Magazinrundschau - Archiv

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198 Presseschau-Absätze - Seite 2 von 20

Magazinrundschau vom 04.02.2025 - Wired

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Eben ist die Autobiografie von Bill Gates erschienen. Journalist Steven Levy begleitet die Karriere der Tech-Ikone in seiner Berichterstattung bereits seit den frühen Achtzigern. Entsprechend privat nimmt sich das Gespräch, das er zum Anlass dieser Buchveröffentlichung mit Gates geführt hat, stellenweise auch aus. Neben biografischen Details geht es aber auch um Bill Gates als politische Person: Dass er immer wieder gegen Ungerechtigkeiten und Ungleichheit zwischen den Menschen angeht, irritiert Levy dann doch - wie passt das zusammen, wenn man als einer der reichsten Männer der Welt nicht nur sehr ungleich gegenüber anderen Menschen ist, sondern vielleicht auch Nutznießer globaler Ungerechtigkeiten? "Die Weltökonomie hat ein paar hyper-reiche Leute hervorgebracht. So wie mich. Und vielleicht 50 oder 60 weitere. Elon Musk steht an der Spitze dieser Liste, aber mit Jeff Bezos, Mark Zuckerberg, Steve Ballmer, Warren Buffett und Michael Bloomberg gibt es einige Leute mit einem atemberauenden Reichtum. Ich denke, das ist okay. Ich wäre hier für ein progressiveres Steuersystem, sodass ich etwa ein Drittel so viel Geld hätte wie ich habe. Das wäre immer noch ein gigantisches Vermögen. ... Ich bin mir sehr sicher, dass ich mehr Steuern gezahlt habe als irgendwer sonst, der unter den Lebenden weilt  - mehr als zwölf Milliarden. Es gibt durchaus Techniken, die ich hätte nutzen können", um weniger zu zahlen. "Aber wenn Leute damit durchkommen, auf legale Weise weniger Steuern zu zahlen, dann ist es ein wenig sonderbar, ihnen dafür die Schuld zu geben. Wir sollten das Steuersystem ändern. ... Einige der 50 Hyper-Reichen sind für eine progressivere Besteuerung. Es erstaunt mich, dass selbst die Demokraten wenig unternommen haben, um das Steuerzeug progressiver zu machen. Ich bin ein Verteidiger der Erbschaftssteuer, ich halte sie für fantastisch. Ich würde es schwieriger machen, sie zu umgehen."

Magazinrundschau vom 20.01.2025 - Wired

Hinter den Kulissen des KI-Booms brodelt es gewaltig, stellt Bradley Hope fest: Der Energie-, Hardware- und Platzbedarf verzwergt sichtlich jegliche Standards, die man von bisherigen Rechenzentren gewohnt war. Dass die USA hier Pioniere und Spitzenreiter sind, liegt auch daran, dass über den Export von den für KI-Operationen wichtigen Nvidia-Chips eisern gewacht wird, um geopolitische Gegner im Zaum zu halten. Was den Ressourcenhunger betrifft, bieten sich allerdings die Vereinigten Arabischen Emirate - mit ihrem schier grenzenlosen Kapital und neuen Atomkraftewerken - als interessanter Partner an. "Doch an der Sache gibt es einen Haken: Jegliche amerikanischen KI-Partnerschaft mit den Emiraten ist, in irgendeiner Hinsicht auch eine Partnerschaft mit Scheich Tahnoun und wiederum die meisten seiner Technologie-Partner in den letzten Jahren waren aus China. Diese Partnerschaft lag auf der Hand, angesichts von Tahnouns Vorgeschichte als Spionage-Chef mit weitreichenden kommerziellen Interessen im Bereich technologisch hochgerüsteter Staatskontrolle. Tahnoun verbrachte die frühen 2020er vor allem damit, weitreichende Geschäfts- und persönliche Beziehungen mit Peking aufzubauen, bis zu dem Punkt, dass manche Produkte seines Tech-Konglomerats G42 von chinesischen nahezu nicht mehr unterscheidbar waren. ... 2023 warf Washington einen Fehdehandschau. Der Export in den Nahen Osten von Nvidia-Prozessoren - und damit jener Hardware, die Abu Dhabi benötigt, um die eigenen KI-Ambitionen umzusetzen - wurde eingeschränkt. ... Tahnoun lenkte ein und zwar hart. Anfang 2024 kündigte G42 an, es würde die Bande mit China lösen und sich von chinesischer Hardware lösen. ... Im US-Sicherheitsbetrieb verblieben allerdings viele besorgt über die zusehends wachsende Beziehung des US-Tech-Sektors mit den Emiraten. Ein beunruhigender Fakt war einem ehemaligen Sicherheitsbeamten zufolge, dass sich in China kein Protest gegen Tahnouns Entscheidung, Huawei aus seinen Produkten zu entfernen, regte. ... Dies legt dem Beamten nahe, dass es zwischen den beiden Nationen wohl eine Art Verständigung durch die Hintertür geben könnte."

