Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

966 Presseschau-Absätze - Seite 22 von 97

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.10.2022 - Design

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Brigitte Werneburg und Marina Razumovskaya erzählen in der taz Leben und Wirken der Modedesignerin Elsa Schiaparelli, der das Musée des Arts Décoratifs in Paris unter dem Titel "Shocking!" aktuell eine Ausstellung widmet. Schiaparelli ging auf Tuchfühlung zu den Surrealisten und entwickelt in Auseinandersetzung mit ihnen ihre eigene Stimme: "Schiaparellis Botschaft: Mode, das ist die auf Schönheit kalkulierte Täuschung, der große Auftritt, die Parade, das Erscheinen und Sichzeigen. ...  Schiaparelli ist fasziniert von der Metamorphose. Wie bei Ovid die Menschen verwandelt sich bei ihr ein Cape in einen dichten Umhang aus hell- und dunkelgrünen Blättern (Herbst 1938), ein Crêpe-Stoff wird zur Baumrinde und im Frühjahr 1938 ist eine ganze Kollektion 'Paienne', in der Ausstellung wird sie präsentiert als: 'Sous les ailes de Pan'. Tragendes Medium von Schiaparellis surrealistischen Transformationen ist die Stickerei, la broderie. Niemand hat sie zu so prachtvoller Entfaltung gesteigert."

Amazon wirbt damit, in einem eigens eröffneten Bekleidungsladen in Los Angeles die Algorithmen maßschneidern zu lassen. "Es ist fantastisch, so viel zu sehen, das mir nicht gefällt", berichtet Maja Beckers auf ZeitOnline von ihrer Visite. "Alles ist so sortiert, wie es eine Software sortieren würde: An einer Stange hängen Kleider, die stilistisch nichts gemeinsam haben, sich aber ein Merkmal teilen, Muster: gepunktet. An einer anderen Stange hängt 'Denim unter 50 Dollar'. Es gibt Regale für bestimmte Marken ('Champion') und Materialien ('Strick') und Anlässe ('Tops zum Ausgehen') und diverse andere Filter, die man vom Onlineshopping kennt und die hier auf Schildern stehen. Nur eines gibt es nicht, ein menschliches Geschmacksurteil, das alles zusammenhalten würde. An einer Wand hängen Kleider neben den Worten 'Costumers' most loved'. Wenn man fragt, was das heißt, erfährt man: Dinge, die Leute auf der Website besonders oft angucken. "

Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Hello, Robot - Design zwischen Mensch und Maschine" im Vitra Design Museum in Weil am Rhein (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.09.2022 - Design

Christina Reitz unterhält sich für ZeitOnline mit dem Akustikingenieur Renzo Vitale, der gemeinsam mit dem Filmkomponisten Hans Zimmer den Sound der E-Autos von BMW gestaltet hat. Paradox am E-Auto ist ja, dass es sich eigentlich komplett still fort bewegen könnte, aber schon aus Sicherheitsgründen im Straßenverkehr hörbar sein muss. Auch im Innern will der Fahrer gerne hören, was die Technologie so tut: Daher hat Vitale "für das Wageninnere einen Beschleunigungssound kreiert, der tiefer wird. Es ist ein Orchesterklang. Erst hörst du nur eine weich gestrichene Geige, wenn du beschleunigst, öffnet sich der Sound, er wird mehrstimmig." Ohnehin will Vitale "Maskulinität anders interpretieren, will Eleganz auf die Straße bringen, nicht Prolligkeit. Wir Autofahrer bewohnen die Städte, aber sie gehören uns nicht. Wir sollten auf Zehenspitzen unterwegs sein. Die Stadtbewohner sind mit E-Autos noch nicht so vertraut - wie gewinnen wir denn ihr Vertrauen? Mit Höflichkeit."
Stichwörter: Sound, E-Auto, Autofahren, Zimmer, Hans

