
Der britische
Autor Alan Hollinghurst schreibt über einen französischen Dramatiker, der auf deutschen Bühnen mindestens ebenso selten gespielt wird wie auf britischen:
Jean Racine, dessen Stück "Berenice" Hollinghurst gerade neu
ins Englische übersetzt hat. Keine Kleinigkeit, wie schon der erste Absatz klar macht: "Zwei Männer betreten einen riesigen und leeren Raum. Der eine bewundert die Pracht, der andere ist misstrauisch und mit seinen Gedanken woanders. Der Erstere ist ein Soldat und Diener des Anderen, der ein ausländischer König und großer Kriegsheld ist. Der König spricht einen Satz: 'Arrêtons un moment' - als zögere er, eine Reihe von Ereignissen in Gang zu setzen, die - einmal angefangen - ihm sicher Unheil bringen werden. Er kommentiert die Bewunderung des Dieners, spricht eine lange Verszeile, dann eine andere, die sich reimt. Schon sind zwei Dinge, das eine dynamisch, das andere kumulativ, in Gang gesetzt worden: Einerseits hat das
Metronom des Reims begonnen zu ticken und die Reimpaare, die folgen, werden die nächsten 90 Minuten eine Bewegung ausführen, so unerbittlich wie die Zeit selbst. Andererseits ist eine
Einheit von Form und Sinn gesetzt, an die jeder Characker im Stück abwechselnd weitere Blöcke anfügen wird, die aufsteigenden Stufen eines unsichtbaren Monuments."
Weitere Artikel: Wehleidig und naiv
findet Pankaj Mishra die Erinnerungen
Salman Rushdies an die Zeit der Fatwa. Diese missbilligt Mishra pflichtschuldig, um dann mit
maximaler Herablassung über die "Satanischen Verse" und ihren Autor zu urteilen: "Die 'Satanischen Verse' handeln weniger von der Lage der Einwanderer als von der Ambivalenz eines hoffnungslos anglophilen Inders gegenüber der britischen herrschenden Klasse, die ihn als
Kameltreiber betrachtet." Maya Jaggi
porträtiert den somalischen Autor
Nurredin Farah, den sie im norwegischen Tromsö traf, wo er
über Ibsen sprechen sollte. Er hätte seinen ersten Roman, "Aus einer gekrümmten Rippe", ohne Ibsens "Nora" nicht schreiben können, sagte Farah in Tromsö: "Aufgewachsen in Somalia und Äthiopien und nach einem Studium in Indien, sagt er mir, 'ich habe jeden Tag gesehen, wie
Frauen geschlagen, Mädchen nicht zur Schule geschickt und ungerecht behandelt wurden."