Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.11.2023 - Film

In der FAZ resümiert Bert Rebhandl das Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg. Besprochen werden Anna Hints' Dokumentarfilm "Smoke Sauna Sisterhood" (taz, unsere Kritik hier) und Emma Seligmans auf Amazon gezeigte, queere Highschool-Komödie "Bottoms" ("der lustigste Film dieses unlustigen Jahres", schwärmt Marlene Knobloch im Tages-Anzeiger).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.11.2023 - Film

"Die Bologna-Entführung" von Marco Belloccio

Marc Hairapetian wirft im FR-Gespräch mit Marco Bellocchio einen gemeinsamen Blick auf Leben und Werk des italienischen Regisseurs sowie die politische Lage in dessen Heimatland. Auch um seinen aktuellen Film "Die Bologna-Entführung" geht es, in dem Bellocchio die wahre Geschichte erzählt, wie der Papst einmal ein jüdisches Kind entführen ließ (unsere Kritik). "Mir ging es hier nicht um diese an sich mehr als skandalöse Geschichte, nicht um eine dogmatische Ideologie und auch nicht um eine forcierte Papstkritik. Es war auch nicht meine Absicht, all das Unrecht filmisch aufzuarbeiten, was den Jüdinnen und Juden durch die katholische Kirche leider wirklich widerfahren ist. Die Entführung im Auftrag des Papstes folgte ja nach einer zwingenden Logik der damaligen Zeit. Denn Edgardo Mortara wurde als Baby von seinem christlichen Kindermädchen getauft. Und wer getauft war, musste nun einmal nach damaligen Kirchenstaatsrecht als Christ aufwachsen. Mehr als die Motivation des Papstes, ihn entführen zu lassen, interessiert mich die Frage, warum Mortara als Heranwachsender und auch als Erwachsener nie gegen seine christliche Umerziehung rebelliert hat. Er ist auch nicht zu seiner Familie zurückgekehrt. Dem nicht genug, nahm er später, als er zum Priester geweiht wurde, sogar den Namen Pius an. So hieß der Papst, der ihn hatte entführen lassen!"

Weitere Artikel: Der Tages-Anzeiger hat David Steinitz' SZ-Gespräch mit Ridley Scott über dessen neuen Film "Napoleon" (unsere Kritik) online nachgereicht.
Besprochen werden Ken Loachs "The Old Oak" (Welt, hier dazu mehr), die Netflix-Dokuserie "High on the Hog" über die Geschichte der afro-amerikanischen Küche (taz) und die fünfte Staffel der Serie "Fargo" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.11.2023 - Film

Fritz Göttler porträtiert in der SZ die Schauspielerin Vanessa Kirby. Besprochen werden Milena Aboyans "Elaha" (Tsp), Emerald Fennells "Saltburn" (FAZ), Chris Bucks und Fawn Veerasunthorns Disney-Animationsfilm "Wish" (taz), die fünfte Staffel von "Fargo" (Zeit) sowie die letzte Staffel von "The Crown" (NZZ).
Stichwörter: Fennell, Emerald, Disney

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.11.2023 - Film

Zeigt Solidarität: Ken Loachs "The Old Oak"

