
Raffi Khatchadourian
zeichnet ein faszinierendes Porträt des Politaktivisten und Hackers
Julian Assange, Gründer von
WikiLeaks, einer Internetplattform, die allen Bürgern Zugang zu
geheim gehaltenen Dokumenten von Regierungen und Institutionen verschaffen will. Zu den bekanntesten Veröffentlichungen (
mehr hier) zählte jüngst Material über amerikanische Soldaten, die im Irak mindestens achtzehn Menschen, darunter Zivilisten, töteten. Khatchadourian war dabei, als Assange mit Helfern in
Island das Video zu dem Vorfall fertigstellte, und er schildert, nachdem er auch mit
Assanges Mutter gesprochen hat, die seltsame Jugend des 1971 in Australien geborenen Hackers und wie das
alles zu Wikileaks führte: "2006 schrieb er in seinem Blog über eine Konferenz, die vom Australischen Institut für Physik organisiert war, 'mit 900 Karrierephysikern, von denen die meisten wehleidige, ängstliche Konformisten mit traurig, traurig inferiorem Charakter waren.' Für ihn war der entscheidende menschliche Kampf nicht mehr mehr links gegen rechts oder Glaube gegen Vernunft, sondern der von
Individuum gegen Institution. Als Leser von Kafka, Koestler und Solschenizyn war er überzeugt, dass Wahrheit, Kreativität, Liebe und Mitleid von institutionellen Hierarchien korrumpiert werden, ebenso von Klientel-Netzwerken - einer seiner Lieblingsausdrücke -, die die menschliche Seele verzerren. Er entwarf eine Art Manifest, überschrieben
'Konspiration als Regierung', in dem er versuchte, die
Graphentheorie auf die Politik zu übertragen. Assange schrieb, dass illegitime Regierungen
per Definition verschwörerisch sind - ein Produkt von Funktionären, die 'gemeinsam heimlich zum Schaden einer Bevölkerung arbeiten'. Wenn die Verbindungen der internen Kommunikation unterbrochen werden, argumentierte er, muss der Informationsfluss zwischen den Verschwörern dünner werden. Wenn er auf Null schrumpft, ist die Verschwörung aufgelöst.
Lecks sind ein Instrument der Informations-Kriegsführung. Diese Ideen entwickelten sich bald zu Wikileaks."
(Hier ein
Video von Assange bei
Stephen Colbert und hier noch ein
Bericht aus der
Zeit, wonach Assange vor zwei Wochen bei der Einreise nach Australien kurzzeitig seinen Pass abgeben musste.)
Außerdem: Pankaj Mishra
widmet sich in einer ausführlichen kritischen Besprechung den neuen Büchern von
Ayaan Hirsi Ali und
Paul Berman. Peter Schjeldahl
bespricht ein Buch über den amerikanischen Galeristen
Leo Castelli. Anthony Lane sah im Kino
Mia Hansen-Loves Drama
"The Father of My Children" und die Komödie
"Solitary Man" von
Brian Koppelman und
David Levien. Zu lesen ist außerdem die
Erzählung "Extreme Solitude" von
Jeffrey Eugenides und Lyrik von
Carl Dennis und
Jennifer L. Knox.