9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Religion

820 Presseschau-Absätze - Seite 21 von 82

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.07.2021 - Religion

In Chile hat sich die katholische Kirche durch ihren Umgang mit Missbrauch in den eigenen Reihen jeden Kredit verloren, berichtet in der Welt Tobias Käufer, der Parallelen zu Deutschland sieht: "Was mit einer Handvoll rebellischer Katholiken in der Diözese Osorno begann und mit eben dieser unglücklichen Bemerkung des Papstes seine Fortsetzung fand, endete in einem Totalschaden für die chilenische Kirche. Weil die Bischofskonferenz bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen im Land erst wegschaute und dann banalisierte, blieb ihr am Ende nur der geschlossene Rückzug. Vieles, was in Chile passierte, erinnert an die Geschehnisse heute um Kardinal Rainer Maria Woelki im Erzbistum Köln - und sollte der deutschen Kirche eine Lehre sein. Wer nicht bereit ist, rückhaltlos aufzuklären, Verantwortung zu übernehmen, kann schnell von der Dynamik solch eines Prozesses überrollt werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.06.2021 - Religion

In Bayern soll ein "Islamkundeunterricht" stattfinden, der nicht von den Islamverbänden beeinflusst wird. Ernst-Günter Krause von den säkularen Grünen klagt gegen das Gesetz und spricht sich im hpd-Interview mit Walter Otte für einen Ethikuntericht aus, der in Bayern bereits allen Schülern geboten wird, die Religion nicht belegen. Der Druck zum Islamunterricht wird von den christlichen Kirchen aufgebaut, die um den konfessionsgebundenen Religionsunterricht fürchten, so Krause: "Wenn den muslimischen Schüler*innen ein islamischer Unterricht angeboten wird, nimmt die Zahl der Schüler*innen, die am Ethikunterricht teilnehmen, um die Zahl der muslimischen Schüler*innen ab, die zum islamischen Unterricht wechseln. Diese Entwicklung würde den Religionsunterricht auf unbestimmte Zeit zementieren. Die Kirchen verfolgen also keine hehren Ziele, sondern schamlose Interessenpolitik."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.06.2021 - Religion

In der neuen Kommission, die den islamischen Religionsunterricht in NRW gestalten soll, sitzt jetzt wieder die Ditib, die faktisch der türkischen Religionsbehörde Diyanet untersteht. Liberale Stimmen fehlen völlig. In der Welt fragt sich Joachim Wagner, ob man nicht das ganze Konzept des staatlichen Islamunterrichts hinterfragen müsste. Der Integration dient er kaum: "In Baden Württemberg und Nordrhein Westfalen besuchten zwischen 45 und 66 Prozent der Schülerinnen und Schüler neben dem IRU weiter Koranschulen. Erschreckend ist die Verbreitung von Separationstendenzen unter muslimischen Schülerinnen und Schülern trotz islamischer Religionsstunden. In Nordrhein Westfalen wollen 68 Prozent von ihnen leben wie in der Heimat ihrer Vorfahren, in Niedersachsen 62 Prozent." Vielleicht sollte man statt konfessionsgebundenen Religionsunterricht einen Ethikunterricht für alle einführen?

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.06.2021 - Religion

Welche Tücken bekenntnisoriertierter Religionsunterricht hat, zeigt sich gerade in Baden-Württemberg. Dort bildet der liberale Muslim Abdel-Hakim Ourghi Lehrer für den islamischen Religionsunterricht aus - aber nun soll ihm die Lehrerlaubnis entzogen werden, weil die konservativen Islamverbände, die in dem Bundesland über den Religionsunterricht mitbestimmen, ihn nicht haben wollen, berichtet hpd.de und befragt Katharina Eggers vom "Kompetenzzentrum Islamismus" der Aktion 3. Welt Saar: Das Land "habe ausgerechnet einer von islamistischen Verbänden dominierten 'Stiftung Sunnitischer Schulrat' die Entscheidung darüber übertragen, wer diese Ausbildung durchführen dürfe. 'Damit wird ein Religionsunterricht, der zu Demokratie, Selbstbestimmung und kritischer Reflexion befähigt und sich an der Universalität der Menschenrechte orientiert, faktisch unmöglich gemacht', beklagt Eggers."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.06.2021 - Religion

Der deutsche Moscheeverband Ditib ist eine Organisation des türkischen Staats in Deutschland - sie untersteht direkt dem türkischen Präsidium für religiöse Angelegenheiten, das wiederum dem türkischen Präsidenten unterstellt ist. Nun hat sie sich in NRW eine neue Satzung gegeben und wird von der Landesreiguerng wieder als Partner für den Religionsunterricht an den Schulen einbezogen, berichtet Ralf Pauli in der taz: "Als eines von sechs Mitgliedern einer neuen Kommission darf der Verband künftig mitentscheiden, welcher Stoff im islamischen Religionsunterricht gelernt werden soll, welche Schulbücher geeignet sind und wer eine Lehrbefugnis erhält - auch wenn viele Expert:innen die neue Unabhängigkeit der Ditib stark bezweifeln. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hingegen verteidigte die Kooperation: Sie attestierte dem Moscheeverband ausreichende 'Staatsferne', versprach aber, den Vertrag mit Ditib bei Verstößen umgehend aufzukündigen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.06.2021 - Religion

