Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

854 Presseschau-Absätze - Seite 56 von 86

Magazinrundschau vom 15.12.2009 - New Yorker

Louis Menand ist schwer beeindruckt von Michael Scammells 720 Seiten fetter Koestler-Biografie. "Allein die Karteikarten zu sortieren, wäre auch für Herkules eine Herausforderung gewesen, wenn Herkules hätte lesen können", meint er angesichts von Koestlers Vielsprachigkeit, Polyglottheit und Vernetztheit. "'Koestler' wirkt wie ein Wunder an Recherche in vielen Sprachen und ein gewissenhaftes Stück unvoreingenommener Verteidigung." Zwei Probleme allerdings merke man dem Buch an. "Um Koestler biografisch zu erfassen, muss man nicht nur die Vielzahl der Personen und internen Details der organisatorischen Intrigen beschreiben, die diese Buch bewundernswert methodisch füllen, man muss auch ein Gefühl für die Geschichte haben, das moralische und ideologische Wetter, den existenziellen Anteil. Es gibt zwei Schwierigkeiten. Die erste ist die Anforderungen, die das Material an die Erzähltechnik stellt. Scammell ist ein klar schreibender Autor, aber kein dramatischer. Koestler war beides in herausragender Hinsicht. Und das ist die zweite Schwierigkeit: Der beste Biograf der ersten Hälfte, der abenteuerlichen Hälfte von Koestlers Leben ist Koestler. Scammell ist oft in der unglücklichen Positition, Ereignisse beschreiben zu müssen, über die Koestler selbst brillant und packend geschrieben hat."

Außerdem: Evan Osnos schildert die Anstrengungen Chinas, die Führung in der Energietechnologie zu übernehmen und ein Crash-Programm für saubere Energie aufzulegen. Peter Schjeldahl führt durch eine Ausstellung von Gabriel Orozco im MoMA. Und Anthony Lane sah im Kino das Musical "Nine" von Rob Marshall, das auf Fellinis Film "8 ½ " basiert, den Fantasyfilm "The Imaginarium of Dr. Parnassus" von Terry Gilliam, den britischen Kostümfilm "The Young Victoria" von Jean-Marc Vallee und das Regiedebüt "A Single Man" des ehemaligen Modedesigners Tom Ford.

Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Diary of an Interesting Year" von Helen Simpson und Lyrik von Bill Manhire, Roger Angell und Jonathan Aaron.

Magazinrundschau vom 24.11.2009 - New Yorker

Ariel Levy erzählt die Geschichte der südafrikanischen Mittelstreckenläuferin Caster Semenya. Wegen ungewöhnlicher Leistungssteigerung, tiefer Stimme und maskulinen Aussehens geriet die Sportlerin in den Verdacht "intersexuell" zu sein und musste sich nach ihrem WM-Sieg 2009 einem - von mehreren Seiten scharf kritisierten - Geschlechtstest unterziehen. Denn Leichathletikverbände, darunter der I.A.A.F., waren sich unschlüssig, ob sie überhaupt eine Startberechtigung für Frauenrennen haben darf. Levy fand unter anderem heraus, dass es mit der Bestimmung des Geschlechts keineswegs so einfach ist, wie vielleicht angenommen. "Dummerweise sahen sich die I.A.A.F.-Funktionäre mit einer Frage konfrontiert, die bisher keiner je beantworten konnte: Was ist der ultimative Unterschied zwischen einem Mann und einer Frau? 'Das ist ein unlösbares Problem', meint [die Medizinerin und Bioethikerin] Alice Dreger. 'Ständig bedrängen mich Leute, ob es wirklich keinen Marker gibt, den man heranziehen könnte. Nein. Wir konnten das früher nicht und können es heute nicht. Die Wissenschaft macht es noch komplizierter statt einfacher, weil sie uns letztlich zeigt, wie viele Übergänge und Abstufungen es gibt. Es ist einfach unmöglich, auf eine einzige Sache oder eine Reihe von Merkmalen zu deuten und zu sagen: Das bedeutet männlich sein.'"

James Wood bespricht das neue Buch von Paul Auster "Invisible". David Denby sah im Kino das Drama "Me and Orson Welles" von Richard Linklater und den Krimi "Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans" von Werner Herzog mit Nicolas Cage. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Midnight in Dostoevsky" von Don DeLillo und Lyrik von Sarah Arvio und Philip Schultz.

