Magazinrundschau - Archiv

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Magazinrundschau vom 31.10.2017 - Salon.com

In Salon denkt Andrew O'Hehir über den Verlust des Realitätsbegriffs nach und das nihilistische Vakuum, das sich dadurch in der Mitte der Gesellschaft ausgebreitet hat. Man kann das nicht einfach nur Donald Trump in die Schuhe schieben, erkennt er: "Den Leuten wiederholt mit einer zusammengerollten Zeitung auf den Kopf zu schlagen, als wären sie ungehorsame Hunde, während man ihnen sagt, Donald Trump sei ein Lügner und Betrüger, ist so ziemlich der Gipfel liberaler Selbstparodie. Die Leute wissen das. Deshalb mögen sie ihn. Trump ist ein prominentes Symbol für die Abwertung und Zerstörung der Realität, aber er hat sie nicht verursacht. Er wäre heute vermutlich nicht Präsident, wenn wir alle - nicht nur die Republikaner oder die sprichwörtliche weiße Arbeiterklasse - nicht ebenfalls lange auf dieser Straße in das Reich des Nicht-Realen gewandert wären. Realität hat für die Leute einfach nicht funktioniert ... Die Aussicht für viele Amerikaner bestand in miesen Dienstleistungsjobs, verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln und dem falschen Versprechen, eines Tages würden Technologie und Unternehmertum die Dinge verbessern. Kein Wunder, dass sie lieber Ablenkung wollten. Es liegt fast ein perverser Adel in der Schlussfolgerung, Realität sei Mist, niemand wisse, was wahr sei und genauso gut könne man eine Geschichte erfinden, die einem besser gefällt."

Magazinrundschau vom 23.05.2014 - Salon.com

Bereits im März haben wir in unserer Magazinrundschau auf den Modetrend Normcore hingewiesen, bei dem es darum geht, durch das Tragen von möglichst nichtssagender Kleidung aufzufallen. In einem interessanten Beitrag auf salon.com beruft sich R. Jay Magill Jr. auf Hegel und erklärt Normcore zur Synthese des dialektischen Prinzips von Ernsthaftigkeit und Ironie: "Was als eine Hippie-Kultur des Widerstands gegen die bürgerliche Kultur des Kapitalismus begann, ist zu einem nur noch mächtigeren bürgerlichen Kapitalismus gereift (Steve Jobs, Ben & Jerry, Richard Branson). Sie haben daran geglaubt, dass rebellischer Individualismus immer gegen den Strom schwimmt, auch als sie längst der Strom geworden waren, gegen den sie einmal anschwammen, mit dem unglückseligen Ergebnis, dass sie Widerstand zu einem Stil degradierten. So wurde Rebellion zur neuen Mitte, und Normcore kommt die Aufgabe zu, den Nonkonformismus für erledigt zu erklären."

Magazinrundschau vom 15.10.2013 - Salon.com

"Großstädte, früher Häfen der Anonymität, werden immer mehr zu einem digitalen Goldfischglas", schreibt Anthony M. Townsend in seinem Buch über die immer ausgefeilteren Überwachungstechniken in Städten, "Smart Cities: Big Data, Civic Hackers, and the Quest for a New Utopia", aus dem Salon.com einen Auszug bringt. "Nehmen Sie Ciscos Vision für Songdo (oder das neue China), eine urbane Zivilisation, angetrieben von einem Zwei-Weg-Videobildschirm, der die neuesten biometrischen Daten verarbeitet. Eine perfektere Kopie von Orwells 'telescreen', der Propaganda ausstrahlte, während er gleichzeitig aufmerksam nach Zeichen von Abweichung suchte, kann man sich kaum vorstellen. Wie Orwell in 1984 schrieb: 'Es war schrecklich gefährlich, seine Gedanken wandern zu lassen, wenn man sich an einem öffentlichen Platz aufhielt oder von einem Telescreen beobachtet wurde. Die kleinste Regung konnte einen verraten. Ein nervöser Tick, ein unbewusster Ausdruck der Angst, die Angewohnheit, etwas vor sich hin zu murmeln. Oder einfach einen unpassenden Gesichtsausdruck zu zeigen... Schon das war eine strafbare Handlung. Es gab im Neusprech sogar ein Wort dafür: Gesichtsverbrechen, nannte man es.' Das friedliche Chongqing ist nur eine Aufwärmübung für Cisco. Der Markt für Überwachungsprodukte in China hat zweistellige Zuwachsraten." Nicht nur in China.
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Magazinrundschau vom 30.07.2013 - Salon.com

