Joseph S. Nye

Das Paradox der amerikanischen Macht

Warum die einzige Supermacht der Welt Verbündete braucht
Cover: Das Paradox der amerikanischen Macht
Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2003
ISBN 9783434505525
Gebunden, 288 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Joachim Kalka. Am Beginn des 21. Jahrhunderts ist Amerika scheinbar zu stark geworden, um von einer anderen Macht wirksam herausgefordert werden zu können. In Washington brüstet man sich mit Unipolarität und Hegemonie, tatsächlich aber haben die Gewichte sich verschoben: die Supermacht sieht sich nicht nur mit globalen Problemen konfrontiert, sondern auch potentiellen Herausforderern wie China, Russland, Indien und Europa. So komplex ist die Frage der Machtverteilung und der Interessengegensätze, dass Amerika allein das Gleichgewicht nicht garantieren kann. Die amerikanische Vorherrschaft - so Nye - wird nicht nur auf militärischer und ökonomischer Stärke beruhen, sondern braucht die "Soft Power" von Kultur und Werten, nämlich Glaubwürdigkeit, moralische Autorität und Achtung gegenüber Geschichte und Tradition - ihrer eigenen und der anderer Völker.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.09.2003

Der amerikanische Politologe Joseph S. Nye ist in Europa ein gefragter Kommentator, weil er "den Part des 'vernünftigen Amerikaners'" gibt, wie Rezensent Claus Leggewie erläutert. Nyes soeben übersetztes Buch erschien in Amerika zu früh und zu spät zugleich, meint Leggewie; geschrieben wurde es vor dem 11. September, das heißt Nyes Warnung an die amerikanische Regierung (er selbst war unter Clinton stellvertretender Verteidigungsminister und "gilt" etwas in Sicherheitskreisen, meint der Rezensent), eine veränderte Welt zur Kenntnis zu nehmen, kam einerseits zu spät und wurde andererseits nach dem 11. September völlig in den Wind geschlagen. Den Nutzen von Nyes "Plädoyer für Multilateralismus" für deutsche Leser zweifelt Leggewie etwas an: überzeugt werden wollen und sollten davon die Amerikaner, schreibt er, die Europäer wären ohnehin dafür. Im übrigen kritisiert er, dass sich Nye ausschließlich auf amerikanische Publikationen und Quellen bezieht. Interessant ist für Leggewie Nyes eigentliches Forschungsfeld in Harvard, wo er sich mit der "Global Governance" beschäftigt. Hierbei sei Nye zu dem Schluss gekommen, dass vor allem "weiche Faktoren" politisch Wirkung zeigen: das heißt überzeugen und kooperieren statt abschrecken und zwingen. In der Folge des 11. Septembers hat Nyes Machttheorie allerdings kaum noch innenpolitische Erfolge zu verzeichnen; die jüngsten Entwicklungen hätte Nye ruhig in die deutsche Übersetzung mit aufnehmen können, schließt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.08.2003

Anette Bingemer ist der Ansicht, dass es an diesem nun auch im Deutschen erschienenen Buch des Harvard-Professors und außenpolitischen Beraters der demokratischen Partei Joseph Nye zwar nichts auszusetzen gibt, dass die darin vertretenen Ansichten allerdings auch sehr erwartbar seien. Nye vertrete die Ansicht, dass sich Amerika nicht auf seine vor allem militärisch fundierte Allmacht verlassen dürfe und sich stattdessen wieder dem internationalen "Wettbewerb der Werte" stellen müsse. Dies sei sicherlich richtig, trotzdem aber nicht für jeden Politiker und jede Politik anwendbar und somit keine wahre Hilfe, so die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.05.2003

Joseph S. Nye mag ein Gegner der Neokonservativen sein und ein Kritiker der aggressiven Politik Bushs - das macht ihn aber, erklärt Ulrich Speck, noch lange nicht zum Opponenten amerikanischer Vorherrschaft über die Welt. Ganz im Gegenteil: Seine Studie laufe darauf hinaus, dass die USA gerade im Interesse einer stabilen hegemonialen Stellung mehr auf "sanfte Macht" setzen müssen, anstatt immer nur mit dem Knüppel zu hantieren - der Mix macht?s. "Man könnte", schreibt Speck, "den Ansatz mit 'Führen durch Überzeugen' überschreiben". Nye, unter Clinton Vize-Außenminister, stelle enorme analytische Klugheit unter Beweis und habe den hemdsärmeligen Konservativen einiges an Weitsicht voraus; ihre Ziele jedoch seien letztlich dieselben. Was aber, fragt Speck, bleibt dem Leser, der die Idee einer wie auch immer geprägten amerikanischen Hegemonie grundsätzlich hinterfragenswert findet? Dieser könne, gibt der durchaus beeindruckte Rezensent gleich selbst die Antwort, immerhin einen erhellenden Blick auf eines der Fundamente amerikanischer Weltmacht werfen: die ?strategische Intelligenz? von Politikberatern wie Nye.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.04.2003

Patrick Horst empfiehlt, Joseph Nyes Plädoyer für eine kooperative Außenpolitik der USA mit Vorsicht zu genießen. Der stellvertretende Verteidigungsminister der Clinton-Regierung argumentiert darin, dass sich die USA in einer zunehmend global vernetzten Welt immer weniger auf ihre militärische Übermacht verlassen können und zunehmend auf Verbündete angewiesen sind. Nye macht sich deshalb für das Konzept einer "soft power" stark, die durch wirtschaftlichen Erfolg, zivilgesellschaftliche Werte und kulturelle Attraktivität die Menschen überzeugt, anstatt sie zu zwingen. Gefallen hat Rezensent Horst, dass Nyes Überlegungen auf einer fundierten gesellschaftlichen Analyse aufbauen. Suspekt bleibt dem Rezensenten allerdings, dass es auch Nye nur darauf ankommt, amerikanische Interessen so erfolgreich wie möglich durchzusetzen. "Der Unterschied zwischen Unilateralisten und Multilateralisten ist in den USA derzeit eben nur eine Frage des Grades, nichts des Wesens."
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