9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

820 Presseschau-Absätze - Seite 22 von 82

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.05.2021 - Religion

Der nächste Ökumenische Kirchentag findet nur online statt und wird nach Recherchen von Maximilian Steinhaus bei hpd.de zu 52 Prozent von der öffentlichen Hand bezahlt. Das erstaunt besonders wegen der von Kirchen bezifferten Gesamtkosten von 20 Millionen Euro: "Diese Aussagen überraschen in mehrfacher Hinsicht: Ein Kirchentag als Präsenzveranstaltung bedeutet einen immensen logistischen Aufwand. In der Regel gibt es rund 2.000 Veranstaltungen, mehrere Großbühnen mit Videoleinwänden, kleinere - aber dafür zahlreichere - Bühnen, mehrere Großzelte, hunderte kleinere Pavillons, zig angemietete Locations, an jedem Ort Beschallungsanlagen, Flaggen, Werbebanner. All diese Kosten fallen nun weg. Trotzdem soll der Kirchentag immer noch 20 Millionen Euro kosten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.05.2021 - Religion

45 Menschen kamen letzte Woche bei einer Massenpanik am Berg Meron ums Leben, wo trotz der in Israel einigermaßen bewältigten Coronakrise Zehntausende orthodoxe Juden feierten. Es war eine Katastrophe mit Ansage, schreibt Adrian Beck bei hpd.de, denn schon seit Jahren ist klar, dass der Ort viel zu eng ist für solche Ansammlungen. Sie sagt etwas aus über den wachsenden Einfluss der Ultraorthodoxen in Israel: "'Lag BaOmer' ist der 33. Tag zwischen dem Pessachfest (dem Auszug des jüdischen Volkes aus der ägyptischen Sklaverei) und 'Shawuot', dem jüdischen Erntedankfest. Lag BaOmer ist deswegen so wichtig, weil es der einzige Tag in dieser 49-tägigen Periode ist, an dem geheiratet werden darf. Noch im letzten Jahr hatten die israelischen Behörden das Fest vollständig untersagt und über 300 Personen verhaftet. Dass sich die israelischen Behörden in diesem Jahr weniger rigoros zeigten, mag daran liegen, dass sie von der schieren Größe der Menge überwältigt waren. Nur etwa 5.000 Polizeikräfte standen den 100.000 Charedim gegenüber."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.05.2021 - Religion

Hübsche Schlagzeile bei hpd.de: "Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken gendert ab jetzt. Aus Priester wird Priester*innen - sonst ändert sich nichts"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.04.2021 - Religion

In Indien wüten neue Mutanten des Coronavirus auch deshalb so ungehemmt, weil Narendra Nodi riesige religiöse Feste zuließ, schreibt Axel Michaels, Professor am Südasien-Institut der Universität Heidelberg, in der FAZ: "Seit seinem Amtsantritt als Premierminister hat Modi systematisch ein Glaubenssystem verbreitet, das sich bewusst gegen wissenschaftliche Erkenntnisse stellt oder diese zu vereinnahmen versucht. Yoga, Astrologie oder vedische Mathematik wurden zu anerkannten akademischen Fächern an den Universitäten, den Staatsbeamten wurde sogar Yoga-Praxis verordnet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.04.2021 - Religion

Der Ruhm Hans Küngs aus jener Zeit, "in der man es mit theologischen Thesen noch in Fernsehtalkshows schaffen konnte", mag verblasst sein. Aber die Anliegen des Vatikankritikers, der im Alter von 93 Jahren gestorben ist, sind nach wie vor aktuell, schreibt Lucas Wiegelmann in der Welt, und er verfocht sie besser als viele sener Nachfolger: "Er, der Dogmatik-Experte, betreibt nicht Theologie, weil er seine Reformanliegen begründen will. Es ist umgekehrt: Seine Theologie führt ihn erst zu der Überzeugung, dass Reformen nötig seien." Wie Reformer in der katholischen Kirche behandelt werden (seit man sie nicht einfach auf den Scheiterhaufen bindet), erzählt Bernhard Lang in der NZZ: "Küng wurde bereits 1957, im Jahr seiner Promotion, als der Irrlehre Verdächtiger bei den römischen Kirchenbehörden angezeigt. In Rom wurde die Akte '399/57i' angelegt, ein Konvolut, das in den Folgejahren immer umfangreicher wurde. Der Betroffene allerdings konnte es, vatikanischer Gepflogenheit gemäß, nie einsehen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.03.2021 - Religion

Kurz vorm höchsten christlichen Feiertag erinnert der Berliner Antisemitismusbeauftragte Samuel Salzborn im Gespräch mit  Claudius Prößer von der taz daran, dass Antisemitismus von Anfang an Teil des Christentums ist. Es sei "kein Zufall, dass die erste große Studie über Antisemitismus, Sigmund Freuds 'Der Mann Moses und die monotheistische Religion' genau diese Frage in den Mittelpunkt rückt. Freud weist darauf hin, dass in das Christentum eine Neiddimension eingeschrieben ist, dass es um ein Ressentiment geht, das sich gegen bestimmte Elemente des religiösen Judentums richtet - wie den abstrakten Gesetzescharakter und die Auferlegung, selbst nicht Gott sein zu können, von Gott klar unterschieden zu sein, was die Psychoanalyse als narzisstische Kränkung für christliche Glaubensvorstellungen interpretiert. Solche Strukturelemente sind quasi festgeschrieben. Aber es ist nicht festgeschrieben, wie man sich damit auseinandersetzt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.03.2021 - Religion

