Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

966 Presseschau-Absätze - Seite 35 von 97

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.04.2021 - Design

Peter Glaser wirft für Frankfurter Allgemeine Quarterly einen Blick in die Zukunft der Mode - immerhin ist schon deren Gegenwart mit algorithmenbasierten Designs und smart mit dem Netz verdrahtete Kleidung ziemlich Science-Fiction. So richtig fix wird es aber erst nach dem totalen Takeover der Smart-Technologie: "Das Problem der modischen Wechsel erübrigt sich in dem Augenblick, in dem man sich mit Lichtgeschwindigkeit umziehen kann. Vielleicht ist dazu in Zukunft nur noch ein einziges, universelles Textil nötig, um sich die gesamte Entwurfspalette menschlichen Modeschaffens aus offenen und Markendesigner-Datenbänken verfügbar zu machen. Realisierbar werden dann auch Hemdsärmel, die sich auf Zuruf hochrollen, auf erotisierende Männerstimmlagen programmierte Spaghettiträger, die selbsttätig abrutschen, oder kreissägenhaft rotierende Röcke, die sich als Distanzwaffe eignen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.04.2021 - Design

Second Hand ist der letzte Schrei, schreibt Alex Bohn in seiner Reportage fürs ZeitMagazin: Längst werden Bestände von findige Händen geplündert, mit kuratierten Einkaufserlebnissen gelockt und Fundstücke von Designern veredelt und als Einzelstück zu horrenden Preisen angeboten. "In den USA spricht Dominique Drakeford, die sich als Aktivistin für Nachhaltigkeit engagiert und sich in den Medien und bei Nachhaltigkeitsforen für den Verkauf von Secondhandmode einsetzt, von einer 'Gentrifizierung' des Marktes. In Amerika, so sagt sie, haben vor allen Dingen Menschen mit geringem Einkommen - und somit oft POC-Gemeinschaften - die modische Akzeptanz der Kleidung aus zweiter Hand vorangetrieben. Jetzt, da Vintage plötzlich ein Trend ist, steigen die Preise, so Dominique Drakeford, und 'die eigentliche Zielgruppe hat das Nachsehen'. Tatsächlich hat die Nichtregierungsorganisation Goodwill, die in den USA Läden betreibt, in denen Kleiderspenden und Haushaltswaren an Bedürftige abgegeben werden, bereits 2019 zusammen mit Google einen Workshop angeboten, in dem Mitarbeiter von Secondhandläden lernten, wie sie die gespendeten Waren so im Laden stylen, dass sie Trendscouts und Stylisten gefallen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.04.2021 - Design

Die Modedesignerin Vivienne Westwood wird heute 80 Jahre alt. Mit ihrem gemeinsam mit Malcolm McLaren geführten Londoner Laden "World's End" verpasste sie Punk einst seinen ikonischen Look zwischen Fetisch-Club und modern-archaischem Primitivismus. "Wilder ging es nicht, frivoler auch nicht, und chaotischer und opulenter geht es bis heute nicht", schreibt Rose-Maria Gropp in der FAZ mit Blick auf diese frühen Tage. Dass Westwood 2006 von der Queen geadelt wurde, ist als Wende anzusehen, schreiben in der Berliner Zeitung Philip Dethlefs und Christian Schlüter, für die sie eine der "wichtigsten Modemacherinnen unserer Zeit" ist: "Während Dame Vivienne im Herzen immer noch Punk ist, gehört ihre Mode längst zum Establishment. Prinzessin Eugenie heiratete 2011 in einem Westwood-Kleid. ... Berühmt wurde sie durch ihre kontraststark zusammengesetzten Kombinationen von historischer Bekleidung, seltenem Textilgewebe und Webmustern. Dabei herrscht eine gewissen Vorliebe für schottische Karos vor." Wie man auch in ihren aktuellen Entwürfen wieder sehen kann:

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Vivienne Westwood (@viviennewestwood)


