Heute vor hundert Jahren stellte sich die neu gegründete
Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, die vier Tage zuvor noch Deutsche Arbeiterpartei hieß, im Münchner Hofbräuhaus vor,
erinnert Arno Widmann in der
FR. "Man hört immer wieder, die
Weimarer Republik sei von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen. Nichts falscher als das. Deutschland gehörte zu den wenigen nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen Demokratien, die das erste Jahrzehnt überlebten. ... Der
Hals wurde ihr gebrochen, als superschlaue Reaktionäre glaubten, die Nationalsozialisten am Nasenring durch die Arena führen zu können. Davor hatte es noch eine Weltwirtschaftskrise gegeben. Die Nazis haben im Jahr 1933 die Macht nicht ergriffen. Sie ist ihnen
zu Füßen gelegt worden. Von denen, die die Demokratie seit 1930 schon untergraben hatten."
Wie clever die Nazis dabei vorgingen, geschickt
linke und rechte Elemente nutzend,
beschreibt in der
NZZ der Historiker
Hans-
Ulrich Thamer: "Die Begriffe 'national' und 'sozialistisch' sollten nach dem Willen Hitlers und seiner Entourage im Parteinamen zusammen erscheinen, um durch die Verbindung von politisch Gegensätzlichem
Aufmerksamkeit zu erzeugen, um zu provozieren, um den Gegnern
Anhänger und Themen zu entwinden. ... In der neuen Parteifahne, der Hakenkreuzfahne, wurden Elemente der Tradition und der Revolution verbunden. Erinnerte doch
Schwarz-
Weiß-
Rot an die alten Reichsfarben, der dominierende
rote Grund nahm hingegen Anleihe bei den Farben der revolutionären Arbeiterbewegung; das
Hakenkreuz stammte aus dem völkisch-antisemitischen Symbolhaushalt und war in München bis dahin von der völkischen Thule-Gesellschaft, einer Keimzelle der DAP, verwendet worden. Hitler verstand es als Symbol für den Kampf und den Sieg des 'arischen Menschen': Es sollte den Anhängern immer wieder das Kernelement der NS-Ideologie vor Augen führen - den 'Rassenantisemitismus'."