Magazinrundschau vom 17.09.2024 - Wired

Hans Peter Brondmo plaudert aus dem Nähkästchen, was die Entwicklung von AI-angetriebenen Robotern bei Google betrifft, woran er mehrere Jahre tätig mitgeforscht hat - bis Google das Projekt 2023 aus heiterem Himmel für beendet erklärte. Sehr eindrücklich und interessant sind dabei die Problemstellungen, in die Brondmo einen Einblick gewährt: Roboter zu entwickeln, die tatsächlich in der Lage sind, mit ihrer Umwelt zu agieren, ohne dabei Katastrophen kleineren und größeren Ausmaßes herbeizuführen, ist alles andere als trivial. Es erfordert langen Atem und grenzt ans schier Unmögliche, wie Brondmo selber gerne einräumt.  Und doch ist er enttäuscht, dass Google die Reißleine zog - denn wenn es dumm läuft, sind künstlich-intelligente Roboter genau das, was wir in Zukunft brauchen: "1970 kamen weltweit auf jede Person über 64 zehn Leute im arbeitsfähigen Alter. 2050 werden es wahrscheinlich weniger als vier sein. Uns gehen die Arbeiter aus. Wer kümmert sich um die Alten? Wer wird in Fabriken, Krankenhäusern, Restaurants arbeiten? Wer fährt die Trucks und Taxis? Länder wie Japan, China und Südkorea verstehen, wie sehr dieses Problem drängt. Dort sind Roboter nichts Optionales. Diese Nationen haben es zur nationalen Aufgabe erklärt, in Robotik zu investieren. Künstlicher Intelligenz in der echten Welt einen Körper zu verleihen ist sowohl ein Thema für die nationale Sicherheit als auch eine enorme wirtschaftliche Möglichkeit. Wenn eine Tech-Firma wie Google sich dazu entschließt, in einen solchen Versuch eines 'Griffs nach den Sternen' nicht mehr zu investieren - wer tut es dann? Wird Silicon Valley oder ein anderes Startup-Ökosystem auf den Plan treten und falls ja, wird es Zugriff auf geduldiges, langfristig angelegtes Kapital geben? Ich habe Zweifel. Der Grund warum wir 'Everyday Robots' einen 'Griff nach den Sternen' nannten, hatten damit zu tun, dass es deutlich jenseits dessen liegt, was von Venture-Kapital gestützte Startups an Geduld aufbringen können, wenn man hochkomplexe Systeme von solchen Ausmaßen bauen möchte. Die USA hat bei KI zwar die Nase vorn, aber um deren physische Manifestation - Roboter - zu bauen, braucht es Kompetenzen und Infrastruktur, bei denen bereits andere Nationen führend sind - und zwar ganz besonders China."