"Sie holte das Korsett zurück, eine weiche, stützende Variante mit Reißverschluss, damit Frauen sie selbst öffnen können, arbeitete die berühmte Watteau-Falte, die man auf den Gemälden des französischen Malers oft sieht, in eine Jacke ein", erklärt Grit Thönissen im Tagesspiegel: "In Satinmassen schwelgend, ließ sie ihre Models auf schwindelerregend hohen Plateau-High-Heels wie Fregatten über den Laufsteg schwanken, als sich die meisten anderen Designer in Paris dem Minimalismus verschrieben hatten. Da blieb sie ihrer Punkattitüde treu, immer das zu machen, was gegen den Strich geht." Es lohnt sich übrigens, auf ihrem Instagram-Account ein bisschen zu wildern - ein wahres Füllhorn an wildem Anarchismus.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.04.2021 - Design


Links: Loetz Witwe, Klostermühle, Vase vermutlich um 1901, Bröhan Museum, Foto: Martin Adam. Rechts: Luigi Colani, Sessel-Plastik, 1965, Sammlung POPDOM. Foto: Colya Zucker. © Colani Design Germany GmbH

Alles so rund, so schwungvoll hier, schwärmt Welt-Kritiker Tilman Krause in der Ausstellung "Luigi Colani und der Jugendstil" im Berliner Bröhan-Museum. Bei Colani soll selbst eine ergonomische Teekanne "ein bisschen an schnelle Autoschlitten erinnern. Auch die hinreißend elegante Fernsehliege 'TV-Relax' in Form einer ausgestreckten Zunge oder die wohl bekannteste und verbreitetste von Colanis Erfindungen, der Kunststoffstuhl 'Der Colani', fanden Produzenten und wurden unters Volk gebracht. Ein Volk, das jetzt ganz anders sitzen lernte, mit 'Der Colani' oder auch mit der Wohnlandschaft 'Pool', rittlings, seitwärts, die Beine überhängend. Aber auch sich Flegeln, sich Fläzen waren erlaubt. Nicht zuletzt habe er 'Gesichtspunkte wie Onaniestellungen miteinbezogen', pries Colani seine Produkte an. Masturbationstauglichkeit als Qualitätskriterium für zeitgemäße Möbel - darauf muss man kommen!"

Den Aprilscherz von Porsche - der Autokonzern pries zum Ärger seiner Kunden eine Rost-Patina-Edition an - findet Gerhard Matzig in der SZ gar nicht so sehr aus der Zeit gefallen: Schließlich ist der "Used Look" in diversen Provinzen des Ästhetischen bereits völlig normalisiert und geht als eigener Zauber durch.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.04.2021 - Design

Das Balaklava - oder etwas weniger glamourös: die Strick-Sturmhaube - ist wieder da, schreibt Donna Schons in der taz. Neu ist aber, dass die Entwürfe farbenfroh sind und mit Elementen von Fantasy und Science-Fiction spielen: Mit diesen "Fantasy-Eskapismus" lassen zahlreiche Designer den eher militärischen Look der letzten Jahre hinter sich. Jetzt, "da sich der öffentliche Raum mehr denn je nach einer Gefahrenzone anfühlt, wird die Kleidung erneut zum Schutzschild, verabschiedet sich jedoch von der dystopischen Rigidität der Uniform und bettet Funktionalität stattdessen in bunte, traumartige Designs. ... Besonders gut gelingt die märchenhafte Outerwear auch Miuccia Prada", aus deren "Kollektion eine Lust spricht, sich endlich wieder hinauszuwagen, umhüllt von Kleidung, die zugleich schützt und Blicke auf sich zieht." Und "ähnlich wie die Surrealisten vor genau einem Jahrhundert verbergen zeitgenössische Designer*innen das menschliche Gesicht und schwelgen in der Maskierung."



Besprochen wird das Buch "Own It. The Secret of Life" der Designerin Diane von Furstenberg (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.03.2021 - Design

Julia Werner schreibt in der SZ einen Nachruf auf Elsa Peretti, die erst als Modell und dann als Schmuckdesignerin bekannt wurde: Ihre Entwürfe orientierten sich an der organischen Natur und "waren eine Befreiung, in vielerlei Hinsicht. Es gab sie nicht nur in Gold, sondern - in den Siebzigerjahren eine Sensation - auch in Silber. Der Schmuck mit seiner ecken- und kantenlosen Haptik war endlich etwas, das in echte Frauenleben passte. Revolutionär war das, weil Juwelen jahrhundertelang starre Gebilde gewesen waren, deren Edelsteine von rigiden Gerüsten aus Gold gehalten wurden. Und weil sich plötzlich lange Schlangen vor den Filialen bildeten. Frauen kauften - zum ersten Mal - selbst Schmuck."

