Magazinrundschau - Archiv

Atlantic

234 Presseschau-Absätze - Seite 17 von 24

Magazinrundschau vom 20.08.2013 - The Atlantic

Mark Bowden untersucht in einer Riesenrecherche die Vor- und Nachteile des Drohnenkriegs - juristisch, politisch, militärisch und moralisch. Und auch wenn er zugibt, dass Attacken durch Drohnen dem Gegner keine Chance lassen sich zu ergeben, und generell so unfair sind wie Davids Steinschleuder, hält er sie im Vergleich zu Atomwaffen für einen echten Fortschritt. Aber: "Kein amerikanischer Präsident wird jemals einen politischen Preis dafür zahlen, dass er die nationale Sicherheit über die internationale Meinung gestellt hat, doch der einzige richtige Weg weiterzumachen, ist, im Nachhinein die Entscheidungen offenzulegen, wie Ziele ausgesucht werden und was beim Angriff herausgekommen ist. Auf lange Sicht kommt es mehr darauf an, dem Gesetz treu zu bleiben als einen weiteren Schurken eliminiert zu haben. Mehr Umsicht und Transparenz sind nicht nur moralisch und juristisch essentiell, sie sind auch in unserem eigenen Interesse, denn die Angriff selbst nähren ein Antidrohnen-Narrativ und führen zu der Art kleiner willkürlicher Terror-Attacken, die zu bin Ladens abscheulichem Erbe gehören." (Deutlich kritischer hat den Drohnenkrieg kürzlich Stephen Holmes in der London Review of Books gesehen, sein Artikel liest sich ebenfalls spannender als jeder Krimi).

Außerdem: Graeme Wood besucht einen amerikanischen Soldaten, der nach Nordkorea desertiert war, dort vierzig Jahre lang lebte, und jetzt in Japan Cracker verkauft. James Fallows lässt sich von Charles Simonyi erklären, wie man die generelle Langsamkeit von Software verbessern kann. James Parker erzählt die Geschichte des britischen Privatschülers John Mellor, der später als Clash-Sänger Joe Strummer berühmt werden sollte.

Magazinrundschau vom 25.06.2013 - The Atlantic

Seit dem Sturz Ben Alis im Januar 2011 wird in Tunesien um religiöse und säkulare Werte gerungen. Habib Kazdaghli, Dekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Manouba, ist mit seinem Widerstand gegen Vollverschleierung und Geschlechtertrennung zum Ziel salafistischer Angriffe geworden. Er schildert gegenüber Thomas A. Bass, wie Saudi Arabien und Katar die liberale Tradition des Landes zurückzudrängen versuchen: "Tunesien ist das einzige Land in der islamischen Welt, in dem für Frauen und Männer die gleichen Scheidungsgesetze gelten. Wir betreiben keine Vielehen. Tunesien ist ein Spezialfall, ein Gegenmodell, deswegen wollen sie es beseitigen. Ohne uns könnten sie behaupten, dass gewisse Bräuche nur im Westen praktiziert werden. Es bringt sie in Verlegenheit, dass wir, als Muslime, dieselbe Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen haben, wie man sie im Land der 'Ungläubigen' findet."

Magazinrundschau vom 11.06.2013 - The Atlantic

Es geht bei den Protesten am Taksim-Platz sehr wohl um westlichen Lebensstil und ganz konkret um das Recht auf Alkohol, meint der türkische Autor Cinar Kiper im Atlantic. Es trinken zwar allenfalls 20 Prozent der Türken ab und an Alkohol, aber das ändert nichts am erbitterten Kampf Tayyip Erdogans: "Einen großen Sprung zu einer 'islamisch korrekteren' Gesellschaft machte Erdogans Partei AKP erst vor zwei Wochen, als weitere Verschärfungen des Alkohol-Gesetzes erlassen wurden. Es war eine 17-stündige Marathon-Sitzung des Parlaments mit Beleidigungen, Streit zwischen Parlamentariern und kollektivem Auszug aller Fraktionen außer der AKP. Das Ausmaß an Spannung und Gebrüll beweist die Entschlossenheit der Religiösen und die Furcht der Säkularen".

