Magazinrundschau - Archiv

El Pais Semanal

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Magazinrundschau vom 04.08.2015 - El Pais Semanal

"Weder Tragödie noch griechisch", ruft Javier Cercas den Europäern zu, sei das Debakel um die Athener Finanzen: "Gibt es bei einem echten transnationalen Verein wie den USA ein Problem in Florida, ist das kein Problem Floridas sondern der USA, und Washington greift ein, um es zu lösen; bei einem Verein wie der EU, für den das Transnationale ein bloßes Lippenbekenntnis ist, ist ein Problem in Griechenland kein Problem der EU, sondern Griechenlands, und weder will die EU das Problem lösen - alles was sie will, ist ihr Geld eintreiben -, noch will Griechenland, dass die EU eingreift - alles, was es will, ist nicht zahlen. Die Lösung springt ins Auge: Die EU nimmt sich endlich selbst ernst, verwandelt sich wirklich in einen einzigen demokratischen Staat, die Nationen lösen sich politisch darin auf und stecken sich ihren stinkenden Nationalstolz, wo er hingehört, und der gemeinsame Staat beschäftigt sich mit jeder Nation wie ein Körper mit seinen Gliedern, also so dass das Besondere bloß noch ein Teil des Allgemeinen ist. Kurz: Dies ist keine wirkliche Tragödie und auch keine griechische Tragödie, dies ist bloß ein Problem, und zwar ein Problem von uns allen. Und wenn wir es nicht lösen, dann bloß, weil wir nicht wollen."

Magazinrundschau vom 21.07.2015 - El Pais Semanal

Macarena Vidal Liy berichtet aus Seoul, dem "Mekka der asiatischen Schönheitschirurgie, die dort über 2000 Fachärzte beschäftigt und einen Umsatz von fast viereinhalb Milliarden Euro erwirtschaftet. Etwa 20 Prozent der Südkoreanerinnen gehören zu ihrer Kundschaft sowie eine steigende Anzahl von Schönheitstouristen aus Japan, den USA, der Mongolei, vor allem aber China. Der Erfolg der südkoreanischen Popmusik und Telenovelas in ganz Asien spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des dabei angestrebten Schönheitsideals - oft haben die anreisenden Kunden ein Foto der Schauspielerin dabei, der sie ähneln möchten. Angestrebt werden in jedem Fall perfekte und nahezu identische Gesichter, symmetrisch-oval, bleich, Augen mit Doppellid und Kussmund - der sogenannte „Reiskorn-Look“. Für 2020 rechnet die Branche mit etwa einer Million jährlicher Kunden aus dem Ausland, die um die 2,8 Milliarden Euro ausgeben werden."

Magazinrundschau vom 09.06.2015 - El Pais Semanal

Javier Cercas, zurzeit Gastprofessor in Oxford, denkt über die aktuellen britischen und spanischen Wahlergebnisse nach: "So ist das in der Geschichte: Manchmal weiß niemand, was zu tun wäre. Und dann wieder wissen alle, was zu tun wäre, aber niemand ist dazu imstande. Von der gelehrten Unwirklichkeit Oxfords aus gesehen, erlebt Spanien gerade einen Moment im letzteren Sinn: Alle wissen, dass unsere Demokratie zwei grundlegende Probleme hat. Zum einen, wie fast alle Demokratien, auch die britische, das Problem der angemessenen Repräsentation: In Großbritannien bekam die UKP zwölf Prozent der Stimmen, aber nur einen Abgeordnetensitz, die schottischen Nationalisten dagegen mit weniger als 5 Prozent bekamen 56; in Spanien wiederum brauchen manche Parteien 400.000 Stimmen für einen Sitz, andere bloß 65.000. Zum anderen die Verwandlung der Demokratie in eine (Zwei)Parteienherrschaft, anders gesagt, die Kolonisierung des Staates durch die Parteien, Hauptursache der gigantischen Korruption. Und es könnte durchaus sein, dass es bei den Parlamentswahlen im Herbst in Spanien genauso geht wie gerade in Großbritannien: Dass sich entgegen allen Voraussagen und Umfragen das Zweiparteiensystem erhält. Oxford hat mich zum Pessimisten gemacht."