Magazinrundschau vom 30.07.2024 - Wired

In Europa geht es uns besser als es uns gehen dürfte - zumindest was das Klima betrifft: Unsere verhältnismäßig moderaten Winter und Sommer verdanken wir der atlantischen meridionalen Umwälzbewegung (Atlantic Meridional Overturning Circulation, kurz: AMOC) von gigantischen, unterschiedlich warmen Wassermassen im globalen Maßstab. Und diese Umwälzbewegung gibt der Wissenschaft derzeit Anlass zur Sorge, schreibt Sandra Upson: Sie verlangsamt sich - manche (allerdings kontrovers diskutierte) Studien prognostizieren gar für einen Zeitpunkt irgendwann in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts einen Kipppunkt, nach dem die Entwicklung unaufhaltsam und ziemlich rasant eskalieren könnte: "Für das Erdsystem ist die AMOC so ein zentrales Element, dass ihr Zusammenbruch regionale Wettermuster, den Wasserkreislauf und die Fähigkeit jedes Landes, seine Einwohner mit Nahrung zu versorgen, radikal ändern würde. Unter der Meeresoberfläche kämen die unsichtbaren Wasserstürze nahe Island und Grönland allmählich zum Erliegen. Das sind entsetzliche Nachrichten für Lebewesen in der Tiefe, die auf den Sauerstoff, den die AMOC anliefert, zum Überleben angewiesen sind. Weitreichendes Absterben des maritimen Lebens: wahrscheinlich. ... Ohne die große Wärmelieferung, die die Winter abmildert, sähe sich Europa laut einem Report von 2022 mit viel intensiveren Jahreszeiten konfrontiert. Viel mehr Schnee. Viel weniger Regen. ... Meereis könnte sich bis zum Süden Großbritanniens erstrecken. Die Sommer unterdessen: heißer und trockener. ... Der Anteil des Landes, auf dem sich Weizen und Mais - weltweit ein Grundnahrungsmittel - anbauen lässt, würde sich in etwa halbieren. In einer Analyse, wie ein AMOC-Kollaps die Landwirtschaft in UK beeinflussen würde, schrieben die Autoren, dass es zu einem 'nahezu kompletten Stopp' des Ackerbaus kommen würde. Tschüss Haferflocken, Gerste, Weizen. Ein massives Bewässerungsprojekt könnte das Land wiedergewinnen - zu einem Preis von etwa einer Milliarde Dollar, mehr als das Zehnfache des jährlichen Gewinns der Ernte. ... Im Amazonasgebiet könnte die veränderte intertropische Zone dazu führen, dass sich die feuchten und trockenen Jahreszeiten je in ihr Gegenteil verdrehen. Die Pflanzen, Insekten, Pilze und Säugetiere unter dem Regendach wären dazu gezwungen, sich in Warp-Geschwindigkeit anzupassen oder abzusterben. Ganz zu schweigen von den Bäumen selbst. ... Indien, Ostasien und West-Afrika würden einen Großteil, wenn nicht die gesamte Monsoon-Zeit einbüßen. Zwei Drittel der Erdbevölkerung sind auf den Monsoon-Regen angewiesen, zum großen Teil, um ihre Nutzpflanzen anzubauen. Diese Veränderungen würden sich eher im Laufe weniger Anbau-Saisons abspielen als in Generationen, womit nur wenig Zeit zur Anpassung bleibt. ... Abermillionen Menschen könnten zur Migration gezwungen sein, um zu überleben."