Magazinrundschau vom 23.04.2013 - The Atlantic

Putin reibt sich die Hände, weil die Attentäter von Boston tschetschenischer Herkunft sind. Genau was er braucht, um seine brutale Tschetschenienpolitik zu rechtfertigen, glaubt Thor Halvorssen, der mehr Engagement von den Europäern fordert: "Tschetschenien mag außerhalb der politischen Grenzen der europäischen Familie liegen, aber es ist in seiner überwältigenden Mehrheit eine europäische Nation. Die meisten Tschetschenen suchen - anders als die beiden Verdächtigen von Boston (die laut Berichten nach Kirgisien geflohen waren, wo Dschochar Zarnajew geboren wurde) - Zuflucht in Demokratien, nicht in islamischen Diktaturen. Die Arabische Liga hat nicht ein einziges Mal Besorgnis geäußert über die muslimische Bevölkerung in Tschetschenien und was das russische Regime ihr antut. Die meisten tschetschenischen Flüchtlinge suchen Freiheit, leben in freien Ländern und verstehen die Trennung von Staat und Moschee."

Magazinrundschau vom 25.03.2013 - The Atlantic

Jordanien ist arm, rückständig und von einer Menge feindlicher Staaten umgeben. Der semi-absolutistische König Abdullah hätte sein Volk gern reicher, glücklicher und politisch emanzipierter, schreibt Jeffrey Goldberg in einem großen Porträt. Aber bisher blieben Abdullahs Reformen recht halbherzig, auch weil außer den Muslimbrüdern niemand im Wüstenstaat eine Demokratisierung befürwortet. Schon gar nicht die lokalen Machthaber: "Mehr als die Hälfte der Jordanier sind palästinensischer Herkunft, mit Wurzeln in der Westbank, aber die Stammesführer stammen von der Eastbank (des Jordans), und die Haschemiten-Könige waren zur Verteidigung des Throns auf Eastbanker angewiesen, seit sie vor hundert Jahren aus Mekka in das Gebiet kamen, das damals Transjordanien hieß. Diese Beziehung ist von kühler Geschäftsmäßigkeit: Für ihre Unterstützung des königlichen Hofes erwarten die Führer der östlichen Stammes, dass die Haschemiten im Gegenzug ihre Privilegien schützen und die Palästinenser in Schach halten. Wenn die Haschemiten dies nicht genug beachten, folgen die Probleme auf den Fuß."

Magazinrundschau vom 19.03.2013 - The Atlantic

"Es klingt vielleicht sonderbar, aber die Kopie eines digitalen Werks unter Unterwanderung des Kopierschutzes entspricht dem früheren Kauf eines Taschenbuchs für das Regal", schreibt Benj Edwards im Hinblick auf die Arbeit von Bibliotheken und Archiven, deren Arbeit zur Bewahrung des kulturellen Erbes heute wegen Kopierschutzmaßnahmen und der daraus resultierenden Abhängigkeit vom Wohlwollen einer Industrie signifkant erschwert wird. Wer heute Archivarbeit leisten will, wird seiner Ansicht nach regelrecht in die Illegalität getrieben: "Dank des Digital Millennium Copyright Acts hängt die Zukunft unserer Kulturgeschichte von der Arbeit derjenigen ab, die sich um das Gesetz nicht scheren, von jenen Leuten also, die viele Rechteverwerter wohl 'Piraten' nennen würden. Was für eine Ironie, dass die Piraten am Ende als Helden gefeiert werden, wo sie doch eigentlich die Bösen sein sollten. Wenn Bibliothekare sich genauso verhalten würden, würde man sie als Kriminelle bezeichnen."

Außerdem geht Megan Garber in einem interessanten kulturhistorischen Abriss der Frage nach, warum, vor allem aber: seit wann wir eigentlich Applaus spenden.

