Klappentext

Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz. Lange Zeit galt es als ausgemacht, dass das deutsche Kaiserreich wegen seiner Großmachtträume die Hauptverantwortung am Ausbruch des Ersten Weltkriegs trug. In seinem neuen Werk kommt der renommierte Historiker und Bestsellerautor Christopher Clark (Preußen) zu einer anderen Einschätzung. Clark beschreibt minutiös die Interessen und Motivationen der wichtigsten politischen Akteure in den europäischen Metropolen und zeichnet das Bild einer komplexen Welt, in der gegenseitiges Misstrauen, Fehleinschätzungen, Überheblichkeit, Expansionspläne und nationalistische Bestrebungen zu einer Situation führten, in der ein Funke genügte, den Krieg auszulösen, dessen verheerende Folgen kaum jemand abzuschätzen vermochte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2013

Cord Aschenbrenner rezensiert mehrere aktuelle Bücher zum Ersten Weltkrieg. Eine der bedeutensten Neuerscheinungen zum Thema sieht er in Christopher Clarks Werk über die Vorgeschichte des Krieges. Er schätzt den Historiker als einen glänzenden Autor in der Tradition britischer Geschichtsschreibung. Clark liefert für ihn in "Die Schlafwandler" ein großes Panorama der Vorkriegszeit, das insbesondere die Mentalität der Akteure, der Politiker und Diplomaten in Europa in den Blick nimmt. Aschenbrenner lobt die profunde Recherche des Historikers, der auch neue Quellen erschlossen hat, sowie seine spannende und detailreiche Darstellung. Zudem kann Clark für ihn überzeugend die These relativieren, Deutschland sei der Hauptverantwortliche für den Krieg gewesen. Das Fazit des Rezensenten: ein eindrucksvolles "Monumentalgemälde" der Außenpolitik in Europa vor 1914.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2013

Laut Rainer Blasius erfüllt der Autor Christopher Clark in seinem Buch die Forderung nach einer genauen Untersuchung der Rolle der europäischen Nationen am Ausbruch des Ersten Weltkriegs auf glänzende Weise, weist die Kriegsbereitschaft in ganz Europa nach und bezieht somit Gegenposition zu Fritz Fischers deutschem "Griff nach der Weltmacht". Dass Clark auch noch fesselnd zu erzählen vermag und vor dem Leser ein mit dem Mord am serbischen Königspaar 1903 beginnendes diplomatie- und mentalitätshistorisches Panorama Vorkriegseuropas entfaltet, erfüllt den Rezensenten mit Freude und Respekt.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.10.2013

Dieses Buch sollten alle Politiker Europas lesen, jubelt Rezensent Gustav Seibt, der Christopher Clarks Studie "Die Schlafwandler" in den höchsten Tönen lobt. Der Kritiker liest hier die von dem britischen Historiker glänzend erzählte, beklemmende Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges und ist zutiefst beeindruckt von Clarks Vermögen, die Assoziationen zu den Balkankriegen der neunziger Jahre, zum 11. September 2001 und der Euro-Krise sichtbar zu machen. Herausragend gelinge es dem Autor, die Geschichte aus der "Distanz eines wilhelminischen Kostümdramas" zu befreien, die Akteure als von Ängsten und Verblendung getriebene plastisch zu porträtieren und dabei ebenso interessante wie bahnbrechende und weitreichende Thesen unter Berufung auf viele neue Archivquellen aufzustellen. So formuliere Clark etwa berechtigte Zweifel an der Hauptverantwortlichkeit des Deutschen Reiches am Ersten Weltkrieg, berichtet der Kritiker, der dieses spannende, in "tragisch-grotesken" Farben erzählte Buch mit Nachdruck empfiehlt.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.09.2013

Christopher Clarks Studie über die Entstehung des Ersten Weltkriegs hat Rezensent Stefan Reinecke sichtlich beeindruckt. Er bescheinigt dem Historiker, die komplexe Vorgeschichte dieses Krieges minutiös und differenziert zu rekonstruieren und ein großes Panorama des Geschehens zu entwerfen. Im Vordergrund sieht er bei Clark die zahlreichen Akteure, Schauplätze, die Diplomaten, Militärs, Minister, Kriegstreiber, gegenüber denen die "klassischen Erklärungsmuster" für den Krieg zurücktreten. Er unterstreicht Clarks Perspektive, wonach es keinen Automatismus gab, der zwingend in die Katastrophe führen musste. Eindringlich zeigt der Autor nach Ansicht Reineckes auf, dass der Erste Weltkrieg auch "eine Art Kommunikationspanne" war. Trotz des vielen Lobs hat das Werk für ihn auch eine ambivalente Seite: neben der eindrucksvollen Recherche findet er manches "kurzschlüssig", neben viel Scharfsinn findet er Ausführungen, die ihm "halbblind" erscheinen. Kritisch moniert er in diesem Zusammenhang, dass der Leser vor "lauter Akteuren mitunter keine Strukturen und Interessen mehr" erkennen könne.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.09.2013

Obwohl Christopher Clark selbst nach eigenem Bekunden keine Rangfolge der Hauptverantwortlichen für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs aufstellen will, konzentriert sich Rezensent Volker Ullrich in seiner Kritik fast ausschließlich auf die Frage, ob die Deutschen hier nicht zu gut wegkommen. Denn nach Clark waren sie genauso viel oder wenig schuld wie Frankreich, England, Österreich und Russland. Wenn es für Clark einen Hauptschuldigen gibt, so Ullrich, dann am ehesten noch Serbien. Dabei lässt er allerdings wichtige, seiner These widersprechende Äußerungen des deutschen Reichskanzlers Theobald Bethmann Hollweg ebenso unter den Tisch fallen wie das Drängen deutscher Militärs auf einen Kriegsgang, wirft Ullrich dem in England lehrenden australischen Historiker vor. Die Deutschen wussten aber sehr wohl, welche Konsequenzen der Krieg gegen Serbien haben konnte und entschlossen sich nichtsdestotrotz zum unbedingten Schulterschluss mit Österreich-Ungarn. Und deshalb, so Ullrich, tragen sie auch die Hauptschuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.09.2013

Für Andreas Kilb ist Christopher Clarks Geschichte des Ersten Weltkriegs ganz klar das Buch des Jahres: Zwöfl Kapitel der reine Albtraum, Horror und Thriller. Vor allem aber revidiert der britische Historiker in seinem Großwerk die seit Fritz Fischer akzeptierte These von der überwiegenden deutschen Kriegsschuld. Allerdings sprechen Clark auch nicht von einer "Urkatastrophe", sondern zeichne den "vereinten Amoklauf Europas" nach. Natürlich sei Clark germanophil, 2006 hat er bereits ein sehr wohlmeinendes Buch über Preußen veröffentlicht, räumt der Rezensent ein, aber was an dieser Darstellung überzeuge, sei eben der genaue Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Sehr eingehend befasse sich Clark mit der fatalen Rolle, die Russland gespielt hat, mit Serbiens militaristischem Netzwerk der "Schwarzen Hand" und mit den Wirren auf dem Balkan, die aber erst zum "Brandbeschleuniger" wurde, weil Frankreich und England so eine unsinnige Bündnispolitik betrieben hätten. Zwei Dinge sind dem Rezensenten klar geworden: Wie fatal es ist, wenn regionale Konflikte nicht begrenzt werden. Und wie verheerend, wenn sich alte Männer an eine überkommene Regierungsform Monarchie klammern.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de