9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.01.2022 - Kulturmarkt

Die Frankfurter Buchmesse sollte, falls sie nochmal stattfindet, rechtsextreme Verlage grundsätzlich ausschließen, fordert die ehemalige Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth im Interview mit Florian Leclerc von der FR. Das geht ganz einfach, meint sie: "Die Buchmesse sollte die Öffentlichkeit frühzeitig informieren, welche Verlage im Anmeldeverfahren sind. Es würde reichen, rechte Verlagsprogramme in ihrer Hauptlinie zu bewerten, man muss nicht jedes einzelne Buch lesen. Wer ist der Betreiber des Verlags? Ist er mit organisierten rechtsradikalen Kreise verbunden? Wie tritt er im Netz und auf der Straße auf? Das können Historiker:innen, Wissenschaftler:innen und erfahrene Antifaschist:innen ohne Probleme in kurzer Zeit herausarbeiten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.01.2022 - Kulturmarkt

Die Coronakrise hat nicht nur erfolgreichen Theatern mehr geschadet als weniger erfolgreichen, weil die erfolgreichen einen größeren Teil ihrer Einnahmen aus dem Kartenverkauf erzielten, sie hat auch längerfristige Tendenzen offengelegt, schreibt Ralph Bollmann in der FAS. Akteure wie der Würzburger Operndirektor Berthold Warnecke verlangen, "dass die Branche aus der neuen Lage auch neue Konsequenzen zieht. 'Die Pandemie hat gesellschaftliche Entwicklungen beschleunigt, sie hat den Leuten zum Beispiel die Entscheidung abgenommen, ob sie ihr Theaterabo kündigen oder nicht', sagt er. 'Plötzlich war die Möglichkeit da, sich neu zu orientieren.' Im September und Oktober, als die Theater phasenweise ganz ohne Beschränkungen spielen durften, konnte er sogar die reduzierten Plätze in einem baubedingten Ausweichquartier nur mit Mühe füllen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.12.2021 - Kulturmarkt

Für die SZ hat Miryam Schellbach den Schweizer Kampa Verlag besucht, der gerade den Frankfurter Schöffling und den Salzburger Jung-und-Jung-Verlag gekauft hat. (Unsere Resümees) Das Geld für den Kauf habe er sich bei Freunden geliehen, erklärt ihr Verleger Daniel Kampa, der lieber von "Kooperation" sprechen möchte. Der Verlag solle nach dem Prinzip "geteilter Ressourcen" funktionieren: "Die 'Backup-Synergien' kleiner Verlage seien die einzige Antwort auf die Krise des Buchmarkts, sagt Kampa, Kleinstverlage müssten sich zusammen organisieren, den teuren Vertrieb oder die aufwendige Netzwerkpflege teilen, einander helfen bei den komplizierten Lizenzverhandlungen und ein selbstbewussteres Gegengewicht gegenüber den Handelsfilialen und, ja, auch den Onlinehändlern bilden. Die Übernahmen sind so gesehen eine Kampfansage an die Konzentrationen in der Buchbranche."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.12.2021 - Kulturmarkt

Im Interview mit der FR erklärt der Verleger Daniel Kampa, warum es eine gute Sache ist, dass er die Verlage Schöffling und Jung und Jung übernommen hat: "Der Zusammenschluss ist eine Überlebensstrategie. Wir wollen unsere Zukunft sichern. Damit literarische Verlage auch in fünf oder zehn Jahren noch existieren. Es geht hier nicht um Wachstum. Mein Verlag ist so groß wie Schöffling, wir sind acht Leute und wollen auch nicht zu groß werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.12.2021 - Kulturmarkt