Magazinrundschau vom 26.02.2013 - The Atlantic

Jonathan Cohn schildert, wie Roboter, Computer, Big Data und das Internet die Medizin revolutionieren. Vieles ist Zukunftsmusik, aber einiges schon heute möglich - und für manches reicht bereits ein Smartphone: "Firmen entwickeln Sensoren, die, an Smartphones angeschlossen, biologische Daten aller Art sammeln. The Firmen Withing und iHealth bieten beispielsweise Blutdruckmanschetten fürs iPhone an, die die Daten dann per Email an Gesundheitsspezialisten schicken oder direkt in die Patientenakte eintragen können. Andere Hersteller verkaufen Geräte, mit denen Diabetiker ihren Blutzuckerspiegel messen können. In Großbritannien hat ein Konsortium eine Smartphone-App entwickelt, mit der sich der Nutzer auf sexuell übertragbare Krankheiten testen kann. (Der Test beinhaltet offenbar, auf einen ans Handy angeschlossenen Chip zu urinieren.)" Ausgewertet werden all diese Daten am Ende nicht mehr von ihrem Arzt, sondern von Watson, dem Supercomputer. Noch lernt er...

Außerdem: Graeme Wood erzählt, wie Ethnologen große Firmen mit Konsumentendaten versorgen. Emily Bazelon erzählt, wie Experten von Facebook, vom MIT und von Anonymous jeder auf ihre Art versuchen, Internet-Bullies zu stoppen (in dem Zusammenhang lesenswert ist auch die Geschichte von Adalia Rose Williams, einer 6-Jährigen, die unter Progarie leidet - vorschnelles Altern - und die, seit sie in einem Video zu "Ice Ice Baby" tanzte, Licht- und Schattenseiten des Internetruhms erfuhr). Christopher Orr beklagt den Niedergang der romantischen Komödie im Film. Großes Lob von Benjamin Schwarz für Karl Schlögels Buch über Moskau 1937, das zu den "spannendsten Werken der Wissenschaft und der historischen Vorstellungskraft gehört, das ich seit Jahren gelesen habe". Und eine Kurzkritik empfiehlt "The Master of us all", Mary Blumes Biografie über Cristobal Balenciaga, als eine der "intelligentesten Biografien, die je über einen Modedesigner geschrieben wurden".

Magazinrundschau vom 12.02.2013 - The Atlantic

Joshua Lang entwickelt ein Szenario, das auch schon durch Horrorstories des 19. Jahrhunderts geisterte. Was ist eigentlich, wenn man in der Narkose gar nicht bewusstlos ist, sondern danach nur vergessen hat, was man durchgemacht hat? "Diese Erfahrung nennt sich 'intraoperatives Erwachen' oder 'Betäubungsbewusstsein', und sie kommt häufiger vor als Sie vielleicht glauben. Trotz abweichender Studien sind sich die meisten Experten einig, dass unter tausend Patienten in Vollnarkose ein bis zwei zu Bewusstsein kommen. Patienten, die erwachen, hören die Plaudereien der Chirurgen, die Schleif- und Schmatzgeräusche der Organe, das Blubbern des Bluts in den Kanülen; sie spüren die tastenden Finger der Ärzte, das Rucken und Ziehen an den Eingeweiden; sie riechen verätztes Fleisch und versengtes Haar. Aber da einer der ersten Schritte einer Operation das Zukleben der Augen ist, können sie nicht sehen. Und da sie meistens auch gelähmt werden, um Muskelzuckungen zu unterbinden, können sie den Ärzten nicht mitteilen, dass sie wach sind."