Magazinrundschau vom 17.03.2015 - El Pais Semanal

Javier Cercas blickt skeptisch auf die neue spanische Protestpartei Podemos: "Viele von uns haben das Auftauchen von Podemos rückhaltlos oder mit großer Hoffnung begrüßt: Die wichtigste Erkenntnis der Bewegung, aus der Podemos hervorging - dass nämlich das größte Problem Spaniens ein politisches und nicht ein wirtschaftliches Problem ist -, ist absolut richtig. Was sind aber diesbezüglich die Lösungsvorschläge von Podemos? Ich weiß es nicht. Weder habe ich von Podemos etwas zur fundamental wichtigen Frage der Änderung des Wahlsystems gehört noch zur fundamental wichtigen Frage der Änderung des Parteiengesetzes. Dafür verkündet Podemos - das sich innerhalb weniger Monate in beängstigendem Tempo von einer radikal linken zu einer sozialdemokratischen Bewegung gewandelt hat -, dass es die Rechte und die Linke nicht mehr gebe. Dazu fällt mir eine Äußerung Simone de Beauvoirs ein, derzufolge wer behauptet, weder ein Rechter noch ein Linker zu sein, ein Rechter ist. Manche Leute fürchten, Podemos werde alles verändern; ich fürchte, Podemos wird genau das, was geändert werden müsste, nicht ändern, sodass es zuletzt wieder auf eine dieser Veränderungen hinausläuft, die dafür sorgen, dass alles beim Alten bleibt."

Magazinrundschau vom 03.03.2015 - El Pais Semanal

"Mit Nestor Kirchner konnte man reden, Cristina ist dafür viel zu schiitisch, zu fundamentalistisch, zu sehr von ihrem Wahn überzeugt." Jesús Ruiz Mantilla unterhält sich mit dem argentinischen Enthüllungsjournalisten Jorge Lanata, einem der schärfsten linken Kritiker von Präsidentin Kirchner: "Beide Kirchners waren beziehungsweise sind der festen Überzeugung, dass man nur mit Geld erfolgreich Politik machen kann. "Du bist Unternehmer und willst eine Brücke bauen? Bitteschön, da hast du den Auftrag, aber ab sofort bis in alle Ewigkeit komme ich an jedem Zehnten des Monats vorbei und kassiere meinen Anteil." Politisch funktionieren die Kirchners wie das System von Hugo Chávez, eine Gruppe von Rechten mit einer linken Dialektik. Nur das Militär spielt dabei keine Rolle mehr, anders als in Venezuela. Was die Medien angeht, so stehen inzwischen 80 Prozent direkt oder indirekt unter dem Einfluss der Regierung. Die restlichen 20 Prozent erreichen dafür 80 Prozent der Leute."

Magazinrundschau vom 09.12.2014 - El Pais Semanal

"Die Gesellschaft muss bereit für die Wahrheit sein, die sie einfordert." Rebeca Grynspan, die erste Frau an der Spitze der Iberoamerikanischen Gemeinschaft, also der Organisation der Staaten Lateinamerikas wie auch Spaniens und Portugals, spricht im Interview mit Jesús Ruiz Mantilla über die aktuelle Situation in Spanien und Lateinamerika: "Eine der schwierigsten Aufgaben für eine Demokratie ist es, bestimmte heikle Themen in Angriff zu nehmen. Transparenz bringt genau das mit sich, und wir befinden uns jetzt im Zeitalter der Transparenz. Mit den Folgen, die sich aus dieser - durchaus erwünschten - neuen Situation ergeben, muss man allerdings auch umgehen können. So hart die damit verbundenen Prozesse sein mögen, es lohnt sich, sie in Gang zu setzen und die Botschaft auszusenden, dass es Verhaltensweisen gibt, die heute einfach nicht mehr hingenommen werden können. In jedem Fall hat mich die Erfahrung gelehrt, falsche Gegensätze wie "Staat" und "Markt", "Zivilgesellschaft" und "Regierung" zurückzuweisen - beide müssen gemeinsam handeln, davon bin ich als waschechte Sozialdemokratin überzeugt."

Magazinrundschau vom 16.09.2014 - El Pais Semanal

"Schottland und wir." Der spanisch-katalanische Autor Javier Cercas benennt zahlreiche Unterschiede zwischen der Situation in Schottland und der in Katalonien. Mit am wichtigsten scheint ihm, dass "Schottland seit Beginn der Thatcher-Ära eine eigene politische Kultur aufgebaut hat: Während in England, auch unter Tony Blair, der Neoliberalismus bestimmend war, herrschte in Schottland die Sozialdemokratie - inzwischen spielen die Konservativen im dortigen Parlament kaum noch eine Rolle. Die politische Kultur Schottlands ist ausgesprochen proeuropäisch und neigt dem skandinavischen Modell zu, während die immer europaskeptischere politische Kultur Englands dem nordamerikanischen Modell zuneigt - vielen Schotten erscheint die Unabhängigkeit also als Möglichkeit, tatsächlich ein anderes, besseres Land aufzubauen. Gilt das auch für Katalonien? Haben wir hier eine andere, bessere politische Kultur aufgebaut? Nein, die politische Kultur Kataloniens ist identisch mit der Spaniens, mit kleinen Abänderungen wie auch Zuspitzungen. Ist es möglich, mit einer identischen politischen Kultur ein anderes, besseres Land aufzubauen? Entscheiden Sie selbst."

