Lola Huete Machado
unterhält sich mit dem mosambikanischen
Schriftsteller Mia Couto, der in diesem Jahr mit dem
Premio Camoes ausgezeichnet wurde, dem wichtigsten Preis der portugiesischsprachigen Literatur: "Hierzulande ist das, was man nicht sieht, wichtiger als das, was man sieht. Die meisten Menschen hier haben zum Beispiel
zwei Religionen. Was keinen Konflikt nach sich zieht - die Leute sind nicht ausschließlich entweder das eine oder das andere, nicht entweder Muslime oder Animisten. Man betet zu den jeweils
funktionellen Göttern. Und das sollte man unbedingt wissen. Wüsste ich zum Beispiel nichts über den Katholizismus, hätte ich Schwierigkeiten, Spanien zu verstehen. Und die Logik der hiesigen Verhältnisse versteht man nicht
ohne den Animismus. Die Spezialisten in Politik oder Wirtschaft begreifen nicht, dass es hier eine andere, tiefere, weniger sichtbare Logik gibt, die schwierig zu erklären ist." In seinen Büchern versucht er erst gar nicht, das zu erklären. "Ich möchte bloß darauf aufmerksam machen, dass das, was man sieht,
nicht alles ist. Schlimmer als nicht zu begreifen ist nämlich, zu glauben, man habe längst begriffen. Selbst für Mosambikaner ist das in seiner Komplexität nicht einfach zu verstehen."