August Diehl in "Der Meister und Margarita" von Michael Lokshin Anna Narinskaya spricht für die FAZ mit dem russischen Regisseur MichaelLokshin, dessen Bulgakow-Verfilmung "Der Meister und Margarita" nun auch in Deutschland in die Kinos kommt. In Russland war der Film trotz erkennbarer Spitzen gegen Putin einer der erfolgreichsten Filme des Jahres - sehr zur Sorge der Obrigkeit, die etwa verfügte, dass Lokshins Name bei einer Preisverleihung nicht genannt werden durfte, und deren Vasallen in der Presse unisono Gift und Galle spuckten. "Deputierte der russischen Staatsduma ... bezeichneten mich als Terroristen und Extremisten und den Film als antirussisch", sagt der inzwischen in Los Angeles lebende Regisseur, der sich auch "gegen die Großinvasion in die Ukraine ausgesprochen" hat und eigener Aussage nach "ukrainische Stiftungen" unterstützt. 2021, als er den Film drehte, "war Russland anders, es war ein mild autoritäres Regime. ... Es gab den 'neuenStalinismus' noch nicht. Wir waren schockiert, wie schnell wir in der Postproduktionsphase in ihn hineinrutschten. Als wir die Szenen montierten, waren wir frappiert, wie sehr manche, etwa die 'öffentliche Verurteilung' des in Ungnade Gefallenen oder die allgegenwärtigen Denunziationen, sich mit der Realität deckten."
"Die Ironie ist beißend", schreibt Jan Küveler in der Welt. "Der lebenslang verfolgte Bulgakow ist längst zum nationalen Kulturschatz avanciert, und so gab es für die Verfilmung Millionen an Zuschuss vom Kulturministerium. Dann kamen Krieg und Gleichschaltung der öffentlichen Meinung. Plötzlich schien nicht mehr Stalins, sondern Putins Russland das Ziel der Totalitarismus-Satire."
Außerdem: Quirin Hacker gibt in der FR Tipps zum GoEast-Festivalin Wiesbaden. In der FAZgratuliert Dietmar Dath dem Schauspieler WinfriedGlatzeder zum 80. Geburtstag. Besprochen werden die zweite Staffel von KidaKhodrRamadansARD-Serie "Testo" (FAZ), die auf Paramount+ gezeigte, deutsche Science-Fiction-Serie "Parallel Me" (Zeit Online) und die auf Amazon gezeigte Ballett-Serie "Étoile" mit CharlotteGainsbourg (WamS).
Die Regisseurin AngelinaMaccaronespricht im Filmdienst mit Thomas Klein über ihren Thriller "Klandestin", der das Verhältnis zwischen Migration, Politik und Kultur in den Blick nimmt. Besprochen werden NaokoYamadas japanischer Animationsfilm "The Color Within" (critic.de, FR, unsere Kritik), NaomiOsakas Tennisdrama "Julie bleibt still" (Tsp), Ryan Cooglers rassismuskritischer Zombiefilm "Blood & Sinners" (NZZ, mehr dazu bereits hier) und PaulPoets bislang nur in Österreich startender Dokumentarfilm "Der Soldat Monika" über eine rechteTrans-FrauimösterreichischenMilitär, die sowohl in der Neuen Rechten wie in der queeren Community aneckt (Standard).
Geradezu synästhetisch: "The Colors Within" von Naoko Yamada Schön, dass die Anime-Regisseurin NaokoYamada mit "The Colors Within" nun erstmals auch einem deutschen Kinopublikum vorgestellt wird, freut sich Kamil Moll im Perlentaucher. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen zwei Mädchen, die in einem religiösen Internat eine Band gründen - eine von den beiden hat zu Farben ein ganz besonderes Verhältnis. "Die Geschichte einer Annäherung, die am Ende der Schulzeit auch eine des notwendigen Abschieds sein wird, erzählt Yamada in einer eigensinnig empfindsamen Mischung aus handgemalten und computeranimierten Elementen. Geradezu synästhetisch verbindet sie von einem starken Bewusstsein für Lichtverhältnisse geprägte Farbtöne mit Klang. Die Farben scheinen mitunter wie Laub zu rascheln oder mit den Wellen zu rauschen, verbinden sich mit einem Ozean aus Sound."
