9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

351 Presseschau-Absätze - Seite 12 von 36

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.11.2021 - Kulturmarkt

Der Schweizer Kampa Verlag kauft den österreichischen Verlag Jung und Jung, berichtet Michael Wurmitzer im Standard, der auch mit dem achtzigjährigen Verlager Jochen Jung gesprochen hat: "Der Zusammenschluss hilft vielleicht noch bei einem anderen Problem: dass österreichische Autoren, sobald der Erfolg einsetzt, zu großen deutschen Konkurrenten wechseln. 'Das habe ich immer wieder hinnehmen müssen.'"
Stichwörter: Buchbranche, Kampa Verlag

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.10.2021 - Kulturmarkt

In der SZ sieht Felix Stephan in dem Streit zwischen Verlagen und Bibliotheken um die "Online-Ausleihe" (Unsere Resümees) eine Fortsetzung des Konflikts um die Reform des Urheberrechts, "nur dass der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seine Interessen dieses Mal nicht gegen amerikanische Konzerne verteidigt, sondern gegen deutsche öffentliche Bibliotheken": "Die Verlage sehen in der Onleihe ein Leck in ihrem urheberrechtlichen Hoheitsgebiet, aus dem stetig und unkontrolliert Umsätze entweichen. Der Bundesvorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbands, Andreas Degkwitz, hingegen legt Wert auf die Feststellung, dass die Lizenzen schon heute streng reglementiert sind. Die digitale Ausleihe ist in ihrer bestehenden Form der physischen auf fast komische Weise nachempfunden, obwohl es sich bei E-Books letztlich um Dateien handelt, die mühelos unendlich häufig kopiert und geteilt werden könnten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.10.2021 - Kulturmarkt

Andreas Platthaus zieht im Leitartikel der FAZ eine traurig klingende Zwischenbilanz der Frankfurter Buchmesse, die immerhin Mut machte zurückzukommen, aber mit nur einem Viertel der Aussteller ein Schatten ihrer selbst ist: "Ein Teufelskreis für die Messe, denn durch das verringerte Angebot an Ausstellern war auch die Motivation für Besucher geringer, vor allem für das Fachpublikum, dem die ersten beiden Tage vorbehalten waren. Erstaunlich, dass die Messe an diesem alten Exklusivitätskonzept festgehalten hat. Auch falsch, wie man nun weiß, denn so herrschte zunächst gähnende Leere auf dem Gelände, was die Stimmung der Aussteller drückte."

Die schwarze Grünen-Politikerin Aminata Touré teilt zwar die Kritik an der Präsenz rechtsextremer Verlage auf der Buchmesse, hat sich aber trotzdem entschieden zu kommen. Im Gespräch mit Hadija Haruna-Oelke von der FR erklärt sie, warum sie der Argumentation der Buchmesse zum Thema nicht folgt: "Den Verweis auf Meinungsfreiheit bei rechten Positionen finde ich höchst problematisch. Diese Debatten führen wir seit Ewigkeiten, und wir sprechen hier ja dezidiert über Verlage, die andere Menschen abwerten. Wenn man das unter dem Spektrum der Meinungsvielfalt dulden möchte, ist das problematisch. Ich berufe mich auf die Würde des Menschen, die unantastbar ist. Genau mit diesem Grundsatz brechen Rechte." Auch Dirk Knipphals kommt in der taz nochmal auf die Debatte zurück. Und Andreas Speit, Autor mehrerer Bücher über Rechtsextremismus, erzählt, wie er von dem Verleger und einem Autor des Jungeuropa Verlags bedroht wurde.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.10.2021 - Kulturmarkt

Die Satzung der Buchmesse "sieht vor, dass der Veranstalter 'keinerlei Zensur' ausübt und dass eine Ausstellung von Werken nur dann unzulässig ist, wenn deren 'Herstellung, Verbreitung oder Einfuhr von Gerichten der Bundesrepublik Deutschland verboten' worden ist", schreibt Maria Delius in der Welt zum Buchmessen-Boykott verschiedener AutorInnen (Unsere Resümees). Auch Jasmina Kuhnkes Verweis auf Bedrohung will Delius nicht gelten lassen: "Hat nicht auch Salman Rushdie die Messe besucht, noch in Hochzeiten der Fatwa-Bedrohung?  (…) Nun ist es Jasmina Kuhnkes gutes Recht, als Opfer von Rassismus ihren Auftritt abzusagen, genauso wie es ihr frei steht, offen anzuklagen, dass sie bedroht wird. Aber gerade eine Autorin sollte doch die hermeneutische Genauigkeit und das Gespür für chronologische Abläufe besitzen, rhetorisch aus einem neurechten Verlagsstand als solchem nicht einen Nazi-Aufmarsch zu machen und daraus dann eine Legitimation für einen Boykott zu begründen; zu suggerieren, die Buchmesse bereite geradezu bereitwillig Rassisten eine breite Bühne, ist schlicht unredlich. Letztlich zeigt sich eine Verschiebung: wie der aufgeklärte Öffentlichkeitsbegriff angegriffen wird durch die Impulse einer aktivistischen Mobilisierung, die lieber absagt statt hinschaut."