Magazinrundschau vom 17.11.2009 - New Yorker

Ein Themenheft übers Essen! John Colapinto hat eine Michelin-Testerin bei einem ihrer Undercover-Restaurantbesuche begleitet. Ziel war das Jean Georges im Erdgeschoss des Trump International Hotel in Manhattan, das mit seinem Küchenchef Jean-Georges Vongerichten zu den höchstbewerteten Restaurants der Welt gehört. Die anonym bleibende Testerin aus New York geht mehr als 200 mal im Jahr mehrgängig essen, isst dabei immer ihren Teller leer und wird dank eines glücklichen Stoffwechsels trotzdem nicht dick. Anhand eines Gangs - ein Klecks pürierte Entenleber mit einem filigranen Netz aus karamellisiertem Zucker auf knusprigem Toast, flankiert von Kirschen und Pistazien und einer klaren Sauce aus weißem Portweingelee - erklärt sie ihm, worum es bei der Beurteilung und Bewertung solcher Gerichte geht: "Das hat nichts mit 'schmeckt' oder 'schmeckt nicht' zu tun. Es ist eine Analyse. Man isst es und schaut sich die Qualität der Produkte an. Auf diesem Niveau muss es Topqualität sein. Dann schaut man: War jedes einzelne Element absolut perfekt und technisch einwandfrei zubereitet? Anschließend untersucht man die Kreativität: Hat es funktioniert? Stimmte die Balance der Bestandteile? Gab es eine gute Textur? Passte alles zusammen? Hat irgendein Bestandteil einen anderen überwältigt? Passte irgendwas nicht zu etwas anderem? Diese Pistazien - alles war perfekt."

Außerdem: Adam Gopnik beschäftigt sich mit unserem ungebrochenen Hunger auf Kochbücher. Peter Schjeldahl führt durch die Ausstellung "1969" im P.S.1. Paul Goldberger besichtigt das Gebäude 100 Eleventh Avenue, den neuen Bau mit Luxuseigentumswohnungen von Jean Nouvel. Anthony Lane sah im Kino Pedro Almodovars "Broken Embraces" und Roland Emmerichs jüngstes Weltuntergangsepos "2012". Online lesen kann man außerdem die Erzählung "Indianapolis (Highway 74)" von Sam Shepard und Lyrik von Liz Waldner und James Longenbach.

Magazinrundschau vom 03.11.2009 - New Yorker

James Surowiecki berichtet über den jüngsten Preiskrieg zwischen Amazon und Wal-Mart, der jetzt auch um Bücher tobt, seiner Analyse nach aber eigentlich keiner ist: So sei es keineswegs das Ziel von Wal-Mart, Amazon Leser abzuluchsen, sondern die Leute weg von den Buchläden und auf die eigene Website zu kriegen, um ihnen dort andere Waren zu verkaufen. Auch wenn die Klagen von Verlagen und Buchhändlern, die Billigpreise der Discounter würden die Branche zugrunde richten, gelegentlich etwas übertrieben seien, hätten sie doch in einem recht: "Der wirkliche Wettbewerb in diesem Preiskrieg findet nicht zwischen Wal-Mart und Amazon statt, sondern zwischen diesen Giganten und allen anderen – und der Schaden, den alle anderen erleiden ist beabsichtigt, und nicht etwa kollateral. Wal-Mart und Amazon haben herausgefunden, wie man einen Preiskrieg führt und ihn gewinnt: Sorg dafür, dass andere die Schläge abkriegen."

Weiteres: In einem Brief aus Gaza geht Lawrence Wright der Frage nach, was sich während der israelischen Angriffe Anfang des Jahres tatsächlich ereignete. Elizabeth Kolbert bespricht das erste Sachbuch des jungen Schriftstellers Jonathan Safran Foer, der sich in "Eating Animals" (Little, Brown) mit den Widersprüchlichkeiten des Themas Vegetarismus auseinandersetzt. Jill Lepore stellt zwei Studien vor, die sich mit Mord und Totschlag beschäftigen: Randolph Roth versucht in "American homicide" (Harvard) zu erhellen, warum die amerikanische Geschichte so "mörderisch" ist, der Niederländer Pieter Spierenburg widmet sich in "A History of Murder: Personal Violence in Europe from the Middle Ages to the Present" (Polity) der europäischen Gewaltgeschichte.