"Nach lediglich 97 Oscarverleihungen ... ist die amerikanischeFilmakademie auf eine wirklich sensationell revolutionäre Idee gekommen", amüsiert sich David Steinitz in der SZ: "Die stimmberechtigten Jurorinnen und Juroren müssen sich die Filme künftig anschauen, bevor sie wählen dürfen." Bislang galt diese Voraussetzung nämlich eher als "Gentlemenʼs Agreement". Richten soll dies nun ein Streamingangebot, anhand dessen sich nachvollziehen lässt, ob ein Film gesichtet wurde oder nicht - für Kinosichtungen muss eine quasi-eidesstattliche Versicherung abgegeben werden: "Allein für so einen Zettel, auf dem Brad Pitt dann per Unterschrift versichert, dass er am 21. Mai um 19.30 Uhr in Cannes im Kino saß, würde man natürlich viel geben. ... Dass die Jury-Gemeinschaft künftig freilich einen Film online anklicken und dann draußen in den Pool springen kann, während er drinnen durchläuft, ist allerdings ein Problem, dass die Filmakademie nicht wird lösen können." Ähnlich sieht es Hanns-Georg Rodek in der Welt.
Besprochen werden AngelinaMaccarones "Klandestin" (taz, Artechock, Freitag), SaulėBliuvaitės "Toxic" (Tsp, Artechock, FAZ, unsere Kritik), Michael Lockshins russische Bulgakow-Verfilmung "Der Meister und Margarita" mit AugustDiehl, die in Russland alle Kassenrekorde gebrochen hat und das, wie Adam Soboczynski in der Zeit staunt, obwohl sie deutlich putinkritischeZüge trägt, Ryan Cooglers "Blood & Sinners" (critic.de, mehr dazu bereits hier), PeterDörflers auf Amazon gezeigte Dokuserie "German Cocaine Cowboy" (critic.de) und die DVD-Ausgabe von KarlGrunes Stummfilm "Die Straße. Der Film einer Nacht" aus dem Jahr 1920 (taz). Außerdem blicken Tagesspiegel und Filmdienst auf die wichtigsten Kinostarts der Woche.
Freudlose Räume: "Toxic" von Saulė Bliuvaitė SaulėBliuvaitės beim Filmfestival in Locarno mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnetes Spielfilmdebüt "Toxic" erzählt vor einer desolaten Kulisse im Hinterland Litauens von der Drangsal, die sich zwei Mädchen in Hoffnung auf eine Karriere als Models selbst auferlegen. Die Regisseurin "filmt die Innenräume als strenge Tableaus, in kühlen Farben, die Ulrich Seidl alle Ehre machen würden", schreibtPerlentaucherin Katrin Doerksen. "Angelaufene Wände, Spitzengardinen, postsowjetische Tristesse. Freudlose Räume des Sollens, des Müssens und nicht Dürfens. Ihre Körper sind das Einzige, worüber die Mädchen Kontrolle zu haben glauben, sie geben ihnen Perspektive, eine potentielle Fahrkarte hinaus in die Welt." Vor Härten bleibt man nicht verschont - etwa beim Einsatz eines Bandwurms, der den Hunger abtöten soll. Aber "vollends in den Bereich des Bodyhorror lässt Saulė Bliuvaitė ihren Film nicht kippen; bleibt statt bei den Exzessen des Genres eher bei einem zwar stilisierten, aber distanziert beobachtenden Realismus." Michael Meyns ist in der tazskeptisch, ihm stellt sich im Verlauf "immer wieder die Frage, ob das Gezeigte tatsächlich die Realität des ländlichen Litauens darstellt oder nicht doch eher eine betont miserabilistische Version". Für den Filmdienstspricht Susanne Gietl mit der Regisseurin.
Außerdem: Fabian Tietke empfiehlt im Tagesspiegel das ArabischeFilmfestivalin Berlin. Besprochen werden FrédéricHambaleks "Was Marielle weiß" (Standard, online nachgereicht von der FAS, unsere Kritik), der Actionfilm "The Accountant 2" mit BenAffleck und JonBernthal (Standard) und die zweite Staffel der auf Disney+ gezeigten "Star Wars"-Serie "Andor" (taz).