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.09.2022 - Design

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Beim Modenachwuchswettbewerb in Triest lässt sich die Zukunft der Mode erahnen - und dies auch noch unter den prüfenden Augen der großen Namen der Gegenwart, freut sich tazlerin Tania Martini, die die betont legere und egalitäre Atmosphäre des Events sichtlich genießt. Die präsentierten Entwürfe und Kollektionen waren "sensationell. Erstklassig gearbeitete Entwürfe, deren Storytelling durch berauschende bis verstörende Videokunst unterstützt wurde. Jede Kollektion eine eindrucksvoll sinnlich-intellektuelle Gegenwartserschließung. Ein ästhetisches Heranantasten an Fragen wie: Was erzählen Plisséfalten über das Nichtsagbare in autoritären Staaten, wie kann Begehren das Binäre durchkreuzen oder wie verändert Covid das Öffentliche und das Private, und kann Mode Familie repräsentieren?" Ausgezeichnet wurde Charlie Constantinou, der für seine Kollektion "bei den Inuit recherchierte. Herausgekommen ist eine sportswear-orientierte, brutalistisch wirkende Funktionskleidung aus Ressourcen der Innuit wie dem Darm einer Robbe. Hier kommen Materialien zum Einsatz, die seit Hunderten von Jahren genutzt werden, doch die dehnbaren Entwürfe mit Strickaccessoires, bauschigen Westen, vielen Schnürsenkeln und Reißverschlüssen sehen nach Zukunft aus. Nach einer katastrophischen Zukunft."
Stichwörter: Mode, Videokunst, Instagram, Inuit, Begehren

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.09.2022 - Design

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Ein Beitrag geteilt von The Royal Family (@theroyalfamily)


Im Zeitmagazin erinnert die Modetheoretikerin Barbara Vinken an Queen Elizabeth II. als unwahrscheinliche Mode-Ikone mit Hang zu pastellenen Farben und Ornamenten: Sie "unterwarf sich nie dem paradoxen Anspruch der Moderne, der verlangt, dass die Kleider, die wir tragen, zum Ausdruck bringen, dass man Wichtigeres im Kopf hat, als auf frivole Oberflächlichkeit auch nur einen Gedanken verschwenden zu können. ... Queen Elizabeth never dressed down. Und es war stets unübersehbar, dass sie mehr als einen Gedanken auf ihre Kleider verschwendet hat. So hat sie einen distinkten, einen ikonischen Stil entwickelt. Denn jeder erkannte sofort: Das ist die Queen. Heißt das, dass Queen Elizabeth die republikanische Geschlechterordnung illustrierte, sich als Schmuckstück eines Mannes herausputzte und als Fetisch oder Sexobjekt verdinglichte? Genau das nicht. Im Gegenteil fand in ihrer Kleidung eine raffinierte Umcodierung der postrevolutionären modernen Geschlechterordnung statt, im Rückgang auf eine ältere Kleiderordnung, in der die Mode weniger die Geschlechter als die Stände streng teilte."

Besprochen wird die Ausstellung "Fashioning Masculinities" im Victoria & Albert Museum in London (ZeitOnline, mehr dazu bereits hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.09.2022 - Design

31 neue Emojis sollen ab Herbst als vom Unicode-Konsortium festgelegter Standard neu hinzugekommen und unsere Gefühlslagen eindeutiger kommunizierbar machen, sofern Sprache uns nicht zur Verfügung steht. "Wer schon immer gern eine Ingwerknolle, eine Kehrschaufel oder ein High-Five-Symbol verschicken wollte, dessen Sprachlosigkeit hat nun ein Ende", kommentiert Birgit Schmidt in der NZZ. Hingegen "zeitgeistige Symbole lösen immer wieder Kontroversen aus, so zum Beispiel der schwangere Mann oder ein nonbinärer Weihnachtsmensch. Denn das Bemühen der gendersensiblen Tech-Firmen um Repräsentation aller gesellschaftlichen Minderheiten ist groß. Nur schafft das auch wieder Probleme. Schon versenden weiße Menschen gern den erhobenen dunklen Daumen, mit dem sie sich im Namen der Emojis, die es inzwischen in allen Hauttönen gibt, als tolerant und Diversität bejahend geben. Dürfen sie das? Oder betreiben sie damit kulturelle Aneignung?"

