Magazinrundschau - Archiv

The Spectator

157 Presseschau-Absätze - Seite 16 von 16

Magazinrundschau vom 12.07.2005 - Spectator

Der Genozid an den Indianern, Lynchmorde an Schwarzen, Pinochet, der Holocaust, außerdem Guantanamo und Abu Ghraib - die Gedenkstätte bei Ground Zero wird Ausdruck eines "ultimativen Schuldkomplexes", schäumt Mark Steyn, der am Ort des Anschlags gerne mehr westliches Selbstbewusstsein gesehen hätte. "Ich habe mich nie für die Twin Towers interessiert, die nie mehr als ein Paar überdimensionierter Schrottteile aus den Siebzigern waren. Aber als die Islamspinner sie abgerissen hatten und die diversen 'international anerkannten' Architekten anfingen, immer schlaffere und geschmackvollere Entwürfe einzureichen, erkannte ich, dass Donald Trump recht hatte: Baut die hässlichen Motherf*** wieder auf, aber macht sie größer, und setzt einen gigantischen ausgestreckten Mittelfinger auf jeden von ihnen, oder lasst vielleicht diese Saddam-Satue seitlich vom Dach hängen, so dass er ewig gestürzt wird. Der jüngste, hastig überarbeitete Entwurf des Freedom Tower streicht die 'lebensbejahenden vertikalen Gärten' und einige andere rückgratlose Einfälle von Daniel Libeskind, aber es ist immer noch eine schwächliche unamerikanische Weicheierei."

Danny Kruger beschreibt den Umgang mit der stadtbekannten 13-köpfigen Asbo-Familie, die sich in seiner vornehmen Straße in North Kensington eingenistet hat. Mittlerweile hat die Nachbarschaft, alles liberale Journalisten, eine professionelle Vermittlerin engagiert. Ein ungenannter Leitartikler freut sich, dass Jacques Chirac so herzerfrischend direkt erklärt hat, die britische Küche sei nach der Finnlands die schmutzigste der Welt. "Nun kann endlich ohne Rücksicht auf die diplomatische Etikette gesagt werden, wie dieser verkrustete alte Dinosaurier der weltweiten Entwicklung schadet und wir können nach Herzenslust seine Landwirtschaft boykottieren, bis er Reformen verspricht."

Magazinrundschau vom 05.07.2005 - Spectator

Peter Oborne verliert angesichts des ausbleibenden Widerstands gegen die drohende Einführung eines Personalausweises jede britische Zurückhaltung. Bei Politikern wie dem Innenminister Charles Clarke, "der als ehemaliger studentischer Marxist keine Probleme mit Unfreiheit und Unterdrückung hat, und der als Labour-Konvertit an alles zu glauben bereit ist, solange ihm das die allmorgendliche Limousine mit Chauffeur sichert", wundert ihn nichts mehr. Aber die Engländer! Dekadent seien sie geworden. "Unser Volk ist zu gemütlich, zu verhätschelt, zu selbstverliebt, um über die eigene Nasenspitze hinauszuschauen - oder eher über ihre Widescreen-Fernseher, ihre weißen High-Tech-Spielzeuge, ihre glänzenden neuen Autos und ihre Urlaube auf Ibiza. Wohlstand ist der Feind der Wachsamkeit geworden."

Magazinrundschau vom 28.06.2005 - Spectator

Auf Suaheli heißen sie WaBenzi: Die Führer Afrikas, die internationale Hilfsgelder zuallererst in eine gepanzerte Langversion des Mercedes S600L investieren (zu bestellen bei der südafrikanischen Dependance). Anlässlich des britischen Schuldenerlasses für die ärmsten Länder der Welt und der wieder belebten Live 8-Konzerte zeigt Aidan Hartley, dass ein Großteil der für die bettelarme Bevölkerung bestimmten Gelder in Stuttgarter Luxuslimousinen investiert werden. "So muss es nicht sein. Die Afrikaner selbst sehen die WaBenzi als Symbol des kranken Afrikas. Ihr erster Märtyrer war Thomas Sankara, der Präsident Burkina Fasos, der seine Minister zwang, ihre Mercedesse gegen Renault R5s einzutauschen. Er ließ sie sogar joggen. 1987 wurde Sankara von Blaise Campaore gestürzt und hingerichtet. Campaore ist noch immer an der Macht." (Dieser wie auch alle weiteren verlinkten Artikel können nach kostenloser Registrierung gelesen werden.)

Ruth Dudley Edwards klagt über den wirklichkeitsfernen, zynischen britischen Boulevardjournalismus dieser Tage, der aus Bürotürmen und nicht mehr von der Straße kommt. Mit maoistischem Esprit rät sie zur Umerziehung. "Ich würde die Journalismusschulen schließen und niemandem erlauben, in einer Zeitung in London anzufangen, ohne zuvor zehn Jahre lang in regionalen Büros gearbeitet zu haben. Dann hätten wir vielleicht Politiker, die die Leute wählen wollen und Journalisten, die die Menschen besser machen wollen."

Außerdem lässt Roger Scruton die Gedanken und das Leben Jean Paul Sartres in knapper Folge Revue passieren.

Magazinrundschau vom 21.06.2005 - Spectator

John Naughton analysiert die Gründe für den Erfolg von Google, das viele fälschlicherweise für die mächtigste Medienfirma der Welt hielten. Dabei ist Google eigentlich ein Technologieunternehmen, erklärt Naughton, das unter anderem auch mit Medien zu tun hat. Für Google spreche eben vor allem eins: "Seine Technologie funktioniert - weshalb es die meisten Menschen nutzen, wenn sie im Netz etwas suchen." In den letzten Jahren ist es Google gelungen, die "smartesten" Wissenschaftler und Techniker um sich zu scharen, erklärt Naughton. Der Kolumnist sieht Google in Konkurrenz zu Microsoft: "Google's Geschäftsplan lässt sich wie der von Microsoft in zwei Worten zusammenfassen", schreibt Naughton: "Die Beherrschung der Welt." Anders als bei Bill Gates, der als Maxime "pro Schreibtisch ein Computer, auf dem Microsoft läuft" ausgegeben habe, sei es Googles "erklärte Absicht, jede Information zu sammeln und weltweit zugänglich und nutzbar zu machen".