Der Mensch als Ganzes im Blick: "Ernest Cole: Lost and Found" (Edition Salzgeber / Ernest Cole) SZ-Kritikerin Martina Knoben ist sehr beeindruckt von RaoulPecks bei den Filmfestspielen in Cannes als bester Dokumentarfilm ausgezeichnetem Film "ErnestCole: Lost and Found". Cole hatte den Alltag der schwarzen Bevölkerung unter dem Apartheidsregime Südafrikas fotografisch dokumentiert, 1966 floh er in die USA, sein 1967 erschienener Fotoband "House of Bondage" wurde 1967 in Südafrika verboten. Später geriet Cole in Vergessenheit, bis 2017 in einem Banktresor sein Archiv mit 60.000 Negativen auftauchte. "Peck hat Coles Fotografien klug montiert, das Leben des Künstlers zeigt sich in dessen eigenen Aufnahmen. Dass Cartier-Bresson Cole inspiriert hat, ist dabei nicht zu übersehen: Ein ähnlicher Humanismus zeichnet die Bilder aus, auch Coles Fotos erzählen nicht nur vom Elend, sondern nehmen den Menschen als Ganzes in den Blick. ... So wie Cole sich gegen die Apartheid in seiner Heimat gewehrt hatte, so wehrt er sich auch in den USA dagegen, auf seine Hautfarbe und Ethnie reduziert zu werden. Nach 'House of Bondage' wollten Coles Auftraggeber immer wieder ähnliche Bilder von ihm sehen, er sei nur als Chronist von 'Elend, Ungerechtigkeit und Herzlosigkeit' gefragt, klagt er. Cole verzweifelt am Exil, der Traum von Amerika wird zum Albtraum." Für die Jungle Worldbespricht Holger Heiland den Film.
Der Tagesanzeigerreicht für die SZ online einen Artikel von Gregor Scheu und Jürgen Schmieder aus dem Wirtschaftsressort darüber nach, wie sich TrumpsZölle zu einem KulturkampfumsKino auswachsen. Da China im Zuge "die Regeln für den Import von US-Entertainment verschärft", ist momentan nicht ausgemacht, "ob und wie viele Filme aus den USA in Zukunft noch in chinesischen Kinos gezeigt werden". China ist bekanntlich für die Branche ein wichtiger internationaler Absatzmarkt, mit Umsätzen, die dort teils höher ausfallen als zuhause - was in der Vergangenheit immer wieder zu zahlreichen Zugeständnissen gegenüber China geführt hat. Doch "was aussieht wie ein Bauernopfer im Wirtschaftskonflikt der beiden größten Volkswirtschaften der Welt, ist ein gezielter machtpolitischer Akt: Peking will nicht länger nur Markt für westliche Blockbuster sein, sondern selbst produzieren und exportieren: eigene Inhalte, eigene Helden, eigene Werte als moralische Anker der Handlung. Kino wird zur Bühne für Chinas kulturelle Emanzipation; der Handelskrieg mit den USA schafft für Chinas Filmindustrie das Narrativ der Aufbruchsstimmung, wie es sich die Propagandaabteilungen der Kommunistischen Partei kaum schöner hätten ausdenken können."
Weitere Artikel: Standard-Kritikerin Valerie Dirk legt dem Wiener Publikum die Filmreihe "Traummaschine Kino" im Österreichischen Filmmuseum ans Herz. Besprochen werden MiguelGomes' auf Mubi gezeigter Film "Grand Tour" (online nachgereicht von der FAZ, mehr dazu bereits hier), Hirokazu KoreedasNetflix-Miniserie "Asura" über eine japanische Familie in den Siebzigerjahren (NZZ, mehr dazu bereits hier) und die zweite Staffel der auf Disney+ gezeigten "Star Wars"-Serie "Andor" (Welt).