Anthony Lane sah im Kino Grant Haslovs Komödie "The Men Who Stare at Goats" mit Ewan McGregor, Jeff Bridges und George Clooney und ein Teenagerdrama von Lee Daniels mit dem etwas seltsam-länglichen Titel "Precious: Based on the Novel 'Push' by Sapphire". Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Premium Harmony" von Stephen King und Lyrik von Katie Ford und Glyn Maxwell.

Magazinrundschau vom 27.10.2009 - New Yorker

Jerome Groopman beschreibt Fortschritte im zunehmenden Einsatz von Robotern in der medizinischen Therapie vor. Unter anderem stellt er den Fall einer Studienteilnehmerin vor, die nach einem Schlaganfall ihren rechten Arm nicht mehr bewegen konnte. Die aus Belgrad stammende Softwareentwicklerin Maja Mataric hatte einen Roboter für sie entwickelt, der ihre therapeutische Übung - Zeitschriften in ein Regal räumen - überwachen konnte und bei Erfolg mit einem Piepsen belohnte. Die Aufzeichnung der Therapiestunde zeigt, wie die Patientin irgendwann versucht, ihn auszutricksen und ihm die Zunge rausstreckt. "'Sie ist ganz begeistert, weil sie glaubt, ihn überlistet zu haben', erläutert Mataric. Aber der Roboter war gut in Form. Ein reflektierendes weißes Band an Marys Bein ermöglichte ihm, ihre Bewegungen zu verfolgen. Ein winziger Bewegungsmelder an ihrer Schläfe übermittelte ihm ihre Bewegungen, sodass er fast augenblicklich erkannte, ob und in welcher Bewegung sie ihren Arm hob. Ein Sensor im Regal meldete ihm, wenn eine Zeitschrift richtig ins Regal geräumt wurde, und der Roboter kommunizierte nur mit Mary, wenn sie die Aufgabe korrekt erledigt hatte. Auch nach etwa einer Stunde schien die Neuartigkeit der Interaktion nicht nachzulassen. In einer Nachbesprechung der Studie erklärte Mary: 'Mein Mann ist zu Hause nutzlos. Er sagt immer nur: Mach es. Ich ziehe den Roboter meinem Mann eindeutig vor.'"

Weiteres: Elizabeth Kolbert bespricht eine Studie von Cass R. Sunstein über Gerüchte "On Rumors: How Falsehoods Spread, Why We Believe Them, What Can Be Done" (Farrar, Straus & Giroux). David Denby sah im Kino Mira Nairs Filmbiografie "Amelia" über die amerikanische Flugpionierin Amelia Earhart, Allan Millers Dokumentation "You Cannot Start Without Me – Valery Gergiev, Maestro" über den künstlerischen Leiter des Mariinsky Theaters und Frederick Wisemans Porträt des Pariser Opernballetts "La Danse". Außerdem zu lesen ist die Erzählung "While The Women Are Sleeping" von Javier Marias und Lyrik von Nina Zivancevic und Spencer Reece.

Magazinrundschau vom 08.09.2009 - New Yorker

Alexandra Jacobs beschreibt die sagenhafte Erfolgsgeschichte des führenden amerikanischen Internet-Schuhversandhandels Zappos, das 1999 gegründet wurde. "Die exklusivste Form des Schuhkaufs findet noch immer in mit pastellfarbenen Teppichböden gedämpften Schuhsalons statt, wo Verkäufer (in der Regel Männer – man möchte gar nicht so genau wissen, weshalb) mit Stapeln von Schuhkartons heranwanken und sich niederknien, um den perfekten Sitz zu überprüfen. Und manche Leute betrachten es noch immer als einen amüsanten Sport, sich durch die Verkaufsregale bei Bloomingdale's oder durch die in fluoreszierendes Licht getauchten Gänge des Designer Shoe Warehouse zu wühlen. Zappos und seine Nachahmer – shoes.com, heels.com und Gaps Laden mit dem unerklärlichen Namen piperlime.com – haben diesen öffentlichen Vorgang dagegen in die Privatheit der Kundenwohnzimmer verlagert. Dort können wir, dank der 365-Tage-Rückgabe-Garantie von Zappo alle zu Imelda Marcos werden, deckenhohe Schuhschachteltürme sichten und in schweißtreibender Trägheit darauf warten, bis UPS unseren Ausschuss wieder abholt."

