Außer Atem: Das Berlinale Blog
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Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2019 Wie plausibel ist es, dass sich eine Australierin ohne irgendeine Bindung an den Iran in Teheran als Englischlehrerin niederlässt? Wie plausibel ist es, dass Farhad, der Leiter einer Teheraner Firma für Elektronik, auf den sie vom Mossad angesetzt wird, nicht engstens umgeben ist von Männern der iranischen Geheimdienstes? Wie plausibel ist es, dass sich die beiden verlieben? Von Thierry Chervel
Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2019
"Gospod postoi, imeto i' e Petrunija" (God Exists, Her Name Is Petrunya). Standbild
Im ersten Bild fragt man sich, ob Petrunija eventuell auf dem Wasser laufen kann. Sie steht auf blauem Grund. In der tat handelt es sich um ein Schwimmbecken, aber es ist leer. Und dann kommt ein Trash-Metal-Stück mit dem wenig erbaulichen Text "Fuck Fuck Fuck". Von Thierry Chervel
Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2019 Faith Akins Strunk-Verfilmung "Der goldene Handschuh" spaltet die Kritik: Von "richtig Scheiße" bis "ziemlich großartig" reicht das Spektrum. Ansonsten wird im Wettbewerb viel gegähnt, filmkünstlerische Sensationen finden sich im Forum. Der dritte Festival-Tag im Rückblick. Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2019
Fatih Akin hat ganze Arbeit geleistet. "Der Goldene Handschuh" ist ein monströser Film. Eine Art Ekel-Horror-Comic, grotesk und grell überzeichnet. Schon in der ersten Szene beginnt Fritz Honka, der Hamburger Frauenmörder, sein perverses Werk: In seiner stinkigen, mit Porno-Bildern tapezierten Wohnung in St. Pauli schnürt er den wuchtig-wabbeligen Leib einer Frauenleiche zusammen, verpackt ihn in Plastiksäcke, bekommt ihn nicht weg gewuchtet, dann schleppt er den Sack wieder die Treppe bis zu seiner Mansarde hoch und beginnt die Leiche zu zersägen. Was in den Koffer passt, wird auf den Sperrmüll geworfen, der Rest landet, klatsch, im Wandschrank. Dazu läuft Adamos Schlager "Es geht eine Träne auf Reisen". Um den Lärm zu übertönen, aber auch weil es einen krassen Effekt setzt. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2019
Würden heute noch Western gedreht werden - der schwedische Schauspieler Stellan Skarsgård wäre ihr Held. Er ist vielleicht der letzte männliche Schauspieler, den man noch an seiner Haltung und seinem Gang erkennt. Auch kann er sich jederzeit ganz in sich zurückziehen, so dass nur noch eine Außenhülle zurückzubleiben scheint. Das alles kommt ihm auch in dieser Rolle eines alten Mannes zurück, der fühlt, dass sein Leben zu Ende geht und der sich in ein kleines Dorf an der norwegisch-schwedischen Grenze zurückzieht. Trond, so heißt der Mann, hat hier den letzten Sommer allein mit seinem Vater verbracht, der die Familie dann aus Liebe zur Nachbarsfrau verließ. Ein Verlust, den der Junge auch als alter Mann offenbar nie verwunden hat. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2019
Thomas Heise war schon immer der verstörendste Dokumentarfilmer unter den Chronisten der untergegangenen DDR: In "Stau" erkundete er das Elend junger Neonazis in Halle, in "Imbiss Spezial" den Horror vacui der Wende, in "Material" spürte er dem verlorenen utopische Moment von 1989 nach.
Für seinen neuen Film "Heimat ist ein Zeit aus Raum" kompiliert er über drei Generationen die Hinterlassenschaften seiner Familie - Fotos und Filmaufzeichnungen, Briefe und Tagebücher - zu einer Collage, die nicht unbedingt eine Familienbiografie ergibt, sondern eher eine Reflexion über Familie und Biografie. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2019
Was für ergiebige Filmfiguren Unternehmensberaterinnen abgeben, hat Maren Ade mit ihrem "Toni Erdmann" bewiesen. Sandra Hüller haute einen mit ihrer Schlagfertigkeit und ihrem muskulösen Intellekt einfach um. Seitdem wagt niemand mehr, Witze über Frauenabende zu machen (Und worüber habt Ihr Schönes geredet? Frauenquote, Paygap, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.) Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2019 Energetisch aufgeladen verlassen die Kritiker nach Nora Fingscheidts Spielfilmdebüt "Systemsprenger" den Saal. François Ozon prangert den Missbrauchsskandal der Katholischen Kirche an. Und das Forum macht Erkundungen im satanischen Oberammergau. Der zweite Berlinale-Tag im Rückblick. Von Thomas Groh
Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2019
Dieser Film tut so, als könnte er kein Wässerchen trüben, als wäre er einer dieser chinesischen Breitwandfilme mit rotbackigen Mongolen, die ihr Vieh, ihre Familie und das traditionelle Bogenschießen hochhalten. Auch hier endlose Weiten, die endlose Minuten lang durchquert werden müssen. Lange schaut die Kamera immer wieder auf die goldgelbe Steppe unter einem riesigen blauen Himmel. Wir sehen beim Schlachten eines Schafs zu und bei der Geburt eines Kalbs - jedesmal in Echtzeit. Von Anja Seeliger
Außer Atem: Das Berlinale Blog 08.02.2019
Alexandre sieht genauso aus, wie Pariser, die froh sind, nicht in der Provinz leben zu müssen, sich den Lyonnaiser Bourgeois vorstellen: brav gescheitelt, mit Barbour-Jacke, fünf Kindern, darunter nur einem Töchterchen, einer hübschen Frau, und gutem Auskommen. Alexandre ist einer, der - gibt es das wirklich noch? - seine Mutter siezt. Alexandre geht jeden Sonntag zur Messe, und seine Kinder, die vorher brav Klavier üben, gehen brav mit. Alexandre glaubt wirklich noch dran. Und seine Frau, die ihn den ganzen Film über nach Kräften unterstützt, glaubt auch dran und ist Lehrerin am katholischen Gymnasium. Von Thierry Chervel
Außer Atem: Das Berlinale Blog 08.02.2019
Auf einmal ist nur noch wilde Wut auf der Leinwand. Eben noch zogen sich lustig bunte Kinderkleckse über den Vorspann, da rastet das Mädchen aus, schreit und tobt und schmeißt mit allem um sich, was ihm in die Finger kommt. Vor allem die bescheuerten Bobbycars. Lehrer, Erzieher, Betreuer flüchten hinters Panzerglas, doch das hält die Attacken ebenso wenig aus wie die Nerven aller Beteiligter. Benni ist neun Jahre, das aggressivste und brutalste Kind, das jemals auf der Leinwand zu sehen war, und man schließt dieses Früchtchen des Zorns sofort in sein Herz. Von Thekla Dannenberg
Außer Atem: Das Berlinale Blog 08.02.2019
Als knallbuntes Roadmovie erzählt "Flatlands" von der jungen, hübschen und frisch verheirateten Natalie, die in der Hochzeitsnacht vor ihrem unkontrollierten Mann Bakkies flieht, einen heuchlerischen, brutalen Priester erschießt und zu Pferd mit ihrer Freundin Poppie in die Karoo flieht.
Das Flatland. Von Thekla Dannenberg