Viele Filme auf einmal: "Blood & Sinners" von Ryan Coogler Rassisten als Vampire und dann dieser fast schon psychedlisch entgrenzte, ekstatische Delta-Blues: Nach RyanCooglers in den US-Südstaaten der 1930er-Jahre angesiedeltem Horrorfilm "Sinners" (der in Deutschland idiotischerweise "Blood & Sinners" heißen muss) fragt sich Sofia Glasl in der SZ völlig umgehauen "was zur Hölle" sie "da gerade gesehen hat. Ein Drama über Rassismus? Eine Fabel über die Kraft der Musik? Oder doch einen Vampirfilm? 'Blood & Sinners' ist all das gleichzeitig und könnte glatt als Liebeskind von SpikeLee, JordanPeele, RobertRodriguez und WalterHill durchgehen." Dieser Film ist wirklich "viele Filme auf einmal", pflichtet auch Mathis Raabe auf Zeit Online bei, wenn auch nicht stets zum eigenen Vorteil: "Coogler liefert viele Denkanstöße, als eine Idee konzentriert bis zum Ende zu verfolgen. Aber das schadet nicht: Gerade einer noch wachsenden Bewegung wie dem Horrorfilm aus schwarzer Perspektive tut Überambition gut, dem Blockbusterkino sowieso." Vor allem geht es Coogler darum, "den Reichtum des afroamerikanischen Erbes herauszustellen", schreibt Barbara Schweizerhof in der Presse: "Die tollste Sequenz des Films ist deshalb eine Musik- und Tanznummer auf dem Höhepunkt des Abends, in der die Kamera gleichsam zu fantasieren beginnt und von afrikanischen Stammestänzern über Blues und Funk bis zum Hip-Hop-DJ die verschiedensten Einflüsse in persona auftreten lässt."
Rüdiger Suchsland führt sich für Artechock die diversen Verlautbarungen von Filmbranchenverbänden rund um die Koalitionsverhandlungen und den nunmehr vorliegenden Koalitionsvertrag zu Gemüte - und verzweifelt schier: "Da wird in vielen allzufreundlichenWorten die Krise beschworen - die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien nicht 'auf Weltniveau', die deutsche Filmproduktionslandschaft 'in einer strukturellen Krise' - um 'Investitionen in den Standort Deutschland' zu fordern. Aber die Argumente sind falsch. Man will auf 'Wirtschaftlichkeit' setzen, redet von 'Wachstumsschub' und 'Arbeitsplätzen', aber nicht von der Kunst. Es ist richtig, dass auch in Deutschland dringend eine Investitionsverpflichtung eingeführt werden sollte; es ist auch richtig dass die Streamer weit mehr einzahlen müssten, als sie bisher tun. Aber wer immer nur vom Geld redet, darf sich nicht wundern, wenn ihm dann plötzlich auch ökonomische Argumente entgegengehalten werden. Der Kinofilm ist ein Zuschussbetrieb ... Das Problem ist nicht, dass es sich um Zuschüsse handelt, sondern für was für einen Quatsch manchmal das Geld ausgegeben wird."
Weitere Artikel: Jörg Taszman spricht für den Filmdienst mit RaoulPeck über den lange Zeit in Vergessenheit geratenen südafrikanischen Fotografen ErnestCole, mit dem er sich in seinem neuen Dokumentarfilm beschäftigt, nachdem "60.000seinerNegative in einem BankschließfachinSchweden gefunden" wurden. Für die FASporträtiert Bert Rebhandl DorisDörrie, die gerade ein Buch über das Wohnen geschrieben hat. Valerie Dirk wirft für den Standard einen Blick auf die Umtriebe der christlich-fundamentalistischenFilmszene in den USA.
Besprochen werden FrédéricHambaleks "Was Marielle weiß" (SZ, unsere Kritik), AlexGarlands und RayMendozas "Warfare" (Standard, unsere Kritik), die siebte Staffel der Science-Fiction-Serie "Black Mirror" (Freitag, SZ), die Apple-Serie "Government Cheese" (FAZ) die Netflix-Westernserie "Ransom Canyon" (FAZ).
