Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.05.2021 - Design

Mit Rebekka Endlers "wütenden" Buch "Das Patriarchat der Dinge" denkt Laura Weißmüller in der SZ über die Ungerechtigkeiten von Design nach: Denn die gestaltete Welt - von der Medizin über Klimaanlagen bis zum Auto - ist zum erheblichen Teil für den Durchschnittsmann eingerichtet. "Es ist die klar feministische Perspektive auf das Design und all seine Verästelungen, die diese eklatante Fehlstellung, den blinden Fleck auf dem Skizzenblock der Gestalter zutage fördert. Wobei ja nicht nur Frauen außer Acht gelassen werden, wenn nur ein gesunder, mittelalter weißer Mann als Ausgangspunkt für den Entwurf genommen wird. Alte und Kranke fallen nicht darunter, Menschen mit anderer Hautfarbe und Transgender auch nicht. Schuld an diesem Missstand dürfte nicht zuletzt die Vorstellung eines universellen Designs sein, eines Design, das sich an alle richtet und allen gerecht werden will." Der zwei Meter messende Perlentaucher, der diese Zeilen schreibt, ergänzt in der Fülle normsprengender Partikel noch die oft - und auch hier - übersehene Körpergröße.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.05.2021 - Design

In seiner Stilkolumne fürs ZeitMagazin verneigt sich Tillmann Prüfer vor dem widerstandsfähigen und im Grunde unkaputtbaren Leder. In den aktuellen Sommerkollektionen ist es auch oft zu sehen, allerdings nicht nach alter Rockermanier: "Die Schnitte der neuen Lederhosen sind weit und leger. Bei Alexander McQueen und Louis Vuitton erinnern die Hosen sogar an Bürokleidung mit Bügelfalte. Dank neuer Schnitttechniken und Laser-Technologie lässt sich Leder heute so exakt verarbeiten wie Seide. Doch sobald es anfängt, zu altern und sich zu verhalten wie ein lebendiges Material, verrutscht die Bügelfalte, und nichts passt mehr. In diesem Sinne ist jede Lederhose auf dem Oktoberfest nachhaltiger."

Weiteres: In der taz freut sich Bettina Maria Brosowsky, dass das Georgia Institute of Technology in Atlanta nun einen seiner Gründer würdigt, den Bauhaus-Absolventen und Industriedesigner Hin Bredendieck. Besprochen wird die große, von Karl Kolbitz herausgegebene Monografie über Gio Ponti ("ein Buch über die Herstellung der Schönheit. Im Kleinen wie im Großen", schwärmt Alf Mayer im CrimeMag).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.04.2021 - Design

In Frankfurter Quarterly spricht die Modedesignerin Iris von Herpen über ihre Arbeit, für die sie aktuell mit Biologen zusammenarbeitet. Dazu inspiriert wurde sie Merlin Sheldrakes Buch "Verwobenes Leben": "Er beschreibt die gigantischen Netzwerke der Pilze, die sogenannten Mykorrhiza, die in Symbiose mit Pflanzen und Bäumen Informationen und Nährstoffe austauschen. Pilze haben ganz unterschiedliche Fähigkeiten, zu denen gerade viel geforscht wird: Sie sind imstande, Pestizide, Plastik und sogar TNT abzubauen, und können Werkstoffe liefern, die in Zukunft CO2-intensive Materialien wie Beton und Leder ersetzen können. Genau daran arbeiten wir für die kommende Kollektion. Gemeinsam mit einem Biologen aus Amsterdam fertigen wir einen Stoff, den wir aus Baumwurzeln wachsen lassen. Das geht sehr langsam voran, aber wir hoffen, das Ergebnis im Sommer zeigen zu können."

