
Unter den
Domruinen der kleinen Stadt Szekesfehervar, in der fünfzehn ungarische Könige gekrönt wurden und begraben sind, will ein Unternehmer mit Unterstützung der Stadtvewaltung ein "Pantheon der ungarischen Könige" errichten. Die Kunsthistorikerinnen Piroska Biczo und Klara Mentenyi
beschreiben entsetzt diese "
grandiose Kitschparade": "Vierzig Meter unter den Ruinen würde eine Reihe von sich bewegenden und sprechenden Figuren die Vergangenheit heraufbeschwören. Die Besucher würden mit einer Rolltreppe in den 10.000 Quadratmeter großen Komplex herunterfahren, wo alles zu sehen wäre, was
glorreich, alt und ungarisch ist - von der Heiligen Krone über die Altungarische Marienklage bis zu den Volksmärchen über König Matthias." Für die Autorinnen zeigt das Projekt vor allem, dass die Ungarn ihre Geschichte gern verklären: "Womit können wir uns identifizieren? Nur mit den Märchen und Legenden unserer Geschichte? Oder auch mit den selbst verschuldeten Katastrophen?"
Kann man den eigenen Augen beibringen, Gemälde zu betrachten,
fragt die
Dichterin Zsofia Balla. Ja, wenn wir "uns auf das Bild vorbereiten, die unsere Augen verschleiernden epischen Erwartungen und Filter der Vorurteile abbauen, das herkömmliche,
faule Sehen hinter uns lassen. ? Das Physische soll auf der Netzhaut, im Sehnerv frei zur Geltung kommen, damit wir durch die Alchemie des Lichts, der Farbe, der Komposition, der Perspektive und anderer Elementen gegen die giftigen Wirkungen der kunstfeindlichen realen Welt gewappnet werden. Lassen wir diese Antikörper, die
homöopathischen Perlen großer Kunstwerke mit unserem Leben verschmelzen!"
Die Politiker profitieren vom
Infotainment kommerzieller Fernsehsender,
meint der Medientheoretiker
Peter György: "Wer sich als passives Objekt einer von
Naturkatastrophen geplagten, undurchschaubaren Welt betrachtet, der erwartet von der Gesellschaft nicht viel und wird die Politiker seiner Wahl auch nicht zur Rechenschaft ziehen. Hinter den Bildern der Hochwasser und Brände verbirgt sich die abergläubische Lehre von der
Unergründlichkeit der Welt, die vom Erlebnis des Ausgeliefertseins geprägt ist ... Nicht die aktuellen Geschichten der nach rationalen Normen aufgebauten, spätmodernen Gesellschaft werden jeden Abend erzählt, sondern dass die 'Gesellschaft' nur ein Mythos und das Ausgeliefertsein ein Naturgesetz seien."
Weiteres: Der in Paris lebende ungarische Architekt Attila Batar fordert im
Gespräch, dass ein spannendes
Gebäude nicht nur das Auge, sondern auch
Hände, Ohren und sogar
die Nase ansprechen soll. Janos Salamon
feiert den vor 200 Jahren geborenen politischen
Philosophen Alexis Tocqueville und die gesellschaftsphilosophische Aktualität seines Werkes
"Die amerikanische Demokratie".