Spätaffäre

Klanglandschaften der Wildnis

Vorschläge zum Hören, Sehen, Lesen. Wochentags um 17 Uhr
14.04.2014. In der New York Times erinnert John Jeremiah Sullivan an unbesungene Blues-Heroinen. Telerama interviewt die Schriftstellerin Maïssa Bey zu den Wahlen in Algerien. die Autorin 3sat zeigt in seiner Mediathek die "Arabella" aus Salzburg. Der Deutschlandfunk sucht mit dem Klangforscher Bernie Krause den Ursprung der Musik. Und im SWR stellt Wolfgang Krieger klar: Geheimdienste tun nur das, was die Regierung von ihnen verlangt.

Für die Ohren

In einem Feature für den SWR bringt der Historiker und Geheimdienstexperte Wolfgang Krieger Licht in die dunkle Welt der Geheimdienste. Aus dem Programmtext: "Historische Weitsicht ist offenbar keine Stärke der Geheimdienste, wie auch die Umbrüche in der arabischen Welt belegen. Erfolgreich sind sie dagegen in der Technik, von der satellitengestützten Rüstungskontrolle bis zur Totalüberwachung des Internets. Deshalb ist es auch eine Illusion zu glauben, das Internet könne spionagefrei werden. 'Wir werden uns nicht dafür entschuldigen, dass unsere Geheimdienste effizienter sind als andere', erklärte Obama im Januar. Damit bestätigte er auch: Anders als oft behauptet wird, entwickeln Geheimdienste kein 'Eigenleben' - sondern tun das, was die jeweilige Regierung von ihnen erwartet." In der Mediathek des Senders steht das Feature zum Nachhören bereit. (29 Min.)


Der Musiker und Naturforscher Bernie Krause hat im Herbst letzten Jahres mit "Das große Orchester der Tiere" ein hervorragend besprochenes Buch über den Ursprung der Musik in der Natur veröffentlicht. Michael Langer hat für den Deutschlandfunk ein Feature über den Autor gemacht: "Für ihn liegt der Ursprung der Musik in den Klanglandschaften der Wildnis, die er wie kein Zweiter akustisch akribisch dokumentierte. Auf seinen Reisen sammelte er über 15.000 Tierstimmen und nahm rund 4.000 Stunden Soundscapes auf in unberührten Habitaten - von denen übrigens etwa die Hälfte bis heute verschwunden sind. Wie es um einen Lebensraum bestellt ist, das hört einer wie Krause inzwischen schon am Klang." Hier zum Mithören (50 Minuten)

Für die Augen

In den Feuilletons ist Florentine Kleppers in Salzburg inszenierte, von Christian Thielemann dirigierte Strauß-Oper "Arabella" gründlich durchgefallen. Ob die Kritiker mit ihrem Urteil richtig lagen, lässt sich für Zuhausegebliebene via 3sat nun immerhin nachvollziehen. Dort findet sich eine Live-Aufzeichnung der Premiere in voller Länge. (176 Minuten)

Für Sinn und Verstand

Alle wissen, dass sich in Algerien nichts ändern wird“, erklärt die algerische Schrifstellerin Maïssa Bey in einem Interview mit Telerama zur politischen Situation in ihrem Land wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl. Doch trotz aller Resignation sei die Stimmung heute eine vollkommen andere als vor den letzten Wahlen. „"Bis zu diesen letzten Monaten hatten alle, mich eingeschlossen, die alten Reflexe. Wir haben uns, ein wenig hysterisch, gesagt, dass sie die Macht und sämtliche Mittel hätten, diese bis in alle Ewigkeit zu festigen. Deutlich gesagt: dass es zwecklos ist, dagegen aufzubegehren. Im Privatbereich hatten wir die Muße, unserer Missstimmung Ausdruck zu verleihen, aber das hat nie auf den öffentlichen Bereich übergegriffen. Heute äußern sich kritische Stimmen in den sozialen Netzwerken, auf der Straße. Sie verschaffen sich zunehmend Gehör, jeden Tag lauter.“"

John Jeremiah Sullivan zeigt, was ein mit Film, Foto und Audiosnippets interaktiv gestalteter Essay alles kann. Zum Beispiel auf grandiose Weise die Geschichte zweier Frauen erzählen, Elvie Thomas und Geeshie Wiley, die mit drei Blues-Platten und zwei Songs, "Motherless Child Blues" und "Last Kind Words Blues", aufgenommen 1930/31, die afroamerikanische Musik des 20. Jahrhunderts mit beeinflusst haben, aber fast vollständig in Vergessenheit gerieten. Sullivan schildert, wie damals Jazz, Country und Blues auf Schellack vertrieben wurden, nämlich als Accessoire in Möbelgeschäften. Aufgenommen wurde in den kalten, feuchten, scheunenartigen Studios der Paramount, die Fenster mit Decken verhängt, auf dem Boden dicke Teppiche: "Ein dunkler, pelziger Schuhkarton, schlimmer Ort, um Musik aufzunehmen. Die Künstler bekamen Alkohol, um sich aufzulockern. Die Aufnahmetechnik war ein Monster, elektrisch, aber vom Anschein her akustisch. Man sang in einen riesigen hölzernen Trichter, der den Sound zu einem Mikrofon leitete … Nach jedem aufgenommenen Song mussten die Toningenieure das System aus Gewichten und Riemenantrieb neu justieren. Die Eigenwilligkeiten des Systems sind auch zu hören, etwa nach den ersten 2/3 von 'Motherless Child Blues', wenn das Tempo sich plötzlich leicht ändert."
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