Magazinrundschau vom 04.06.2024 - Wired

Einflussnahme auf Wahlen durch Deepfakes und KI wird bei uns noch als drohendes Szenario diskutiert. Im aktuellen indischen Wahlkampf wird diese Strategie bereits umarmt - wenn auch im gesetzlich regulierten Rahmen und - zumindest, wenn es legal sein soll - nur zur Eigenwerbung. So etwa in Form von personalisierten Video Calls, bei denen die angerufene Person im Glauben gelassen wird, mit einem prominenten Politiker persönlich gesprochen zu haben, berichten Nilesh Christopher und Varsha Bansal. Eine einzelne Firma etwa, die diesen Service anbietet, "führte während der zwei Wochen vor der Wahl in den südlichen Staaten von Telangana und Andhra Pradesh 25 Millionen personalisierte KI-Anrufe durch. Während Stadtbewohner unangekündigte Telefonanrufe lästig finden, erzählten die politischen Berater, mit denen wir sprachen, dass Landbewohner nach Anrufen von Leuten in hohen Positionen oft das Gefühl hätten, wichtig genommen zu werden. ... Die Vorzüge dieser Technologie, wenn man sie richtig anwendet, liegen auf der Hand: personalisierte Ansprache und das im riesigen Maßstab. Dafür auf echte Menschen in Callcentern zurückzugreifen, kostet vier Rupien pro Anruf, achtmal mehr als KI-Anrufe. ... Traditionelle, unpersönliche und vorab aufgenommene Robo-Anrufe sind günstiger, bringen aber auch nicht so viel. Nach den Angaben eines Anbieters halten KI-Anrufe die Angerufenen länger am Apparat. ... 'Zwischen Wähleransprache, den Kandidaten menschlicher wirken zu lassen und Täuschung liegt ein schmaler Grat, der viel damit zu tun hat, wie vertraut wir mit einer Technologie sind', sagt Sam Gregory von der Nonprofit-Organisation Witness. Wir sind daran gewöhnt, personalisierte Emails und Briefe zu erhalten, aber Stimmnachrichten und Videos sind nochmal eine andere Sache." Divyendra Singh Jadoun, dessen Firma solche Deepfakes erstellt, "mag die Zustimmung der Politiker haben, für die er arbeitet, aber die Wähler, die sie kontaktieren, haben vielleicht keine Ahnung, dass sie mit einem Klon sprechen. Kurz vor dem Ende der Wahlen in Indien bewegt sich die größte Demokratie der Welt in eine ungewisse, von KI angetriebene Zukunft."

Magazinrundschau vom 26.03.2024 - Wired

Dass die KI-Fortschritte der letzten Jahre nicht vom Platzhirsch Google in die Weltöffentlichkeit getragen wurden, sondern vom Startup OpenAI hat viele erstaunt. Nicht ganz so bekannt ist allerdings, dass maßgebliche Vorarbeiten - darunter die sogenannte Transformer-Technologie - tatsächlich mit einem Paper aus der Forschungsabteilung von Google auf den Weg gebracht wurden. Verschläft der einst so innovative Konzern die KI-Revoltion, fragt sich Steven Levy in einem Porträt der acht Autoren dieses Papers. "Viele Tech-Kritiker weisen darauf hin, wie Google sich von einer auf Innovation setzenden Spielwiese zu einer gewinnorientierten Bürokratie gewandelt habe. 'Sie haben nicht modernisiert', erzählte Aidan Gomez der Financial Times, 'sie haben sich neuen Technologien nicht angepasst.' Aber das wäre auch äußerst gewagt gewesen für eine riesige Firma, deren technologische Errungenschaften die Branche seit Jahrzehnten anführt und riesige Profite einbringt. Google begann 2018 damit, die Transformer-Technologien in seine Produkte einzupflegen, beginnend mit seiner Sprachübersetzung. Im selben Jahr führte es ein Sprachmodel namens BERT ein, das ebenfalls auf Transformers basiert, und begann dies im Jahr danach in seiner Suchfunktion zu nutzen. Aber diese Anpassungen unter der Motorhaube wirken zaghaft im Vergleich zu OpenAIs Quantensprüngen und Microsofts kühner Integration von transformer-basierten Systemen in seiner Produktlinie. Als ich den Geschäftsführer Sundar Pichai vergangenes Jahr fragte, warum seine Firma nicht die erste war, die ein 'Large Language Model' wie ChatGPT einführe, vertrat er den Standpunkt, dass Google es in diesem Fall vorteilhaft fand, wenn andere hier die Speerspitze bildeten. 'Mir ist einfach unklar, ob es genauso gut funktioniert hätte. Tatsache ist, dass wir mehr tun können, nachdem die Menschen gesehen haben, wie es funktioniert', sagt er. Eine unbestreitbare Wahrheit ist es aber auch, dass alle acht Autoren des Papers Google verlassen haben."