In der "Pléiade", der berühmten Klassikerbibliothek bei Gallimard, ist gerade unter dem Titel "L'Espèce humaine" ein Band mit wichtigen Erinnerungstexten an das Lagersystem der Nazis erschienen (unser Resümee). In der FAZ erinnert Jürg Altwegg an den Verleger Jacques Schiffrin, der die Pléiade erfunden hatte und sie bis 1940 leitete: "Die Umstände von Schiffrins Ablösung durch Jean Paulhan aber bleiben schleierhaft. Der Historiker Amos Reichman schildert sie in seiner soeben erschienenen Biografie 'Un éditeur en exil' (Le Seuil): Im November 1940 hatte Gaston Gallimard Schiffrin, der seit 1927 französischer Staatsbürger war, entlassen, weil er Jude war. Schiffrin konnte über Marokko nach Amerika fliehen. In New York tat er sich mit dem deutschen Verleger Kurt Wolff zusammen, der im Exil den Verlag Pantheon Books gründete - den später André Schiffrin leitete, der Sohn des Pléïade-Pioniers." Dessen Erinnerungen übrigens bei Wagenbach (siehe Literatur) erschienen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.12.2021 - Kulturmarkt

Bruce Springsteen hat offenbar seine kompletten Rechte an Sony Music verkauft - für eine Summe von einer geschätzten halben Milliarden Dollar, berichtet Benjamin Fischer in der FAZ. "Der Verkauf hatte sich angebahnt, nicht zuletzt angesichts des Ansturms von Finanzinvestoren wie KKR, Blackstone oder Apollo Global Managment auf Rechte an Werken etablierter Künstler, der das schon hohe Preisniveau weiter befeuert. Billboard hatte schon Anfang November über Gespräche berichtet, ohne dass beide Seiten diese kommentierten. Im Falle von Springsteen galt Sony Music allerdings vor allem mit Blick auf die Rechte an den Aufnahmen stets als Favorit für den Zuschlag. Denn Springsteen arbeitet seit 1972 mit dem Sony-Label Columbia Records zusammen. Alle seine Alben sind über dieses erschienen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.12.2021 - Kulturmarkt

Wie wenig der Kunstmarkt mit Kunst zu tun hat, lernt man in Kolja Reicherts Buch "Kryptokunst", schreibt Miryam Schellbach in der SZ. Dabei gehören heute einige der angebotenen Bilder in diesem Bereich zur teuersten Kunst überhaupt. "Jeder kann seine Kunstware als NFT anbieten. Bisher, so schreibt Reichert, ist 'Krypto-Kunst weitestgehend frei von ästhetischem oder konzeptuellem Orientierungssinn', was eine freundliche Formulierung dafür ist, dass hier ein Warhol-PDF unsortiert neben dem Spontan-Selfie einer Unbekannten feilgeboten werden kann. Was davon Kunst ist, wird dann, so ist Reicherts abgründige Beobachtung, einzig und allein dadurch bestimmt, ob es sich zu guten Preisen verkauft, 'die zum historischen Ereignis hochgejubelte Transaktion konstituiert erst das Werk'."

Kryptokunst wird über NFTs verkauft, sogenannte "non-fungible token". Damit kann man auch Filme produzieren, erklärt ebenfalls in der SZ Andrian Kreye. "Das ist vor allem eine basisdemokratische Form des Wirtschaftswesens, bei der sich Computer zusammenschließen und ein System von Vertrauen und Kontrolle automatisieren. Das eliminiert die traditionellen Mittelsmänner wie Banken, Regierungen und Aufsichtsbehörden und überträgt alle Macht dem Kollektiv der Nutzer und Maschinen", so Kreye. Der Filmproduzent Niels Juul will die nächsten Filme von Martin Scorsese so produzieren, so Kreye. "Wobei man alle möglichen Funktionen in so ein NFT einbauen kann. Zum Beispiel, dass die Produzenten und Filmschaffenden an jedem Weiterverkauf beteiligt werden. Was die beiden aber auch erobern, ist eine vollkommen neue Generation Investoren." Juul jedenfalls ist begeistert: "Ich werde zu Marty und all meinen alten Freunden in Hollywood zurückgehen und sagen: Leute, das ist es. Ihr könnt direkt mit eurem Publikum sprechen, und sie können eure Investoren sein. Und ich denke, das ist Demokratisierung und Dezentralisierung." Es gab schon unauffälligere Versuche, Leuten Geld aus der Tasche zu plaudern.