Magazinrundschau vom 07.06.2005 - Spectator

England, übernehmen Sie! Das französische Modell der EU liegt in Trümmern, nun ist die Zeit gekommen, dass Großbritannien Europa den Weg weist, proklamiert Anthony Browne im Titel. Mehr Zurückhaltung ist angesagt, die EU sollte sich vor allem als Wirtschaftsraum verstehen. "Unter den Europäern gibt es das riesige Verlangen, die Politik der Standardisierung aufzugeben, die Vorstellungen von den Vereinigten Staaten von Europa gegen mehr nationale Demokratie einzutauschen, zu dezentralisieren statt zu harmonisieren, eine flexible Verschiedenheit von Ländern zu ermöglichen, die verschiedenen politischen Ansätze auszuprobieren und so auf ihren Nutzen abklopfen, anstatt sich hinter schlechten Gewohnheiten zu verschanzen."

Im Leitartikel schlägt Chefredakteur Boris Johnson in die gleiche Bresche. "Wenn Großbritannien die EU-Präsidentschaft übernimmt, sollten wir ein Reformprogramm vorschlagen: die gemeinsame Agrarpolitik zurückfahren, die beständegefährdende Fischereipolitik zerschlagen, jedem Land die Möglichkeit geben, aus der Sozialcharta auszuscheren und den Beitritt der Türkei vorantreiben." Irgendwann, "vielleicht in ein paar Jahrhunderten", werde der freie Markt dann eventuell eine gemeinsame Politik hervorbringen.

Magazinrundschau vom 24.05.2005 - Spectator

Antiamerikanismus, Antikapitalimus, Antisemitismus. Die Wiederauferstehung der drei hässlichen deutschen As hat es bis auf den Titel geschafft. Die Demokratie ist beim europäischen Nachbarn nicht in Gefahr, beruhigt Wolfgang Munchau seine Leser. Sehr beglückt war er allerdings nicht beim letzten Besuch seines Heimatlandes. Vor allem die Heuschreckenkampagne von Franz Müntefering mit ihren antisemitischen Untertönen fand er mehr als unappetitlich. Dass Frankreich und Deutschland zur gleichen Zeit die gleichen Themen diskutieren, resultiere aus ihrem gemeinsamen, aber vergeblichen wie verhängnisvollen Widerstand gegen die Globalisierung. "Sie sind gegen den anglo-amerikanischen Kapitalismus, ausländische Übernahmen, freie Märkte, niedrige Unternehmenssteuern, und vor allem mögen sie Herrn Bush nicht. Zusammen haben Frankreich und Deutschland es geschafft, den Stabilitätspakt zu beseitigen. Sie sind zu einer Allianz der Neinsager geworden." Irgendwann werden sie die freie Marktwirtschaft akzeptieren, prophezeit Munchau - "aber das kann noch dauern".

Ross Clark warnt vor den immer häufiger ausgesprochenen Anti-Social-Behaviour-Orders, mit denen die Engländer ihren liebevoll exzentrischen Ruf verspielen. David Boag etwa musste vier Monate ins Gefängnis. "Er schaut sich gerne 'American Werewolf in London' an, um danach ein wenig zu heulen. Nicht nur das, Nachbarn, die sich seiner Beobachtung verschrieben haben, sahen ihn durch seine vorhanglosen Fenster, wie er auf einen Schemel stieg, auf sein Sofa sprang und dann mit einem Weihnachtsbaum im Zimmer herumtanzte. Ob Herr Boag ein bisschen verrückt ist oder nur exzentrisch, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht sollte er ein paar Mädchen kennenlernen oder seinen filmischen Horizont ein wenig erweitern. Was Herr Boag wirklich nicht gebraucht hat, ist der Knast, aber genau dort landete er schließlich."

Magazinrundschau vom 26.04.2005 - Spectator

Daniel Hannan erwartet nicht nur ein Nein der Franzosen zur europäischen Verfassung, er empfiehlt es ihnen sogar. "Unter all den Vorurteilen, die die Briten über die Franzosen pflegen, sticht eines durch seine Wahrhaftigkeit heraus: Sie sind mürrisch. Und sie haben allen Grund dazu, angesichts des Selbstversorger-Kartells, von dem sie regiert werden. Darüber hinaus haben sie verstanden, dass die europäische Integration ihre Regierung noch weniger verantwortlich machen wird. Sie erkennen, dass die Verfassung zukünftige Entscheidungen noch weiter dem Zugriff des Volkes entziehen wird. Wenn man das Gefühl hat, die Regierung ist schon zu weit entfernt, wird man Zuständigkeiten kaum auf noch entlegenere Institutionen übertragen." (Die hier vorgestellten Artikel des Spectator können nach kostenloser Registrierung gelesen werden.)

Weitere Artikel: Die Autorin Germaine Greer bedankt sich beim Geburtstagskind Shakespeare für das schöne Bild vom englischen Charakter, das er geprägt habe: vernünftig, fröhlich, freundlich, zuverlässig, und vor allem selbstironisch. "Der Engländer, abgesehen von Königin Victoria, ist immer darauf vorbereitet, amüsiert zu werden." Und Alexander Chancellor freut sich über die Wahl des Wunschkandidaten des Spectators zum Papst.