Dass die deutsche Nachkriegsmoderne ohne das von Ulm und Dieter Rams geprägtes Industrie- und Produktdesign von Braun nicht zu haben ist, weiß Tilmann Krause von der Welt natürlich. Trotzdem regt sich bei ihm auch gar nicht mal so leiser Widerspruch gegenüber dieser Konsensmeinung, als er sich durch die Exponate der Braun-Ausstellung im Berliner Bröhan-Museum klickt: In so geballter Zusammenstellung zeigt sich ihm dann doch, dass die reine Braun-Lehre "auch eine Persistenz des Eindimensionalen, Immergleichen mit sich brachte, die auf Dauer ermüdet". Trotz einiger Experimente in den späten Sechzigern "dominierten im Großen und Ganzen weiter Rastermuster und Eckigkeit". So zeige sich "das mutlose Sichklammern an das Unscheinbare." Und trotzdem war diese Nachkriegsmoderne "künstlerisch besonders hochstehend. In späteren Dezennien übernahmen dann die Onkel Bräsigs."

Besprochen wird Rebekka Endlers Buch "Das Patriarchat der Dinge" (taz), in dem die Autorin darauf aufmerksam macht, dass für Design und Gestaltung in aller Regel der Mann das Maß aller Dinge ist und die Frau das Nachsehen hat.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.04.2021 - Design

Rudolf Horn und Eberhardt Wüstner, MDW-Montagemöbel, 1967, Archiv Rudolf Horn, Foto: Friedrich Weimer, Dresden

"Es gab niemals Ecken und Kanten contra Plaste und Elaste", stellt NZZ-Kritikerin Judith Leister in der derzeit nur per Video erfahrbaren Ausstellung "Deutsches Design 1949-1989. Zwei Länder, eine Geschichte" des Vitra-Design Museums fest: Design in der BRD, Design in der DDR - beide lagen näher beieinander als man denkt. Denn zumindest bis 1961 "war der deutsch-deutsche Raum noch durchlässig für Ideen". Zu sehen gibt es, "wie in den Sechzigern fluide Formen das Design eroberten. Inspiriert vom Wettlauf der Supermächte ins All, suchte man auch in der DDR nach einer originären Formensprache für Plastik. ... Die SED-Führung erkannte, dass Industriedesign als Wirtschaftsfaktor auch den Lebensstandard verbessern kann. Renommierprojekte wie das Restaurant Moskau an der Ostberliner Karl-Marx-Allee (1961) oder der Palast der Republik (1976) propagierten den Funktionalismus offensiv, bis in Details wie Typografie und Besucherleitsystem", während im Westen "der Funktionalismus schon ab den fünfziger Jahren stilbildend war".

Außerdem: In seiner Stilkolumne im ZeitMagazin widmet sich Tillmann Prüfer dem Minirock, der die aktuellen Sommerkollektionen der großen Häuser dominiert.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.04.2021 - Design

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Der Designer Alber Elbaz ist mit 59 Jahren an Covid19 gestorben. Claire Beerman schreibt einen Nachruf im ZeitMagazin: Elbaz, der unter anderem für Yves Saint Laurent und Lanvin gearbeitet hatte, war "nicht bloß einer der erfolgreichsten Modeschöpfer seiner Generation", sondern er "war auch ein Mann, der Menschen, vor allem Frauen, durchschauen konnte. Er war Therapeut und Designer zugleich; er verstand es, ihnen mit seinen Kleidern Sicherheit und Selbstbewusstsein zu geben. Meryl Streep, die ihm 2015 in New York einen Modepreis überreichte, sagte damals: 'Wenn Sie mit dem Gefühl, das Sie mir mit Ihren Kleidern geben, auch das Leben so vieler anderer Frauen verbessert haben, dann sollten Sie diesen Preis jedes Jahr bekommen.'"