Magazinrundschau vom 05.03.2024 - Wired

Im Zuge der NSA-Enthüllungen vor nun auch schon wieder über zehn Jahren verschlüsselten viele Kommunikationsanbieter ihre Angebote und Apps zum Schutz der Privatsphäre ihrer Kunden. Schön und gut, aber mit den Smartphones in unseren Taschen hat sich das im Grunde auch schon wieder erledigt, schreibt Byron Tau. Zumindest gilt dies, wenn man die Standortübermittlung aktiviert hat und durch Werbeeinblendungen finanzierte Apps nutzt, die auf diesen Standort zugreifen können. Das ist bei den meisten Dating-Apps üblich ist - aber auch bei ganz normalen Wetter-Apps. Anhand dieser nur vorderhand anonymisierten Daten lassen sich jedoch komplexe Nutzerprofile erstellen, die zahlreiche, de facto entanonymsierte Rückschlüsse gestatten - bis hin zum Privatadresse, persönlichen Netzwerken und (nicht nur, aber auch sexuellen) Vorlieben. Und der Clou: Da Werbe-Einblendungen innerhalb von Sekundenbruchteilen digital "versteigert" werden, haben auch jene Anbieter Zugriff auf diese Daten, deren Werbung am Ende doch nicht eingeblendet wird. "Die größten amerikanischen Firmen haben Milliarden von Dollars in dieses System fließen lassen. Angesichts eines kommerziell erhältlichen Silos mit derart angereicherten und detaillierten Daten, haben auch die Regierungen dieser Welt ihre Geldbeutel geöffnet, um diese Informationen über quasi jedermann einzukaufen, anstatt sie sich mit Hackermethoden oder über geheime Gerichtsbeschlüsse zu erarbeiten. ... Nachdem es ein Datenset aus Russland gekauft hatte, bemerkte ein Team, dass sie damit Telefone in der Entourage des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin tracken konnten. Die Handys bewegten sich überall dorthin, wo sich auch Putin hinbewegte. Sie schlossen, dass die fraglichen Geräte nicht Putin selbst gehörten; die russische Staatssicherheit und die Spionageabwehr waren klüger als das. Stattdessen gingen sie davon aus, dass sie Putins Fahrern, seinem Sicherheitspersonal, politischen Weggefährten und anderem Personal rund um den russischen Präsidenten gehörten. Die Handys dieser Leute waren über Werbedaten verfolgbar." Doch "nichts davon ist nur eine abstrakte Sorge", denn "die Chancen liegen gut, dass es auch über Ihre Bewegungsmuster ein detailliertes Log gibt, das abgesaugt und in einer Datenbank hinterlegt ist, auf die zehntausende Fremde Zugriff haben. Darunter Geheimdienste. Darunter ausländische Regierungen. Darunter Privatdetektive. Darunter sogar schnüffelnde Journalisten."

Außerdem: Lauren Goode spricht mit Jensen Huang, dem Geschäftsführer des Chipherstellers Nvidia, der die KI-Revolution mit seiner Rechenpower maßgeblich befeuert. Der russische Journalist Vadim Smyslov erzählt von seinem einjährigen Exil nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine, von seiner Rückkehr nach Hause - und seinem erneuten Weg ins Exil. Hemal Jhaveri porträtiert den Schauspieler Javier Bardem, der aktuell in "Dune: Teil 2" (unsere Kritik) zu sehen ist.

