Außer Atem: Das Berlinale Blog

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Aus der Vintage-Boutique: Benoit Jacquots "Eva" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2018 Einen solchen Film hätte man zuletzt vielleicht Anfang der Siebziger drehen können, zur Zeit der Chabrols und Sautets. Es gab ihn ja auch schon mal, Joseph Losey hat James Hadley Chases Roman zum ersten Mal im Jahr 1962 verfilmt. Jeanne Moreau spielte seinerzeit die Luxusnutte. Und damals, als noch nicht alles, was wir über Sex nicht mehr hören wollen, längst ausgesprochen war, lag er noch richtig in seiner Zeit. Von Thierry Chervel

Wer leidet mehr? Und wer hat die Papiere? Christian Petzolds "Transit" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2018 Wann und warum ist Anna Seghers Roman "Transit" eigentlich in der Versenkung verschwunden? Der Roman, Inbegriff der antifaschistischen Literatur, erzählt von den deutschen Exilanten, die auf der Flucht vor den Nazis in Marseille strandeten. Seghers schrieb ihn nach ihrer eigenen Flucht in den vierziger Jahren im Exil in Mexiko und setzte sich dabei mit der ganzen Souveränität echter Erfahrung über alle Dogmen des realistischen Erzählens hinweg. Von Thekla Dannenberg

Ich habe nur getan, was andere auch getan haben: Ruth Beckermanns "Waldheims Walzer" (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2018 Ruth Beckermann ist als engagierte Autorin und feinsinnige Filmemacherin auch langjährige Chronistin der österreichischen Geschichte. Für ihren Filmessay "Waldheims Walzer" hat sie in ihrem eigenen Archiv geforscht, um auf eine Episode in der Wiener Politik zurückzublicken, die fast schon vergessen schien, aber auf einmal wieder gewaltige Relevanz entfaltet. Beckermann erinnert an den Sommer 1986, als Kurt Waldheim in Wien antrat, Bundespräsident zu werden. Von Thekla Dannenberg

Uninspiriert: Alexei Germans Biopic "Dovlatov" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2018 Das hat der arme Sergei Dowlatow nicht verdient: sein Leben als Fernsehfilm, in schlechten Kostümen und zu grellem Winterlicht, damit man die Realität von heute jenseits der Fenster nicht erkennt. Wir sehen dem Schriftsteller und seinen Freunden einige Tage im November 1971 beim Überleben zu. Alle versuchen etwas zu veröffentlichen, ihre Bilder zu zeigen, ihre Musik zu spielen. Doch immer sitzen an den entscheidenden Stellen Apparatschiks - viele Frauen darunter - die Bedingungen stellen: Schreiben Sie das um. Zeigen Sie etwas Positives. Die Geschichte braucht einen Helden. Von Anja Seeliger

Vage, aber mit enormem Anspruch: Jumana Mannas "Wild Relatives" (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2018 Der Umgang mit Saatgut ist ein Thema von "Wild Relatives", einem Forumsfilm der amerikanisch-palästinensischen Künstlerin Jumana Manna. Zu diesem Zweck reist sie in das Bekaa-Tal im Libanon, wo syrische Flüchtlinge für das Icarda-Institut Pflanzen hochpäpeln, deren Gene in einer Datenbank in Aleppo gesammelt wurden, die das Ircada wegen des Kriegs aufgeben musste. Das Saatgut für die neuen Pflanzen wurde aus den gesammelten Saatgutbeständen im "Global Seed Vault" in Longyearbyen auf der Insel Svalbard im Nordpolarmeer geborgt und werden jetzt langsam zurückgegeben. Manna besucht auch Svalbard, wo Saatgut aus der ganzen Welt gesammelt wird, bevor die Sorten aussterben - eine riesige Gendatenbank für Pflanzensamen. Im Laufe des Films wird leider immer unklarer, worum es Manna eigentlich geht. Von Anja Seeliger

Gefangene der Vergangenheit: Marcelo Martinessis "Las Herederas" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 16.02.2018 Chela und Chiquita führen zusammen ein Leben, das sie sich schon lange nicht mehr leisten können, in einem alten Haus mit Garten in einem noblen Viertel vermutlich in Asunción. Sie sind beide um die sechzig, haben nie gearbeitet und das geerbte Geld aufgebraucht. Sie beginnen schon, Bilder und Mobiliar zu Geld zu machen. Tag für Tag zählen sie die Kristallgläser, die Messer und Gabeln ihres Silberbestecks. Es ist die Inventur eines Erbes, aber auch die Inventur eines gemeinsamen Lebens. "Was haben wir eigentlich von Deiner Familie verkauft?", fragt Chela, mit dem Willen zu verletzen, die weniger vornehme Chiquita. Von Thekla Dannenberg

Über Fußball und Freiheit: Corneliu Porumboius "Fotbal Inifinit" (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 16.02.2018 Corneliu Porumboiu ist einer der intelligentesten Filmemacher Rumäniens, er gehört zu jener Nouvelle Vague, die in den Nuller Jahren so viel Lust auf die Entdeckung des bis dahin oft geschmähten Landes machten. Mit seinem Film "12 Uhr 8 östlich von Bukarest" gewann er die Goldene Kamera, den Preis für das beste Debüt: In einer Fernseh-Debatte streiten ein Historiker und ein Weihnachtsmann über die revolutionären Ereignisse in ihrem Dorf. Der Film war eine so kluge wie komische Parabel auf die Wende von 1989, auf das Fernsehen, die Unzuverlässigkeit der Erinnerung und den Opportunismus. Von Thekla Dannenberg

Absolut nicht reinrassig: Wes Andersons "Isle of Dogs" (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 15.02.2018 Als Wes Anderson vor vier Jahren mit seinem "Grand Hotel Budapest" die Berlinale eröffnete, bestäubte er das Festival mit Sternenstaub wie ein Zuckerbäcker die Geburtstagstorte. Selten herrschte so heitere Stimmung am Potsdamer Platz. Das dürfte ihm diesmal nicht so leicht gelingen. Die Zeiten sind andere. Und auch Andersons neuer Film "Isle of Dogs" ist politischer, düsterer, sein Humor grimmiger, die Welt dystopischer. Von Thekla Dannenberg

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