Mit "The Old Oak" verabschiedet sich der 87-jährige Ken Loach vom Filmemachen: Es geht um syrische Flüchtlinge, die 2016 in einem Pub in einem abgehängten, englischen Bergarbeiterstädtchen unterkommen - und dabei Solidarität, aber auch Anfeindungen erfahren. "Loach gelingt es dabei, die verzwickte, komplexe Beschaffenheit des Durcheinanders von Motiven, das hier Feuer fängt, differenzierter darzustellen, als man von einem Künstler erwartet hätte, der mobilisieren will", schreibt Maria Wiesner in der FAZ. "Er malt nicht einfach ein Bild von den selbstlosen Helfern, die sich gegen die fremdenfeindlichen Nachbarn durchsetzen müssen. Er zeigt vielmehr die Ursachen der Vorbehalte und Kurzschlüsse, lässt etwa kurz die Immobilienkrise aufblitzen, wenn ein Mann erfährt, dass die Häuser in seiner Straße zu Spottpreisen von zyprischen Investoren gekauft wurden. Vor allem aber nimmt der Film Arbeiterfamilien ernst, die ihren Kindern kaum Essen auf den Tisch bringen können." Der Film passt gut "in Zeiten der Polarisierung", hält Klaudia Lagozinski in der taz fest: "Loach erzählt im Kleinen, macht aus Nummern und Statistiken Gesichter und bleibt beim Erzählen unaufdringlich. Er rückt nur die Worte und Gesichter in den Fokus - auch visuell. Denn die Misere steht den Personen ins Gesicht geschrieben."

Valerie Dirk vom Standard hat sich mit Loach und seinem Drehbuchautoren Paul Laverty getroffen. Beim Film selbst bleibt sie skeptisch: "Ganz geht die Geschichte nicht auf. Sie krankt an der Tatsache, dass das sozialrealistische Kino immer ein wenig betulich wirkt, sobald es von Hoffnung erzählt. Das utopische Schlussbild der geeinten Gemeinde von 'The Old Oak' wirkt denn auch wie dasjenige des Neorealisten Vittorio de Sica in 'Miracolo a Milano', in dem die Ärmsten der Armen in den Himmel aufsteigen: wie eine falsche Erlösung."

Martin Moskowicz räumt nach zehn Jahren seinen Posten als Vorstandsvorsitzender der Constantin Film, sein bisheriger Stellvertreter Oliver Berben rückt auf, meldet Michael Hanfeld in der FAZ. Außerdem führt Hanfeld ein Bilanzgespräch mit Moskowicz, in dem dieser lange die eigene Firma, deren Produktionen und Bernd Eichinger lobt, aber für die Zukunft des Filmemachens auch viel von KI erwartet. Und es geht um die verhaltenen Reaktionen der Filmbranche auf den 7. Oktober: "Es hat wenig Empathie gegeben. Es hat Wochen gedauert, dass es einen offenen Brief gab, mit jetzt rund 1000 Unterschriften drauf, viele davon stammen von der Constantin Film. Das ist ein Armutszeugnis für die deutsche Kultur. Die Filmakademie hat circa 2200 Mitglieder. Wo sind die? Mich persönlich hat das umgehauen. Ich weiß, wie schwierig es sein kann, in politischen Konflikten öffentlich Position zu beziehen. Aber hier geht es um etwas anderes - um Antisemitismus in Deutschland. Ich bekomme schon lange Beschimpfungen und Hass-Post. Ich kann damit umgehen und ich habe keine Angst. Aber womit ich schwer umgehen kann, ist, dass Kollegen und Kolleginnen, von denen ich der Überzeugung war, dass sie einen funktionierenden moralischen Kompass haben, sich nicht positionieren und relativieren. Ich fand die gesamte Reaktion unterirdisch."

Besprochen werden Ridley Scotts "Napoleon" (Zeit, unsere Kritik hier), Ota Tatsunaris "There is a Stone" (Tsp), Takashi Miikes für Netflix produzierte Anime-Serie "Onimusha" (FAZ), die Serie "Eine Billion Dollar" nach dem gleichnamigen Roman von Andreas Eschbach (FAZ, FR, Welt) und Hayao Miyazakis "The Boy and the Heron" (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.11.2023 - Film

Gleißende Lichtfunken: Anna Hints "Smoke Sauna Sisterhood"