Genau nach dieser Form von Aufmerksamkeit, die ihnen in den letzten Tagen zuteil wurde, gieren die rechten Verlage, schreibt der Schriftsteller Tijan Sila auf Facebook. Widerstand gegen Rechte ist sinnvoll, aber man sollte ihnen dabei nicht einfach nur Schlagzeilen und Raum liefern: "Jede Sekunde der PR, die die drei Rechten gestern bekamen (sie schafften es sogar ins Fernsehen, einer trug ein Rammstein-Shirt), ging auf Kosten von Schriftsteller:innen."

Nur ein Viertel der Aussteller ist dieses Jahr auf der Messe anwesend und auch sonst ist eine veränderte Stimmung spürbar, notiert Paul Jandl in der NZZ: "Die Schwerpunkte verschieben sich. Literarische Autoren müssen mit ihrer Biografie zunehmend für das geradestehen, was sie da schreiben. Das Identitätsthema ist das trojanische Pferd des Büchermachens. Es trägt eine Weltoffenheit in sich und zugleich Tendenzen der Abschottung. (…) Jo Lendle, Chef des Hanser-Verlags, meint zu den Debatten: 'Wie gehen wir mit Empfindlichkeitsbewegungen um? Kann man sich noch auf Zentren einigen, oder adressieren wir eigentlich nur noch voneinander unabhängige Bubbles?'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.10.2021 - Kulturmarkt

Einige Autorinnen boykottieren die Buchmesse, weil sie zum "Blauen Sofa" eingeladen sind und dort in der Nähe sehr prominent ein rechtsextremer Verlag platziert wurde. In der taz berichtet Dirk Knipphals: "In der Tat ist die Präsenz dieses Kleinverlages zu Beginn der Buchmesse das große Thema, das und die Absage ihrer Messeauftritte durch Jasmina Kuhnke, Ciani-Sophia Hoeder und Aminata Touré sowie die Aufrufe, aus Solidarität die Messe zu boykottieren, die in den sozialen Medien zu finden sind. Jasmina Kuhnkes Verlag, Rowohlt, weist darauf hin, dass der Leiter des Verlags Jungeuropa öffentlich die 'Abschiebung' von Jasmina Kuhnke gefordert hat."

Einige der AutorInnen müssen wegen der Bedrohung durch Rechte inzwischen unter Polizeischutz auftreten, weiß Marie Schmidt in der SZ - und findet die Absagen dennoch falsch, da Druck entstehe für AutorInnen, die sich als links und antirassistisch positionieren, "ihre eigene Teilnahme an der Messe wo nicht abzusagen, so zumindest rechtfertigen zu müssen. Von solcher Peer Pressure mag man halten, was man will. Ein schärferes Dilemma besteht darin, dass die Intervention einem bislang unbekannten Kleinverlag unfreiwillig zu Aufmerksamkeit verholfen hat." Außerdem sei es eine Frage des Kartellrechts, ob man rechte Verlage ausschließen kann, erklärt ihr Buchmessendirektor Jürgen Boos: "'Wenn die Frankfurter Buchmesse als marktbeherrschend im Sinne des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen einzustufen ist, wovon wir aufgrund der Größe und internationalen Bedeutung der Veranstaltung ausgehen, dann darf sie Aussteller nicht ohne sachlich gerechtfertigten Grund ausschließen. (...)' Andernfalls könnten sich Akteure, etwa der rechten Verlagsszene, einklagen."

