
Wie ein "
verschlissener Dorian Gray"
kommt Stephen Rodrick
Johnny Depp mittlerweile vor: Einst ein strahlender, gefeierter Star, steckt der für seinen kostenintensiven Bohème-Lebensstil bekannte Schauspieler privat, finanziell und künstlerisch in einer Sackgasse. Rodrick hat den gefallenen Engel drei Tage lang begleiten und dabei offenbar auch privilegierten Aktenzugriff genießen können - und erzählt neben den Verästelungen vieler Finanzdetails auch eine tragische Geschichte: "All die charmanten Dinge, die er mit 28 tat - Drogen nehmen, auf einem Baugerüst auf dem Dach von Atlantic Records in L.A. herumrennen - wirken zunehmend verstörend, wenn er sie mit 55 noch immer tut. (...) Im
ewigen Peter Pan liegt zwar ein Schlüssel zu Depps Charme auf der Leinwand. Doch die Zeiten haben sich geändert. Der knabenhafte Unbekümmerte hat sich langsam zu einem alternden Mannkind gewandelt, das zwar noch immer charismatisch ist, aber nur in Momenten. Wenn sein derzeitiges Leben keine perfekte Kopie der
letzten Tage von Elvis Presley darstellt, dann kommt es zumindest ziemlich dicht ran."
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Fentanyl zusammengetragen hat: Das enorm starke Schmerzmittel hat in den USA zuletzt
mehr Menschen pro Jahr dahingerafft als Heroin - mit
Tom Petty und
Prince als berühmteste Todesopfer: "Opioide haben das Musikgeschäft seit Jahrzehnten im Griff - als Elvis Presley 1977 starb, fand man in seinem Körper unter anderem auch Kodein und Percodan. Doch dem Aufstieg von Fentanyl dürften andere Trends zugrunde liegen: Musiker touren heute mehr denn je. 'Der Stress der Straße ist eine Herausforderung, aber dort wird heute
das Geld verdient', sagt Harold Owens, Senior Director von MusiCares, einem Hilfsprogramm der Recording Academy, 'Also gehen die Musiker auf diese ausgedehnten Tourneen, und
rein körperlich ist das der Horror.'"