Was Krieg bedeutet: "Warfare" von Alex Garland und Ray Mendoza Nachdem AlexGarland mit "Civil War" (unsere Kritik) im vergangenen Kinojahr sich bereits einen US-amerikanischen Bürgerkrieg in der Zukunft ausgemalt hat, kehrt er (mit Co-Regisseur RayMendoza, auf dessen Erinnerungen der Film basiert) in "Warfare" erneut zum Genre des Kriegsfilms zurück. Diesmal geht es um die Vergangenheit, um ein Scharmützel im Irak des Jahres 2006. "Anders als "Civil War" verzichtet dieser Film "auf weltdeuterisches Mackertum", schreibtPerlentaucher Lukas Foerster. Zu sehen sind "hochgerüstete, hochspezialisierte Kämpfer im Zustand der Hilflosigkeit. ... Anders als einst Filme von Regisseuren wie William Wellman oder Sam Fuller taugt 'Warfare' kaum als Medium demokratischer Selbstverständigung. Fragen nach Sinn und Unsinn einer Institution wie der Armee, nach den Zwängen, die sie Individuen antut, nach der ethischen Verantwortung des einzelnen Soldaten, stellen sich bei Mendoza und Garland gar nicht erst. Aber vielleicht würde man mit solchen Ansprüchen dem Kino der Gegenwart, das realer Komplexität allzu oft mit rein intellektuellen Überlegenheitsgesten begegnet, zu viel zumuten. Vielleicht ist es nicht das Schlechteste, wenn es ab und zu den Basics zurückkehrt."
Dieser "Film ist schwere Kost", pflichtet Jan Küveler in der Welt bei. "Aber in der Zuspitzung und Intensität fast schon Pflichtstoff für eine Gesellschaft, die zunehmend über Kriegseinsätze diskutiert." Was Garland hier erzählt, ist "nichts als der pure Krieg", schreibt Axel Timo Purr auf Artechock: "Wir wohnen in unseren Kinosesseln einer sachlichen Angelegenheit bei. Krieg als Arbeit. Es gibt nicht ein ideologisch geprägtes Wort, kein Narrativ über den Feind oder den Freund, kein Reflektieren über die Nation oder den Soldaten, das Ich, Familie oder Zweifel. Nur die Angst und der Angstschweiß sind da. Aber das gehört zur Arbeit, die hier verrichtet wird."
Weitere Artikel: Elmar Krekeler porträtiert in der Welt die Schauspielerin JuliaJentsch, die aktuell in FrédéricHambaleks (von uns, auf Artechock und in der FR besprochener) Komödie "Was Marielle Weiß" zu sehen ist. Dass CateBlanchett kürzlich in einem Interview laut darüber nachgedacht hat, mit der Schauspielerei aufzuhören, beschäftigt Andreas Scheiner (NZZ) und Andreas Kilb (FAZ).
Besprochen werden DagJohanHaugeruds "Oslo Stories: Liebe" (taz, Artechock, Standard, mehr zum Film bereits hier), RaoulPecks Dokumentarfilm "Ernest Cole: Lost and Found" (taz, Freitag), RyanCooglers Vampirfilm "Blood & Sinners" (FR) und die Apple-Serie "The Studio" (FAZ). Außerdem blicken Tagesspiegel und Filmdienst auf die wichtigsten Kinostarts der Woche.
Eine sinnliche Sprache des Kinos: "Oslo Stories: Liebe" Auf der Berlinale wurde der norwegische Regisseur DagJohanHaugerud für seinen Film "Träume" ausgezeichnet. Der Film ist Teil eines Triptychons namens "Oslo Stories", das neben "Träume" noch "Sehnsucht" (im Original eigentlich: "Sex", aber das ist dem neuen Puritanismus offenbar nicht zuzumuten) und "Liebe" umfasst. Mit dem dritten Teil, "Liebe", beginnt nun auch die Auswertung der Trilogie in den deutschen Kinos - zum Verständnis braucht es die anderen beiden Filme allerdings nicht, versichert Fritz Göttler in der SZ. Sie sucht Liebe, er Sex. Haugeruds "Filme haben etwas Novellistisches", hält Göttler fest - und fühlt sich zuweilen an die Filme der Nouvelle Vague erinnert, auch wenn "immer wieder ein bürgerliches Bildungsbrimborium durchklingt". Auf Fähren ist gut flirten und was sich daraus ergibt, schreibt Katja Nicodemus in der Zeit. Und dieser Film "ist selbst so etwas wie eine Fähre. Er pendelt zwischen Orten und Menschen, verbindet sie auf mal tiefgründige, mal flüchtige Weise, im Schlepptau hat er ihre Sehnsüchte,Ängste und Träume."