Salon druckt einen langen Auszug aus einem Buch, das beschreibt, wie Gruppensex bzw. freier Sex auf der ganzen Welt - in den USA, China, Russland oder dem Iran - Veränderungen in Gang setzt, gegen die Konservative vergeblich Sturm laufen. "Wie es ein 23-jähriger Mann erklärt: 'Im Iran hatten alle Dinge, die mit Sex zu tun hatten, eine verschlossene Tür. Wir, die jetzige junge Generation, öffnen eine nach der anderen. Masturbation? Aufmachen. Sexuelle Gefühle von Teenagern? Öffne diese Tür. Schwangerschaft außerhalb der Ehe? Aufmachen. Jetzt versucht die Jugend herauszufinden, was sie mit all den offenen Türen anfangen kann.' Verständlicherweise finden junge Menschen die konkurrierenden Ideale und Sehnsüchte verwirrend - traditionelle Erwartungen gegen zeitgenössische Versuchungen - und die Risiken persönlicher Entscheidungen bleiben hoch. Doch 2004 hat [die iranisch-amerikanische Anthropologin Pardis] Mahdavi - trotz der landesweiten Aufregung um die Hinrichtung eines siebzehnjährigen Mädchens, das im Verdacht stand, vorehelichen Sex gehabt zu haben - dennoch viele junge Frauen gefunden, die bereit waren ihre Jungfräulichkeit zu verlieren, um an der veränderten sexuellen Kultur teilhaben zu können."
Stichwörter: Jungfräulichkeit

Magazinrundschau vom 12.03.2013 - Salon.com

Anne Applebaum beschreibt den grauenvollen Tod von Stalin und meint dann in Richtung Hugo Chavez: "Ich weiß nicht, ob der Tod von Chavez so dramatisch war wie der von Stalin vor auf den Tag genau sechzig Jahren, aber ich bezweifle es. Chavez war immerhin kein Massenmörder, auch wenn er einen enormen Schaden in der Rechtsprechung, der Presse, dem öffentlichen Leben und der vom Öl noch abhängiger gewordenen Wirtschaft angerichtet hat. Wie der sowjetische Diktator versprach er den Armen in seinem Land Dinge, die er nicht liefern konnte - und dennoch werden sie voraussichtlich in großen Mengen am Freitag an seinem Grab vorbeiziehen, während seine Gefolgsleute den Kampf um die Erbfolge antreten. Die schwierigere Diskussion über Chavez' Erbe wird vertagt", obwohl Applebaum sie für dringend nötig hielte, damit der Schatten von Chavez nicht so lang über Venezuela liegt wie der Schatten von Stalin über Russland.

Magazinrundschau vom 06.12.2011 - Salon.com

David Cronenberg erklärt im Interview zu seinem Film "A dangerous mind", wie er arbeitet und warum er immer sparsamer filmt, obwohl er vor den Proben noch keine Vorstellung von einer Szene hat: "Ich bringe die Schauspieler zum Drehort und wir arbeiten zusammen aus, wie die Szene laufen könnte. In diesem Moment haben die Schauspieler viel Einfluss. Ich will nicht, dass sie den Dialog improvisieren, denn sie sind keine Drehbuchautoren, aber was die Bewegungen angeht, die Choreografie im Raum, sind sie sehr wichtig, wir arbeiten das zusammen aus. Dann bringe ich meine Crew rein und zeige ihnen die Szene, die wir erarbeitet haben, wie ein kleines Theaterstück. Meine Leute beobachtet den ganzen Raum und jetzt weiß jeder, wie das Spiel läuft. Die Ausstatter, die Bühnenbildner, die Tontechniker - und dann diskutiere ich mit [Kameramann] Peter, wie wir drehen. An diesem Punkt ergibt die Sache für mich einen Sinn und ich fange an darüber nachzudenken, wie ich schneiden werde und wieviel Filmmaterial ich brauche und was ich nicht brauche."

Fahrradfahren ist in amerikanischen Großstädten der letzte Schrei. Doch haben Radfahrer eine sehr schlechte Presse: Sie gelten als rücksichtslos, elitär, unerträglich besserwisserisch und als Vorreiter der Gentrifizierung, berichtet Will Doig, obwohl der Anteil der Radfahrer in den verschiedenen Einkommensklassen sehr ähnlich ist. "Dass wir es anders sehen, liegt zum Teil daran, dass die Radwege vor allem in schicken Wohngegenden liegen. Sieht man sich eine Karte mit den Radwegen und Fahrrad-Ausleihstationen an, dann hat man einen perfekten Führer für die 'guten' Gegenden. In vielen Städten, schreibt Dave Feucht, Redakteur des Fahrradblogs Portlandize, 'werden Radfahrer als elitär angesehen, weil sie das Geld haben, in einem Teil der Stadt zu leben, in dem man Radfahren kann'."

Weitere Artikel: Über den Wahlsieg der Muslimbrüder in Ägypten macht sich der Zahnarzt und Schriftsteller Alaa Al Aswani im Interview keine großen Sorgen, die Salafisten beunruhigen ihn dagegen sehr, weil sie von saudischem Geld unterstützt werden. Nancy Scola berichtet, wie Twitter versucht, Überwachungstechnologien auszutricksen.