Perlentaucherin Katrin Doerksen setzt sich gerne zu den Frauen, die in Anna Hints Dokumentarfilm "Smoke Sauna Sisterhood" in Estland die Rauchsauna aufsuchen. Die Rauchsauna, erfahren wir, zählt zum immateriellen Kulturerbe der Esten und Finnen, und der Film nimmt sich die Freiheit, die Frauen und deren Gespräche im Laufe eines Jahres einfach zu beobachten. So wird die Sauna zu einem "Ort, der wunderschöne sinnliche Filmbilder hervorbringt. Durch die lange Belichtungszeit in dem dunklen Raum muten die Wassertropfen, mit denen die Frauen sich Kühlung verschaffen, wie in die Länge gezogene, gleißende Lichtfunken an. Durch ein einziges Fenster nur punktuell von Tageslicht betupfte Körper schälen sich aus der Dunkelheit heraus, Tropfen auf der Haut, eingehüllt von waberndem Rauch, der irgendwann den Raum ausfüllt, bis man meint, Gesichter zu erkennen." Doch was die Frauen "einander mit entwaffnender Offenheit erzählen, lässt hingegen die harsche Realität hinein. Sie sprechen über Krebserkrankungen und lachen im nächsten Moment gemeinsam über die Dickpics, die sie auf Tinder bekommen. Sie reflektieren den Mangel an offen gezeigter Zuneigung in ihren Familien und erinnern sich an ihr Coming-Out, sprechen über gesellschaftliche Erwartungen, über Perioden, Schwangerschaften, Vergewaltigungen." Es ergibt sich "ein Spektrum weiblicher Erfahrungswelten".

Wurstige Grandezza: Joaquin Phoenix in "Napoleon"

Ridley Scotts "Napoleon"-Blockbuster hat zwar "schon auch ein bisschen Leerlauf", muss auch Perlentaucher Lukas Foerster einräumen. So vergrätzt wie seine Kollegen aus dem Print-Feuilleton (unser Resümee) hat er das Kino aber nicht verlassen: Der Film ist "mit Haut und Haaren Spektakelkino. Die geopolitischen Verwerfungen, denen Napoleon seinen Aufstieg verdankt und die er selbst bald entscheidend mitprägt, interessieren den Regisseur nicht die Bohne." Stattdessen geht es um den Exzess des Körpers: "Da wäre zum Beispiel die Szene, in der die von Joaquim Phoenix mit wurstiger Grandezza verkörperte Hauptfigur, vorläufig noch lediglich ein Leutnant der französischen Armee, nach einer Schlacht in der blutigen Wunde herumpult, die eine Kanonenkugel im Torso seines Pferdes geschlagen hat. Oder die Szene, in der Napoleon während der Ägyptischen Expedition einen Sarkophag öffnet und sich an den darin konservierten antiken Gebeinen zu schaffen macht." Scott zeichnet den Feldherrn als "ewigen Adoleszenten, der sich einer nicht gerade allzu verfeinerten Liebestechnik befleißigt. Phoenix' Grunzen während der Beischlafsankündigung ist zweifellos ein Höhepunkt des Films; weckt aber auch Sehnsucht nach jener völlig enthemmten Napoleon-Sauerei, die Scotts die Grenzen des guten Geschmacks nie allzu weit hinter sich lassender Historienblockbuster dann doch nicht sein darf." Weitere Kritiken im Tages-Anzeiger, in der FR, im Filmdienst, im Standard und auf Artechock, dessen Team gleich drei Kritiken auf einen Satz veröffentlicht.

Außerdem: Petra Ahne berichtet in der FAZ von der Verleihung des Michael-Althen-Preises an Samira El Quassil für ihren auf Übermedien veröffentlichen Essay über Greta Gerwigs "Barbie". Fabian Tietke empfiehlt in der taz das Berliner Experimentalfilmfestival Fracto, das sich in diesem Jahr besonders der Filmemacherin Milena Gierke widmet.