Magazinrundschau vom 22.07.2014 - El Pais Semanal

"Brasilia ist nicht nur die Hauptstadt Brasiliens, sondern auch die Welthauptstadt der Sekten", berichtet der spanische Schriftsteller Jorge Carrión: "Beide Wirklichkeiten stehen sich hier in ständiger Spannung gegenüber. Zum Einen die Mitte der 50er Jahre erbaute Metropole, Ausdruck des reinsten Rationalismus; darüber liegt heute eine glitzernde spirituelle Gegenwart, die mit Vernunft, mit Ratio, eher wenig zu tun hat. Paradoxerweise ergibt sich ein harmonisches Gesamtbild, wenn der Besucher nach den Regierungsgebäuden, Parks und Denkmälern Oscar Niemeyers und Lúcio Costas die Messianische Weltkirche, den Tempel des Ordens vom Heiligen Kreuz , die Kirche der 7. Tags Adventisten oder die Eklektische Stadt besichtigt. Die meisten Besucher verzeichnet in jedem Fall nicht die heute in jedem Kunstgeschichtshandbuch enthaltene Kathedrale von Brasilia Oscar Niemeyers, sondern der "Tempel des Guten Willens", eine High-Speed-Pyramide wie aus einem Science Fiction Film. Im "Tal der Morgendämmerung" wiederum erklärt mein Führer auf meine Frage nach den beiden Figuren auf einem großen Wandgemälde: "Das sind Tutanchamun und der Teacher." Mehr brauchte ich nicht zu wissen."

Magazinrundschau vom 15.07.2014 - El Pais Semanal

"Laut einem vor kurzem veröffentlichten Oxfam-Bericht", berichtet der argentinische Schriftsteller Martín Caparrós, "befindet sich mittlerweile fast die Hälfte - 46 Prozent - des Reichtums dieser Welt in der Hand von einem Prozent ihrer Bewohner. Reiche und Superreiche klagen jedoch darüber, dass Besitz schlecht angesehen, ja gefährlich ist, in ihrer immer stärker abgeschotteten Welt fühlen sie sich unwohl und bedroht. Was tun angesichts dessen mit all dem wertvollen Kunstbesitz? Wo soll man so viel Schönheit verstecken? Eine Lösung für dieses Luxusproblem bietet ab September Luxembourg Freeport, "der ideale Ort für Ihre Wertsachen im Herzen Europas", wie es in der Eigenwerbung heißt: Riesige Hallen mit perfekt abgestimmtem Raumklima, 22.000 Quadratmeter voller Safes, Schutzkammern und Schutzkellern für 50 Euro pro Quadratmeter pro Monat, nur vier oder fünfmal so viel wie für eine gute Wohnung in Madrid oder Barcelona. Natürlich, versichert das Unternehmen, nur für deklariertes Kunstgut, und selbstverständlich haben Polizei und Zoll das Recht auf Einsichtnahme - sie werden aber wohl kaum allzu oft Gebrauch davon machen, für irgendetwas muss es schließlich gut sein, wenn man etwas hat, ohne es zu haben."

Magazinrundschau vom 21.03.2014 - El Pais Semanal

"Wir glauben, dass wir durch Essen die Welt verändern können." Pablo León stellt die Dänin Kamilla Seidler vor, die vor einem Jahr im bolivianischen La Paz ihr Restaurant Gustu samt angeschlossener Kochschule eröffnet hat: ""Es soll nicht nach Angeberei klingen, aber wir wollten einfach etwas Anderes, Sinvolleres versuchen: Mit Jugendlichen arbeiten, die sonst keine Chance hätten, Haute cuisine zu lernen." Das Konzept der Schule sieht vor, Jugendliche von der Straße in die Küche zu holen. Die Küchenchefinnen von Gustu sind zwei junge Frauen, nicht nur, um dem tief verwurzelten Machismo im Lande etwas entgegenzusetzen: "Ich möchte zeigen, dass es gut ist, wenn Frauen Verantwortung übernehmen, und dass es gut ist, wenn Frauen recht haben", erklärt Kamilla Seidler." Restaurant und Kochschule sind Teil des Projektes Fundación Melting Pot Bolivia, in das der dänische Starkoch Claus Meyer, Mitbegründer des weltberühmten Kopenhagener Restaurants Noma, fast eine Million Euro investiert hat. Hier erklärt Seidler ihr Konzept auf Englisch: