Spätaffäre

Institutionalisierte Ungerechtigkeit

Vorschläge zum Hören, Sehen, Lesen. Wochentags um 17 Uhr
05.03.2014. Jack Nicholson reitet durch die Wüste von Utah. Helene Hegemann und Inga Humpe durch das Nachtleben von Berlin. 16 Prinzessinnen, Gräfinnen und Baroninnen geben sich im Schloss Ehreshoven die Ehre. Arundhati Roy erklärt, warum Gandhi immer ein Brahmane blieb. Und Letras Libres erzählt, wie der illegale Bergbau Peru vergiftet.

Für die Augen

In voller Länge bei Netzkino: "Ride in the Whirlwind", ein spröde inszenierter New-Hollywood-Western aus dem Jahr 1966 vom großen Outsider-Regisseur Monte Hellman. In einer Hauptrolle ist der blutjunge Jack Nicholson zu sehen, der auch das Drehbuch verfasste. (Deutsche Synchronfassung, 79 Min.)



Und bei Arte: Berliner Nachtleben in Geschichte und Gegenwart, Inga Humpe und Helene Hegemann klären auf. 53 Minuten.

Für die Ohren

Die eigene Geschichte kann einem ganz schön exotisch werden, zumal wenn sie in Rudimenten noch gegenwärtig ist. "1920 wurde das Damenstift für 'bedürftige, ledige, katholische, adlige Fräuleins' in Schloss Ehreshoven gegründet", annonciert der SWR. Und noch heute leben dort 16 Prinzessinnen, Gräfinnen und Baroninnen. 55 Minuten dauert Anja Kempes Feature.

Deutschlandradio Kultur brachte in einer Ursendung das Hörspiel "Das Geld" nach dem gleichnamigen Roman von Émile Zola - in drei Teilen in der Bearbeitung und Regie von Christiane Ohaus. Zolas Roman von 1891 erzählt vom Börsenwahn des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Pariser Börse gleicht einem aufgeregten Ameisenhaufen: ein ewiger erbitterter Kampf um den Aktienkurs (jeweils 55 Min.).
Stichwörter: Hörspiel, Emile Zola

Für Sinn und Verstand

The Caravan veröffentlicht einen langen Auszug aus einem "buchlangen" Vorwort von Arundhati Roy von Bhimrao Ramji Ambedkars Essay "Annihilation of Caste", der darin 1937 die Abschaffung der Kasten gefordert hatte. Roy stellt zwei Personen einander gegenüber: Mahatma Gandhi, Brahmane von Geburt, der trotz bescheidenem Auftreten für den Erhalt eines Kastensystems eintrat und sich zum Beispiel als Anwalt in Indien vehement dafür einsetzte, dass die Inder von den Briten besser behandelt werden sollten als die Schwarzen. Und Ambedkar, Unberührbarer von Geburt, der die Verfassung Indiens mitschrieb und in "Annihilation of Caste" die zersetzende Wirkung des Kastensystems beschrieb: "'Annihilation of Caste' wird oft (sogar von Anhängern) als Ambedkars Utopia beschrieben - als unmöglicher, unausführbarer Traum. Er rolle einen Felsen die Klippen hinauf, sagen sie. Wie kann man von einer Gesellschaft, die so durchtränkt ist von Religion und Aberglauben, erwarten, dass sie sich einer solchen Attacke gegen ihre tiefsten Überzeugungen öffnet? Schließlich ist für Millionen von Hindus aller Kasten, Unberührbare eingeschlossen, der praktizierte Hinduismus eine Art zu leben, die alles durchdringt - Geburt, Tod, Krieg, Ehe; Essen, Musik, Dichtung, Tanz. Es ist ihre Kultur, ihre Identität. Wie kann man dem Hinduismus abschwören, nur weil das praktizierte Kastensystem in den grundlegenden Texten, die die meisten Menschen nicht mal gelesen haben, gebilligt wird? Ambedkars Gegenargument ist: wie kann man nicht abschwören? Wie kann eine solche institutionalisierte Ungerechtigkeit, selbst wenn sie von den Göttern festgelegt wurde, für irgendjemanden akzeptabel sein?"

Drogenhandel war gestern, berichtet Ralph Zapata Ruiz in Letras Libres: "Illegaler Bergbau ist in Peru mittlerweile die wichtigste gesetzeswidrige Tätigkeit. Damit werden etwa drei Milliarden Dollar Umsatz erzielt, 600 Millionen Steuern unterschlagen und um die 500 Tausend Menschen beschäftigt." Mit katastrophalen Folgen für die Umwelt: "50.000 Hektar ehemaliger Wald sind inzwischen verseuchtes, totes Land, vor allem in der Region Madre de Dios. (…) Für jedes dort gewonnene Kilo Gold werden 2,8 Kilo hochgiftiges Quecksilber  aufgewandt, die anschließend in die Flüsse und damit in die Nahrungsmittelkette gelangen. Vom Fischverzehr wird in diesem Gebiet mittlerweile abgeraten. Gekauft wird das Edelmetall von Großhändlern wie Oro Fino, Mega La Red und As Perú, die es auf eigene Kosten verfeinern und in die Schweiz weiterverkaufen, wo Uhren und Schmuck daraus hergestellt werden. Der peruanische Präsident Ollanta Humala sieht sein Land derweil auf dem Weg, einer der wichtigsten Bergbauproduzenten der Welt zu werden."