Iris Radisch resümiert für die Zeit den Streit zwischen Verlagen und Bibliotheken um die "Online-Ausleihe". Beide Seiten haben gute Argumente, schreibt sie. Die Verlage wollten eine Gleichstellung von Ebooks und physischen Büchern verhindern: "Bisher gelten nämlich unterschiedliche Regelungen. Während die Bibliotheken aus den gedruckten Neuerscheinungen sofort nach ihren eigenen Wünschen frei auswählen dürfen und diese beim Buchhandel einkaufen, gibt es für elektronische Bücher, die von zentralen Plattformen wie divibib und Overdrive vermittelt werden, häufig Sperrfristen von einigen Monaten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.10.2021 - Kulturmarkt

Deutsche Archäologen haben auch die Osmanen vielfach übers Ohr gehauen, um Antiken nach Deutschland bringen zu können, behauptet Jürgen Gottschlich in seinem Buch "Die Schatzjäger des Kaisers" und bezieht sich dabei auf Briefe, die er im Archäologischen Institut in Berlin fand. Im Interview mit der FR führt er das näher aus: "Das Osmanische Reich war keine Kolonie, aber es war in vielfacher Hinsicht abhängig. Das kam dem Kolonialzustand doch sehr nahe. Das Osmanische Reich war pleite. Es stand unter massivem Druck von Russland, das mehrfach versuchte, über den Bosporus einen Zugang zum Mittelmeer zu bekommen. Die Osmanen brauchten Verbündete - und fanden sie in den Deutschen, die sie dann mit Antiken dafür bezahlten. Deren Erwerb geschah unter Druck und war deshalb unredlich."
Stichwörter: Osmanisches Reich, Mittelmeer

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.10.2021 - Kulturmarkt

Digitalexpertre Enno Park wirft in seinem Steadyblog einen Blick auf die Debatte um die Online-Ausleihe, die bisher vom Standpunkt der Verlage dominiert wird. Es geht im Grunde darum, Ebooks genau so zu behandeln wie physische Bücher, schreibt er und wirft den Verlagen und dem Börsenverein vor, die Sachlage zu verzerren: "So wird vielfach behauptet, dass ein Bereitstellen von E-Books in Bibliotheken direkt bei Erscheinen angeblich die gesamte Branche ruinieren würde, weil das E-Lending wie eine Flatrate funktioniere. Diesen Spin der Verlagslobby hat zum Beispiel gestern auch das 'Heute Journal' unhinterfragt übernommen. Er entspricht aber nicht der Realität: Die Bibliotheken erwerben virtuelle Exemplare von E-Books, die sie immer nur an eine Person gleichzeitig verleihen dürfen."
Stichwörter: Online-Ausleihe, Ebooks, E-Books

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.10.2021 - Kulturmarkt

Das Börsenblatt resümiert den Streit um die Online-Ausleihe von Ebooks aus der Sicht der Buchbranche, die am Samstag in großen Inseraten vor eine Freigabe von Büchern direkt nach dem Erscheinen warnte. Man bezieht sich dabei auch auf Regelungsansätze in der Politik: "Im März 2021 schlug schließlich der Bundesrat vor, Verlage künftig gesetzlich dazu zu verpflichten, alle E-Books bereits bei Erscheinen den Bibliotheken für die digitale Ausleihe zur Verfügung zu stellen. Damit käme man einer lange bestehenden Forderung des Deutschen Bibliothekverbands nach." Der Bibliothekenverband hatte diesen Vorschlag im März begrüßt (hier als pdf-Dokument): "Dazu gehört auch das Recht einer Bibliothek, jeweils ein Exemplar digital für begrenzte Zeit jeweils einer Person ('one copy, one loan') zugänglich zu machen."
Stichwörter: Online-Ausleihe, Ebooks, E-Books

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.10.2021 - Kulturmarkt

Screenshot aus der SZ.
Mit einer doppelseitigen Anzeige werben die Buchverlage in der FAZ und der SZ für ihre Aktion "Initiative fair lesen". Viele bekannte Autoren haben für die Aktion unterschrieben. Die Verlage wehren sich gegen die digitale Ausleihe von Neuerscheinungen in Bibliotheken: "Die erzwungene Online-Ausleihe zu Niedrigpreis-Bedingungen - insbesondere für Neuerscheinungen - wäre ein wirtschaftliches Desaster für alle, die vom Kulturgut Buch leben. Wer die Onleihe für E-Books nahe am Nulltarif fordert, der bedroht die literarische Freiheit in unserem Land."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.09.2021 - Kulturmarkt

Wie genau sich die Frankfurter Buchmesse ausmachen wird, scheint auch nach der gestrigen Pressekonferenz noch nicht ganz klar, berichtet der Buchreport: "Die Messe nannte am Dienstag auch Zahlen: Rund 1.500 Aussteller werden anreisen, dennoch bleiben viele Verlage und Unternehmen fern. Die Messe wird kleiner und auch die Abläufe werden dem Infektionsgeschehen angepasst. Grundsätzlich gilt: Maximal 25.000 Personen dürfen sich pro Tag auf dem Messegelände einfinden." Im Jahr 2019 hatte die Buchmesse laut Wikipedia 7.450 Aussteller.