Weitere Artikel: Judith Thurman schreibt über Bücher zu der amerikanischen Flugpionierin und Frauenrechtlerin Amelia Earhart, die 1937 im Pazifischen Ozean verschwand. Sasha Frere-Jones porträtiert die Band Nine Inch Nails. Anthony Lane führt durch die Foto-Ausstellung "The Americans" von Robert Frank im Metropolitan Museum of Art. Außerdem sah er im Kino Shane Ackers Animationsfilm "9" und Neill Blomkamps Science-Fiction-Thriller "District 9". Zu lesen ist die Erzählung "The Low River" von Paul Theroux und Lyrik von Justin Quinn, Tom Sleigh und James Schuyler.

Magazinrundschau vom 25.08.2009 - New Yorker

Steven Brill schildert in einem irrwitzigen Report, wie sich die Stadt New York und die Gewerkschaft der Lehrer einen mit allen Bandagen ausgefochtenen Machtkampf über die Frage liefern, was mit unfähigen Lehrern geschehen soll. Vor allem mit denen, die die Stadt in einem "Reassignment Center" quasi als Geisel festhält: "Die Lehrer sitzen durchschnittlich seit drei Jahren im Rubber Room und tun jeden Tag dasselbe, was meistens nichts ist. Unter der Aufsicht zweier privater Sicherheitsleute und zweier Supervisors aus dem Department of Education bedienen sie zur gleichen Zeit die Stechuhr, zu der sie in der Schule sein müssten - von acht Uhr fünfzehn bis halb vier. Wie alle Lehrer haben sie im Sommer frei. Der Vertrag der Stadt mit der Lehrergewerkschaft erfordert, dass die Vorwürfe gegen sie von einem Obmann gehört werden müssen, und bis die Vorwürfe geklärt sind - was ewig dauern kann -, beziehen sie weiterhin ihre Gehälter und sammeln Pensionsansprüche. 'Man weiß nie, wie irrational ein System ist, bis man in ihm gelebt hat', sagt Joel Klein, der Schulkanzler der Stadt."

Uli Edels jetzt auch in den USA angelaufener Film "Der Baader-Meinhof-Komplex" hat Anthony Lane immer wieder in diesen "gewaltigen Strom europäischer Angst" gerissen und über "fließend Hegelianisch" sprechende Deutsche staunen lassen. Er hat ihn allerdings auch etwas ermattet: "Die moralische Mission des Regisseurs, die ganze Saga auszubreiten, kollidiert schrecklich mit seinem ästhetischen Imperativ, stramm zu erzählen."

Weiteres: Laura Secor erklärt den iranischen Machthabern, dass Schauprozesse nur bedingt wirken, wenn die Angeklagten Vertreter einer Volksbewegung sind. James Surowiecki analysiert die Angst der Amerikaner vor der Gesundheitsreform und anderen Veränderungen des Status quo. Alex Ross lobt die Kunst der Kadenz.

Magazinrundschau vom 18.08.2009 - New Yorker

Unter der Überschrift "Der Unberührbare" porträtiert Ben McGrath Michael Bloomberg, Geschäftsmann und derzeitiger New Yorker Bürgermeister. Seit siebeneinhalb Jahren im Amt habe der Siebenundsechzigjährige inzwischen derart viel Macht und Respekt angehäuft dass er "mehr ein Medici als ein Bürgermeister zu sein scheint". McGrath beschreibt Bloomberg als politisches Rätsel, weil er auf viele der landläufig unverzichtbar erscheinenden Verhaltensmuster von Politikern - etwa die 'beschämende Hut-in-der-Hand-Routine' - schlicht verzichte. Im Umgang mit den eifrigen Anwärtern auf sein Amt gebe sich Bloomberg "so leutselig und geradeheraus wie ein Selfmademan nur sein kann. Er erteilt Ratschläge, in denen gerade so viel Humor mitschwingt, dass die Herablassung nicht gleich ersichtlich ist. ('Wissen Sie, Sie sollten erst mal eine Milliarde Dollar machen und sich dann um das Amt bemühen'). Oder tadelt sanft: 'Warum vergeuden Sie Ihre Zeit? Sie könnten etwas wirklich Sinnvolles tun.' Und sie sind geschmeichelt - wer wäre das nicht? - von seiner Aufmerksamkeit. Erst rückblickend fängt es an sie zu wurmen."