Besprochen werden Ken Loachs "The Old Oak" (FR, Artechock, critic.de), Milena Aboyans "Elaha" (taz, Freitag), Tatsunari Ôtas "There is a Stone" (Artechock, critic.de), Livia Theuers Dokumentarfilm "Wir sind das Kino" (taz, mehr dazu hier), Rémi Durins und Arnaud Demuyncks Animationsfilm "Yuku und die Blume des Himalaya" (Standard), Xavier Gens' "Farang" (Artechock) und Oliver Parkers "In voller Blüte", mit dem sich Michael Caine von der Leinwand verabschiedet (Tsp, Artechock). Hier außerdem der Überblick beim Filmdienst über die Kinostarts der Woche.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.11.2023 - Film

Schlachten und Feldherren sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren: Ridley Scotts "Napoleon"

Mit "Napoleon" ist Ridley Scott "als Schlachtenlenker des Kinos" wieder ganz in seinem Element, schreibt Tobias Kniebe in der SZ: Insgesamt sechs Schlachten hat sich Scott ausgesucht, um sie in diesem Biopic "in voller Breitwand-Panoramawucht" auf die Leinwand zu heben. "Doch so interessant das alles ist, es kann nicht die Seele eines großen Kinofilms sein. Genauso wie die sechs Schlachten, für sich genommen, kein Leben erzählen. Und schon gar keine Heldengeschichte, da sind die Zeiten inzwischen andere. ... Ein leichtes Unwohlsein darüber ist dem Film irgendwann anzumerken", doch "das Dilemma bleibt als Widerspruch einfach so stehen." Auch dass Joaquin Phoenix Napoleon als so frühvergreisten wie anticharismatischen Antihelden gibt, ist der Sache nicht förderlich und folgt auch nicht den historischen Überlieferungen, sodass Kniebe "einen intellektuellen Akt der Sabotage vermutet: Erzählt eure Aufstiegssaga bitte ohne mich."

Die Schlachtenszenen sind für Andreas Kilb von der FAZ "die große Enttäuschung dieses Films. Nicht weil Ridley Scott die Schlacht bei Austerlitz, die in einer sanften Hügellandschaft stattfand, ins Mittelgebirge verlegt und den sechsmonatigen Feldzug gegen Russland auf einen Kosaken-Überfall und ein paar Statistenszenen mit der Aufschrift 'Borodino' zusammenschnurren lässt (die Befreiungskriege kommen bei ihm gar nicht vor). Sondern weil er für die einzigartige Kombination von Charisma, militärischem Genie und menschenverachtender Brutalität, mit der Napoleon die Armeen Kontinentaleuropas hinwegfegte, nicht das geringste Gespür hat." Andreas Busche vom Tagesspiegel beobachtet Ähnliches: "Dramaturgisch unvorteilhaft ist der Effekt, dass Napoleon immer mickriger erscheint, desto panoramischer die Schlachtfelder werden, die er befehligt. ... Die Frage, was uns heute noch an einer selbst im Kino auserzählten Figur wie Napoleon interessieren könnte, beschäftigte auch Scott. Seinem Film nach zu urteilen, hat er keine befriedigende Antwort gefunden. ... Scott hat stattdessen einen historischen Kriegsfilm über einen rammelnden Despoten gedreht. Wenigstens adelt Joaquin Phoenix diese historische Farce, indem er kaum eine Miene verzieht."

Weitere Artikel: Patrick Heidmann resümiert in der taz das Internationale Dokumentarfilmfestival Amsterdam. Andreas Hartmann gibt in der taz Tipps zur Französischen Filmwoche in Berlin. Ursula Scheer wirft für die FAZ einen Blick auf die anstehende Auktion von Requisiten aus der Serie "The Crown". In der Presse freut sich Rosa Schmidt-Vierthaler über das 60-jährige Bestehen des BBC-Klassikers "Dr. Who". Dem Animationsstudio Aardman geht der Werkstoff Plastilin aus, meldet unter anderem Pascal Blum im Tages-Anzeiger. Besprochen werden eine dem britischen Filmkünstler Isaac Julien gewidmete Ausstellung in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf (FAZ), die fünfte Staffel von "Fargo" (Tsp) und die zweite Staffel von "Squid Game" (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.11.2023 - Film