Immer mehr polnische Schüler und Schülerinnen melden sich, soweit möglich, vom Religionsunterricht in den Schulen ab - auch wegen der extremen Position der polnischen Kirche zu Themen wie Homosexualität und Abtreibung, berichtet Inge Hüsgen im Humanistischen Pressedienst. Inzwischen nehmen fast die Hälfte nicht mehr am Katechismus-Unterricht teil: "Der konfessionelle Religionsunterricht in Polen wird durch die öffentliche Hand finanziert, doch die katholische Kirche bestimmt die Lehrpläne und ernennt Lehrkräfte. Vor wenigen Wochen sorgte ein Priester für Schlagzeilen, weil er im Unterricht Homosexualität als 'illness' bezeichnet und Elektroschocks sowie chirurgische Eingriffe als 'Therapie' empfohlen hatte. Immerhin musste sich der Gottesmann dafür öffentlich entschuldigen - vielleicht ein weiteres Anzeichen, dass sich die Stimmung wendet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.06.2021 - Religion

In Berlin wurde der Grundstein für das "House of One" gelegt, das der Behauptung dienen soll, Religionen könnten in einen "Dialog" treten, bei dem irgendwie etwas herauskommt. Die NZZ druckt die Rede zum Anlass von Wilhelm Schmid: "Fragen nach der Lebensführung, nach dem Zusammenleben und dem Trost stellen sich vielen Menschen. Religionen sollten sich in einer modernen Gesellschaft nicht damit begnügen, nur ihre Antworten zu vertreten." Die Kosten dieses "gemeinsamen Gebetshauses für (evangelische) Christen, Juden und der Gülen-Bewegung nahestehenden Moslems" übernehmen laut Frank Nicolai in hpd.de im wesentlichen die Steuerzahler: "Das Haus des Einen zahlen alle."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.05.2021 - Religion

In Uganda wird ein "Prevention and Prohibition of Human Sacrifice Bill, 2020" erlassen, berichtet Hella Camargo bei hpd.de: "Das neue Gesetz definiert die rituelle Opferung als Verstümmelung einer Person zur Gewinnung von Hautstücken, Organen, Knochen oder Körperteilen sowie die Tötung einer Person zur Gewinnung derselben zum Zwecke der Opferung in religiösen, kulturellen oder traditionellen Zeremonien. Bestraft werden sollen nicht nur Wunderheiler:innen, die Kinder oder Menschen mit Behinderung entführen, verstümmeln oder töten, sondern auch diejenigen, die diese Handlungen finanzieren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.05.2021 - Religion

Um so etwas wahrzunehmen braucht es in Deutschland den Humanistischen Pressedienst, denn andere Medien sind auf dieser Saite nicht sehr sensibel. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat auf dem Ökumenischen Kirchentag gesagt: "Ob die Pandemie nicht auch hier als Brandbeschleuniger wirkt, dem Prozess der Säkularisierung zusätzlichen Schub verleiht, die Kirchen aus der Mitte der Gesellschaft drängt." Den Begriff des "Brandbeschleunigers" findet die Giordano-Bruno-Stiftung mehr als deplatziert: "Offenkundig schätzt der Bundespräsident die Zunahme des religionsfreien Bevölkerungsanteils als bedrohlich ein, denn der Begriff 'Brandbeschleuniger' wird fast ausschließlich für gefährliche Entwicklungen wie das Erstarken von Rechtspopulismus, Antisemitismus und Demokratiefeindlichkeit verwendet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.05.2021 - Religion

Ralf Nestmeyer macht bei hpd.de eine eigenartige Beobachtung. Die Kirchen verlieren in der Bevöllkerung immer mehr Rückhalt. In der Politik aber bleiben sie so einflussreich wie eh und je. Das hat auch damit zu tun, dass Politiker weit überproportional kirchlich gebunden sind: "Kirche und Politik suchen gern den engen Schulterschluss. Christliche Abgeordnete sind im Bundestag stets überdurchschnittlich vertreten gewesen. Die meisten Mitglieder der amtierenden Bundesregierung vertrauten bei ihrem Amtseid auf Gottes Hilfe - nur Olaf Scholz, Katarina Barley und Svenja Schulze verzichteten auf diese Formel. So wie im Bundestag der Frauenanteil zu gering ist, so ist auch die religiöse Bindung der Abgeordneten nicht repräsentativ für die deutsche Bevölkerung. Konfessionslose stellen ebenso wie Muslime eine Minderheit dar."