Für seine Stilkolumne im Zeitmagazin holt Tillmann Prüfer für den Herbst den Strickpullover aus dem Schrank.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.09.2022 - Design

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Im ZeitMagazin porträtiert Gabriel Proedl Demna Gvasalia, den Chefdesigner von Balenciaga. Mit einer wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine kurzfristig umgewidmeten Show machte er vor wenigen Monaten sehr von sich reden: "Er tauschte manche Looks, entwarf ein Ensemble in Gelb und ein Kleid in Blau, den Farben der Ukraine. Die dröhnende Musik bei der Show erinnerte an einschlagende Bomben, die Models kämpften sich durch den Kunstschnee. Aus einer Klimageschichte wurde innerhalb einer Woche eine Fluchtgeschichte. Kritiker feierten die Show, sprachen davon, dass Balenciaga wieder mal alles richtig gemacht habe. Dass das Ganze eigentlich als Kommentar zur Klimakrise gedacht war und bloß spontan umgemodelt wurde, erwähnte kaum jemand. Die Unsicherheit der Luxusbranche im Umgang mit Krisen und Krieg ist groß, und in Demna hat sie ihren unperfekten Messias gefunden. Weil er es schafft, sich glaubwürdig mit den größten Katastrophen auseinanderzusetzen - und der Branche so vielleicht eine Relevanz zurückgeben könnte, die ihr vielerorts abhandengekommen ist."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.08.2022 - Design

Besprochen werden die Ausstellung "Otl Aicher. Olympia 72" im Bröhan-Museum in Berlin (taz, mehr zu Aicher bereits hier und dort) und die Ausstellung "The Art of Everyday Life" im Wiener Designforum mit Grafiken aus Nordkorea (Standard).
Stichwörter: Nordkorea, Olympia

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.08.2022 - Design

Im ZeitMagazin verneigt sich Eser Aktay tief vor dem schlicht schwarzen T-Shirt von H&M, einem echten Allrounder in allen Lebenslagen: "Ich steckte das schwarze T-Shirt in die ausgebleichte Jeans und krempelte die kurzen Ärmel hoch. Schon war ich für andere hip und modern. Trug ich dasselbe Kleidungsstück locker über eine graue Chino in Kombination mit weißen Sneakern, wurde ich als lässig und entspannt wahrgenommen. Und war ich auf einer etwas schickeren Party eingeladen, war es für mich unter Sakko und Anzughose das bessere Hemd. ... Es ließ mich bei Arbeitsessen leger erscheinen, verlieh mir in Bars bei einem Cocktail mit Freundinnen und Freunden eine schlichte Eleganz und gab mir in Clubs beim Tanzen das Gefühl, schön zu sein."
Stichwörter: H&m, Sneaker

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.08.2022 - Design

Einkaufskataloge gehören mittlerweile zu den bedrohten Tierarten. Nach Ikea und Otto verabschiedet sich nun auch Manufactum vom gedruckten Werbeprospekt in Buchform, muss Johannes Schneider auf ZeitOnline mit sanften Anflügen von Nostalgie feststellen, nur um rasch wieder auf den Boden der Vernunft zurückzufinden: "Nun gewinnt man natürlich mit einer Glorifizierung der glorifizierten Warenwelt keinen Adorno-Gedächtnispreis. Und auch die Verherrlichung des Katalogs als Artefakt der 'guten alten Zeit' im Gegensatz zum uferlosen Onlinekonsum hat etwas Dubioses. ... Der Katalog verdient daher keine Nostalgie, wohl aber der Modus des Katalogblätterns als einer des aufgeschobenen Konsums - manchmal sogar bis zum Verzicht. Und der Vorschlag wäre nun, den Katalog genau dafür beizubehalten: um nur zu gucken. Sollen doch Empfehlungsalgorithmen und Influencerwerbung die Konsumschlagzahl bis zum Infarkt steigern, der Katalog hat eine leuchtende Zukunft als Medium des Nichtkonsums."
Stichwörter: Manufactum, Kataloge, Ikea

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.08.2022 - Design

Versace, Giambattista Valli und Marc Jacobs präsentieren in ihren neuen Kollektionen Plateauschuhe. Verantwortlich für diesen Trend ist TiKTok, schreibt Tillmann Prüfer in seiner Stilkolumne im ZeitMagazin. "Hier gehört die Bühne den sogenannten E-Girls, den electronic girls. Und E-Girls tragen eben besonders gerne Plateauschuhe. Die Jugendlichen stylen sich irgendwo zwischen Emo, Punk, Barbie und einem Manga-Charakter." Doch die "E-Girls sind meist keine Influencerinnen, die sich von Modemarken ausstaffieren lassen und dafür Selfies posten, auf denen sie an allen möglichen coolen Orten zu sehen sind. ... Sie wollen nicht den Rahmen des Smartphone-Glases verlassen. Das unterscheidet den E-Girl-Look von vielen anderen. Früher war das Nachtleben die Inspirationsquelle der Mode."