Susanne Koeberle hat für die NZZ bei Designerinnen und Designern nachgefragt, wie sich die Pandemie auf deren Arbeit auswirkt.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.03.2021 - Design

Jürg Zbinden schreibt in der NZZ einen Nachruf auf die Modedesignerin Ursula Rodel. Gemeinsam mit Katharina Bebié und Sissi Zoebeli gründete sie "1972 in einem Akt der Selbstermächtigung ein Prêt-à-porter-Label für all jene, die sich nicht mit der Rolle als selbstlos dienende Ehefrau und Mutter abfinden mochten. ... Rüschen und Schleifchen waren Ursula Rodels Ding nicht, ihre Formensprache ist eher androgyn oder dezent maskulin." Daneben "wirkte sie als Kostümdesignerin in Filmen berühmter Regisseure: Federico Fellini, Claude Berri, Daniel Schmid und zuletzt Lars von Trier."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.03.2021 - Design

Total Space von Luftwerk


Große fluide Räume, die immer wieder Licht und Farbe wechseln, betritt monopol-Kritiker Benjamin Freund mit dem "Total Space" im Zürcher Museum für Gestaltung, unterlegt von Techno: Exzellent zum Abtauchen und Entdecken, versichert er. Zum Beispiel "im Oktagon vom Schweizer Architekten- und Designerpaar Trix und Robert Haussmann: Eine Rückbesinnung auf eine Handskizze von Leonardo da Vinci soll es sein. Die unendliche Erweiterung des Raums durch den Einsatz von Spiegeln hätte sich der Italiener zu Lebzeiten nicht schöner ausmalen können. In Zürich lässt man nun Besucherinnen und Besucher durch ein Spiegel-Kabinett taumeln. Eine Spielerei für alle, die sich im Selfiemodus des Smartphones noch nicht sattgesehen haben. Ebenfalls von einem italienischen Kunstmeister hat sich das Designduo Luftwerk beflügeln lassen. So tauchen die Farb- und Perspektivstudien des Universalgelehrten Leon Battista Alberti im 'Total Space' als lebendige Landschaft auf. Diese leuchtet in verschiedenen Farben und verformt sich ständig - wie ein bockig gewordenes Werk von Lichtkünstler James Turrell."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.03.2021 - Design

Vor 65 Jahren wurde der legendäre Eames Lounge Chair - ursprünglich übrigens als Nickerchen-Koje für Billy Wilder - und damit ein zeitloser Klassiker des Möbeldesigns entworfen, schreibt Gerhard Matzig in der SZ. Er ist "nicht nur das denkbar eleganteste Emblem der bergenden, zum Überlebensraum werdenden Drinnen-Welt. Er ist auch das zeichenhafte Versprechen einer besseren Welt. Wo man nichts sonst zum Glücklichsein braucht. Außer ein paar Plaids, die auf dem Ottoman (Fußhocker) platziert werden. Dazu kann man geradezu alpin aufragende Bücherberge rund um den Sessel zu einer Mauer der Sehnsucht formen. Jetzt noch ein guter Drink in Griffweite: Wer das nicht Paradies nennt, saß noch nie lesend, trinkend und schlafend im Eames."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.03.2021 - Design

Für eine (toll von Kristin Bethge fotografierte) Reportage für das Frankfurter Allgemeine Quarterly hat Fabian Federl eine Tweed-Weberei auf der schottischen Insel Lewis and Harris besucht, wo man dem Handwerk nach wie vor so traditionell wie vor 100 Jahren nachgeht. Lange Zeit kam man damit gerade so durch, doch "seit rund sieben Jahren erleben die Weber einen Aufschwung. Ihr Stoff taucht plötzlich bei Haute-Couture-Marken wie Yves Saint Laurent und Chanel auf, in Streetwear von Nike und Adidas, bei Outdoor-Marken wie North Face und Eastpak. Die Weber der Insel haben alle Regeln der Industrie missachtet. Und stehen nun plötzlich besser da als je zuvor: Sie haben sich keinen Millimeter bewegt, die Welt um sie herum hat sich geändert."