In der FAZ fordert der Kirchenrechtler Hans Michael Heinig im Blick auf Diskussionen über das Verhältnis von Staat und Religion für Deutschland "eine Fortschreibung der bisherigen Ordnungsmuster unter veränderten Vorzeichen".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.03.2021 - Religion

Jan Feddersen schreibt in der taz den Nachruf auf die linke Theologin und Friedensbewegte Uta Ranke-Heinemann, die im Alter von 93 Jahren gestorben ist: "Alles, was an Misere in puncto Katholizismus heutzutage offenliegt, die Kameraderie, das Bigotte, das Bedürftige an Herzlichkeit, die fehlende Barmherzigkeit im Hinblick auf echte Nöte - das hatte Uta Ranke-Heinemann in ihren agilsten Jahren im Blick, das machte sie öffentlich populär und durchaus streitbar."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.03.2021 - Religion

Der tansanische Präsident John Magufuli ist wohl an Corona gestorben wie auch einige Minister seiner Regierung, schreibt Ilona Eveleens in der taz: "Der 61-jährige Magufuli hat die Pandemie wiederholt heruntergespielt. Der Präsident, ein gläubiger Katholik, bestand darauf, dass nach Mai 2020, als in Tansania mit rund 60 Millionen Einwohnern 509 Infektionen festgestellt worden waren, das Virus im Land nicht mehr vorgekommen sei. 'Gott hat Corona bezwungen', sagte er. Trotz Anfragen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Tansania seitdem die Veröffentlichung von Statistiken eingestellt."

Mit dem Weihbischof Dominik Schwaderlapp und dem Chef des Bistums-Gerichts hat Kardinal Rainer Maria Woelki nach dem belastenden Gutachten zwei Kirchenmänner ihres Amtes enthoben - aber er selbst müsste auch "seinen Kardinalshut" nehmen, fordert Tobias Schwab in der FR: "Zur Aufarbeitung des Missbrauchs in der katholischen Kirche braucht es darüber hinaus viel mehr als ein juristisches Gutachten. Der Staat darf es der Kirche nicht allein überlassen und muss eine unabhängige Kommission einrichten, damit endlich alles ans Licht kommt."

"Wann endlich lässt sich die Kirche auf die ganze Wahrheit ein, öffnet alle ihre Archive und reißt die Mauern des Beschweigens, des Verschweigens ein?", fragt indes Stephan-Andreas Casdorff im Tagesspiegel und geht noch einen Schritt weiter: "Besser wäre, wenn sich der gesamte Episkopat bereit fände, Rom seine Demission anzubieten: um einen kompletten Neuanfang zu ermöglichen und den Gottgläubigen die Chance zu geben, an die Wandlungsfähigkeit ihrer Kirche zu glauben." Und in der SZ fordert Matthias Dobrinski einen Perspektivwechsel: "Weg von den Bedürfnissen der Institution hin zur Sichtweise der Betroffenen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.02.2021 - Religion

Zunehmend verliert der Kölner Erzbischof Woelki, der ein Gutachten über sexuellen Missbrauch von Kirchenoberen zurückgehalten hat (Unser Resümee), auch den Rückhalt seines Umfeldes, schreibt Alan Posener auf Zeit Online: "Was aber auch immer mit Woelki passiert, die katholische Kirche steht in Deutschland vor einem Dilemma, das der Kardinal geradezu verkörpert. Entweder sie reformiert und modernisiert sich - Stichworte: Frauenordination, Priesterheirat, Laienmitsprache, dogmatische Öffnung, Ökumene - und riskiert dabei, das Eigene zu verlieren und zu einem bloßen Abklatsch der evangelischen Kirche zu werden. Oder sie zieht sich, wie Benedikt XVI. es wohl wollte, in eine Art inneres Exil zurück, pflegt das Eigene und riskiert, zur Sekte zu werden, in der, wie in jeder Sekte, sexuelle Gewalt und geistiger Terror unvermeidlich sind."

Durch die Affäre Woelki steht die katholische Kirche bereits einen Schritt hinter dem Abgrund, schreibt in der Welt auch Lucas Wiegelmann, der der Katholischen Kirche in Deutschland unter anderem rät, erfolglose Debatten zu vermeiden: Es gebe nun mal "Themen, bei denen ist und bleibt eine Veränderung der derzeitigen Regeln für die Kirche unrealistisch, weil der Vatikan als höchste Instanz unmissverständlich Nein gesagt hat: Eine Priesterweihe für Frauen etwa wird es demnach ebenso wenig geben wie einen deutschen Alleingang beim Pflichtzölibat. Den Bischöfen steht es frei, das zu bedauern. Aber sie sollten es zumindest klar benennen. Alles andere ist nicht aufrichtig gegenüber denen, die mit Herzblut den 'Synodalen Weg' zum Erfolg führen wollen, und wird früher oder später zu neuen Enttäuschungen und Abwanderungsbewegungen führen, dann gerade auch unter den Aktiven und Engagierten."