"Das Kino sind wir" von Livia Theuer

Mit regem Interesse sieht Lukas Foerster für den Filmdienst Livia Theuers Dokumentarfilm "Das Kino sind wir" über die Geschichte des Filmladens Kassel, einer in den frühen Achtzigern gestarteten Initiative, die mit dem Kino linke Gegenöffentlichkeit schaffen wollte, heute aber im Grunde ein gängiges Arthouse-Kino ist. Es ist ein Blick in eine vergangene Zeit: "Was vor allem verschwunden zu sein scheint, ist der direkte Zusammenhang zwischen den Filmen, ihren Sujets und den Kinos, die sie zeigen. Dieser Zusammenhang ist tatsächlich als Dreieck zu beschreiben: Die Mitglieder des Filmladen-Kollektivs sind selbst Aktivisten und Filmemacher. Das Filmladen-Publikum wiederum schaut sich im Filmladen-Kino einen Film über eine ältere Demonstration gegen die geplante Startbahn West des Frankfurter Flughafens an; wenig später findet es dann auf der Nachfolge-Demo wieder zusammen. Film nicht als Massenunterhaltung, aber auch nicht als exklusive Kunst um der Kunst willen, sondern als 'soziale Plastik' im Sinne Joseph Beuys - dieses Schlagwort des enigmatischen Großkünstlers mit Hut taucht gleich mehrmals auf."

Besprochen wird außerdem die Serie "Lucky Hank" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.11.2023 - Film

FAS-Kritiker Bert Rebhandl langweilt sich beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen der Spitzenorganisation der deutschen Filmwirtschaft, wo sich auch Claudia Roth und Robert Habeck für kurze Grußbotschaften blicken ließen. "Wenn der hochfrequent getaktete Alltag von Spitzenpolitikern auf die Gemächlichkeit einer Lobbyorganisation trifft, die sich einen Festakt leistet, der eher nach Vertreter-Umtrunk aussieht als nach Fest, dann geht das gar nicht anders als mit ein bisschen Knirschen. Aber mit auch nur ein bisschen Beobachterdistanz war 100 Jahre SPIO doch ein recht bizarrer Moment: Man sah hier ein Deutschland der zwei Geschwindigkeiten. Einerseits eine Politik, die hinter den Herausforderungen herhetzt und sich mit fahrigen Wortspenden für 15 Minuten mal eben irgendwo einklinkt (am besten gleich bei einer ganzen Branche). Andererseits einen Betrieb, der den Eindruck erweckt, es sollte am besten einfach alles immer so bleiben wie schon lange, nur idealerweise mit deutlich mehr Geld vom Staat."

Außerdem: Jörg Taszman spricht für den Filmdienst mit Colm Bairéad über dessen (in der Welt besprochenen) Film "The Quiet Girl". Besprochen werden Oliver Parkers "In voller Blüte", mit dem sich Michael Caine von der Leinwand verabschiedet (Standard), Ridley Scotts "Napoleon" (Welt), Susanna Fogels Verfilmung von Kristen Roupenians im New Yorker veröffentlichten Kurzgeschichte "Cat Person" (ZeitOnline) und Martin Schilts Dokumentarfilm "Krähen" (Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.11.2023 - Film