Magazinrundschau vom 01.11.2011 - Salon.com

Übersetzer werden in Amerika kaum gewürdigt, schreibt Kevin Canfield. Selbst Kritiker ignorieren sie meist. "'In Amerika, aber noch mehr in Britannien umhüllt eine Art Wolke der Missbilligung Übersetzer und Übersetzungen', sagt David Bellos, Übersetzer der Romane von Ismail Kadare und Georges Perec und Autor des neuen Buchs 'Is That a Fish in Your Ear? Translation and the Meaning of Everything'. 'Kritiken im Times Literary Supplement erwähnen die Übersetzungen - wenn überhaupt - dann nur, um sie herabzusetzen. Über die Jahre habe ich verstanden, dass das ein sehr erfolgreicher Kunstgriff ist, um das Fremde auf Abstand zu halten. Es ist eine Art, sich selbst zu versichern: Nun, ich lese nur Englisch und ich muss diese Bücher von woanders nicht so ernst nehmen, es sind ja nur Übersetzungen.'"

Magazinrundschau vom 24.05.2011 - Salon.com

Lars von Trier erklärt im Interview, was ihn dazu getrieben hat, sich in Cannes als Nazi zu bezeichnen. Es war Gilles Jacob, der Leiter des Filmfestivals. "Ich hatte am selben Tag eine interessante Unterhaltung mit ihm. Er hat ein Buch geschrieben, in dem er mich erwähnt. Er erzählt darin, dass ich beim ersten Mal mit rasiertem Kopf und Lederjacke nach Cannes kam, jetzt würde ich einen Smoking tragen. Das passiert allen Rebellen - sie sind keine Rebellen mehr. Das hat mich natürlich fürchterlich geärgert. Ich sagte zu ihm: 'Aber hören Sie mal, ich habe jetzt eine Tätowierung.' Und er lachte nur. Das war nicht gut genug. Ich weiß nicht - ich habe das nicht geplant. Aber unterbewusst habe ich mich wie ein unartiger Schuljunge aufgeführt."

Magazinrundschau vom 21.12.2010 - Salon.com

Auch das Gestern war einmal ein Morgen, weiß Paul Di Fillippo und untersucht zum Ende Jahres 2010 eine Reihe neuer Science-Fiction-Romane. Macht das Alter dem 1926 geborenen Genre zu schaffen? Durchaus, stellt er fest. Aber Totgesagte länger leben. Charles Yus "How to live Safely in a Science Fictional Universe" zum Beispiel sei ein literarisches Spiel mit dem Genre. "Yus beißend-komisches Buch folgt der unterhaltsam eintönigen und verkorksten Existenz eines Zeitmaschinen-Mechanikers mit dem Namen - Charles Yu. In Yus metafiktionaler, düster-anomischer Existenz gibt es einige chronale Paradoxe und bürokratische Scherereien, ansonsten ist sie von der planlosen Suche nach seinem vermissten Vater und der wechselhaften Beziehung zu seiner Mutter geprägt (Mama lebt in einem selbstgewählten 630-stündigen Polchinski Time Loop wie in 'Und täglich grüßt das Murmeltier'). Als Geschöpf repräsentiert Yu alle verfehlten Ambitionen und gescheiterten Hoffnungen, seine Misere symbolisiert die Lage einer Generation (Yu wurde 34 in diesem Jahr). Yu hat sich offensichtlich die gesamte klassischen Zeitreise-Literatur einverleibt und eine konsistente Theorie und Praxis der Zeitreise formuliert, in einem aufgedrehten Jargon, den er eher benutzt, um existenzielle Themen zu formulieren als actionreiche Abenteuer zu produzieren. Auf allen Seiten finden sich Spuren von Robert Sheckley, Kurt Vonnegut, Douglas Adams, Barry Malzberg und Philip K. Dick."

Magazinrundschau vom 14.12.2010 - Salon.com

In seinem Buch "The Master Switch: The Rise and Fall of Information Empires" (Leseprobe) erzählt der Juraprofessor Tim Wu (Homepage) die Geschichte der Informationsindustrie - Telefon, Radio, Filme, Fernsehen - als eine Geschichte, die jedesmal von freien Systemen zu Monopolen führte, erklärt eine von dem Buch sichtlich angeregte Laura Miller. Und dem Internet, fürchtet Wu, wird es nicht viel anders gehen: "Obwohl Wu versucht, ausgewogen zu sein und anerkennt, dass Monopole nahtlos Service, Effizienz, Qualitätsinhalt und manchmal sogar niedrige Preise bieten können, schlägt sein Herz doch eindeutig für die wilde und wirre Natur des weit offenen Modells, wie es derzeit online ist. ... Kommunikationsmonopole mögen stabil sein, führt Wu aus, und sie ermutigen die Entwicklung neuer Ideen, die in ihr bestehendes Geschäftsmodell passen wie beispielsweise die firmengesponserte Brutstätte Bell Labs. Aber sie schalten auch reflexhaft alles aus, was die 'schöpferische Zerstörung' umwälzender Erfindungen einzuleiten droht. Eine Art irrationale 'Paranoia' (Wus Bezeichnung) hat Bell dazu getrieben, die Erfindung der Magnettonbänder durch einen seiner Ingenieure in den 1930ern zu unterdrücken - sie dachten irgendwie, dies könnte 'die Öffentlichkeit dazu verleiten, nicht mehr zu telefonieren'."
Stichwörter: Monopole, Wu, Tim