Sehr beglückt kommt Kamil Moll aus dem Kinosaal. "Mit einem immer wieder entspannt wechselnden Fokus, einer stets in Bewegung gehaltenen, geradezu anschmiegsamen Kamera folgt der Film seinen Figuren so aufmerksam wie unaufdringlich durch ein Oslo, das zwischen altem Stadtkern und neu errichteten Vierteln wie ein organisch angewachsener Schutzraum wirkt", schreibt er im Filmdienst. "'Ein Tagebuch ist von Natur aus unvorhersehbar. Man kann ihm keine nachträgliche Struktur aufzwingen', sagt Marianne einmal, als sie auf die Bücher, die sie am liebsten liest, angesprochen wird. In dieser Beschreibung spiegelt sich auch die Art, wie 'Oslo Stories: Liebe' organisiert ist: anhand von intimen Ideen und Vorstellungen, die ausprobiert und wieder verworfen werden können. Weniger durch dramatische Entwicklungen."
Weitere Artikel: Arabella Wintermayr (taz) und Jens Hinrichsen (Filmdienst) sprechen mit dem Regisseur FrédéricHambalek über dessen neuen Film "Was Marielle weiß", in dem eine Tochter buchstäblich schlagartig alles weiß, was die Eltern auch in ihrer Abwesenheit tun. In der tazstellt Frank Keil die Arbeit der KielerFilmgruppeChaos vor, die seit fünfzig Jahren zwischen linken Dokus und Experimentalfilmen changiert: "Etwas filmisch erzählen, wie man es erzählen will, ist die Aufgabe, nicht so, dass es zum NDR passt."
Besprochen werden ChristopherB. Landons Thriller "Drop" (FAZ), NoazDeshes "Xoftex" (Tsp), AlbertSerras Stierkampf-Doku "Nachmittage der Einsamkeit", der in Deutschland am 1. Mai startet (Standard), die vom ZDFonline gestellte Serie "Crystal Hall" (taz) und die Disney-Serie "The Stolen Girl" (FAZ).
Besprochen werden PaoloSorrentinos "Parthenope" (JungleWorld, mehr zum Film bereits hier), die Netflix-Serie "Adolescence" (FAZ), die auf AppleTV+ gezeigte Serie "Your Friends and Neighbors" (taz) und die letzte Staffel von "The Handmaid's Tale" (SZ).
Der sorgenvolle Blick von oben: "Adolescence" (Netflix) Die extreme Aufregung um die Netflix-Serie "Adolescence" findet Jonathan Guggenberger in der FAZ überaus befremdlich: Für ihn ist das pädagogischesFernsehen, bei dem jeder Gedanke und jede Überlegung schon von vornherein feststeht - als Erklärstück über die Zunahme von Gewalt junger Männer gegenüber Frauen strotze die Serie daher voller Klischees mit der Funktion Eltern aus ihrer Verantwortung zu nehmen. Denn "es war der Computer, der die Gewalt ins Kinderzimmer brachte. Gut gemeint, aber nicht originell. Und als Moral eines Serienplots über die Katastrophe eines Mords an einer Teenagerin ziemlichfaul. ... Was der Hype um 'Adolescence' letztlich ausblendet ist die Frage, für wen die Serie überhaupt relevant ist. Für entfremdete Teenager? Nein. Für ihre zurecht besorgten Eltern? Ja. Und das ist die ganze Misere. Denn der sorgenvolle Blick der Serie kommt noch immer von oben. 'Adolescence' ist kein radikaler Ausdruck einer um Aufmerksamkeit ringenden Jugend, sondern bespielt präzise die Empörungsklaviatur ihrer Eltern."
Weitere Artikel: Josef Grübl stöhnt in der SZ über ArnaudLemorts Film "Voilà Papa", der für ihn sinnbildlich für die ganze Misere der französischen Boulevardkomödie steht: "Dort ist alles so wie immer, dort werden weiterhin Filme fabriziert, die so vorhersehbar und altmodisch sind." Elmar Krekeler porträtiert in der Welt die Schauspielerin JuliaKoschitz. Reinhold Zwick sichtet für den Filmdienst Filme über JesuAuferstehung. Heide Rampetzreiter staunt in der Presse über den sagenhaften Kassenerfolg der Verfilmung des Videospiels "Minecraft".
Besprochen werden die zweite Staffel der HBO-Serie "The Last of Us" ("die klügsteZombiesaga unserer Zeit ist zurück", ruft Arabella Wintermayr in der taz) und JamesHawes' Thriller "The Amateur" mit Rami Malek (Welt).
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