Die ARD hat Annemarie Jacirs Roadmovie "Wajib" über eine Hochzeit in Israel aus dem Programm genommen, da der bereits vor Monaten programmierte Film nicht mehr so recht zur aktuellen politischen Lage passe und am Ende gar zu "Missverständnissen" einladen könnte. Der Film nehme wohl eher Partei für die palästinenische Seite, dies Rezensionen nach zu urteilen aber wohl auf eher harmlose Weise. Als "Zensur" (wie Arno Frank im Spiegel) würde Joachim Huber vom Tagesspiegel die Entscheidung der ARD zwar nicht einschätzen, dennoch packt ihn die Sorge: "In diesen aufgeheizten, ja aufgehetzten Zeiten sind nur noch Eindeutigkeiten zugelassen. Das Ja, aber, die wesentliche Voraussetzung für jeden (gewinnbringenden) Dialog ist im Verschwinden begriffen. ... Die ARD, eine öffentlich-rechtliche Institution, hätte die Gelegenheit nutzen sollen, den Film zu zeigen und gleichzeitig in eine Diskussion einzubetten. Erst 'Wajib', dann hart aber fair. Es gilt eben die Sprachlosigkeit zu überwinden, sich an der Grenzziehung zwischen Weglassen und Zulassen zu beteiligen. Es muss doch ein mulmiges Gefühl auslösen, wenn die fluide Weltlage über die Qualität oder die Nichtqualität eines Films, eines Buchs bestimmt."

Weitere Artikel: In einem Filmdienst-Essay macht sich Morticia Zschiesche Gedanken darüber, wie moderne Formen des Wanderkinos eine Brücke zwischen klassischen Kinos und Filmfestivals bauen könnten. Besprochen werden Ridley Scotts "Napoleon" ("ein solide inszenierter Kostümschinken", schreibt ein ansonsten eher gelangweilter Fabian Tietke in der taz, NZZ), Susann Fogels Adaption von Kristen Roupenians im New Yorker veröffentlichter Kurzgeschichte "Cat Person" (Welt), David Finchers auf Netflix gezeigter Thriller "Der Killer" (Jungle World, Presse), die letzte Staffel von "The Crown" (FAZ) und Olivier Peyons Verfilmung von Philippe Bessons Roman "Hör auf zu lügen" (Standard).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.11.2023 - Film

"Ich Bin! Margot Friedländer" im ZDF

Hannah und Raymond Leys fürs ZDF entstandenes Dokudrama "Ich bin! Margot Friedländer" ist ein TV-Ereignis, schreibt Dietrich Leder im Filmdienst. Endlich einmal löst sich das Fernsehen von den kümmerlichen Formatvorlagen des Genres. Nicht nur der Cast ist brillant, auch "die Erzählweise des Films ist angemessen vertrackt, wechselt oft die Zeitebenen und sogar die Darstellungsformen. Das dokumentarische Material ist sehr gut ausgewählt und so bearbeitet, dass es sich in die fiktionale Darstellung einfügt, ohne seinen eigenen Charakter zu verlieren. ... Gelegentlich unterbrechen Szenen, die deutlich als Bühnenabstraktionen mit wenigen Kulissen wie einer Tür gekennzeichnet sind, die realistische Darstellung. In diesen antinaturalistischen Szenen werden die Wünsche und Projektionen der Protagonistin erfasst; ihr Leben geht in den Daten ihrer Verfolgung eben nicht auf. Man kann darüber streiten, ob es wirklich notwendig war, einige der dokumentarischen Bilder über das Gesicht der zurückhaltend spielenden Hauptdarstellerin Julia Anna Grob zu legen."

Weitere Artikel: Valerie Dirk spricht für den Standard mit Jessica Hausner über deren neuen Film "Club Zero". Kristina Jaspers wirft für den Filmdienst einen Blick aufs Produktionsdesign des neuen (im Standard besprochenen) "Tribute von Panem"-Blockbusters. In der FAZ gratuliert Claudius Seidl Lauren Hutton zum 80. Geburtstag.

Besprochen werden Eli Roths "Thanksgiving" (FD, unsere Kritik), Colm Bairéads "The Quiet Girl" (ZeitOnline), die ersten Folgen der letzten Staffel von "The Crown" (Presse, Welt), Martin Schilts Dokumentarfilm "Krähen - Die Natur beobachtet uns" (FR) und die Serie "Deutsches Haus" (taz, mehr dazu bereits hier).