Love Parade, religiöse Rituale, Stadionbesuche - ekstatische Gefühlszustände waren und sind allgegenwärtig. So menschlich der Wunsch danach ist, so schwer greifbar und umstritten ist die Ekstase. Racha Kirakosian folgt der Bedeutung dieses Phänomens von der Antike bis in die Gegenwart. Sie vereint Religionsgeschichte, Kulturgeschichte und Medizin, um diesen spannenden und facettenreichen Bestandteil unseres Daseins zu beleuchten, zu dem neben vielen positiven Aspekten auch dunkle Seiten wie Misogynie und politische Manipulation gehören.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.04.2025
Rezensentin Marianna Lieder begleitet die Mediävistin Racha Kirakosian gern auf ihrer ebenso gelehrten wie spielerischen Expedition in die Geschichte des Ekstatischen - von antiken Orakeln über Sufi-Derwische bis hin zu Rauscherfahrungen der Gegenwart. Besonders faszinierend scheint der Kritikerin Kirakosians Porträt der Mystikerin Christina von Hane, deren extreme Askese - etwa das Fasten "bis zum Bewusstseinsverlust" - zu körperlichen und spirituellen Grenzerfahrungen führte. Die Autorin geht hier zwar zunächst eindeutig der naturwissenschaftlichen Erklärung einer damals nicht seltenen Vergiftung durch Mutterkorn nach, um dann aber die moderne Sichtweise zu verwerfen und für ein Verständnis der "Eigengesetzlichkeit historischer Phänomene" zu plädieren, erklärt die Kritikerin. Überhaupt ist Kirakosian in ihrem assoziationsreichen Ritt durch 2500 Jahre Rauschgeschichte daran gelegen, die üblichen Narrative und Deutungen zur Ekstase zu demontieren, etwa, wenn sie die Dämonisierung weiblicher Entrückungszustände aufgreift, lobt die Rezensentin. Den ein oder anderen überflüssigen Exkurs, etwa zu Oktopussen auf MDMA, verzeiht Lieder gern.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 15.02.2025
"'Die' Wahrheit" über Phänomene der Ekstase gibt es nicht, lernt Rezensentin Susanne Billig von der Altgermanistin Racha Kirakosian, die ihr Buch über Entrückungszustände in fünf Großkapitel unterteilt hat, die sich Themen von Träumen über Schmerz bis hin zu Drogen und Sex widmen. In für Billig angenehm lockerer Weise schreibt Kirakosian mit interdisziplinären Ansätzen, aber auch mit persönlichem Blickwinkel beispielsweise über Christina von Hane, die ihren Körper im Mittelalter malträtiert und Fragen über Weiblichkeit und Ekstase ausgelöst hat. Für Billig bildet das Buch "die ganze Ambivalenz" ekstatischer Phänomene von Anregung bis Abstoßung, von Erkenntnis bis Wahnsinn ab.
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