"Abschied in dieser Welt": Auch mit solchen Schlagzeilen unterstreicht
Giovanni Di Lorenzo, dass die
Zeit heute die führende katholische Wochenzeitung ist. Zum Tod
Georg Ratzingers setzte das Blatt dieses Tweet ab:
Schon letzte Woche durfte die
Zeit die letzte Reise des Co-Papstes zu seinem Bruder begleiten, und Andreas Öhler schrieb: "Mit seiner Reise erweckte Joseph Ratzinger das Bibelwort 'Ich war krank, und ihr habt mich besucht' zu neuem Leben. Was für ein
Vorbild geschwisterlicher Liebe in Zeiten von Corona, Hass und Gewalt."
Im
Aufmacher des
SZ-Feuilletons schreibt Rudolf Neumaier einen Nachruf auf
Georg Ratzinger, der vor allem in den letzten Lebensjahre darunter litt,
nur noch als Papstbruder wahrgenommen zu werden - und den die Chorknaben in dessen Zeit als Domkapellmeister zunächst als "
gutmütigen Onkel" wahrnahmen: "Allerdings nur in der Freizeit. In den Chorproben sah das anders aus. Der Chorsaal mit der Raumnummer 800 war berüchtigt als Zuchthalle: Wenn er die Fassung verlor, büßte er seinen Anstand ein - aus dem netten älteren Herrn wurde ein wütender, schreiender,
klavierdeckeldreschender Diktator. Leider verlor er die Fassung nicht selten. Bis in die späten Siebzigerjahre, solange es gesetzlich erlaubt war, verteilte er auch Ohrfeigen. Dass Buben im Domspatzen-Internat zu Beginn der Siebziger
sexuell missbraucht wurden, will er nicht mitbekommen haben. Das beteuerte er bis zum Schluss, aber kaum einer glaubte ihm das."
540.000 Katholiken und
Protestanten traten 2019 aus ihren Glaubensgemeinschaften aus,
weiß Malte Lehming im
Tagesspiegel. Und dann werde in Folge der Coronakrise für dieses Jahr auch noch "ein
drastischer Einbruch bei der
Kirchensteuer erwartet", seufzt er und fordert "Traditionsentschlackung" und Stärkung der
Ökumene: "In einer zusammenwachsenden Welt sind Christen nicht nur dazu aufgerufen, einander Heimat zu bieten, sondern auch den Gläubigen anderer Religionen. Die
Expansion areligiöser Milieus muss religiöse Menschen über konfessionelle Grenzen hinweg verbinden. Wer steht einem frommen Christen näher - ein
gläubiger Muslim oder ein atheistischer Deutscher? Mit wem teilt er eine Erfahrungswelt?"
Heute entscheidet ein türkisches Gericht über die Zulassung einer Petition, die die
Hagia Sophia wieder von einem Museum in eine Moschee umwidmen will,
berichtet Ayla Jean Yackley in
politico.eu: Bis vor einem Jahrzehnt kamen solche Aufforderungen "nur von den Rändern. Doch in den letzten Jahren haben sie an Kraft gewonnen, da die Faszination für die osmanische Vergangenheit der Türkei wuchs, ermutigt durch die islamistisch geprägte Regierung von Erdogan, die viel von der
streng säkularen Politik Atatürks zurückgenommen hat."