Magazinrundschau vom 30.01.2024 - Wired

Ein neuer Space Race ist längst im Gange - auch wenn es diesmal nicht um den Mond, sondern nur um einen Bereich unmittelbar vor unserer Haustüre geht: Knapp 9000 Satelliten befinden sich derzeit im niedrigen Orbit um die Erde, etwa 30 Prozent davon starteten alleine im letzten Jahr, berichtet Khari Johnson - und Elon Musk, dem via Starlink knapp 50 Prozent all dieser Satelliten gehören, ist auf dem besten Weg, ein Monopol zu errichten, während Amazon mit vergleichbaren Projekten bereits mit den Hufen scharrt. Dabei legte der 1967 von 20 Nationen - darunter die USA und die UdSSR unterzeichnete - Weltraumvertrag einst fest, dass das All der gesamten Menschheit gehöre und nur zum Vorteil aller Menschen genutzt werden dürfe. Das Nachsehen haben heutige Schwellenländer, für die es immer drängender wird, sich einen Platz am Himmel zu sichern. "Nach Ansicht von immer mehr Anwälten, Akademikern und Funkionären auf der ganzen Welt ähnelt diese zunehmende Dominanz im Orbit etwas, was man nur zu gut kennt: einer kolonialen Landnahme. Manche Wissenschaftler mutmaßen gar, dass damit der Weltraumvertrag verletzt werde. Nur einer von vielen Gründen, warum einige Akteure im globalen Süden sich für die orbitale Zukunft rüsten, indem sie sich nicht nur anstrengen, Satelliten zu starten, sondern auch, indem sie ihre Kompetenzen im Bereich des Weltall-Rechts ausbauen." Denn "mit jedem Schwung von 50 Starlink-Satelliten, die SpaceX ins All bringt, und mit jeder neuen Nation und jedem neuen kommerziellen Akteur, der seinen Claim im Orbit absteckt, erscheinen tatsächliche juristische Auseinandersetzungen unvermeidbarer - und was hier auf dem Spiel steht, könnte sehr schnell sehr kostenempfindlich werden. Man bedenke ja bloß, dass neben den tausenden Satelliten im niedrigen Erdorbit mehr als eine Million Stücke Weltraummüll mit Geschwindigkeiten von 17500 Meilen pro Stunde herumfliegen."

Magazinrundschau vom 12.12.2023 - Wired

Laura Kipnis porträtiert den TV-Autor Joe Weisberg, dessen Serie "The Americans" (2013-2018) gerade einen neuen Popularitätsschub erfährt und der vor kurzem mit der Miniserie "The Patient" einen weiteren Erfolg feierte. "Irgendwas an diesen Serien treibt mich um, und das nicht nur weil sie sich anfühlen wie Fallstudien in amerikanischer Paranoia", schreibt Kipnis dazu. "The Americans" etwa handelt von einem Ehepaar im Kalten Krieg, bei dem es sich in Wahrheit um Spionage-Schläfer der Sowjetunion handelt. "In einer Zeit, in der die meisten Fernsehserien sich auf moralische Federpflege spezialisieren (...) wringen einen Weisbergs Serien einen geradzu psychologisch und spirituell aus. Sie wollen ihr Publikum stolpern lassen." Das Besondere an Weisberg: Er war zuvor ein paar Jahre lang CIA-Mitarbeiter - und entschied sich für diesen Weg einst aufgrund einer tiefempfundenen Abscheu gegenüber der Sowjetunion, wie sie in den Achtzigern unter den Eindrücken des Kalten Kriegs zentraler Bestandteil der us-amerikanischen Kultur gewesen ist. "Es war erst eine Psychotherapie, die Weisberg dazu befähigt hat, Figuren mit einem komplexen Innenleben zu schreiben - das sei ihm nicht gelungen ehe er begriffen hatte, dass er selber ein solches habe, sagt er. Das bedeutete auch, dass er sich damit auseinandersetzen musste, welche falschen Fronten er in seinem Leben aufgebaut hat und wie viel er vor sich selbst verstecken musste. Er begann darüber nachzudenken, dass seine kindliche Identifikation mit den unterdrückten Bürgern der Sowjetunion ein Weg gewesen ist, seinen Zorn über Repression in seiner eigenen Familie zu externalisieren. Von klein auf war ihm beigebracht worden, negative Gefühle nicht zuzulassen. Er konnte sich mit seinen Eltern nicht anlegen, aber er konnte daran mittun, die Sowjet-Führerschaft zu Fall zu bringen, die die freie Meinungsäußerung ihrer Bevölkerung unterdrückte. Anders ausgedrückt: Einen Feind auszumachen, half ihm dabei, sich mit seiner eigenen dunklen Seite nicht auseinandersetzen zu müssen." Mittlerweile schlägt diese Obsession freilich in ihr Gegenteil um, erfahren wir außerdem: In seinem "memoir-artigem Buch 'Russia Upside Down: An Exit Strategy for the Second Cold War' aus dem Jahr 2021 behauptet Weisberg, dass er (und wir) die Sowjets fundamental falsch verstanden hätten: Der KGB sei bemerkenswert unkorrupt gewesen, die Bolschewiken hätten Pogromen ein Ende bereitet und die Sowjets dem Holocaust Einhalt geboten, als sie die Wehrmacht in Osteuropa zurückgeschlagen hatten. ... Diese vielen Verkehrungen ins Gegenteil und Bilanzkorrekturen gestalten die Lektüre sonderbar, als würde man jemanden dabei beobachten, wir er mit seinen eigenen Überzeugungen in den Boxring steigt und sich dabei ständig selbst ins Gesicht schlägt."