Bei Monopol berichtet Daniel Völzke über die App Clubhouse, die vor einigen Monaten als der neue heiße Scheiß vorgestellt wurde und heute kaum noch jemanden hervorlockt. "Was die Kunstwelt angeht, war Clubhouse indes vor allem der Nebeneffekt eines größeren Hypes: In der App wurde endlos diskutiert, was NFTs sind, wie sie die digitale Kunst verändern und ob sie den Kunstmarkt demokratisieren können. Mehr als einmal wurde in einem Panel die Ansicht vertreten, dass NFTs Galerien und Kunstmessen überflüssig machen würden". Das ist bisher nicht passiert, dafür gleicht das Clubhouse heute "selbst einer Ruine, nur dass bloß noch Kommunikationslüftchen statt Winde hindurchwehen".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.12.2021 - Kulturmarkt

Die Leipziger Buchmesse ist der festen Überzeugung, dass sie stattfinden wird (und zwar vom 17. bis 20. März 22), meldet der Buchreport: "Bis Wochenanfang hatten sich laut Buchmesse über 70 Prozent der Aussteller (im Vergleich zum Endstand 2020) mit eigenem Stand angemeldet. Da täglich noch weitere Anmeldungen eingingen, erwartet man aber noch eine höhere Auslastung. Eine Standbuchung ist bis 4 Wochen vor der Messe möglich, so noch Ausstellungsflächen verfügbar sind."
Stichwörter: Leipziger Buchmesse

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.12.2021 - Kulturmarkt

Gerade hatte der Kampa Verlag den österreichischen Verlag Jung und Jung übernommen (unser Resümee), da kommt die Meldung, dass auch Schöffling nun zum Kampa-Portfolio gehört. Claus-Jürgen Göpfert verbindet sie in der  FR mit einem liebevollen Porträt des Verlegers Klaus Schöffling und des Verlags: "Tatsächlich ist Schöffling ein Verlag mit nur wenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geblieben, die dafür mit großem Engagement zu Werke gehen. Als das Unternehmen 2016 den mit 50.000 Euro dotierten Binding-Kulturpreis erhielt, kam im Kaisersaal des Frankfurter Römers das gesamte Team auf die Bühne. Gerade einmal zehn Personen zeigten sich da zur Überraschung des Publikums."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.11.2021 - Kulturmarkt

Im Gespräch mit Jochen Knoblach von der Berliner Zeitung spricht Hartwig Masuch, Chef der Bertelsmann Music Group, überaus kritisch über seine Kollegen von der Musikindustrie und ganz besonders über die Majors wie Universal, Sony und Warner. Das Streaming hat für ihn das Musikbusiness verbessert. Dass die Musiker aber aus dem Streaming so wenig Geld beziehen, liegt laut Masuch nicht an Spotify, "sondern an den Verträgen mit der Musikindustrie. Wenn vor Jahren jemand einen Vertrag unterschrieben hat, der ihm oder ihr fünf Prozent vom Verkaufspreis einer Schallplatte zusicherte, dann war das okay. Denn der größte Teil des Umsatzes ging nur dafür drauf, Platten zu pressen und in die Läden zu bringen. Es gab auch fette pauschale Abzüge für Retouren, kaputte Platten und Verpackungen, sogar eine Technologie-Abgabe für die CD. Diese Kosten gibt es im Streaming-Geschäft aber nicht mehr. Also sind fünf Prozent nicht mehr okay." Masuch plädiert für einen Anteil der Musiker von fünfzig Prozent.