Im Libanon sind
Hunderte Pager explodiert, die gerade erst an
Hisbollah-Mitglieder verteilt worden waren. Die Hisbollah hatte ihren Terroristen verboten, weiterhin auf
Handys zurückzugreifen, die zu leicht zu orten sind - daher der Rückgriff auf die altertümlichen Geräte. "Laut dem libanesischen Gesundheitsminister Firass Abiad gibt es 2.750 Verletzte und neun Todesopfer",
meldet Beirut-Korrespondent Christoph Ehrhardt in der
FAZ. Iran, Libanon und die Hisbollah werfen
Israel vor, hinter den Explosionen zu stecken. Auch die meisten Kommentatoren vermuten das. Im Detail wäre es eine strategische Meisterleistung, aber aufs Ganze gesehen? "Unter westlichen Diplomaten besteht die Sorge, das Sicherheitsestablishment Israels könne die
militärische Herausforderung durch die Hisbollah unterschätzen, weil der Abnutzungskrieg, der jetzt tobt, für das Land recht erfolgreich verlaufe. Teile davon bestätigen diese Sorge und zeigen sich siegesgewiss. Andere hingegen warnen: Ein Krieg gegen die Hisbollah könne gar nicht gewonnen werden. Israel habe nach fast einem Jahr Zermürbungskrieg seine Kriegsziele im Gazastreifen nicht erreicht. Ihnen bleibt die Hoffnung, dass Netanjahus libanesischer Vorstoß wieder nur ein taktisches Manöver ist. Am Dienstag versetzte sein Land der Hisbollah offenbar einen empfindlichen Schlag."
Die
New York Times ist
allerdings sicher, dass es die Israelis waren: "Israel führte seine Operation gegen die Hisbollah am Dienstag durch, indem es Sprengstoff in einer neuen Ladung von in Taiwan hergestellten Pagern versteckte, die in den Libanon importiert worden waren, so
amerikanische und andere Beamte, die über die Operation informiert waren", heißt es in einem Artikel, der mit dem Titel "Israel hat nach offiziellen Angaben Sprengstoff in an die Hisbollah verkaufte Pager eingebaut" überschrieben ist.
Bei
Spon schreiben Patrick Beuth, Oliver Imhof und Christoph Reuter: "Wenn Israel hinter der Attacke steht, wäre es die
drastischste Demütigung der Hisbollah seit Beginn der Kämpfe im vergangenen Oktober. Ein anonym von Reuters zitierter Hisbollah-Funktionär sagte, diese Pager-Attacke sei 'das größte Sicherheitsleck' in der Miliz seither. Technisch war der Angriff eine Demonstration der
Überlegenheit und Raffinesse. Politisch geradezu eine Aufforderung, in so massiver Form Vergeltung zu üben, dass
der große Krieg, den die USA, Europa, Iran und die Nachbarstaaten im Nahen Osten in seltener Einmütigkeit seit fast einem Jahr abwenden wollen, nun doch noch kommt. Wie es in Beirut weitergehen wird, ist vollkommen unklar: 'Panik, Wut, Hass', fasst der
Spiegel-Mitarbeiter die Stimmung um ihn herum zusammen. Noch könne die Hisbollah nicht zurückschlagen, wisse nicht einmal, wer alles wie schwer verletzt sei. In zwei, drei Tagen sehe das anders aus."
Wie jeder Kriegsaktion Israels wird Israel vorgeworfen, Krieg zu "
eskalieren". Geradezu prototypisch bildet sich der Streit in einem Wortwechsel auf Twitter zwischen zwei deutschen Protagonisten der Debatte ab:
"Israel führt so asymmetrischen Krieg gegen die Meister der
asymmetrischen Kriegsführung",
schreibt Thomas von der Osten-Sacken in einer ersten Analyse für
Jungle World. "Und so wird die Beeper-Attacke Israels auch noch eine längerfristige Auswirkungen haben: Die Hunderte oder gar Tausende, die in den nächsten Tagen und Wochen
mit verbundenen Händen durch den Libanon laufen sind so recht einfach als Hisbollah Kämpfer identifizierbar. Damit ist ein Problem asymmetrischer Kriegsführung, nämlich das gegnerische Kombattanten sich
als Zivilisten verkleiden, erst einmal gelöst."
Neun Jahre hat der Politologe
Alexander Düben an der Jilin-Universität in der chinesischen Provinzhauptstadt Changchun zu chinesisch-russischen Beziehungen geforscht und gelehrt. Dann wurde er plötzlich ausgewiesen, nachdem er einem Interview mit einem amerikanischen Magazin
Xi Jinping kritisiert hatte. Ganz unerwartet kam die Ausweisung nicht, bekennt er im
Interview mit der
taz: Zwar sei er zuerst "durchaus überrascht" gewesen, "dass ich in meiner Rolle doch
recht viel sagen konnte. Auch im Unterricht gab es kaum spürbare Restriktionen - bis vor Kurzem."