Magazinrundschau vom 04.12.2012 - The Atlantic

Die Fabrikjobs kommen zurück in die USA. Charles Fishman erklärt das Phänomen am Beispiel von General Electric, wo in diesem Jahr drei Produktionsstraßen den Betrieb wieder aufnahmen, die jahrzehntelang stilllagen. Gründe dafür: Der Ölpreis ist dreimal so hoch wie 2000, was die Frachtkosten erhöht. Erdgas in den USA ist dagegen günstig, was die Produktionskosten zu Hause senkt. Die Lohnunterschiede sind nicht mehr so riesig. Produkte sind immer kurzlebiger und müssen schneller produziert werden. Fishman beschreibt das am Beispiel einer neuen Produktionsstraße für Geschirrspüler: "Ein Designerteam brachte einen Geschirrspüler in den Raum und nahm ihn auseinander. Im Originaldesign hatte er vier sichtbare Schrauben. Die Marketingleute im Team wollten eine Tür ohne sichtbare Schrauben. Sie wollten sie glatt wie ein Iphone. Den Anlagenleitern gefiel diese Idee - vier Schrauben bedeuten eine Menge Fließbandarbeit. Die Ingenieure und Designer entwickelten schließlich ein Design mit einer versteckten Schraube und einer Strebe, die die Tür zusammenhalten. 'Es ist einfacher herzustellen', sagt Calvaruso, 'es ist billiger. Und es sieht besser aus.' (...) Die Geschichte dieser vier verschwundenen Schrauben an einer Geschirrspülertür sind der Grund, warum GE-Manager Jeffrey Immelt genug Vertrauen hat, 800 Millionen Dollar auszugeben, um Produktionsstätten in Appliance Park wieder zum Leben zu erwecken." Journalisten, Courage! Wenn das stimmt, wird wieder alles möglich.

Außerdem: Auch in China sieht James Fallows Anzeichen dafür, dass ein Teil der Produktion in die USA zurückkehren könnte. Ein Grund ist die Erfindung von 3D-Druckern, die die Zeitspanne von der Idee bis zur Produktion so beschleunigen, dass an eine Auslagerung nach China gar nicht zu denken ist. Und Die Autorin Ann Patchett erzählt, wie sie, als der letzte Buchladen in Nashville zumachte, kurzerhand selbst einen eröffnete, Parnassus Books. Und es funktioniert!
Stichwörter: 3D-Drucker, Iphone, Erdgas

Magazinrundschau vom 20.11.2012 - The Atlantic

Alexis C. Madrigal stellt das Dreamteam der Programmierer vor, die Obamas Wahlkampf entscheidend mitgeprägt haben, allen voran Harper Reed, der genauso so aussieht, wie man sich einen obercoolen Nerd vorstellt. "Als Obamas Wahlkampfleiter Jim Messina Reed anheuerte, sagte er zu ihm: 'Willkommen im Team. Versau es nicht.' Als der Wahltag endete und der Staub sich gelegt hatte, war klar: Reed hatte es nicht versaut. Die Kampagne erreichte mehr freiwillige Helfer und Sponsoren als 2008. Sicher, die Feldorganisation war fester verwurzelt und erfahrener, aber den Unterschied machte zu großen Teil die Technologie. Die Schlüsselprodukte des Technikteams - Dashboard, Call Tool, Facebook Blaster, PeopleMatcher und Narwhal - machten es einfacher für jeden, sich für die Wiederwahl des Präsidenten zu engagieren. Aber einfach war es nicht. Reeds Team kam als Außenseiter zu der Kampagne und das blieben sie im wesentlichen auch. Anfang 2012 drohten die kulturellen Differenzen zwischen Technikern und allen anderen das ganze großartige Experiment zum Scheitern zu bringen. Am Ende produzierte die Kampagne genau, was sie sollte: einen Hybrid der Sehnsüchte von jedermann in Obamas Team. Sie sammelten online hunderte Millionen Dollar Spenden, machten beispiellose Fortschritte in der Ansprache von Zielgruppen und bauten das alles auf der stabilsten technischen Infrastruktur auf, die je eine Präsidentschaftskampagne hatte. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen, dass dieser Zusammenprall der Kulturen eine gute Sache war: Die Nerds brachen die versteinerte technische Struktur der Demokraten auf und die Politicos lehrten die Nerds ein oder zwei Dinge über Stress, Basispolitik und die Bedeutung von Wahlen."