dieser Satz stimme nicht mehr: "Am Anfang der Richterlaufbahn entscheidet ein hoher Ministerialbeamter, der Personalreferent oder/und der Richterwahlausschuss, also ein politisch besetztes Gremium, über die Einstellung. Den weiteren Gang der Karriere bestimmt im Wesentlichen das Ministerium: Die Richter sind einem System der Benotung und Bewertung unterworfen, das vom Justizministerium, also von der Exekutive dirigiert wird. In manchen Landesministerien werden die Gerichte gar als nachgeordnete Behörden bezeichnet. Das ist heikel, das ist grundgesetzwidrig. Justiz ist nicht Teil der Exekutive; Ministerien haben allenfalls Hilfsdienste zu leisten, um den Richtern die Erfüllung ihrer Aufgaben zu ermöglichen. So sollte es sein, so ist es aber nicht."