Weiteres: David Sedaris beschreibt hinreißend einen Ausflug ins ländliche Australien und seine Begegnung mit einem Kookaburra, vulgo: Lachender Hans. Sasha Frere-Jones schreibt über Leonard Cohen, der gerade auf Welttournee ist: "Cohen mag über Transzendenz singen, scheint sie jedoch nie gänzlich zu billigen." Peter Schjeldahl führt durch eine Ausstellung des amerikanischen Bildhauers Augustus Saint-Gaudens im Metropolitan Museum of Art. Und David Denby sah im Kino Quentin Tarantinos "Inglorious Basterds" (den er einfach "lächerlich" findet) und Nora Ephrons Komödie "Julie & Julia" mit Amy Adams und Mery Streep. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Max at Sea" von Dave Eggers und Lyrik von Deborah Digges, Stephen Dunn und Anne Carson.

Magazinrundschau vom 04.08.2009 - New Yorker

Alex Ross stellt die Webseite Pristine Classical vor, auf der man klassische Musik herunterladen kann. Zum Beispiel Toscaninis Aufnahme der "Meistersinger" als Orchesterwerk aus dem Jahr 1943. Die Sache ist nicht ohne, denn der Gründer von Pristine Classical, Andrew Rose, bearbeitet die Aufnahmen digital: "Crackle and hiss drop away; the bass grows richer, the treble less shrill. You get a sense of air around the music, of a concert-hall ambience. Rose admits that the process, which he developed two and a half years ago, is a tricky one. 'It’s a powerful, potentially dangerous way of approaching a recording,' he told me. Some purists insist that the imperfections of the original should be left intact; others say that Rose applies his method indiscriminately. Yet the gain is substantial. In the case of the Toscanini broadcast, Rose has pushed the old tape past the border at which an artifact becomes a living document. Hooked on the sensation, I spent days browsing Pristine's archives, relishing the newly robust sound of such classic recordings as Bruno Walter's 1952 'Das Lied von der Erde,' with Kathleen Ferrier; Willem Mengelberg's 1939 version of Mahler's Fourth, probably as close as we can get to Mahler himself conducting; and Mengelberg's swaggering 1941 take on Strauss's 'Ein Heldenleben'."

Magazinrundschau vom 28.07.2009 - New Yorker

In einem wunderbar ironischen, zugleich außerordentlich informativen Text beschreibt der Schriftsteller Nicholson Baker seine Leseerfahrungen mit dem Kindle2 von Amazon. Systematisch nimmt er dabei Technik, Funktion und Lektüreangebot unter die Lupe und gleicht seine Befunde mit dem gedruckten Buch ab. Von Beginn an ist er abgestoßen vom "grünlichen, blässlichen, postmortalen Grau" des Schriftbilds, da gibt er seinem iPhone jederzeit den Vorzug. Und doch liest er am Ende ein ganzes Buch auf dem Kindle. "Ich fing an, unbewusst immer ungeduldiger die Nächste-Seite-Taste anzuklicken, wie ich es in Jahren des Lesens gelernt hatte – also die Seite einen Tick früher anzufassen, um das Umblättern vorzubereiten. Ich klickte Nächste Seite an, wenn ich am Anfang der letzten Zeile war, und die Seite wurde schwarz und sprang um, bevor ich sie zu Ende gelesen hatte. Ich war dabei zu versuchen, den Kindle anzutreiben. Aber einen Kindle treibt man nicht an. War mir schnurzegal. (...) Endlich war ich beim letzten Bit. Die kleine Fortschrittsanzeige zeigte 99 Prozent. Ich klickte auf Nächste Seite, und das Buchcover erschien. Nochmal Nächste Seite, aber es gab keine nächste Seite. Mein erster Kindle-Roman war zuende." Fazit: Wenn's einen packt, liest man ein Buch überall, selbst vor postmortalem Grau.

Weiteres: Joan Acocella bespricht ein Buch über Judas Ischariot: "Judas: A Biography". "Abgefahren" findet Louis Menand den neuen Roman "Inherent Vice" von Thomas Pynchon, ein Krimi mit einem Ermittler namens Larry (Doc) Sportello. David Denby sah im Kino die Judd Apatows autobiografisch geprägte Komödie "Funny People". Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The Valetudinarian" von Joshua Ferris und Lyrik von C.K. Williams und Rae Armantrout.