Magazinrundschau vom 05.09.2023 - Wired

In den meisten aktuellen Diskussionen nimmt KI den Status des absolut Bösen ein. Dass KI aber auch ein Werkzeug sein kann, um die Welt zu verbessern, gerät dabei rasch aus dem Sinn. Camille Bromley wirft einen Blick auf Experimente, die es gestatten sollen, die Sprache von Walen besser zu verstehen. Die Walforscherin Michelle Fournet arbeitet genau daran. "Sie hat ihren Katalog an Buckelwal-Rufen dem Earth Species Project zur Verfügung gestellt, einer Gruppe von Technologen und Ingenieuren, die daran arbeiten, mithilfe von KI ein künstliches 'Whup' [die typische Begrüßungsfloskel von Buckelwalen] zu erstellen. Und sie beabsichtigen nicht nur, die Stimme eines Buckelwals zu emulieren. Die Mission der Non-Profit-Organisation besteht darin, menschliche Ohren für das Geplauder des gesamten Tierreichs zu öffnen. In 30 Jahren, behaupten sie, kommen Naturdokus auch ohne einlullende Voiceovers im Stil von Richard Attenborough aus. Die Gespräche der Tiere werden einfach Untertitel haben. Und so wie die Ingenieure heute kein Mandarin oder Türkisch mehr können müssen, um einen Chatbot für diese Sprachen zu erstellen, werde es künftig auch möglich sein, einen Bot zu programmieren, der Buckelwalisch spricht - oder Kolibrinisch, Fledermausisch und Bienesisch. Die Idee, die Kommunikation der Tiere zu dechiffrieren ist kühn, vielleicht auch unglaublich, aber eine Zeit der Krise bedarf kühner und unglaublicher Maßnahmen. Überall wo Menschen sind, also wirklich überall, verschwinden die Tiere. Die Wildtierpopulation ist im Schnitt in den letzten 50 Jahren um 70 Prozent gesunken. ... Aza Raskin, ein Mitbegründer von Earth Species Project, ist der Überzeugung, dass die Möglichkeit, Tiere zu belauschen, einen Paradigmenwechsel nach sich ziehen wird, der nichts geringerem als der Kopernikanischen Wende gleichkommt. 'KI ist die Erfindung der modernen Optik', sagt er mit spürbarem Vergnügen. Was er damit meint: So wie die Astronomie des 17. Jahrhunderts mit verbesserten Teleskopen neuentdeckte Sterne wahrnehmen konnte und die Erde ein für allemal aus dem Zentrum des Universums rückte, wird auch KI die Wissenschaft dabei unterstützen, mehr zu hören als die Ohren es ihnen gestatten: dass Tiere sinnhaft sprechen und dies auf mehr Arten als wir es uns vorstellen können. Dass ihre Fähigkeiten und ihre Leben nicht unter unseren stehen. 'Dieses Mal werden wir hinaus ins Universum blicken und feststellen, dass die Menschheit nicht in seinem Zentrum steht', sagt Raskin."

Hier hören wir das Whup eines Buckelwals. Ob es sich um ein formelles "Guten Tag" oder um ein joviales "Servus" handelt, muss die Wissenschaft noch klären.

mbellalady · Downsweep Whups 76.95.12