Erst im Januar war Elbaz nach einer mehrjährigen Auszeit - Lanvin hatte ihn 2015 entlassen - mit einer neuen Kollektion und einem neuen Label zurückgekehrt. Ende März hatte Claire Beermann noch ein großes Gespräch mit ihm im ZeitMagazin. Über sein langes Sabbatical sagt er: "Ich vertraute der Modewelt nicht mehr. ... Der Rhythmus der Modeindustrie, der Druck, der Zeitmangel, die Tatsache, dass man immer mehr und mehr produzieren und immer billigere Arbeitskräfte finden und immer größer denken muss - all das fand ich furchtbar. Ich fragte meine Kollegen, ob sie eigentlich glücklich seien. Das sollten Sie Designer mal in Interviews fragen! Die Antwort ist, sie sind unglücklich. Das Problem ist, dass man in der Modewelt von heute als Kreativer auch Manager sein muss. Creative Director ist ein komplexer Titel. In dieser Position soll man kreativ sein, muss sich aber gleichzeitig mit jedem Problem des Unternehmens befassen. Dabei geht viel Energie verloren."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.04.2021 - Design

Das Automobil im Wandel der Zeit beschäftigt heute die Feuilletons: Die Kupplung etwa ist im Schwinden begriffen, wie der Blick in Verkaufsstatistiken belegt. Sehr zum Gram von Paul Jandl in der NZZ, dem nun auch das letzte bisschen rumpelige Sinnlichkeit beim Fahren von Autos verloren zu gehen droht: "Der Motor überhitzte im Sommer, und innen wurde es im Winter nicht warm. In den Kurven hupte das Auto vor sich hin. Man musste es fahren, wie der Organist die Orgel spielt. ... In unseren Autos sitzen wir jetzt in wattierten Sicherheitszonen. Wir sind die entmachteten Könige der Anfahrhilfen und der Spurhaltesoftware. In der Duzfreundschaft, die zwischen uns und der Technik herrscht, liegt eine Unterwerfung, die man früher nicht für möglich gehalten hätte. Das Auto war kein Ort der Widerspruchsfreiheit, sondern einer der Diskussionskultur. Denn das Assistenzsystem hieß Beifahrer."

Und Niklas Maak in der FAZ erklärt angesichts immer selbstbewusster gegenüber dem Fahrer auftretender Automobile: "Das Hochgefühl, das das Auto auslöst, liegt auch daran, dass es, anders als Familienmitglieder und Kollegen, über die Entscheidungen seines Fahrers nicht diskutiert. Kein Auto beklagt, dass sich in seinen Kofferraum kohlenhydratreiche Einkäufe stapeln, kein Auto jammert, dass sein Fahrer es durch energische Tritte aufs Gaspedal zwingt, viel Benzin zu schlucken. Doch jetzt soll sich alles ändern."
Stichwörter: Auto

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.04.2021 - Design

Martin Kippenberger, Ohne Titel (Claudia Skoda mit ihrer Strickmaschine im U-Bahnhof Kottbusser Tor, ca 1976/77) © Estate of Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Cologne

Im ZeitMagazin geht Jens Balzer auf die Knie vor Claudia Skoda, der das Berliner Kulturforum eine Ausstellung widmet (eine Online-Ausstellung gibt es übrigens in Kooperation mit Google):Sie "ist eine der großen Avantgardistinnen der deutschen Popkultur, eine Visionärin in jeder Beziehung. Sie hat in den Siebzigerjahren nicht nur das Genre der Modenschau neu erfunden. Mit ihren Kleidern und Inszenierungen hat sie damals ganz neue Bilder für selbstbestimmte, stolze, sexuell selbstbewusste, manchmal auch nachdrücklich dominante Frauen entworfen; sie hat sich von der schwulen Ästhetik ihrer Zeit inspirieren lassen und - vor allen anderen Designerinnen hierzulande - von Punk und New Wave, von der erblühenden Bondage-Kultur der späten Siebziger und von der hedonistischen, aber dabei auch hochpolitischen Feier der Diversität in der Disco-Kultur. Bei ihren Shows lief Techno, ein glattes Jahrzehnt, bevor dieser Begriff überhaupt in die Welt gesetzt wurde." Dlf Kultur hatte Skoda kürzlich für ein großes Gespräch auf Sendung.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.04.2021 - Design


Es ist immer schön, wenn jemand sein Geld seinem Herzen hinterherwirft. Wir wissen nicht, wer diesen Sessel beim Auktionshaus Bukowski für um die 45.000 Euro ersteigert hat, aber wir möchten ihm ausdrücklich zu seinem unorthodoxen Geschmack gratulieren! Der Sessel stammt aus einer Reihe von Vintagestühlen, denen das belgische Designduo von AP, Alexis Verstraeten und Pauline Montironi, ein tierisches Uplift verpasste. "Miss Flamingo" ist ohne Frage der schönste unter ihnen.

Bunte Vögel findet man auch in der Retrospektive, die das Kulturforum der Berliner Modedesignerin Claudia Skoda widmet, versichert Beate Scheder in der taz. "Sie flattern und stolzieren, hüpfen und schreiten, schwingen sich am Trapez hin und her, wie große Vögel eben, Paradiesvögel, hinter und zwischen käfigartigen Bauzäunen: die Models aus Claudia Skodas Schau 'Big Birds' im Jahr 1979. Die Haare haben sie wild auftoupiert oder unter silbrigen Perücken verborgen, am Körper tragen sie Skodas neueste Entwürfe, flamboyante Strickmode, körpernah oder übergroß, mit wilden grafischen Mustern und ebensolches Bodypainting. ... Skoda, so heißt es, hätte ihre Models vor der Schau in den Zoologischen Garten geschickt, um sich die Bewegungsweisen der Tiere einzuprägen und anzueignen. Heute kennt man aufwändige thematische Inszenierungen von den großen Modehäusern aus Paris, Mailand oder New York, in den 1970ern war Skoda mit ihren Schauen, die eher multimedialen Happenings ähnelten, ihrer Zeit weit voraus."

Hier kann man das Ereignis, das "Big Birds" 1979 war, in einem Bericht der SFB Abendschau mitverfolgen:

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.04.2021 - Design

Urne von John Booth


Der Trend zum Maximalismus im Design ist unaufhaltsam. Man kann ihm jetzt bis ins Grab folgen, mit dieser Urne des Keramikers John Booth. "Blumen sind ein Motiv, das ich in meiner Arbeit häufig verwende, und angesichts der Konnotation zwischen Blumen und Beerdigungen, Trauer und Feierlichkeiten schienen sie für dieses Projekt besonders geeignet", erklärte Booth der Zeitschrift Dezeen. So kann man es natürlich auch sehen. Wer es lieber schlichter mag, aber dennoch elegant, freundet sich vielleicht eher mit einer Urne von Maria Tyakina an. Und falls Sie es noch viel zu früh finden, sich mit dem Gedanken an eine Urne zu beschäftigen: Diese hier von Aleksander Sworz kann man sehr gut erst mal als Obst- oder Keksschale benutzen.
Stichwörter: Urnen, Keramik

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.04.2021 - Design

So geht Eleganz: Radio-Phono-Kombination "SK 4" von Dieter Rams und Hans Gugelot, 1956. Foto/Photo: Andreas Kugel © Dieter und Ingeborg Rams Stiftung
Das Credo des inzwischen 88-jährigen Designers Dieter Rams, "Weniger, aber besser", passt gut in die heutige Zeit, meint in der FR Jakob Maurer, der eine Rams-Ausstellung im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt annonciert: "Schlichte Funktionalität sollte immer von Sparsamkeit und Langlebigkeit flankiert werden. Eine Leitfrage sei gewesen: Wie hat ein Produkt auszusehen, wenn ich es lange behalten will? ... Bei Ansicht der Produkte werde 'ein neuerlicher Weckruf' an die Wegwerfgesellschaft laut, 'mehr über die Dinge nachzudenken, die wir besitzen und kaufen wollen'", sagte auf der Pressekonferenz Museumsdirektor Matthias Wagner K.
Stichwörter: Rams, Dieter